Kategorie
Autor:innen
Jahr

Bassspektakel gegen Blutdiamanten

Simon Grab & Yao Bobby funktionieren grenzüberschreitend, musikalisch wie geografisch. Diesen Samstag sind sie mit ihrer EP «Diamonds» im Palace St.Gallen zu Gast.
Von  Corinne Riedener
Bild: Anne Morgenstern

Kratzen, Wahlgesang, wabernder Bass und dann die furztrockene Nachrichtenstimme aus dem Off: In der unruhigen Demokratischen Republik Kongo schürfen Kinder Tag für Tag nach Diamanten, alles andere als ein Kinderspiel, überwacht und umzingelt von Kalaschnikows. Mit dieser Ansage ist klar, worum es auf der EP Diamonds von Simon Grab und Yao Bobby geht: um die tödliche Diamantindustrie, um soziale Missstände und die Überwindung des Kolonialismus.

«Afrique debout!, Afrique debout!», rappt Yao Bobby in Diamonds, dem Opener der gleichnamigen Platte. Eine Hommage an den im vergangenen März in Abidjan verstorbenen Unabhängigkeitskämpfer und «Vater der Literatur der Elfenbeinküste» Bernard Binlin Dadié. Sein 1950 erschienener Gedichtband «Afrique debout!» hat viel zu seinem Ruf als politischer Literat beigetragen: Dadié hat sich Zeit seines Lebens für ein freies, entkolonisiertes und gleichberechtigtes Afrika eingesetzt.

Lange gewachsene Beziehungsnetze

Die schweizerisch-togolesische Zusammenarbeit von Simon Grab und Yao Bobby hat sich über viele Jahre angebahnt. Die beiden haben sich vor über 15 Jahren im Tonstudio eines gemeinsamen Freundes in Ouagadougou kennengelernt. Yao spielte damals an einem HipHop-Festival mit seiner weitum bekannten Gruppe Djanta Kan. Grab und er hielten Kontakt, Yao gab einige Konzerte in der Schweiz, und letztes Jahr beschlossen sie, die lange angedachte Kombination aus Grabs experimentellen Sounds mit Yaos politischen Raps endlich in die Tat umzusetzen.

 

Grab pflegt schon länger Beziehungen zu Westafrika. Anfang der Nullerjahre produzierte er das Album Bluffing für den ivorischen Sänger Math Doly, mit dem er später auch durch die Bars, Clubs, Radios und TV-Sender der Elfenbeinküste tourte. «Die urbane elektronische Musikszene vor Ort war für mich ausschlaggebend für die folgende Auseinandersetzung mit Musik aus afrikanischen Grossstädten», sagt Grab. Über die Jahre war er immer wieder an Projekten und Tourneen in der Subregion, insbesondere in Ouagadougou beteiligt.

Yao Bobby & Simon Grab: Diamonds. Erschienen bei Lavalava, Bristol UK.

yaobooby.simongrab.com

Simon Grab: Extinction. The soundtrack for the posthuman age, when new species arise an take over the earth. Erscheint Ende Oktober bei -ous Records, Zürich.

Grab ist ein musikalischer Multisassa, komponiert für Filme, fürs Theater, fürs Radio und tüftelt daneben an eigenen Klanginstallationen. Er ist Mitgründer des Zürcher Studios Ganzerplatz, des ebenfalls im grossen Tsüri beheimateten Kollektivs Motherland und ist beteiligt am Projekt Norient, das auch schon öfter Halt gemacht hat im Palace. Am 20. Juni war er zum letzten Mal in St.Gallen zu Gast, im Exrex, wo er mit Bassist Sandro Heule eine ziemlich knackige Noise-Performance zum Besten gab.

