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Einmal Einhorn, immer Einhorn

Zum sechsten Mal findet in einem Weiler unweit von Winterthur die Biennale Kulturort Weiertal statt, diesmal unter dem Motto «Paradise, lost».
Von  Kristin Schmidt
Ne travaillez jamais von Kerim Seiler. (Bild: pd)

Radiergummis, Tassen, Lampen, Tattoos, Torten und Partydekoration sowieso – alles gibt es in Einhorngestalt. Aber warum? Wie ist den Einhörnern solch ein kometenhafter Aufstieg gelun- gen? Ist es der Versuch, die heile Welt im Moment ihres Verschwindens festzuhalten? Ist nicht sowieso alles eine Illusion? Die unbeschwerte Kindheit? Die paradiesische Natur? Die Idylle? Diese Fragen lassen sich am besten in einem Flecken Erde stellen, der unberührt scheint von der Hektik des Alltags, von Zersiedelung und Technisierung, vom Niedergang all dessen, was früher schöner war. Also im Weiertal.

Hier wirkt das Insektensterben ebenso fern wie die Monokultur. Hier ist der Bach klar und die Obstbäume sind gesund. Hier darf auch die Kunst sich frei entfalten. Zum sechsten Mal findet in diesem Weiler unweit von Winterthur die Biennale Kulturort Weiertal statt, diesmal unter dem Motto «Paradise, lost» – bezogen auf John Miltons Epos über den Verlust des Garten Edens.

Der Kurator Christoph Doswald hat 25 Künstlerinnen und Künstler eingeladen, vor dieser perfekten Kulisse ihre Arbeiten über das unausweichliche Ende zu zeigen. Beni Bischof verkündet in grossen Lettern auf schwarzem Schild: «The End Is Near». Katja Schenker hingegen lässt Efa schmelzen. Die biblische Frau gleicht einem Schneemann, ist allerdings aus Asphalt und wird in der Sommerhitze zergehen. Auch der Affe in einem Gehäuse an einem Baumstamm wird den Sommer nicht überleben. Sandra Knecht hat ihn aus rotem Zucker geformt. Sonne und Regen werden ihm genauso zusetzen wie Insekten.

Biennale Kulturort Weiertal: bis 8. September

skulpturen-biennale.ch

Dauerhafter kommt Peter Kamms Staubrinnen-Flosse aus Sandstein daher, aber sie mutet an wie ein Relikt aus längst vergangenen Zeiten. Darin ähnelt ihr Entasis von Markus Kummer. Die Betonsäulen am Eingang des Gartens zerfliessen an ihrem unteren Ende und zerbröseln am oberen. Markierten sie einst, als das Paradies noch intakt war, den Übergang zwischen beiden Welten?

Dass Übergänge keine physische Präsenz benötigen, zeigt Mirko Baselgia. Seine Arbeit besteht einzig in der Aufforderung, barfuss eine selbst gewählte Schwelle zu überschreiten, einmal vor dem Rundgang, einmal danach.

Und was passiert dazwischen? Nicht alles löst sich auf. Am Ende sind es doch die Einhörner, die bleiben. Friedlich treiben sie auf dem Weiher. Olaf Breuning hat sie dort ausgesetzt samt Aufblaspuppen: Wer nicht herunterfällt, landet vielleicht doch noch im Paradies. Die Kunst machts möglich.

Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.

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