Selbst Stadtpräsident Thomas Scheitlin fand es aussergewöhnlich, dass an der Medieninformation über eine weitere Machbarkeitsstudie zur Autobahn- und Gleisüberbauung in St.Fiden an seiner Seite nicht die Fachleute von der Stadtplanung, sondern der Präsident des städtischen Hauseigentümerverbandes, Christoph Solenthaler, sass.
Die Interpretation dieser Situation ist nicht weit hergeholt: Die Fachleute der Stadtplanung halten nichts von einer «vertieften» Machbarkeitsstudie, denn schon jetzt liegen alle Informationen auf dem Tisch.
Man weiss seit der 2018 publizierten Testplanung, dass ein «Deckel» über der Autobahn und den Gleisen des Bahnhofs St.Fiden zwar technisch machbar wäre, dass das so entstehende zusätzliche Bauland aber derart teuer würde, dass sich letztlich wohl kein Investor finden wird, der hier bauen würde.
Der wichtigste Player, die SBB, die sonst auf ihren Arealen gerne gross investiert, sagt klar: Lohnt sich nicht. Wer sich an die Zürcher HB-Südwest-Pläne erinnert, die die Gleise des Hauptbahnhofs überdecken wollten, und wer weiss, wie glorios das Projekt bachab ging, wundert sich darüber, dass die Überdeckung St.Fiden so lange im Gespräch bleibt.
Und nicht nur die SBB, auch die Migros, die hier gerne expandieren würde, ist ausgestiegen. Beide sind nicht mehr bereit, sich an weiteren Studien finanziell zu beteiligen. Auch der Kanton macht nicht mit.
Drei Büros haben nachgerechnet – es lohnt sich nicht
Die «Visionäre» reden in feinstem Wirtschaftssprech von einem «Leuchtturmprojekt mit internationaler Ausstrahlung». Sie setzen sich hier für eine «prozessorientierte, modulare und aufwärtskompatible Stadtteilentwicklung unter Einbezug verschiedener Akteure (Staat, Eigentümerinnen und Eigentümer, Nutzende) ein».
Dass das kaum gelingen kann, haben inzwischen drei ausgewiesene Fachbüros vorgerechnet, die die erste Studie im Sinne von Zweitmeinungen überprüften. Deren Urteile sind klar: hohe Kosten wegen der komplizierten technischen Anforderungen, wegen des schlechten Baugrunds im Talboden von St.Fiden und wegen der vielen Auflagen durch die Bahn.
Das Projekt verlange enorme Anfangsinvestitionen, sei nicht etappierbar, habe eine lange Bauzeit und sei ein finanzielles Risiko. Der Deckel müsste aus Renditegründen sehr dicht bebaut werden – ob das die Bevölkerung akzeptieren würde, sei eine weitere Unsicherheit.
Kurz: Die drei Fachbüros raten unisono: Übung abbrechen.
Who-is-who der örtlichen Baulobby macht Druck
Die örtliche Baulobby will das aber nicht hören. Sie hat offensichtlich so lange politisch Druck gemacht, bis der Stadtrat sich bereit erklärte, dem Parlament nochmals einen Kredit vorzulegen – ohne auf die Stadtplanung zu hören, die wohl deshalb nicht mit am Tisch der Medieninformation sass.
Fast 885‘000 Franken sollen die vertieften Abklärungen kosten – wer den Auftrag dafür bekommt und ob er ausgeschrieben oder unter der Hand vergeben wird, wird dem Parlament nicht erklärt.
Vielleicht wird die Studie ja auch zu einem Selbstbedienungsladen. Denn die Liste der Firmen, die sich an den Kosten beteiligen werden, liest sich wie das who-is-who der lokalen Investmentgesellschaften und Planungsbüros: Fortimo, Mettler2Invest und Nüesch Development zahlen je 130’000 Franken. Die Kantonalbank beteiligt sich mit 100’000. Der städtische Gewerbeverband, der Hauseigentümerverband und die Wirtschaft Region St.Gallen (WISG) beteiligen sich mit noch je 20’000 Franken. Die Stadt aber soll mit 368’000 gut 40 Prozent der Kosten übernehmen.
Scheitlins Abschiedsgeschenk?
