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«Chli toleranter» mit St.Gallen sein

Maria Pappa will die Quartiere aufwerten, setzt auf eine starke Hauptstadt und findet St.Gallen grundsätzlich grossartig. Die neugewählte Stadtpräsidentin war Gast im ersten Fernseh-Talk des Kulturlokals Palace. Ein paar heisse Themen wurden umschifft.
Von  Peter Surber , 
Maria Pappa auf Sendung. (Screenshot: Su.)

Mit Konzerten ist nichts im Coronawinter, ebenso wenig mit Erfreulichen Debatten. Das St.Galler Kulturlokal Palace macht aber trotzdem nicht ganz dicht, sondern diversifiziert: Immer dienstags gibt es künftig Palace-Fernsehen, hier der Trailer.

Das geht so wie in den Kinderjahren des Mediums: Testbild blinkt, Kugeln mit Stichworten rollen per Rohrpost heran, Assistentin Julia Kubik wirft Zettel und Fragen ein, Moderator Rolf Bossart führt das Gespräch, unterbrochen durch Einspieler zu einzelnen Stichworten. Auf dem Tisch steht ein schwarzes Bakelit-Telefon. Es läutet auch einmal, allerdings im dümmsten Moment. Das Tempo ist bedächtig wie damals, als die Bilder laufen lernten. Die Stimmung: eher Kaminfeuer als Arena.

Den Start der neuen Reihe machte am Dienstagabend Maria Pappa, vor einem Monat neu gewählte Stadtpräsidentin und erste Frau an der Spitze der Hauptstadt. Nicht darum ging es jedoch, sondern um die bauliche Entwicklung – für die bisherige Baudirektorin eine Steilvorlage.

Starkes Zentrum, starke Quartiere

Der Bahnhofplatz: Er funktioniert, ist offener geworden, soll noch stärker als bisher zum Begegnungsort werden, wenn es nach Maria Pappa geht. Frappierend: Heute setzt man auf Willkommenskultur mit Bäumen und Bänkli – damals, mit dem Polizeireglement vor 15 Jahren, waren Wegweisungen das Thema. Bossarts Beobachtungen zur Veränderung im Stadtalltag hätten eine ausführlichere Diskussion verdient.

Die Hauptstadt: Maria Pappa will St.Gallen als Zentrum stärker ins Spiel bringen gegenüber dem Kanton und gegenüber den Agglomerationsgemeinden. Mit Druck gehe da allerdings nichts. Pappa setzt aufs Miteinander-Reden und auf die Kraft der Argumente: «Der Kanton kommt nur weiter, wenn die Stadt darin eine zentrale Rolle spielt.»

Dasselbe gelte auch innerhalb der Stadt: ohne vitale Innenstadt keine lebendigen Quartiere. Beides will Pappa aber nicht gegeneinander ausspielen. Im Zentrum hofft sie ausdrücklich auf Vermieter, die mit den Geschäftsmieten runtergehen. In den Quartieren will sie den jeweiligen «Dorf»-Charakter stärken, wie er schon existiere, etwa in der Lachen, im Heiligkreuz oder in Bruggen.

Quartierentwicklung könne die Stadt unter anderem mit Sondernutzungsplänen beeinflussen, oder mit dem Kauf von Liegenschaften, wie im Riethüsli geschehen. Quartiere hätten es aber auch selber in der Hand, Leben in die Bude zu bringen – für Quartierfeste etwa stehe ihnen die Möglichkeit offen, Strassen sperren zu lassen.

In ihrem Wohnquartier Lachen hofft die neue Stadtpräsidentin auf die Neugestaltung der Zürcherstrasse, die schon einmal vom Volk verworfen wurde («Da hat man Lachen im Stich gelassen»). Und sie schwärmt von ihrer Lieblingsstelle in der Stadt: der Allee entlang der Kreuzbleiche, ihrem täglichen Velo-Arbeitsweg mit seinen wechselnen Stimmungen.

Pragmatisch vor der roten Ampel

Zur Sprache kommen aber auch die Unorte der Stadt. Dazu gehört das leerstehende Hotel «Ekkehard», wo es trotz «intensiver Gespräche» bisher keine Lösung gebe. Oder der Eiszauber auf der Kreuzbleiche; zu ihm will sich Pappa nicht äussern. Oder der Parkplatz «hinter den Gleisen» am HB: Auf dem Areal hätten sich zwar die Ränder entwickelt, die Testplanung habe Möglichkeiten aufgezeigt, in der Mitte aber hat der Kanton das Sagen. «Das braucht noch Jahre.»

Maria Pappa ist auch sonst pragmatisch unterwegs. Das lange Warten vor den Veloampeln etwa ist ihr ein Dorn im Auge – aber die Vorgaben macht der Bund, sobald es um Autobahn-Zubringer geht wie bei der Kreuzbleiche. Oder das Verhältnis zur HSG: Es ist für sie entspannt, und sie hofft auf intensiveren Kontakt, wenn dereinst der Campus am Platztor gebaut sein wird.

Mit Visionen hat es die neue Stadtpräsidentin weniger. Bossarts Forderung nach Büvetten in den städtischen Parks, Kubiks Idee von Rutschbahnen von den Hügeln ins Tal, die Mülenenschlucht als «Tatort»-Drehort: Solche Luftschlösser finden nur mässige Resonanz. Zumindest plaziert ist immerhin Bossarts Vorschlag, das migrantische St.Gallen im öffentlichen Raum stärker sichtbar zu machen, etwa mit Strassennamen.

Und gar nicht im Bild ist die Stadtpräsidentin über den Langzeit-Wunsch nach einer Kunsthochschule, den die Künstlerin Lika Nüssli über das schwarze Telefon in die Sendung trägt. Davon höre sie zum ersten Mal. Zur Nachhilfe: hier die Diskussion im Rahmen des neuen Kulturkonzepts der Stadt.

Kein Wort zum Autobahn-Tunnel

Der Telefon-Anruf kommt, Ironie der TV-Regie, noch in anderer Hinsicht im falschen Moment: gerade dann, als Pappa den geplanten Autobahntunnel ansprechen will. Eines der brennendsten Stadtentwicklungs-Hindernisse bleibt so unbesprochen. Und ein weiteres, topographisch naheliegendes Thema kommt ebenfalls nicht zur Sprache: die Überbauung Ruckhalde und die Vorschläge für ein nachhaltiges, genossenschaftlich finanziertes und autofreies Quartier, das es in St.Gallen so bis jetzt nicht gibt.

So franst die Sendung am Schluss aus. Umso erfreulicher war ihr Start: Farbig erzählt Maria Pappa dort, wie sie ohne ein Wort Deutsch im Kindergarten angekommen sei, später im Hadwig unter vielen Ausländerkindern zur Schule ging, die Mülenenschlucht erkundete, im Westen heimisch wurde und heute vorbehaltlos sagen kann: «Ich liebe St.Gallen.» Dank ihren zwei Heimaten (St.Gallen und Süditalien) habe es sie dann auch nie gelockt, nochmal anderswohin zu ziehen.

St.Gallen biete viel – wir sollten ruhig «chli toleranter» sein mit unserer Stadt, meint sie. Die ganze Sendung zum Nachschauen:

 

Ern­ten in der Grau­zo­ne

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Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

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Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

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Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

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Filminstallation über Vergänglichkeit

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Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

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Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

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Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

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Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

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Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover

Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

Von David Gadze,
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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

Von Christoph Keller,

Der Neo­na­zipfar­rer

1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

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Das Glück, bei Pe­ter Kamm Stein zu sein

Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

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Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

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Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

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Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights