Eisenbahn und Autobahn zersägen heute St.Fiden und seine Umgebung. Das Kerngebiet der Ortsgemeinde Tablat ist schwergewichtig möbliert durch die Hallen der Olma Messen und den Migros-Supermarkt. Es herrscht allenthalben städtebauliche Seelenlosigkeit, und aus der Autobahn-Galerie summen die Reifen des Transitverkehrs.
(Bild: Harry Rosenbaum)
An diesem Unort soll ein neuer Stadtteil entstehen, der die Quartiere St.Fiden und Heiligkreuz verbindet und sich als Bijou präsentiert. Fachexpertinnen und -experten aus Städtebau, Freiraum, Verkehr, Stadtsoziologie, Stadtökonomie, Wirtschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Verwaltung haben sich zusammengesetzt und in fünf Workshops viele Fragen und Lösungsvorschläge diskutiert. Die fachliche Bearbeitung nahmen vier interdisziplinäre Planungsteams an die Hand.
Ausgegangen wurde von der Entwicklung möglicher Szenarien. Mit individuell gesetzten Leitplanken erarbeiteten die Planungsteams anschliessend ihre Gesamtkonzeptionen. Diese sind von den Fachleuten und dem Begleitgremium bewertet und in einer Synthese zusammengefasst worden.
Der Schlussbericht der einjährigen Testplanung, für die das Stadtparlament 1,48 Millionen Franken bewilligt hatte, hält die wichtigsten Erkenntnisse und Empfehlungen für die weiteren Planungsarbeiten fest. Er ist auf www.stadtsg.ch/stfiden einsehbar.
Akzentsetzende Hochhäuser
Die Testplanung sieht vor, dass die heutige Öde zum reizvollen Stadtteil mutiert. Dabei spielt das Areal der Werkhöfe an der Steinachstrasse eine wichtige Rolle als Scharnier zwischen Olma-Messen und Kantonsspital. Im Talboden St.Fidens akzentuieren in den Planungsfantasien Hochhäuser die Schwerpunktgebiete und stehen in architektonischer Beziehung zueinander. Zu den Hochbauten soll es weiter keine grossflächigen Transformations- und Interventionsgebiete geben. Stattdessen sind Nachverdichtungen und punktuelle Eingriffe vorgesehen.
Die beiden Stadtachsen St.Jakob-Strasse/Langgasse und Rorschacher Strasse behalten ihre Strukturen und werden darin noch bestärkt. Die bestehenden Quartiere werden in der Testplanung zu wichtigen Elementen dieses Stadtteils erhoben und stehen für dessen Qualität und Identität.
Entwicklungspotenzial beidseits der Gleise
Für das Kerngebiet Bahnhof St.Fiden mit dem Entwicklungsschwerpunkt auf der Nordseite schlägt der Schlussbericht zur Testplanung auf der Südseite ein adäquates städtebauliches Gegenüber vor. Im Betriebsareal der SBB auf der Südseite der Gleise hat die Testplanung ebenfalls grosses Entwicklungspotenzial entdeckt. Um es brauchbar zu machen, müssten aber die Lärmemissionen der Autobahngalerie reduziert werden. Sie beeinflussen heute stark die Nutzungsmöglichkeiten und auch die Wohnqualität im Quartier. Sowohl im Charakter wie auch in der Nutzungsausrichtung schlägt die Testplanung bei den Bebauungen nördlich und südlich der Gleise unterschiedliche Konzepte vor.
Für die Nordseite wird ein neues Zentrum mit hoher Dichte und publikumsorientierten Nutzungen beziehungsweise Dienstleistungs- und Mischnutzungen angestrebt. Hier können sich die Planer auch ein Hotel vorstellen. Die Migros soll mit einem Neubau am jetzigen Standort auf der Nordseite verbleiben. Für die Bachstrasse sieht die Testplanung einen Ausbau zum attraktiven Stadtraum vor.
Die südliche Bebauung soll das angrenzende Wohn- und Gewerbequartier abschliessen. Hier sind Mischnutzungen mit höherem Wohnanteil angedacht.
Passerelle, aber kein Deckel
Beim laufenden Verfahren hat sich eine neue Passerelle für den Langsamverkehr herauskristallisiert. Sie soll die Quartiere miteinander verbinden, den Perronzugang ermöglichen und ein attraktiver Ort für Aufenthalt und Begegnung sein. Zudem soll sie Bestandteil einer Langsamverkehrs- und Freiraumverbindung zwischen den beiden bestehenden Stadtachsen werden und die Anbindung ans neue Zentrum sicherstellen.
Die Erkenntnisse und Empfehlungen der Syntheseergebnisse werden vom Stadtrat unterstützt. Die Testplanung habe aufgezeigt, dass die Voraussetzungen für einen dichten, urbanen und lebendigen Stadtteil gegeben seien, heisst es weiter.
