Kategorie
Autor:innen
Jahr

Das plüschrote Juwel


«Gastrecht» heisst die Jubiläumsreihe des Palace St.Gallen zu seinem zehnjährigen Bestehen. Im Oktober ist die Berliner Künstleragentur Planet Rock zu Gast. Saiten lässt dem Palace seinerseits von auswärts gratulieren: Gastautor in diesem Monat ist der Basler Musikjournalist und Veranstalter Chrigel Fisch.
Von  Gastbeitrag , 

Geburtstag, feiern, immer gut! Zum Beispiel letztes Jahr im Sommer: «A One Night Stand – 20 Jahre Fischer & Fisch»-Party in der Kaserne Basel (Frank Fischer und ich waren das Kaserne-Musikbüro 1995–2001). «20» war natürlich gemoppelt, da wir schon lange nichts mehr in der Kaserne machen. Egal, feiern, immer gut. War diese Party nun einfach ein Blick zurück? Auch. Ein Blick nach vorne: nope. Ein Blick tief in die Arschspalte dieser einen Nacht? Genau!

Es macht bei Jubiläen keinen Sinn, sich die alten Knochen mit Nostalgiecreme einzureiben. Besser, man haut die frische Nacht einfach durch den Schredder und schaut, dass es allen gut geht dabei; vor, auf, neben und hinter der Bühne. So geschehen bei diesem schönen «One Night Stand» zu Basel vor einem Jahr. Und sicher auch eine gute Idee für zehn Jahre Palace. Den echten und hochaktiven Musik-Conaisseurs dieses einzigartigen Clubs wünsche ich eine formidable Feier ohne Verfalldatum!

Übrigens spielte an dieser gut geölten Party in der Kaserne auch Jari Antti (Navel) ein paar Songs. Jari war – und so kriege ich endlich den Dreh zur Achse Basel–St. Gallen – schon am 9. November 2006 an der «Townes Van Zandt»-Hommage im Palace mit Coversongs des texanischen Folk-Poeten auf der Bühne zu hören. Dazu las Marcel Elsener einen biografischen Text, ich spielte ein paar Townes-Platten, und später lief ein Konzertfilm ab VHS-Kassette. Jede Menge Bier ging in uns den üblichen Weg. Dies war der Beginn einer schönen Verbindung zu den Palace-Machern, die mit einigen riskanten Navel-Gastspielen für mich zu den Highlights meiner «grossartigen Manager- Karriere» zählt.

Gastrecht 1 – Planet Rock lädt ein: 14. Oktober, 20 Uhr, Palace St.Gallen. Mit Hailu Mergia With Tony Buck & Mike Majkowski (ETH/AUS), Mark Ernestus‘ Ndagga Rhythm Force (SEN/DE) und DJ Fett (DE).

Dieser Novemberabend in der damaligen Fanatorium-Reihe war eine seltene Ehre für mich. Leider hab ich das Monatsplakat nicht mehr, es war nämlich das allererste des Palace – und mein Name drauf! Ist das schon zehn Jahre her? Oder: erst? Wenn ich mich nicht täusche, brachte ich Damian Hohl vom Palace an jenem Abend auch das orange Palace-Brothers-T-Shirt mit, das ich bei Will Oldhams erster CH-Tour (1994, wiederum in der Kaserne Basel) abgestaubt hatte. Irgendwie hängt alles zusammen. Und falls nicht, klebt man es einfach zusammen und sagt: so!

Will Oldham besuchte als Bonnie «Prince» Billy das Palace später leibhaftig, in Fleisch und Blut und Bart. Eine Menge ausserordentlicher Bands hat über die Jahre das Palace so hell erleuchtet, dass es auch in Basel noch als starkes Glimmen wahrgenommen worden ist: Wire, Sleaford Mods, Grizzly Bear, Animal Collective, Mirel Wagner, Tallest Man On Earth, Daniel Johnston, Guz, Göldin & Bit-Tuner, Young Fathers, Acid Arab, Bombino, The XX, Silver Jews, The Notwist, Shabazz Palaces, … puh! Ein stil- und wertvolles Musikprogramm, das ganz weit vorne ist in der mitteleuropäischen Club-Landschaft: Weiss das der gemeine St.Galler eigentlich?

