Kategorie
Autor:innen
Jahr

Autobahnanschluss wieder unter Beschuss

Derzeit läuft das Mitwirkungsverfahren zum neuen Autobahnanschluss im Güterbahnhofareal. Die Gegner:innen des Projekts haben am Donnerstagabend in der GBS-Aula nochmal ihre Ablehnung bekräftigt und ziehen auch einen Teil der Verkehrsmodelle in Zweifel.
Von  David Gadze
So stellen sich Bund, Statd und Kanton den neuen Autobahnanschluss am Güterbahnhof vor. (Visualisierung: Bundesamt für Strassen)

«Zukunftsfähige Verkehrswege für die Entwicklung von Stadt und Region.» Dieser Titel war auf einer der Folien zu lesen, die das Bundesamt für Strassen (Astra), die Stadt St.Gallen und der Kanton St.Gallen Mitte November an der Infoveranstaltung zum geplanten Autobahnausbau präsentiert hatten. Anlass war der Beginn des Mitwirkungsverfahrens, bei dem sich die Bevölkerung zu den beiden neuen Anschlüssen im Güterbahnhofareal und in der Liebegg äussern kann.

Nun zogen die Gegner:innen, der Verein gegen den Autobahnanschluss am Güterbahnhof, nach und informierten ihrerseits darüber, welche Nachteile die Realisierung dieser Pläne mit sich bringen würde. Rund 100 Personen waren am Donnerstagabend in die Aula des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrums (GBS) gekommen, um ihre Argumente zu hören.

Viele Argumente und Bestandteile des Projekts waren schon vorher bekannt, aber es gab durchaus auch Neues zu hören. So steht inzwischen fest, dass das östliche Ende des Güterbahnhofgebäudes, unter dem der Tunnelast zwischen dem unterirdischen Kreisel und der St.Leonhard-Brücke verlaufen soll, abgebrochen werden müsste.

Ein «Murks» nicht nur im Güterbahnhofareal

Der ganze Autobahnanschluss sei aufgrund der topografischen Verhältnisse ein «Murks», sagte Vorstandsmitglied Markus Tofalo. Und zwar nicht nur im Güterbahnhofareal selbst, sondern auch teilweise im bebauten Gebiet oberhalb des neuen Feldlitunnels, der von der Stadtautobahn zum Güterbahnhofareal führen soll. An der engsten Stelle, im Vonwil, betrage der Abstand zwischen der Tunneldecke und den Kellerböden der bestehenden Häuser gerade mal 8,5 Meter. Dort wäre also beispielsweise der Bau von Tiefgaragen oder Erdsonden nicht mehr möglich. Oder anders gesagt: Der Feldlitunnel würde auch in jenem Teil der Stadt die künftigen Entwicklungsmöglichkeiten diktieren, wie es der Stephanshorntunnel bereits heute tut.

Auch das Argument der Befürworter:innen, wonach unterirdische Strassen neue oberirdische Nutzungen ermöglichen würden, treffe im Güterbahnhofareal – immerhin die grösste innerstädtische Entwicklungsfläche – nicht zu. Denn dort sei die Überdeckung des Tunnels nur rund einen Meter dünn. An jenen Stellen könnten also nicht einmal Bäume gepflanzt werden, da diese Tiefe für eine anständige Wurzel nicht ausreiche, sagte Tofalo.

Ein weiteres grosses Problem sei der Knoten auf der Südseite der St.Leohardbrücke (die um knapp 5,5 Meter verbreitert werden soll, weil es eine zusätzliche Fahrspur braucht). Dort, an den Toren zur Innenstadt, entstehe eine riesige Verkehrsfläche. Die derzeit von den Planern angedachte «Lösung» für die Velofahrer:innen und Fussgänger:innen sei dabei völlig ungenügend, kritisierte Tofalo. Und angesichts der Komplexität der unterschiedlichen Anforderungen, insbesondere jener des Autoverkehrs, ist nicht davon auszugehen, dass sich daran viel verbessern wird. Ganz zu schweigen vom Verkehr, der sich aus dem Autobahnanschluss direkt ins Stadtzentrum ergiessen würde.

Was sagen die Verkehrsmodelle genau aus?

Die Zahlen zur Verkehrsentwicklung präsentierte Stadtparlamentarier Marcel Baur (GLP). Die immer wieder präsentierten Verkehrsmodelle, das wichtigste Argument der Befüworter:innen, seien Augenwischerei. Ausserdem würden sie Widersprüche enthalten: In einer Grafik zeige der Bund für den Abschnitt zwischen der Lustmühle und Liebegg eine Verkehrsabnahme, während in einer anderen für den gleichen Abschnitt mit einer Zunahme zu rechnen sei.

Was interessant ist: Alle Prognosen sagen eine Abnahme des Verkehrs auf den städtischen Strassen beim Bau des neuen Autobahnanschlusses voraus. Diese Zahlen mögen sogar stimmen. Doch sie beziehen sich auf das Jahr 2040, also den geplanten Zeitpunkt der Eröffnung der neuen Autobahnanschlüsse. Dass die Situation zehn Jahre später ganz anders aussehen dürfte, wird geflissentlich verschwiegen. Es ist jedenfalls nicht anzunehmen, dass das Astra keine Prognosen für 2050 hat.

