Kategorie
Autor:innen
Jahr

Ekkehard-Saal: verkaufen – behalten – verkaufen

«Stadt verkauft Ekkehard-Saal». Die Meldung kam dieser Tage aus dem Rathaus. Verwundert blättert man zurück. Die exakt gleiche Nachricht gab es schon einmal, Ende 2008. Die Zukunft des seit 14 Jahren geschlossenen Hotels Ekkehard war bisher ein Trauerspiel.
Von  René Hornung , 

Totalsanierung als Hotel – Umbau zu Wohnungen – und jetzt doch wieder Neueröffnung als Hotel. Um das Ekkehard gab es in den letzten 14 Jahren manch eine Schlagzeile – aber nichts geschah.

Der letzte Hotelier und Besitzer, Ernst Leander, der das Haus seit Anfang der 1980er-Jahre führte und später kaufte, kämpfte lange um seinen Betrieb. Die Stadt kam zu Hilfe und übernahm 1984 den Saal für knapp 700’000 Franken im Stockwerkeigentum. Sie sanierte ihn 1993 für 1,68 Millionen. Er bekam eine neue Lüftung und eine bessere Schallisolation und es erfolgte eine Asbestsanierung. Danach bot er Platz für 340 Personen.

Saalmangel in der Stadt

Die Stadt wollte damals den Saal auch erhalten, weil zuvor andere Säle verschwunden waren – im «Schützengarten», im «Volkshaus» und im «Uhler».

Foto des Ekkehard, nach 1900 (Bilder: Stadtarchiv)

Doch was soll die Stadt mit einem Saal in einem geschlossenen Haus? Diese Frage kam nach der Schliessung des Betriebs im Sommer 2008 und des Verkaufs an Urs Peter Koller. Koller war früher Hauptaktionär der Generalunternehmung HRS und ist mit seiner Forol AG mit Sitz in Gossau heute fast schweizweit aktiv.

Für das Ekkehard kündigte er damals eine Totalsanierung an. In einem ersten Konzept war die Rede von einem neuen Grillrestaurant im Erdgeschoss und einer Aufstockung für neue Suiten. Der Saal hätte nach dem damaligen Konzept weiterbestehen sollen – allerdings wollte Koller die Kosten für dessen Erneuerung der Stadt als Stockwerkeigentümerin überbinden.

Wenige Monate später, im Dezember 2008, kam dann zum ersten Mal die Meldung aus dem Rathaus: «Stadt verkauft Ekkehard-Saal».

Ekkehard-Postkarte mit Saal

Urs Peter Koller wollte nämlich aus dem eher nüchternen Raum einen prunkvollen Ballsaal machen. Von hohen Umbaukosten war die Rede. Die wollte die Stadt nicht übernehmen. Ausserdem hatte sich inzwischen die Situation bei den Veranstaltungsräumen wieder verändert: Pfalzkeller, Palace, Olma-Hallen, Lokremise und Einstein boten neue Möglichkeiten an. Die Ekkehard-Besitzer kündigten deshalb an, in der Etage des Saals zusätzliche Hotelzimmer einzubauen.

Saal im Dornröschenschlaf

Jahrelang war es dann still um das geschlossene Ekkehard. 2012 war das ausgeräumte Erdgeschoss für eine Kunstaktion zwar noch einmal kurz für die Öffentlichkeit zugänglich, doch dass der angekündigte Verkauf des Saals gar nie zustande gekommen war, erfuhr man erst dieser Tage – 14 Jahre später.

In den Jahren dazwischen konnte die Forol AG das angebaute Nachbarhaus an der Rorschacher Strasse 48 kaufen. Dagegen scheiterte der Investor an der Nachbarparzelle an der Schwalbenstrasse. Dort wollte er nach ersten Plänen eine Zufahrt zu einer Tiefgarage bauen. Die Eigentümer verkauften aber nicht.

Vor zwei Jahren, 2020, war das Ekkehard noch einmal in den Schlagzeilen, als es um die Suche nach einem festen Ort für ein Literaturhaus und die Frauenbibliothek ging. Dafür stand das Erdgeschoss zur Diskussion. Darüber sollten weiterhin Wohnungen entstehen. Aber auch diese Pläne zerschlugen sich.

Ekkehard-Casino-Werbung, nach 1900

Seit 2021 kündigt die Forol AG auf ihrer Internetseite wieder eine «Totalsanierung in ein Hotel» an. Die Finanzierung soll mit einem Investorenmodell gelingen. In der aktuellen Mitteilung schreibt die Forol AG, dass der Kauf des Ekkehard-Saals nun den Weg frei mache für den Umbau der beiden Häuser Rorschacher Strasse 48 und 50 zu einem Hotel mit 100 Zimmern.

Im Communique ist auch die Rede von einem «Okay» der Stadtbildkommission – einer Kommission die es mit diesem Namen in der Stadt allerdings gar nicht gibt. Der Sachverständigenrat für Städtebau und Architektur jedenfalls hat kein Ekkehard-Projekt auf dem Tisch. Das neue Umbaugesuch liegt offensichtlich beim Amt für Baubewilligungen. Die Eigentümer schreiben dabei von einer «sehr anspruchsvollen Architektur» und einer «Neugestaltung der Dachlandschaft». Was genau geplant ist, erschliesst sich aber auch aus den von Forol AG publizierten Skizzen nicht.

Laut Communique der Stadt verkauft sie den Saal unter der Bedingung, dass das Gebäude saniert und zukünftig wieder als Hotel- und Gastronomiebetrieb genutzt wird. Zu welchem Preis wird nicht erwähnt. Aus der zuständigen Kommission des Stadtparlaments ist zu erfahren, dass ein guter Preis für den Saal ausgehandelt worden sei, jedenfalls ein Mehrfaches der Summe von 2008, als der Verkauf dann trotz Ankündigung nicht zustande kam.

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
Humanhuman 2026 calexandrakochdevos lowres 2

Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
2609 RIO Gerd Zikeli 01 IMG 1149

Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

Von Ursula Badrutt,
DSC9907 HDR WEB

Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
01 1 Stickerei Dok Walters beide an Maschine von hinten Kopie

Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights