Keine Zeit, alles voller Termine, Dauerdruck im Beruf, man kann rumfragen, bei wem und wo man gerade will: Alle haben zu viel zu tun. Zumindest die Generationen X und Y. Was die Generation Z und ihre Einstellung zur Arbeit betrifft, sieht das Bild angeblich anders aus: arbeitsunwillig, bequem, anspruchsvoll seien die Zoomer von heute. Vermutlich ein Vorurteil der Boomer.
Wie auch immer: Tobias Fend und seine Mitspieler:innen im Stück Sonntag, Johanna Köster, John Kendall und Gregor Weisgerber, gehören definitiv zur Generation Krampfer. Sie rennen, treiben sich an, hetzen über die Bühne, dass der ehrwürdige Bretterboden im Trogner Kronensaal, wo das Stück Ende April gastierte, knurrt und knarrt.
Im Hamsterrad
«Nichts passiert, wenn ich nichts mache» heisst das Kommando in der Auftaktszene, atemlos skandiert in altmodischen Knittelversen mit englischen Einsprengseln, bis einer die Reissleine zieht: «Sunday ist, ‘s wird nicht geschafft». Aber der Sonntagszwang passt nicht in die Logik der Arbeits-Hochleistungsgesellschaft – also weiter im Hamsterrad!
In sieben Bildern entwirft und karikiert das neue Stück der freien, in Ausserrhoden und im Bregenzerwald heimischen Gruppe Café Fuerte diese Arbeitsrealität. Als Intermezzi zwischen den Spielszenen eingeschoben sind pantomimische Posen des Nichtstuns, ein amüsantes Bestiarium der Langeweile.
Nichts passiert, wenn ich nichts mache: Gregor Weisgerber, John Kendall, Johanna Köster und Tobias Fend (von links).
Die Assistentin eines Firmen-CEOs sitzt ihre Arbeitszeit beschäftigungslos ab – Zeit, die nicht mehr ihr gehört, verkauft an den Arbeitgeber, auch wenn er ihr keine Arbeit gibt. Einer ist gerade entlassen worden und erzählt vom Glück des Arbeitens – egal was, «man kann immer etwas tun». Ein anderer jettet von Fototermin zu Fototermin und kennt nur eins: Erschöpfung.
Zeit ist Macht
Wer über die Zeit herrscht, beherrscht die Menschen. Die Journalistin jagt ihrer Story nach, getrieben vom Chefredaktor, bis sie ein Unfall aus der Bahn und ins Krankenhaus wirft – und ihr ein Stück Zwangs-Freiheit zurückgibt. Einen anderen, ehemals Förster, hat die Mechanisierung zum Sklaven der Maschine gemacht – der Holz-Vollernter legt einen ganzen Wald um, wo vorher Menschenarbeit gefragt war.
Sonntag wird, nach einer ersten Tournee im April, ab 21. Juni weitergespielt, in Dornbirn, im Kleinwalsertal, in Urnäsch und in Bludenz.
cafefuerte.at
In der wirbligen Inszenierung von Danielle Fend-Strahm genügen wenige bescheidene Requisiten. Stühle, Tisch, Kissen, ein Kleiderständer und ein paar Playmobil-Figürchen verwandeln sich in immer neue und zunehmend monströsere Kulissen der Arbeitswelt, bis hin zum Windrad, das sich einer in tausenden Stunden Freizeit selber gebaut hat und das in einem halsbrecherischen Sturm am Ende zusammenbricht wie der Traum von einem erfüllenden und selbstbestimmten Arbeitsleben.
Das Stück, verfasst von Schauspieler Tobias Fend, zeigt mit Sprachwitz und Sarkasmus die Schattenseiten einer irrgewordenen Leistungsgesellschaft auf, in der Arbeit ebenso zum Alptraum wird wie die arbeitsfreie Zwangsruhe. Am Ende gibt es jedoch einen Lichtblick – die Hände der vier Spieler:innen werden zum lebendigen Instrument, fangen an, gemeinsam statt allein zu handeln und zu werken. Und merken: This is Sunday.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
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Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
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Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht