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Ein neues Quartier in St.Fiden

In gut zwei Jahren wird das Ostschweizer Kinderspital aufs Areal des Kantonsspitals umziehen. Das eröffnet in St.Fiden neue Möglichkeiten der Stadtentwicklung – mit Wohnraum für rund tausend Bewohner:innen.
Von  René Hornung , 
So sah es aus und so könnte es wieder aussehen: die Südseite des Kinderspitals 1967, ein Jahr nach der Aufnahme des Betriebs. (Bilder: pd)

Neue Wohnüberbauungen sind in den letzten Jahrzehnten in St.Gallen mit wenigen Ausnahmen immer am Stadtrand entstanden. Bestehende Quartiere verdichten bleibt in der Realität schwierig. Oft gibt es Widerstände aus der Nachbarschaft. Beim freiwerdenden Areal des Kinderspitals in St.Fiden ist die Situation deutlich besser: Hier kann ein grosses Gebiet an einer sehr guten Lage als Wohnquartier umgenutzt werden. Der grösste Teil des Bodens gehört der Ortsbürgergemeinde. Angrenzende Parzellen besitzen die St.Galler Pensionskasse und die evangelisch-reformierte Kirchgemeinde Tablat. Das sind aussergewöhnlich gute Voraussetzungen für eine Quartierentwicklung.

Die Ortsbürgergemeinde St.Gallen hat zuletzt mit der Überbauung Waldacker beim Tröckneturm und mit den aktuell laufenden Arbeiten auf dem Areal der ehemaligen Stadtsäge gezeigt, dass sie nachhaltiges Bauen fördert. Um dies auch auf dem Areal des Kindespitals zu erreichen, hat sie umfassende Vorabklärungen und Planungsgrundlagen erarbeiten lassen, die sie kürzlich dem Quartierverein präsentiert hat: eine städtebauliche Machbarkeitsstudie und eine Untersuchung zur Weiternutzung der bestehenden Bauten.

Einbettung in umliegendes Quartier

Die städtebauliche Studie des St.Galler Architekturbüros Daniel Cavelti beruht auf einer umfassenden Bestandesaufnahme: Welche Platzbedürfnisse haben die benachbarte Kirchgemeinde und die Schule, zum Beispiel für den Sport und die Tagesbetreuung? Welche geschützten oder architektonisch wichtigen Gebäude gibt es auf dem Areal und rundherum? Wie ist der Zustand der heute total 165 Bäume auf dem Areal, welche sollen erhalten werden? Zu den Grundlagen gehörte auch die Frage, wie es in der Nachbarschaft aussieht. Wird die Rorschacherstrasse zu einer begrünten Achse? Wie hoch sollen die möglichen Neubauten werden? Heute ist der Massstabsprung gross: Zwischen Rorschacherstrasse und Kinderspital liegt die Kernzone mit 5 Geschossen, weiter hangaufwärts finden sich zweigeschossige Einfamilienhäuser in grosszügigen Gärten. In welche Zone soll das dazwischen liegende Kindespital-Areal künftig eingeteilt werden?

Nach Besprechungen mit dem Sachverständigenrat für Städtebau liegen nun zwei Bebauungsideen vor. Sie unterscheiden sich im Wesentlichen darin, wie viele der heutigen Spitalgebäude erhalten bleiben. Die Planer:innen nennen die Varianten «Kindespital reloaded» und «Grossacker Park». Beide gehen aber davon aus, dass der älteste Bau des Spitals, das langgestreckte Bettenhaus mit den durchlaufenden Balkonen auf der Südseite, zu Wohnungen umgebaut werden kann. Geplant wurde der Ursprungbau vom St.Galler Architekturbüro Danzeisen + Voser zusammen mit dem Arboner Architekten Plinio Haas. 1966 nahm das Spital den Betrieb auf.