Yao Bobby ist ähnlich umtriebig. Der politische Rapper und Aktivist aus Togo wurde als Mitglied der Gruppe Djanta Kan bekannt und hat fleissig am panafrikanischen-HipHop-Mouvement mitgeschmiedet. Ein politkultureller Geburtshelfer quasi. Auf Französisch und Ewe prangert er immer wieder lokale und globale Missstände an; den Kapitalismus, die Ungleichheit, die Gier, und so auch die blutige Diamantindustrie, die zahlreiche gewalttätige Konflikte speist uns schürt.

Vom Studio direkt auf die Bühne

Yao traf sich letztes Jahr mit Grab im Studio für das gemeinsame Projekt, relativ spontan, weil er ohnehin gerade in Europa unterwegs war. «Nach ein paar Stunden Improvisation nahmen wir nicht nur gleich die Tracks auf, sondern gaben auch gleich ein paar Konzerte», sagt Grab. «Die EP entstand komplett aus dem Moment, mit begrenzter Nachbearbeitung, roh, brachial, ungeschliffen.»

Simon Grab & Yao Bobby live:
28. September, Palace St.Gallen (feat. Ossia)

palace.sg

Das beschreibt Diamonds ziemlich gut. Grabs industriell gebautes Soundgerüst rumort, klickt, kratzt, knirscht und wabert vor sich hin. Dazu pulsierende Bässe in allen Variationen und allerlei verdubbte Loops. Und Yao Bobbys hypnotischer, manchmal fast monotoner Sprechgesang, der dank seinem chattigen Flow direkt in die Beine geht. Zusammen ergibt das einen sehr tanzbaren und zeitgenössischen Mix aus Rap, Dancehall und Noise.

Live kommt das noch eine ganze Ecke wuchtiger daher. In Moment lassen Grab und Bobby zusammen mit Dhangsha (von der Asian Dub Foundation) im Studio ihre Sounds und Vocals aufeinander krachen. «Wir versuchen, diesen Spirit der rohen Improvisation auch auf die Bühne zu übertragen», sagt Grab. «Es wird ein sehr basslastiges, pulsierendes, energetisches Ungetüm mit einer Dancehall- und Punkattitüde für die Beine, dröhnenden technoiden Beats für die Bauchgegend und einer Wand von Frequenzen gegen den Alltagsstress – kurz: ein halluzinierendes, sonisches Erlebnis.»

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Von  Philipp Bürkler
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

Tu­bes, Pipe­lines, Cords

Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von  Kristin Schmidt
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Offener Brief an die Bundespolitik

Wir wol­len Rech­te, kei­ne Al­mo­sen

Von  Christoph Keller

In­no­va­ti­on ge­hört zur DNA

Das Fi­gu­ren­thea­ter St.Gal­len wird 70. Was sich ver­än­dert hat, war­um Pup­pen Kin­der wie Er­wach­se­ne fas­zi­nie­ren und wie man auch Ju­gend­li­che er­rei­chen kann: ein Ge­spräch zum Ju­bi­lä­um.

Von  Peter Surber
Hochdruck Crasch Polizei 04665

Mit Sound und Vi­su­als ge­gen den Öko­kol­laps

Die zwei­te Aus­ga­be des au­dio­vi­su­el­len Fes­ti­vals Su­s­ur­rus in der Mü­le­nen­schlucht wid­met sich der «mehr-als-mensch­li­chen» Mit­welt. Mit akus­ti­schen und per­for­ma­ti­ven In­ter­ven­tio­nen er­kun­det das Fes­ti­val neue For­men der Be­zie­hung zwi­schen Mensch und Na­tur. 

Von  Lilli Kim Schreiber
DSC3137

Un­ter­schied und Wir­kung

In der Aus­stel­lung «Die lei­sen Un­ter­schie­de» im Haus zur Glo­cke in Steck­born be­fas­sen sich fünf Künst­ler:in­nen mit der Wahr­neh­mung von Un­ter­schie­den. 