Meine beiden liebsten Clubs ausserhalb Basels pflegen schon einige Jahre eine enge Freund- und Komplizenschaft: das Palace und das Bad Bonn samt Kilbi in Düdingen. In einer erneuten Novembernacht, 2014, verbrachte ich an der «Kilbi an der Grenze» im Palace eine wundersame Nacht, als ich Courtney Barnett erstmals live auf der Bühne erlebte. Und mich sofort verlieb- te in diese slackige Frohnatur mit den entwaffnenden Songs, von der ich zuvor noch nie gehört hatte.

Basel – St.Gallen. Im Zug mittlerweile eine schnelle Achse. Trotzdem ist man nicht alle Tage im Osten. Einen Club wie das Palace würde ich mir in Basel wünschen – ein so offenes Publikum ebenso. Natürlich läuft auch viel in meiner Stadt. Zum Beispiel seit zwei Jahren in der Kaschemme, wo derber HipHop neben Afro-Freak-Sounds, wüsten- zertifiziertem Rock, Dancehall, Techno, Italo-Porn-Funk, Fussball Boogie, japanischer Psychedelic-Kamikaze und lokaler Newcomer-Nerd-Musik funktioniert. Kaschemme – kasch immer!, sage ich gerne. Ein wildes Programm, abseits von Kultur- management-Einerlei und bunten Standort-Marketing-Slogans.

Genauso wie im Palace St.Gallen.

Und jetzt grüsst der Ostschweizer Basler das plüschrote St.Galler Club-Juwel und seine Macherinnen und Macher. Lasst euch nicht auf die Torte spucken!

Die Grundlagen des D.I.Y.-Musikvercheckens erlernte Chrigel Fisch in der Grabenhalle St.Gallen in den 80er-Jahren. Verfeinert wurden sie in Basel in der Kaserne der 90er- und Früh-00er-Jahre. Als Punk-Manager der Laufentaler Rockrakete Navel entdeckte Fisch in den 00er-Jahren bis Ende 2011 die internationale Bühnenwelt. Seither sitzt er Teilzeit im Büro und fördert Bands aus der Region Basel.

Dieser Beitrag erschien im Oktoberheft von Saiten.

Vom Ges­tern in die Zu­kunft tau­chen

Wie stehts heu­te um die Gleich­stel­lung? Und wie war das frü­her? Die Pop-up-Aus­stel­lung «Frau­en­spu­ren im Hal­len­bad» in Gos­sau ar­bei­tet ein Stück Ge­sell­schafts­ge­schich­te auf. Zeigt, wo es heu­te noch hakt, und dass es nicht blei­ben muss, wie es ist.

Von Vera Zatti,
DSC09196

Kolumne: 24/7 Traumacore

Ich bin Bra­ve­he­art (Mel Gib­son ty­pe shit)

Von Mia Nägeli,

Theater

Kein Kom­pli­ment

Von Vera Zatti,
Unreif Presse 05

Von Trans­sil­va­ni­en in den Thur­gau

Jo­han­na und Szi­lamer ar­bei­ten seit vier Jah­ren als Ern­te­hel­fer:in­nen in Fru­thwi­len. In ih­rer Hei­mat Ru­mä­ni­en ist die wirt­schaft­li­che La­ge an­ge­spannt und die kör­per­li­che Ar­beit auf dem Feld sind sie ge­wohnt.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0505 max

Er­satz­wahl in den Stadt­rat: Vor­ent­scheid fällt an SP-No­mi­na­ti­ons­ver­samm­lung

Am 29. Ok­to­ber ent­schei­det die SP der Stadt St.Gal­len, wen sie in die Er­satz­wahl um den Stadt­rats­sitz von Pe­ter Jans schickt. Was ur­sprüng­lich wie ei­ne For­ma­li­tät aus­sah, hat sich zu ei­nem span­nen­den Ren­nen ent­wi­ckelt. Mit of­fe­nem Aus­gang.

Von Reto Voneschen,
2026 Stadtrat Collage farbig

Jock Kobels zweiter Fall

Die Welt ist im­mer He­ris­au

Von Andrej Millius,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 12 43

Musik

Der Hai­fisch beisst wie­der zu

Von David Gadze,
Bildschirmfoto 2026 10 14 um 18 07 57

Heppelers Bestiarium

100 Jah­re Ein­sam­keit

Von Jeremias Heppeler,

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger