Alles beginnt im vergangenen Sommer, in einem Zürcher Antiquariat. Jil Erdmann entdeckt beim Stöbern ein kleines Buch aus dem Jahr 1982 mit einem schlichten, roten Leineneinband und dem Titel Frauen erfahren Frauen. Darin sind Texte von Schweizer Autorinnen, die sich mit feministischen und zum Teil auch queeren Themen beschäftigen.
Jil Erdmann kauft das Büchlein für fünf Franken und beginnt zu recherchieren, was es damit auf sich hat. Sie stösst auf eine ganze Reihe der Edition R+F, welche seit den 1970er-Jahren jährlich einen Band herausgab.
Die Verlegerin Ruth Meyer ist bereits verstorben, im Internet ist kaum etwas über sie finden, doch Jil Erdmann stösst auf ihre Spuren im Gosteli Archiv in Bern. «Sie war wahnsinnig gut vernetzt und hatte Kontakte zu vielen, vielen Literatinnen in der gesamten Schweiz, Deutschland und Österreich», erzählt Jil Erdmann.
Für mehr Sichtbarkeit von Frauen im Literaturbetrieb
Für sie persönlich birgt die Reihe eine Offenbarung. Seit zehn Jahren arbeitet sie in der Buchbranche und hat dabei schon seit Beginn das Gefühl, dass Autorinnen und Bücher über weibliche Themen total unterrepräsentiert sind.
«Damals als junge Buchhändlerin konnte ich dieses Gefühl noch nicht zuordnen – nun ist es klar, dass ich bereits in jungen Jahren einen feministischen Ansatz entwickelt habe, wie und wo Autorinnen gefördert und platziert werden sollen», sagt Jil Erdmann. Durch den Austausch mit ihren damaligen Kolleginnen kommt sie mit immer mehr Literatur von Frauen in Berührung. Sie liest Donna Tartt, Patti Smith, Susan Sontag, Joan Didion und andere.
Das rote Büchlein lässt Erdmann nicht mehr los. Es entspricht zu sehr ihrem Bedürfnis nach einer diversen und inklusiven Literaturwelt, nach Freiheit in der Umsetzung und auch in ästhetischen Punkten, als dass sie es einfach wieder beiseitelegen könnte. Also beschliesst sie, dass sie das Werk von Ruth Meyer fortsetzen und die Texte neuauflegen möchte.
Sie holt die Rechte der historischen Texte bei den jeweiligen Autorinnen oder Erbinnen ein und bittet zudem zeitgenössische Schreibende, um eine Erweiterung der Arbeiten aus dem vergangenen Jahrhundert.
Traditionelle Verlagsarbeit mit neuen Impulsen
Über ihre Arbeit als Verlegerin hat sie sich viele Gedanken gemacht. Künstlerische Solidarität und Sichtbarkeit sollen das Fundament des Verlagshauses bilden. Sie möchte neue Impulse setzen, wie beispielsweise den, dass Verlage nicht mehr als die unerreichbaren Elfenbeintürme angesehen werden, die man niemals oder nur mit sehr viel Glück oder Connections erreichen kann.
Mehr zum Verlag:
sechsundzwanzig.ch Instagram Facebook Twitter
Jil Erdmann möchte eine offene Kommunikation und auch jungen Autorinnen eine Plattform bieten, selbst wenn sie bislang noch nichts publiziert haben. Sie gründet also den feministischen «Verlag sechsundzwanzig» (benannt nach ihrem Lebensalter zum Zeitpunkt der Entscheidung) und startet einen Open-Call für Manuskripte.
Zudem beginnt die Arbeit an der erweiterten Wiederauflage des ersten Bandes. Diese beinhaltet Texte von Liliana Bosch, Judith Keller, Simone Lappert, Anna Ospelt, Marlen Saladin, Katrin Schregenberger, Ruth Schweikert, Eva Seck, Tabea Steiner, Anna Stern und Henriette Vásárhelyi. Illustriert wird der Band von Salome Eichenberger.
Crowdfunding unterstützen: wemakeit.com/projects/frauen-erfahren-frauen
Aktuell gibt es eine Crowdfunding-Kampagne, die Honorare für Autorinnen, Grafikerinnen, Lektorinnen sowie Vertrieb, Marketing, den Druck des Buches Frauen erfahren Frauen und das Weiterbestehen des Verlages abdecken soll.
Für Jil Erdmann würde sich damit eine Lebenstraum erfüllen. Wer also ein Zeichen setzen will für eine hoffnungsvolle Zukunft und für mutige Frauen im Literaturbetrieb, kann sich jetzt an der Realisierung beteiligen.
Der Schweizer Buchpreis 2020 geht an Anna Stern. Die Jury zeichnet die Rorschacher Autorin für «das alles hier, jetzt» aus: einen emotionalen und formal gewagten «Roman». Hier die Buchbesprechung.
Die Rorschacher Autorin Anna Stern hat mit ihrem Roman «das alles hier, jetzt» den Schweizer Buchpreis 2020 gewonnen. Die Schweizer Medien reagieren überrascht, aber genau damit hat es seine Richtigkeit.
Anna Sterns Roman «Wild wie die Wellen des Meeres» spielt in Rorschach und Schottland und erzählt von Ava, die mit ihrem grauen Auge in die Vergangenheit und mit dem grünen in die Zukunft blickt. Am 24. Januar ist Buchvernissage im Treppenhaus.
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
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Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
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