Von  Vera Zatti
03 Schuetz Chraeje n un Gwaage ss Foto

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Cy­borg-Ka­ker­la­ken

Von  Jeremias Heppeler

Fu­rio­ses Klang­ge­wit­ter

Mit dem En­sem­ble TAK aus New York gas­tier­te am Diens­tag ein Neue-Mu­sik-Quin­tett von Welt­rang im St.Gal­ler Kult­bau. Or­ga­ni­siert vom Zy­klus Con­tra­punkt, hät­te der Abend mehr Pu­bli­kum ver­dient. Ein Bubble-Pro­blem?

Von  Peter Surber
Contrapunkt 1 martin fluege

Ne­an­der­tha­ler:in, ge­hüllt in Pink 

Das St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um öff­net in der neu­en Aus­stel­lung «Ste­reo­ty­pes: Ne­an­der­tha­le­rin» den Blick auf die­se Stein­zeit­men­schen. Die Schau mit viel Pink ver­knüpft ge­schickt Spiel mit Wis­sen­schaft und Ver­gan­gen­heit mit Ge­gen­wart.

Von  Vera Zatti
Stereotypes Kulturmuseum 2026 1

Neue Sai­son un­ter be­son­de­ren Vor­zei­chen

Das Thea­ter an der Gren­ze in Kreuz­lin­gen star­tet heu­te in die neue Spiel­zeit. Kürz­lich ver­starb die prä­gen­de Co-Prä­si­den­tin An­na Rink. Aus­ser­dem fällt der bis­he­ri­ge Spiel­ort im Kul­tur­zen­trum Kult-X bis En­de 2027 weg. Wie der Ver­ein die­se Hür­den meis­tert, er­zäh­len Prä­si­den­tin Vro­ni El­len­br­oek und Klaus Okraf­ka aus der Pro­gramm­lei­tung im In­ter­view.

Von  Judith Schuck
Theater an der Grenze Klaus Ofraka und Vroni Ellenbroek

FC St.Gal­len vs. FC Si­on – St. Gal­len un­ter­liegt Si­on mit 0:3

St. Gal­len star­te­te gut in die Par­tie, agier­te aber oft­mals zu um­ständ­lich ge­gen tief ver­tei­di­gen­de Sit­te­ner und blieb letzt­lich glück­los. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Dampf auf dem Kes­sel

Auf sei­nem neu­en So­lo­al­bum the­ma­ti­siert Ma­nu­el Stahl­ber­ger die Über­hit­zung. Die kli­ma­ti­sche, die ge­sell­schaft­li­che, die po­li­ti­sche. Ge­mein­sam mit Bit-Tu­ner hat der St.Gal­ler Mu­si­ker da­für ei­nen düs­te­ren, elek­tro­ni­schen Sound ge­fun­den.

Von  David Gadze
Manuel stahlberger bit tuner heiss pd

Von War­te­häus­chen und ehe­ma­li­gen Te­le­fon­ka­bi­nen

An Klein­bau­ten ge­hen wir oft acht­los vor­bei: Bus­war­te­häus­chen, öf­fent­li­che WCs, nicht mehr ge­brauch­te Te­le­fon­ka­bi­nen oder Feu­er­wehr- und Stras­sen­wär­ter­ma­ga­zi­ne. Ak­tu­ell gibt es da­zu ei­ne Aus­stel­lung im 1. Stock des Rat­hau­ses St.Gal­len.

Von  René Hornung
2 Tramhaeuschen Schibenertor

«Wie ein Vor­film des­sen, was auf uns zu­kom­men könn­te»

Bis 2050 will die Stadt St.Gal­len kli­ma­neu­tral sein. Ka­rin Hun­ger­büh­ler und To­bi­as Fi­scher-Künz­ler von der Dienst­stel­le Um­welt und En­er­gie be­ant­wor­ten Fra­gen zur be­vor­ste­hen­den Kli­ma­wo­che und zum Kli­ma­schutz in der Stadt.

Von  Reto Voneschen , Bilder:  Sara Spirig
2609 Redeplatz Karin Tobias 01

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42