März 2014. Da stehe ich nun vor dem Palace. Ein Club, den ich vom Radio kannte. Früher, als die Playlist im Radio noch experimenteller war, hörte ich den Namen oft. Wenn Bands nur an zwei bis drei Orten gastierten, wiederholten sich Namen wie Bad Bonn, Mokka und natürlich Palace. Zu oft war mir der Weg zu weit oder es zog mich nach Westen statt gen Osten. Als ich endlich mal Tickets für The Tallest Man on Earth gekauft hatte, warf es mich krank ins Bett. Da ich in den letzten zehn Jahren durch meine Arbeit im Bereich Spoken Word, Slam und Kabarett vermehrt unterwegs war und dank meiner Mitarbeit beim Wortlaut-Festival öfter nach St.Gallen kam, gelang es endlich.
Durch Besuche von Slams in der Grabenhalle ist mir das Lokal von Aussen vertraut. Als ich als Mitveranstalter endlich im schmucken Lokal stehe, bereue ich noch mehr, so lang nie dagewesen zu sein. Herzlich, unkompliziert und hilfsbereit werde ich aufgenommen. Die Technikerin empfängt mich freundlich, trotz frühem Einsatz am Nachmittag nach einer langen Nacht. Der Soundcheck geht schnell über die Bühne, jedoch nicht zulasten der Qualität; die ist den Fachleuten an Ton und Licht stets wichtig, auch wenn für einmal «nur» gesprochenes Wort ansteht.
Bei meinem ersten Wortlaut-Festival bin ich mit Alex Capus und Lukas Bärfuss zu Gast. Beide touren viel durch Europa und geniessen den Club wie ich. So wird für Capus der Backstage zum Interviewraum, und Bärfuss schätzt den Rückzugsort, um auf einem Schreibblock mit dem Lieblingsfüller Gedanken zu sortieren.
Seither folgten weitere schöne Wortlaut-Momente, ob mit dem Literaten und Newcomer-Kabarettisten Christoph Simon oder dem vielseitigen Jess Jochimsen. Auch der grosse Instrumentenmix und die kurze Umbau- und Soundcheckphase bei Jochimsen liessen die Technik nicht nervös werden. Selbstverständlich wurden auch die fehlenden Batterien eines Gerätes locker ersetzt.
Gastrecht 7 – Stahlberger: 22. April, 21 Uhr, Palace St.Gallen. Mit Jürg Halter, Doomenfels, Thomaten & Beeren, Painhead, Pamplona Grup & The Fridge, Dachs, Taimashoe, Gino Filadoro, Hermann, Panda Lux und One Sentence. Supervisor. palace.sg
Mein letztes Wortlaut in Mitorganisator-Funktion war im letzten Jahr mit Bernd Gieseking und Thomas C. Breuer, und ich wusste inzwischen, dass ich mich in gute Hände begab. Es fühlte sich wie ein jährliches Heimkommen an. Inzwischen habe ich mit Richmond Fontaine endlich auch einen Gig im Palace gesehen, erlebte die wunderbare Atmosphäre und die gute Stimmung. Keine Frage, dass ich dieses Mal nicht den letzten Zug nehmen, sondern bis in die Morgenstunden ins Palace und die Stadt ums Palace rum eintauchen würde.
Ich freue mich, dass ich in den letzten Jahren ein kleines Rädchen in diesem «Kulturzentrum mit Herz, Charme und Liebe für Details» sein durfte. Nun freue ich mich auf die weiteren Festivals als Gast.
Rainer von Arx ist Kulturarbeiter aus Olten. Er veranstaltet seit vielen Jahren Slams und Lesebühnen im Mittelland sowie die Mundartnacht GägäWärt und ist künstlerischer Leiter der Oltner Kabarett-Tage. Von 2013 bis 2016 war er Mitglied im OK des Wortlaut Festivals St.Gallen. Er arbeitet als Personalentwickler und leitet die Agentur «kunstprojekte» für Spoken Word & Kabarett.
Dieser Beitrag erschien im Aprilheft von Saiten.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht
Erntehelfer:innen sind in der Schweiz schlecht geschützt. Ihre Arbeitsbedingungen liegen oft in Graubereichen, Kontrollen sind schwierig. Eine Veränderung würde jedoch bedeuten, ein ganzes System auf den Kopf zu stellen.
Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty
Die St.Galler Restaurants Toscana und The Pinch machten vergangene Woche über Nacht dicht. 15 Personen standen unvorbereitet auf der Strasse. Das verantwortliche Investoren-Duo schliesst nicht zum ersten Mal ein Restaurant in der Stadt. Das abrupte Ende wirft Fragen auf.
Die Stadt St.Gallen muss sparen und will das historische Volksbad nach der Wiedereröffnung des Hallenbads Blumenwies schliessen. Dabei verspricht die Stadt seit über 40 Jahren die Sanierung.
Die St.Galler Regierung spart gegen ihren Willen weitere 60 Millionen Franken ein und rechnet für 2027 mit einem Plus von 55 Millionen Franken. Kulturelle Arbeit wird dabei weiter prekarisiert – mit einer grossen Ausnahme.
Filminstallation über Vergänglichkeit