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Forza Sangallo!

Es geht vorwärts, St.Gallen hat die erste Stadtpräsidentin: Maria Pappa (SP) gewinnt im zweiten Wahlgang gegen Mathias Gabathuler (FDP). Einfach werden die nächsten Jahre für die Seconda aber nicht.
Von  Corinne Riedener

Dieses wundersame Jahr neigt sich dem Ende zu und hat finally doch noch was Gutes hervorgebracht, (obwohl der heutige Politsonntag aus linker Sicht sonst grösstenteils unerfreulich ausfiel): Maria Pappa, vor zehn Jahren eingebürgert, hat es im zweiten Wahlgang geschafft. St.Gallen hat eine Stadtpräsidentin, die erste in der Geschichte.

Maria Pappa (SP) ist die neue St.Galler Stadtpräsidentin. Sie siegte mit 11’784 Stimmen gegen ihren Rivalen Mathias Gabathuler (FDP), der 9152 Stimmen geholt hat.

Gabathuler zieht aber mit 11’894 Stimmen in den Stadtrat ein, Trudy Cozzio (CVP) hat 9039 Stimmen geholt und die Wahl in den Stadtrat somit nicht geschafft. Die Stimmbeteiligung lag bei 48,8 Prozent.

Alle Resultate auf: stadt.sg.ch

Die FDP hat ihren letzten Stapi-Sitz in einer «Grossstadt» verloren. St.Gallen ist jetzt also auch eine richtige Stadt und wird, wie die anderen grossen Zentren, von Mitte-Links regiert. Zumindest dann, wenn GLP-Lüthi und der parteilose Buschor mitziehen.

Mit Maria Pappa als Stadtpräsidentin sind die durchschnittlichen Zeiten in Sankt Güllen vorbei. Addio wohliger Stillstand – ciao wagemutige «Stadt für alle». St.Gallen wird nun hoffentlich zur progressiven, selbstbewussten Gegenspielerin, die dieser Betonkopfkanton verdient hat. Es ist höchste Zeit, dass sich das Zentrum selbstbewusst neu positioniert – und so der ganzen Region dient.

Einfach wird es für Pappa sicher nicht nach 14 Jahren Scheitlin-Ära. Kulturwandel braucht Zeit. Und auch im Stadtparlament wartet noch viel Arbeit, denn «links-grün dominiert» ist dieses nur im bürgerlichen Narrativ. Die Verhältnisse sind im besten Fall Fifty-Fifty, je nachdem, was die GLP, die bei den Wahlen Ende September gut zugelegt hat, gerade so treibt. Sie hat neu acht Sitze und liegt gleichauf mit SVP, CVP und Grünen.

Trotzdem: Pappa ist einiges zuzutrauen. Sie bringt eine reiche Geschichte mit und ist eine völlig andere Persönlichkeit als der emotionsarme Scheitlin. Möglicherweise hilft ihr auch der Sozialpädagogische Background im neuen Amt, denn St.Gallen, die abgehängte, muss dringend wieder in den Zentrumsreigen eingegliedert und gewisse Krusten müssten demnächst «nett hinausbegleitet» werden.

Die Wahl, vorher und nachher

Corona dürfte den zukunftsorientierten Umbau der Stadt leider noch zusätzlich erschweren, weil kostet ja alles. Und dass die finanzielle Lage der Stadt nicht allzu rosig ist, wissen wir nicht erst seit dem letzten wohlklingenden Sparpaket oder der abgesagten Sanierung des Kunstmuseums.

Das ist auch Pappa bewusst: «Die finanzielle Situation beschäftigt mich», sagt sie nach der Wahl im Athletikzentrum. «Die nächsten Jahre werden nicht einfach. Ich hoffe, wir schaffen es, an den vernünftigen Orten zu sparen und nicht einfach aus purem Sparwillen alles Mögliche streichen. Bei den Infrastrukturen und Investitionen beispielsweise dürfen wir nicht sparen, besser wäre, wir setzten bei veralteten Aufgaben und Strukturen an, um die laufende Rechnung zu entlasten.»

Trotz aller Freude sind ihre Gefühle gemischt an diesem Sonntag. Sie ist stolz, die erste Frau zu sein, die allen nach ihr «die Tür aufmacht». Aber am kommenden Donnerstag ist die Departementsverteilung. «Ich muss vielleicht meine Direktion abgeben», sagt sie, «das wird mir jetzt erst richtig bewusst».

Wichtig ist ihr, «dass die Verteilung gut und sinnvoll ist». Wenn sie in der Baudirektion bliebe, müsste diese ein wenig neu organisiert werden, erklärt Pappa, da diese zu gross ist, um «nebenbei» noch das Stadtpräsidium unter einen Hut zu bringen. Wenn das nicht möglich ist, bleibt ihr nur die Direktion Inneres und Finanzen – wovon sie derzeit ausgeht.

Ma vedremo. Es warten einige Herausforderungen auf Pappa. Heute soll sie ihren Sieg geniessen. Da darf mensch auch für zwei Augenblicke aufs Tanzverbot pfeifen und feiernd durch die Stadt ziehen – mit Maske und Abstand selbstverständlich.

Das Wort «Standortpolitik» kommt in Pappas Vokabular übrigens bisher nicht vor, anders als bei ihrem Vorgänger. Dabei hätte diese historische Wahl durchaus einen kleinen Werbespot verdient:

Hey, Restschweiz, der Osten macht vorwärts! Wer dabei sein will, muss jetzt (wieder) hierher zügeln, wir haben noch Platz und günstigen Wohnraum – und eine Stadtpräsidentin, die perfekt italienisch spricht und Sangallo hoffentlich ausmistet.

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Hans G.,  

Bei aller Freude: Ist die Wahl wirklich als Aufruf zur Gentrifizierung durch Adabeis aus der Restschweiz zu deuten? Wer (vom HEV mal abgesehen) findet die aktuellen Mieten günstig?

Peter Honegger,  

In einer schwierigen Zeit, treffen die St.Galler die richtige Wahl. Ich freu mich jedenfalls SEHR.

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