Keines der Teams der Testplanung habe die vollständige Überdeckung des Areals vorgeschlagen, wie es zur Zeit in der St.Galler Öffentlichkeit diskutiert werde. Der Stadtrat wolle sich dieser Vision jedoch nicht verschliessen.
Keine einfache Sache
«Das Ganze ist noch sehr abstrakt», sagt Stadträtin Maria Pappa von der Direktion Bau und Planung zu den Testplanungs-Ergebnissen. Auf der Konzeptebene sehe man jetzt aber, was entwickelbar sei. Zu den Rahmenbedingungen für das grosse Planungsgebiet meint Pappa: «Sie sind nicht einfach.» Teilweise herrsche Termindruck, beispielsweise durch die Sanierung der Autobahn, durch das Aggloprogramm des Bundes und durch den geplanten Bahnhofumbau der SBB.
Faszinierend findet die Stadträtin, dass St.Gallen die seltene Chance bekomme, einen Stadtteil zu bauen. Eine besondere Herausforderung dabei sei die Verbesserung der Siedlungsqualität von zwei recht unterschiedlichen Quartieren. «Wir wollen baulich verdichten und trotzdem attraktive Freiräume schaffen», sagt Pappa weiter. «Zudem geht es auch darum, die Erschliessung von St.Fiden und Heiligkreuz zu optimieren, Grundlagen für eine nachhaltige Stadtentwicklung zu schaffen und die Aspekte von SmartCity einzubringen.» Durch die Testplanung hätten die vielen Interessen, die mit St.Fiden-Heiligkreuz zusammenhängen, umfassend eruiert werden können.
Die vier beigezogenen Planungsteams haben unterschiedliche Lösungsansätze entwickelt.
Ein Vorschlag (Team Harder Spreyermann) sieht als Verbindung zwischen St.Fiden und Heiligkreuz eine grosszügige Grünfläche, einen Naturpark vor.
Der zweite (Team KCAP) stützt sich auf eine starke bauliche Verdichtung im Kerngebiet, ein neues Zentrum.
Ein dritter Vorschlag (Team Morger Partner) beinhaltet ebenfalls die starke Verdichtung im Kerngebiet, den Bau von Hochhäusern und die Errichtung von zwei Zentren, je eines im nördlichen und eines im südlichen Bereich des Planungsgebietes.
Der vierte Vorschlag (Team Salewski & Kretz) schliesslich sieht drei Hochhäuser, eine Brücke für den ÖV und Langsamverkehr und die Ausgestaltung der Bachstrasse zum beidseitig bebauten Boulevard vor.
«Die Planungsteams haben keine Projekte, sondern Zukunftsbilder für St.Fiden-Heiligkreuz entwickelt», sagt Stadtplaner Florian Kessler und streicht einerseits das hohe Entwicklungspotenzial im Kerngebiet um den Bahnhof St.Fiden und andererseits im Bereich Olma Messen und Kantonsspital heraus.
Investoren, Euphorie und Knatsch
Für den Bau eines neuen Stadtteils braucht es Geld. Im Januar 2018 plant die Stadt schon mal einen Informationsanlass für mögliche Investoren. Interessierte hätten sich bereits gemeldet, heisst es. 2022 soll ein Masterplan für die Zukunft des geplanten neuen Stadtteils St.Fiden-Heiligkreuz vorliegen.
Wie viel ist euphorisch und wie viel realistisch-umsetzbar von den Plänen? Stadträtin Pappa geht davon aus, dass sich die meisten Ergebnisse der Testplanung umsetzen lassen.
Ein Stadtteil soll entstehen. Da muss mit der grossen Kelle angerichtet werden. Wird es, wie meistens bei solchen Vorhaben, politischen Knatsch geben? Stadtplaner Kessler meint Nein. Es müssten ja keine Quartierteile abgebrochen werden und so komme es auch zu keinen Verdrängungen von Bewohnerinnen und Bewohnern aus dem Gebiet St.Fiden-Heiligkreuz.
Die Mitberichte zum Schlussbericht der Stadtverwaltung zeigen aber die teils gegensätzlichen Erwartungen der verschiedenen Player. So äussern sich sowohl die Migros als auch Wirtschaftsverbände kritisch zur Synthese. Die Wirtschaft setzt auf stärkere Verdichtung zum Beispiel durch eine Gleisüberdachung. Die Migros sieht ihre Bedürfnisse im Bericht ignoriert; weder mit der Lage des Neubaus noch mit der Neugestaltung der Bachstrasse und der angedachten Offenlegung des Gerhaldenbachs sei sie einverstanden.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.