3D-Illustration der Variante «Grossacker Park»

Bei beiden Varianten zeigt die Studie, dass im untersten Teil des Areals, entlang der Falkensteinstrasse, fünfgeschossige Gebäude möglich sind, zumal direkt nebenan schon Wohnblöcke stehen. Im höher gelegenen Teil und entlang der Flurhofstrasse soll eine lockere Bebauung entstehen. Zu den grundsätzlichen Planungsüberlegungen gehören auch neue Wege durchs Areal, die bestehende Achsen weiterführen. Es sollen autofreie Verbindungen werden.

Wie weiter mit den Spitalgebäuden?

Spitalbauten: abbrechen oder weiternutzen

Zurzeit wird an viele Orten über die Weiternutzung von meist 50 bis 60 Jahre alten Spitalbauten diskutiert. Bekanntestes St.Galler Beispiel ist das Hochhaus auf dem Spitalareal, das Haus 04. Noch ist offen, ob der Turm, den das Spital aus betrieblichen Gründen abbrechen möchte, unter Denkmalschutz gestellt wird.

Das bekannteste, realisierte Beispiel einer Spitalumnutzung in Wohnungen ist das ehemalige Felix Platter-Spital in Basel. In Altdorf und Baden wird aktuell über entsprechende Umbauten diskutiert. In Zürich sollen die ehemaligen Personalhäuser des Triemlispitals zu Wohnungen werden.

Laut der Zusammenstellung der Zeitschrift «Hochparterre» ist das Thema auch in Aarau, Basel, Biel, Freiburg, Laufen, Luzern, Moutier, Sursee und Wolhusen aktuell. In den letzten Jahren wurden unter anderem Spitalbauten in Frauenfeld, Schlieren, Solothurn, Winterthur und auf dem Areal des Inselspitals Bern abgebrochen. (rho)

Eine zweite, bisher nicht veröffentlichte Studie des Baubüros in situ untersuchte, wie weit die Spitalgebäude umgebaut und weitergenutzt werden können. Weil erst die angekündigten Projektwettbewerbe diese Fragen im Detail beantwortet sollen, gibt die Ortsbürgergemeinde die Resultate dieser Studie erst in groben Zügen bekannt.

Klar ist: Der senkrecht zum Bettentrakt stehende ursprüngliche Behandlungstrakt könnte ebenfalls umgebaut werden. Neue Erschliessungen und Aufstockungen sind möglich, denn schon die ursprüngliche Planung rechnete mit späteren Erweiterungen. Auch die unterirdischen Bauten können weiter genutzt werden.

Dagegen wird der südliche Anbau am Bettenhaus, neben dem Helikopterlandeplatz, abgebrochen, denn es handelt sich um ein nur provisorisch bewilligtes Gebäude.

Das Fazit der Studien: Auf dem – rund 150 mal 150 Meter grossen – Areal können rund 38’000 Quadratmeter Geschossfläche gebaut werden, was rund 300 Wohnungen oder gut 1000 Bewohner:innen entspricht. Dabei bleibt viel Grün erhalten – die bestehenden wertvollen Baumgruppen sind in den Plänen eingezeichnet.

Nach dem Umzug des Kinderspitals wird die Ortsbürgergemeinde das Areal, samt der Bauten, übernehmen – es kommt zu einem vorzeitigen «Heimfall». Auf dieses Vorgehen haben sich die Stiftung Kinderspital und die Ortsbürgergemeinde verständigt. Das erspart der Stiftung den Abbruch der Gebäude, denn bei einem konventionellen «Heimfall» aus einem Baurechtsvertrag müsste das Areal im ursprünglichen Zustand – hier also ohne Bauten – zurückgegeben werden. Angesichts der aktuellen Diskussionen um die ökologisch sinnvolle Weiternutzung von Gebäuden wäre dies hier aber nicht zeitgemäss. Nun übernimmt die Ortsbürgergemeinde die Transformationskosten und wird dafür von der Stiftung Ostschweizer Kinderspital «angemessen entschädigt», wie es in einer Medienmitteilung hiess.

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