Betroffene Strassen schon vorher aufwerten

Stadtparlamentarier Christian Huber (Grüne) betonte, dass es – entgegen der Behauptung der Stadt – jetzt schon möglich wäre, die Teufener Strasse und die Oberstrasse, die vom Durchgangsverkehr zwischen dem Appenzellerland und dem Stadtzentrum beziehungsweise der Stadtautobahn besonders betroffen sind, umzugestalten. In Köniz sei dies beispielhaft an einer vielbefahrenen Strasse gelungen.

Der Stadtrat wird jedenfalls in den kommenden Monaten darlegen müssen, warum diese Aufwertung angeblich nicht früher erfolgen kann. Ein entsprechender Vorstoss wurde kürzlich eingereicht.

Erster Todesstoss schon 2024 möglich

Ruedi Blumer, Präsident des VCS, warb für das Referendum gegen die geplanten Autobahnausbauten in der Schweiz. Die sechs Projekte sollen insgesamt rund 5,3 Milliarden Franken verschlingen. Das Referendum komme zustande, sagte Blumer, «wir wollen aber nicht das Minimum von 50’000 Unterschriften erreichen, sondern möglichst viele, um ein deutliches Zeichen zu setzen». Die Volksabstimmung findet voraussichtlich schon am 9. Juni 2024 statt, bei einem Nein zu den Ausbauplänen würden alle sechs Projekte auf einmal beerdigt.

Ansonsten gibt es in St.Gallen mindestens eine weitere Volksabstimmung: Gemäss dem aktuellen Zeitplan scheint es realistisch, dass die Stimmberechtigten der Stadt St.Gallen bereits in zwei Jahren über das Projekt abstimmen können werden. Dass Kanton und Bund das Projekt bei einem Nein vorantreiben, gilt als nahezu ausgeschlossen. Falls doch, dürfte es 2028 zu einer Volksabstimmung im Kanton kommen.

Die Bevölkerung kann sich jedenfalls jetzt schon einbringen im Rahmen des Mitwirkungsverfahrens, das bis zum 9. Januar läuft. Diese Rückmeldungen fliessen in die weitere Planung ein. Zum Umdenken in Bern dürften sie jedoch nicht führen. Denn wer im Jahr 2023 neue Autobahnanschlüsse – dazu noch am Rand des Stadtzentrums – als «zukunftsfähige Verkehrswege für die Entwicklung von Stadt und Region» propagiert, ist irgendwo in der Vergangenheit stehengeblieben.

Jetzt mitreden: 1 Kommentar
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.
Robert Hutter,  

Ich meine, es ist heutzutage sehr wichtig, dass wir uns gegen solche überdimensionierte und einseitige Projekte für den Autoverkehr im innerstädtischen Bereich wehren. Es ist offensichtlich, dass die Attraktivitätssteigerung bei den Strasse zu mehr Verkehr führt. Das ist ja eine alte Erfahrung.

Mit 1000 Um­dre­hun­gen durch den All­tags­irr­sinn

Das muss­te ja so kom­men! Es konn­te nicht bei ei­nem blei­ben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zwei­te gros­se, schwe­re Psy­cho­buch von Be­ni Bi­schof. Dar­in ver­wir­belt der Künst­ler er­neut Ei­ge­nes, Frem­des, Be­fremd­li­ches, Be­kann­tes, Neu­es, Un­kennt­li­ches mit lo­cke­rer Hand, Hu­mor und Hin­ter­sinn.

Von  Kristin Schmidt
2606 Psychobuch 2

Auf­he­ben, ver­kau­fen oder zer­stö­ren?

Die Son­der­aus­stel­lung «Bau­stel­le Er­in­ne­rung / ‹Hit­ler ent­sor­gen› – Ar­bei­ten am be­las­te­ten Er­be» im Vor­arl­berg Mu­se­um in Bre­genz be­schäf­tigt sich da­mit, wie ein ver­ant­wor­tungs­vol­ler Um­gang mit Ge­gen­stän­den aus der NS-Ver­gan­gen­heit aus­se­hen kann. Aus­ser­dem be­rät das Mu­se­um Pri­vat­per­so­nen, die sol­che Ge­gen­stän­de be­sit­zen.

Von  Sieglinde Wöhrer
S0 A2501 Ausstellung Baustelle Erinnerung Foto Petra Rainer 1

Ge­trennt ge­mein­sam und mit gu­ter Aus­sicht

For­rer Stie­ger Ar­chi­tek­ten ge­lingt mit dem Drei­fach­kin­der­gar­ten und der Ta­ges­be­treu­ung im Hei­lig­kreuz­quar­tier in St.Gal­len die Qua­dra­tur des Krei­ses.

Von  Ursula Badrutt
01 260504 GBO2602 0101 MAX web

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4