Stadträtin Patrizia Adam von der Direktion Bau und Planung gab am Montag vor den Medien einen kurzen Abriss über das Innenstadtgebiet und seine grossen Veränderungen. Bis 1918 war es der Kern von St.Gallen-Tablat. Ende des 19. Jahrhunderts kam es bereits in den Sog einer grossflächigen Stadtentwicklung. Zwischen 1908 und 1915 entstand das Bahnareal St.Fiden, in den 1960er-Jahren bauten die Migros das Einkaufszentrum Bach-St.Fiden, und in den 1980ern kam die Autobahn dazu.
Die Folgen waren grosse Einschnitte in das gewachsene und ursprünglich zusammenhängende Gebiet. Einkaufszentren, Bahnhöfe und Autobahnanschlüsse machen vielfach ihr Umfeld zu städtebaulichen Nicht-Orten. Das ist in St.Fiden passiert und soll korrigiert werden. Dafür beantragt der Stadtrat einen Planungskredit von 1,48 Millionen Franken.
Stadt ist Mitbesitzerin
Veränderungen stehen bereits an. Die Migros wollen ihr inzwischen unzeitgemässes Einkaufszentrum total sanieren oder neu bauen. Die Olma-Messen planen einen Hallenneubau und überlegen sich dabei die Überdachung der Autobahn im Bereich des Rosenbergtunnel-Portals. Die SBB wollen ihre Infrastruktur in St.Fiden ausbauen, und überdies muss auch noch die Autobahn in diesem Bereich saniert werden.
Die Stadt St.Gallen ist in der vorteilhaften Lage, ein gewichtiges Wort mitreden zu können. Sie erwarb 2012 von den SBB ein rund zwei Hektaren grosses Bauareal, das für die Stadtentwicklung von grosser Bedeutung ist.
«Dicht und urban»
In der Medienmitteilung der Stadt über das Zukunftsbild St.Fiden-Heiligkreuz heisst es: «Seit der letzten Zonenplanrevision wird dem Gebiet um den Bahnhof St.Fiden ein erhebliches Entwicklungspotenzial zugeschrieben. Das Areal bildet eine wichtige innerstädtische Reserve und ist im Richtplan als wirtschaftliches Schwerpunktgebiet sowie als Gebiet für publikumsintensive Einrichtungen bezeichnet. Aufgrund der guten Erschliessungsqualität und der zentrumsnahen Lage wird eine dichte urbane Überbauung mit einem attraktiven Nutzungsmix und qualitativ hochwertigen öffentlichen Aussenräumen angestrebt.»
Die Bevölkerung redet mit
Mit dem Zukunftsbild, für dessen Erarbeitung der Planungskredit beantragt wird, sollen in einem ersten Schritt die stadtplanerischen Ziele und Nutzungen ermittelt werden, um die Weichen zu stellen. Anschliessend ist ein städtebaulicher Wettbewerb über das Kerngebiet am Bahnhof vorgesehen. Darauf stützen sich dann die planungsrechtlichen Festlegungen und Infrastrukturplanungen ab, die als Grundlage für die Umsetzung von Bauvorhaben dienen werden.
Nach den Vorbereitungsarbeiten sei ein vierstufiger Planungsprozess geplant, sagte Stadtplaner Florian Kessler vor den Medien. Damit soll in den kommenden drei Jahren die künftige Entwicklung des Stadtteils St.Fiden-Heiligkreuz und des Gebiets um den Bahnhof geklärt werden.
Die erste Planungsphase konzentriert sich auf die Machbarkeit, regionale Szenarien und die Potenzialanalyse. In der zweiten Phase geht es um Entwicklungsszenarien, welche von drei interdisziplinären Teams erarbeitet werden. Sie werden von einer Fachjury und einem Forum diskutiert und bewertet. Dem Forum gehören Grundbesitzende, Quartier- und Anwohnervereine, Verbände, Wirtschaftsleute sowie Vertretende der städtischen und kantonalen Verwaltung und der Region an. Die breite Bevölkerung soll aktiv und transparent informiert werden.
In der dritten Phase steht der städtebauliche Wettbewerb im Vordergrund. Acht bis zehn qualifizierte Büros sollen Lösungen erarbeiten. In der vierten Phase schliesslich geht es um die Vorprojekte und die planungsrechtliche Umsetzung.
Bauen auf der grünen Wiese ist leichter
Visionen für das weitgehend in der Zone Wohnen und Gewerbe (WG 4) liegende Gebiete gibt es noch keine. In der Planungsphase wird erst danach gesucht werden müssen. Dabei wird es vor allem auch um die Frage gehen, welche Nutzungen sind sinnvoll und welche müssen ausgeschlossen werden. Stadtplaner Kessler meint zum planerischen Schwierigkeitsgrad für das innerstädtische St.Fiden-Heiligkreuz: «Innenentwicklungsprojekte sind komplexer und aufwendiger als das Bauen auf der grünen Wiese.»
Königer: «Neuralgisches Gebiet»
SP-Stadtparlamentarierin und Architektin Doris Königer hatte im Januar 2015 eine Einfache Anfrage zum «Planungswirrwarr beim Bahnhof St.Fiden» eingereicht. Einige ihrer Vorschläge sind nun in die Vorlage des Stadtrates eingeflossen, was schon vor der Medienkonferenz bekannt war. Wir sprachen mit der Politikerin über ihre Einschätzung des Zukunftbildes für das Gebiet St.Fiden-Heiligkreuz.
«Das Planungsgebiet St.Fiden-Heiligkreuz muss ganzheitlich angeschaut werden», sagt Königer. «In dieser Hinsicht ist das von der Direktion Bau und Planung angekündigte partizipative Verfahren bei der Erarbeitung des Zukunftsbildes für das Areal sinnvoll. Es freut mich, dass meine Forderungen, die ich mit der Einfachen Anfrage verbunden hatte, weitgehend berücksichtigt werden.»
Schwierigkeiten bei der Entwicklung des Gebietes sieht die SP-Frau beim Einbezug der Interessen von Migros und Olma in die Gesamtplanung. «Die Standortabsichten der beiden Unternehmen sind noch nicht klar kommuniziert.» Die Olma Messen wollten bekanntlich eine neue grosse Halle bauen und dafür die Stadtautobahn vor dem Rosenbergtunnel überdachen. Vom Bundesamt für Strassen (Astra) hätten sie schon mal das Okay. Aber das allein sei noch nicht viel wert.
«Auch die Migros Bach hat seit längerem Ausbauabsichten», sagt Königer weiter. «Gerade deshalb ist es auch sehr wichtig, das Planungsgebiet ganzheitlich anzuschauen. Im Übergang zur neuen City sollte das hier gewachsene Arbeiterquartier erhalten werden. Es wäre daher nicht sinnvoll, mit dem grössten Brocken, dem Ausbau der Migros unkoordiniert zu starten und sich zukünftige Entwicklungen zu verbauen.»
Mit der partizipativen Planung könne begonnen werden, sobald der Planungskredit gesprochen sei. Wie sich das entwickeln werde, lasse sich nicht voraussagen, zumal St. Gallen zehn Jahre lang keine funktionierende Stadtplanung gehabt hätte. «Der Nachholbedarf ist gross», sagt die Architektin. «Gebiete wie St.Fiden-Heiligkreuz sind städtebaulich neuralgische Punkte. Hier müssen Zeichen gesetzt werden. Es braucht Leitplanken für die Entwicklung des gesamten Gebietes um den Bahnhof.»
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