Unausweichlich steht er da, der unausgesprochene Elefant im Raum respektive in der Aula in des GBS im Riethüsli, ein Raum, der eigentlich würdig und gross genug wäre, um auch mal einen grauen Riesen aufzunehmen. Selbst wenn dieser Riese in ausgebautem Zustand über 1,3 Milliarden Franken auf die Waage bringen soll, heute aber noch weit davon entfernt ist, das Licht am Ende des Tunnels zu erblicken. 2030 soll der zehn Jahre dauernde Geburtsvorgang frühestens eingeleitet werden (Regierungsrätin Susanne Hartmann: «best case»).
Lieber als über den teuren Autobahnzubringer beim Güterbahnhof inklusive Liebeggtunnel, zu dem es offenbar überhaupt keine Alternative gibt, sprechen die Stadt- und Kantonsbehörden, deren Planungswut an jene der 1960er-Jahre erinnert, derzeit über Nebensächlichkeiten, zumindest gemessen am Gesamtvorhaben: die flankierenden Massnahmen an der Teufener- und der Oberstrasse. Ein bisschen mehr Raum für Velo- und Fussverkehr, e paar Bömm, das sind die Zückerli fürs Quartier, wenn man dann auch bereit ist, den fünften Autobahnanschluss mitten in der Stadt zu schlucken.
Mut und Ivestition
«Heute keine Grundsatzdiskussion», lautete die Devise der anwesenden Behördenmitglieder. Zur Debatte wurde ja auch gar nie eingeladen, sondern nur zum Dialog über die flankierenden Massnahmen im Falle eines hypothetischen Tunnelbaus. So kann man dem Volk auf sanfte und natürliche Weise klar machen, dass eigentlich nur ein Autobahnanschluss infrage kommt. Also keine Debatte. Das kam den Verkehrs- und Strassenplanern sehr gelegen, sie mussten – abgesehen von den vielen kritischen Voten in den Gruppen-Workshops – nur gerade eineinhalb Buhrufe einstecken.
Warum Bepflanzungen und Erweiterungen des Raums für Langsamverkehr im Riethüsli oder an der Oberstrasse nicht schon heute möglich sein sollen, auch ohne den Liebeggtunnel, konnte am Montagabend im GBS niemand schlüssig erklären. Die Karren, die die Teufener Strasse zu Stosszeiten verstopfen, stellen sich ja auch heute nicht neben-, sondern hintereinander. Am Dienstag im Stadtparlament signalisierte Baudirektor Buschor dann immerhin: «Wenn Wünsche aus der Bevölkerung zur Aufwertung der Quartierstrassen zu einem früheren Zeitpunkt aufkommen, dann nehme ich diese gerne entgegen.»
«Mut haben und investieren», das sind nicht etwa die Worte der kantonalen Baudirektorin Susanne Hartmann, deren Zwillingsbruder im Riethüsli wohnt und für den Familienbesuch aus Wil auch gerne eine gute Verkehrsanbindung wünscht, sondern jene von Franco Knie, als er 2015 ankündigte, seine Elefanten nicht mehr in der Manege auftreten zu lassen, sondern sie in den Untergrund, heisst: in den schön geräumig ausgebauten Zuchtpark in Rapperswil zu verlegen.
Gleiches wollen die Bürgerlichen von Stadt und Kanton nun mit dem Verkehr machen. Geht es nach ihnen, können Nostalgiker:innen nur noch für kurze Zeit den Autos am Rand der Teufener Strasse nachwinken – wie einst den Elefanten bei Knies letzten Strassenumzügen von den SBB-Wagons zum Spelterini –, bevor sie von der Bildfläche verschwinden. Ab in den Untergrund damit und dann, vielleicht, die Quartiere obendrauf ein bisschen aufhübschen.
Derweil baut der Nationalstrassenzirkus ASTRA fleissig an seiner Drohkulisse weiter, indem er neu errechnete Verkehrszunahmeprognosen publiziert und diese in Tüll verpackt vom herzig-flapsigen Teer-Maskottchen, Buntspecht Fredi Vogl, kommunizieren lässt – neu auch im fresh animierten Cartoon. Damits auch wirklich jedes Kind kapiert, dass es auch im Sinne der Stadtfauna unter dem Strich mehr statt weniger Strassen braucht.
Jetzt aber vorwärts
Die Versprechungen klingen zu verlockend. Dass auf der Teufener Strasse nach Eröffnung des Liebeggtunnels 70 Prozent weniger Verkehr herrschen soll, kommentierte ein Quartieranwohner am Montagabend im GBS allerdings lakonisch: «Träumt weiter.» Denn nur weil man etwas nicht mehr sieht, ist es nicht automatisch auch weg. Stellt man einer eigentlich unerwünschten Person, die sich auch noch auf die bereits besetzte Bank drängen will, nochmals extra eine Bank hin oder schickt man sie lieber weg? Oder ist der prognostizierte Mehrverkehr am Ende doch erwünscht? Reicht die Phantasie zum Erhalt der «Erreichbarkeit» nicht über den Strassenbau hinaus? Was soll an einer solchen Verkehrspolitik bitteschön nachhaltig sein?
Von einer «Strasse zum Leben» fabulieren ausgerechnet jene Politiker:innen, die tendenziell wenig vom «Leben auf der Strasse» wissen. Und nun, nachdem das Stadtparlament mit der Streichung des Autobahnzubringers aus dem städtischen Richtplan den zweiten, zumindest symbolischen Pflock gegen diese rückwärtsgewandte Einseif- und Vorteerpolitik eingeschlagen hat, beginnt das Jammern und Quängeln. Das Parlament habe nur infolge der «derzeitigen» rot-grünen Mehrheit die Engpassbeseitigung aus dem Richtplan gestrichen. Die Rede ist von einem «knappen Entscheid gegen die geschlossenen Fraktionen von FDP, Mitte und SVP». Das stimmt wohl, wenn man bei 57,4 zu 42,6 Prozent von einer «knappen Mehrheit» reden möchte.
«Mit der Engpassbeseitigung jetzt schnell vorwärts machen», fordern sie. Für die Teerfraktion ist es jetzt höchste Zeit, zu mobilisieren, bevor ihnen die Mammutfelle vollends davonschwimmen. Denn wer weiss, ob der Bund je wieder dazu bereit ist, eine ganze Milliarde für ein so ausgefuchstes Strassenbauprojekt in den Osten zu werfen.
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.