Die schmucken Häuschen im Appenzeller Stil sind etwas in die Jahre gekommen; aber vor 70 Jahren wurden sie für eine ähnliche Aufgabe erstellt, die sie jetzt in der aktuellen Flüchtlingssituation wieder wahrnehmen können: die Aufnahme kriegsgeschädigter Kinder und Jugendlicher.
Der Ausserrhoder Landammann und Vorsteher des Departements Gesundheit und Soziales, Matthias Weishaupt, sagt vor den Medien: «Die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi verfügt über die geeignete Infrastruktur und stellt dem Kanton zwei Häuser zu einer reduzierten Miete zur Verfügung. Damit finden bis zu 30 Jugendliche eine Unterkunft.» Betreut werden die jungen Menschen durch den Verein Tipiti.
Gesellschaftliche und berufliche Integration
Weishaupt verweist auf die Regelung zwischen dem Bund und den Kantonen bei der Unterbringung und Betreuung solcher Flüchtlinge. «Weist der Bund Appenzell Ausserrhoden unbegleitete Jugendliche zu, werden diese für die ersten Monate im Kinderdorf Pestalozzi untergebracht und durch den Verein Tipiti betreut.» Danach würden sie in ebenfalls begleitete Jugendwohngruppen in den Gemeinden wechseln. Eine Ausnahme bildeten Kinder unter 14 Jahren, die direkt in einer Pflegefamilie unter gebracht und ebenfalls durch den Verein Tipiti begleitet würden.
Das Angebot sei unabhängig vom migrationsrechtlichen Status der Jugendlichen, betont Weishaupt. Bei der Umsetzung des Konzepts gehe es um die Beachtung individueller Bedürfnisse, aber auch um die gesamtheitliche Betrachtungen der gesellschaftlichen und beruflichen Integration. An der Finanzierung beteiligen sich der Bund, der Kanton und die Gemeinden.
Unversehrtheit schützen
Kinder und Jugendliche geniessen einen besonderen Schutz: Die Bundesverfassung, das Bundeszivilrecht sowie die UN-Kinderrechtskonvention verpflichten den Staat, ihre Unversehrtheit zu schützen und ihre Entwicklung zu fördern. Ausserhalb ihres Herkunftslandes und getrennt von beiden Elternteilen erfordern die Schutzbedürfnisse von Kinder und Jugendliche besondere Beachtung.
Neu für Appenzell Ausserrhoden ist das einheitliche Unterbringungs- und Betreuungskonzept mit altersgerechter Infrastruktur. Zur Zeit sind in der Obhut des Kantons 21 unbegleitete minderjährige Asylsuchende und 6 vorläufig aufgenommene unbegleitete Minderjährige. Aktuell sind die insgesamt 27 Personen im Asyl-Durchgangszentrum Landegg in Lutzenberg und im Thurhof in Oberbüren (SG) untergebracht.
Schulische und berufliche Ausbildung
«Im Pestalozzidorf sollen die Kinder und Jugendlichen vor allem integriert und auch auf eine spätere Rückkehr in ihre Heimat vorbereitet werden», sagt Rolf Widmer, operativer Leiter beim Verein Tipiti. An erster Stelle stehe die schulische und berufliche Ausbildung. Tipiti hat laut Widmer mit dem Konzept gute Erfahrungen bei jugendlichen Kriegsflüchtlingen aus Bosnien gemacht. Rund 75 Prozent seien mit einer Ausbildung wieder in ihr Herkunftsland zurückgekehrt.
Urs Egger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, hebt die Erfahrungen hervor, die das Kinderdorf über mehrere Jahrzehnte mit der Betreuung von kriegsvertriebenen Jugendlichen habe sammeln können. Dass sich nun drei Partner für die Unterbringung unbegleiteter asylsuchender Jugendlicher zusammenfinden, sei etwas sehr Positives.
Fast tausend minderjährige Flüchtlinge
Seit 2013 steigen die Zahlen unbegleiteter asylsuchender Jugendlicher in Europa dramatisch an. Nach einem Bericht von Fernsehen SRF im vergangenen September sind allein 2015 fast tausend minderjährige Flüchtlinge ohne Begleitung durch Erwachsene in der Schweiz angekommen. In der Verwaltungssprache tauchen sie als MNA (mineurs non accompagnés) auf. Vielfach sind sie schwer traumatisiert und im Asylverfahren total überfordert.
Sache der Kantone
Unterbringung und Betreuung der MNA überlässt der Bund weitgehend den Kantonen. Es gibt unterschiedliche Konzepte. Negativ aufgefallen ist im letzten Jahr der Kanton Baselland. Er hat die unbegleiteten Kinder und Jugendlichen zusammen mit Erwachsenen in Asylzentren untergebracht, so dass diese oft Zeugen von Streitereien und Alkoholmissbrauch geworden sind. Die noch Schulpflichtigen hatten in den Zentren keine Rückzugsmöglichkeiten, um in Ruhe Hausaufgaben machen zu können.
Im Gegensatz zu Deutschland gibt es in der Schweiz kaum wissenschaftliche Studien zur Lebenssituation von jungen Flüchtlingen. Vor allem die Auseinandersetzung mit der rechtlichen und psychologischen Seite liegt im Argen. Im Asylverfahren haben die Jugendlichen das Anrecht auf die Bereitstellung einer Rechtsvertretung, eines Beistandes oder Vormunds. In vielen Fällen klappt das aber nicht oder nur schlecht.
Streit um Altersbestimmung
Vielfach können unbegleitete minderjährige Asylsuchende ihr Alter nicht konkret belegen. Gibt es diesbezüglich Zweifel beim Staatssekretariat für Migration (SEM), wird versucht das Alter mit der Handknochenanalyse festzulegen. Die Methode ist wissenschaftlich umstritten und hat jetzt dazu geführt, dass sich verschiedene kinderradiologische Abteilungen an den Spitälern weigern, solche Untersuchungen an minderjährigen Flüchtlingen durchzuführen.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.