Geburtstag, feiern, immer gut! Zum Beispiel letztes Jahr im Sommer: «A One Night Stand – 20 Jahre Fischer & Fisch»-Party in der Kaserne Basel (Frank Fischer und ich waren das Kaserne-Musikbüro 1995–2001). «20» war natürlich gemoppelt, da wir schon lange nichts mehr in der Kaserne machen. Egal, feiern, immer gut. War diese Party nun einfach ein Blick zurück? Auch. Ein Blick nach vorne: nope. Ein Blick tief in die Arschspalte dieser einen Nacht? Genau!
Es macht bei Jubiläen keinen Sinn, sich die alten Knochen mit Nostalgiecreme einzureiben. Besser, man haut die frische Nacht einfach durch den Schredder und schaut, dass es allen gut geht dabei; vor, auf, neben und hinter der Bühne. So geschehen bei diesem schönen «One Night Stand» zu Basel vor einem Jahr. Und sicher auch eine gute Idee für zehn Jahre Palace. Den echten und hochaktiven Musik-Conaisseurs dieses einzigartigen Clubs wünsche ich eine formidable Feier ohne Verfalldatum!
Übrigens spielte an dieser gut geölten Party in der Kaserne auch Jari Antti (Navel) ein paar Songs. Jari war – und so kriege ich endlich den Dreh zur Achse Basel–St. Gallen – schon am 9. November 2006 an der «Townes Van Zandt»-Hommage im Palace mit Coversongs des texanischen Folk-Poeten auf der Bühne zu hören. Dazu las Marcel Elsener einen biografischen Text, ich spielte ein paar Townes-Platten, und später lief ein Konzertfilm ab VHS-Kassette. Jede Menge Bier ging in uns den üblichen Weg. Dies war der Beginn einer schönen Verbindung zu den Palace-Machern, die mit einigen riskanten Navel-Gastspielen für mich zu den Highlights meiner «grossartigen Manager- Karriere» zählt.
Gastrecht 1 – Planet Rock lädt ein: 14. Oktober, 20 Uhr, Palace St.Gallen. Mit Hailu Mergia With Tony Buck & Mike Majkowski (ETH/AUS), Mark Ernestus‘ Ndagga Rhythm Force (SEN/DE) und DJ Fett (DE).
Dieser Novemberabend in der damaligen Fanatorium-Reihe war eine seltene Ehre für mich. Leider hab ich das Monatsplakat nicht mehr, es war nämlich das allererste des Palace – und mein Name drauf! Ist das schon zehn Jahre her? Oder: erst? Wenn ich mich nicht täusche, brachte ich Damian Hohl vom Palace an jenem Abend auch das orange Palace-Brothers-T-Shirt mit, das ich bei Will Oldhams erster CH-Tour (1994, wiederum in der Kaserne Basel) abgestaubt hatte. Irgendwie hängt alles zusammen. Und falls nicht, klebt man es einfach zusammen und sagt: so!
Will Oldham besuchte als Bonnie «Prince» Billy das Palace später leibhaftig, in Fleisch und Blut und Bart. Eine Menge ausserordentlicher Bands hat über die Jahre das Palace so hell erleuchtet, dass es auch in Basel noch als starkes Glimmen wahrgenommen worden ist: Wire, Sleaford Mods, Grizzly Bear, Animal Collective, Mirel Wagner, Tallest Man On Earth, Daniel Johnston, Guz, Göldin & Bit-Tuner, Young Fathers, Acid Arab, Bombino, The XX, Silver Jews, The Notwist, Shabazz Palaces, … puh! Ein stil- und wertvolles Musikprogramm, das ganz weit vorne ist in der mitteleuropäischen Club-Landschaft: Weiss das der gemeine St.Galler eigentlich?
Meine beiden liebsten Clubs ausserhalb Basels pflegen schon einige Jahre eine enge Freund- und Komplizenschaft: das Palace und das Bad Bonn samt Kilbi in Düdingen. In einer erneuten Novembernacht, 2014, verbrachte ich an der «Kilbi an der Grenze» im Palace eine wundersame Nacht, als ich Courtney Barnett erstmals live auf der Bühne erlebte. Und mich sofort verlieb- te in diese slackige Frohnatur mit den entwaffnenden Songs, von der ich zuvor noch nie gehört hatte.
Basel – St.Gallen. Im Zug mittlerweile eine schnelle Achse. Trotzdem ist man nicht alle Tage im Osten. Einen Club wie das Palace würde ich mir in Basel wünschen – ein so offenes Publikum ebenso. Natürlich läuft auch viel in meiner Stadt. Zum Beispiel seit zwei Jahren in der Kaschemme, wo derber HipHop neben Afro-Freak-Sounds, wüsten- zertifiziertem Rock, Dancehall, Techno, Italo-Porn-Funk, Fussball Boogie, japanischer Psychedelic-Kamikaze und lokaler Newcomer-Nerd-Musik funktioniert. Kaschemme – kasch immer!, sage ich gerne. Ein wildes Programm, abseits von Kultur- management-Einerlei und bunten Standort-Marketing-Slogans.
Genauso wie im Palace St.Gallen.
Und jetzt grüsst der Ostschweizer Basler das plüschrote St.Galler Club-Juwel und seine Macherinnen und Macher. Lasst euch nicht auf die Torte spucken!
Die Grundlagen des D.I.Y.-Musikvercheckens erlernte Chrigel Fisch in der Grabenhalle St.Gallen in den 80er-Jahren. Verfeinert wurden sie in Basel in der Kaserne der 90er- und Früh-00er-Jahre. Als Punk-Manager der Laufentaler Rockrakete Navel entdeckte Fisch in den 00er-Jahren bis Ende 2011 die internationale Bühnenwelt. Seither sitzt er Teilzeit im Büro und fördert Bands aus der Region Basel.
Dieser Beitrag erschien im Oktoberheft von Saiten.
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