Radiergummis, Tassen, Lampen, Tattoos, Torten und Partydekoration sowieso – alles gibt es in Einhorngestalt. Aber warum? Wie ist den Einhörnern solch ein kometenhafter Aufstieg gelun- gen? Ist es der Versuch, die heile Welt im Moment ihres Verschwindens festzuhalten? Ist nicht sowieso alles eine Illusion? Die unbeschwerte Kindheit? Die paradiesische Natur? Die Idylle? Diese Fragen lassen sich am besten in einem Flecken Erde stellen, der unberührt scheint von der Hektik des Alltags, von Zersiedelung und Technisierung, vom Niedergang all dessen, was früher schöner war. Also im Weiertal.
Hier wirkt das Insektensterben ebenso fern wie die Monokultur. Hier ist der Bach klar und die Obstbäume sind gesund. Hier darf auch die Kunst sich frei entfalten. Zum sechsten Mal findet in diesem Weiler unweit von Winterthur die Biennale Kulturort Weiertal statt, diesmal unter dem Motto «Paradise, lost» – bezogen auf John Miltons Epos über den Verlust des Garten Edens.
Der Kurator Christoph Doswald hat 25 Künstlerinnen und Künstler eingeladen, vor dieser perfekten Kulisse ihre Arbeiten über das unausweichliche Ende zu zeigen. Beni Bischof verkündet in grossen Lettern auf schwarzem Schild: «The End Is Near». Katja Schenker hingegen lässt Efa schmelzen. Die biblische Frau gleicht einem Schneemann, ist allerdings aus Asphalt und wird in der Sommerhitze zergehen. Auch der Affe in einem Gehäuse an einem Baumstamm wird den Sommer nicht überleben. Sandra Knecht hat ihn aus rotem Zucker geformt. Sonne und Regen werden ihm genauso zusetzen wie Insekten.
Biennale Kulturort Weiertal: bis 8. September
skulpturen-biennale.ch
Dauerhafter kommt Peter Kamms Staubrinnen-Flosse aus Sandstein daher, aber sie mutet an wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Darin ähnelt ihr Entasis von Markus Kummer. Die Betonsäulen am Eingang des Gartens zerfliessen an ihrem unteren Ende und zerbröseln am oberen. Markierten sie einst, als das Paradies noch intakt war, den Übergang zwischen beiden Welten?
Dass Übergänge keine physische Präsenz benötigen, zeigt Mirko Baselgia. Seine Arbeit besteht einzig in der Aufforderung, barfuss eine selbst gewählte Schwelle zu überschreiten, einmal vor dem Rundgang, einmal danach.
Und was passiert dazwischen? Nicht alles löst sich auf. Am Ende sind es doch die Einhörner, die bleiben. Friedlich treiben sie auf dem Weiher. Olaf Breuning hat sie dort ausgesetzt samt Aufblaspuppen: Wer nicht herunterfällt, landet vielleicht doch noch im Paradies. Die Kunst machts möglich.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.
In der Kunstkabine bei der St.Leonhard-Brücke in St.Gallen stellen bis September vier Personen mit Beeinträchtigung ihre Kunst aus. Den Anfang macht Sonja Lippuner mit ihrer «Rollstuhlkunst».
Die Kunstgiesserei St.Gallen und die Stiftung Sitterwerk strahlen weit über die Region hinaus. Felix Lehner, Gründer und Leiter der Kunstgiesserei, Geschäftsleitungsmitglied Till Jäckli sowie Patricia Hartmann, Co-Leiterin der Stiftung Sitterwerk, sprechen im Interview über die letzten 40 Jahre, aktuelle Herausforderungen und Zukunftspläne.