Diesen «Meccano» hatten wir gerade bei den Olma-Notkredit-Millionen: Ständig von der Notwendigkeit des Sparens reden und überall kürzen. Das Kinderfest 2021 absagen, die Renovationen von Kunstmuseum und Volksbad um Jahre hinausschieben, Stellen in der Stadtverwaltung vakant lassen, Gelder für die Kulturschaffenden und an die familienergänzende Betreuung kürzen – aber noch rasch 368’000 Franken für eine Studie ausgeben, die von Fachleuten als sinnlos bezeichnet wird.
Sollte das Stadtparlament am 22. September dazu Ja sagen, würde es ein grosszügiges Abschiedsgeschenk des abtretenden Stadtpräsidenten an die Baulobby bewilligen.
Eine benzinbetriebene Glühbirne? Ein robustes Schnapsglas? Oder ein Katzenhalsband, das die Raubtiere vom Vögelfangen abhalten soll? Im Historischen Museum Thurgau schlummern einige Gegenstände, deren Funktion auf den ersten Blick nicht ganz klar ist. Thomas Götz, Martina Hügi und Stefan Keller mussten diese am Icon Poet herausfinden.
Die St.Galler Rockband The Black Salt veröffentlicht ihr zweites Album. Und verabschiedet sich ein Stückweit von ihren Anfängen.
Die Welt ist in stetem Wandel. Und manche Veränderungen sind irreversibel – Gletscher schmelzen, Tier- und Pflanzenarten sterben aus. Die Ausstellung «Flimmern» widmet sich der Bewusstwerdung dieses Wandels – und dem Schmerz, den er auslöst.
Die Grundlagen, mit denen die Befürworter:innen die dritte Autobanhröhre durch den Rosenberg in St.Gallen und die Teilspange mit dem Anschluss im Güterbahnhofareal fordern, basieren auf fragwürdigen Zahlen. Zu diesem Schluss kommt der Raum- und Verkehrsplaner Thomas Hug-Di Lena.
Die St.Galler Tanzkompanie feierte vergangenen Samstag mit From England with Love Premiere. Das Stück wagt sich abermals aus dem Gleichschritt – mit unmissverständlichen Gesten.
Das Kunsthaus Bregenz zeigt in der neuen Ausstellung Arbeiten der US-amerikanischen Künstlerin Torkwase Dyson. Ausgangspunkt ihrer grossformatigen geometrischen Skulpturen und poetischen Malereien bildet das Leben und die Befreiung Schwarzer Menschen.
Wie stehts heute um die Gleichstellung? Und wie war das früher? Die Pop-up-Ausstellung «Frauenspuren im Hallenbad» in Gossau arbeitet ein Stück Gesellschaftsgeschichte auf. Zeigt, wo es heute noch hakt, und dass es nicht bleiben muss, wie es ist.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Theater
Johanna und Szilamer arbeiten seit vier Jahren als Erntehelfer:innen in Fruthwilen. In ihrer Heimat Rumänien ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die körperliche Arbeit auf dem Feld sind sie gewohnt.
Am 29. Oktober entscheidet die SP der Stadt St.Gallen, wen sie in die Ersatzwahl um den Stadtratssitz von Peter Jans schickt. Was ursprünglich wie eine Formalität aussah, hat sich zu einem spannenden Rennen entwickelt. Mit offenem Ausgang.
Jock Kobels zweiter Fall
Musik
Heppelers Bestiarium
Nach einer ganz passablen ersten Halbzeit der Espen sowie Führung durch einen Elfmeter von Görtler vor der Pause, spielen die St. Galler dieses Resultat anschliessend herunter und holen sich die 3 Punkte.
Mehr als viereinhalb Stunden dauerte Der Prozess Pelicot im Theater St.Gallen. Milo Rau und Servane Dècle inszenierten einen Abend über sexualisierte Gewalt und chemische Unterwerfung – und über eine Gesellschaft, die von Männern mehr Verantwortung verlangt.
Die Menschenrechte stehen weltweit unter Druck. Doch wie konsequent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neues Buch nimmt die Schweizer Menschenrechtspolitik kritisch unter die Lupe. An der Buchvorstellung im Square wurde über Widersprüche, Versäumnisse und mögliche Lösungen diskutiert.
In einer Tennishalle im toggenburgischen Unterwasser trafen sich vor zehn Jahren 5000 Neonazis zum grössten Rechtsrock-Konzert, das je im deutschsprachigen Raum stattgefunden hat. Linke Politiker:innen reagierten schnell, doch das Ergebnis ist ernüchternd.
Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater
Stimmrecht