Kategorie
Autor:innen
Jahr

Elefantös monströs

Grotesker Humor ist grenzensprengend: Die St.Galler Compagnie Buffpapier hat sich mit Artisten aus Frankreich und Spanien zusammengetan. Ihr «Schaubuden Carnival» ist noch bis morgen im Zelt auf der Kreuzbleiche zu sehen.
Von  Peter Surber
Gleich legt die Banda los: Los Boozan Dukes aus Barcelona.

Auf der St.Galler Kreuzbleiche ist der Bär los – nein, der nicht gerade, einen tanzenden Bären haben wir jedenfalls keinen gesehen, er würde aber bestens ins Programm der Sensationen und Raritäten passen, das sich hier bis Samstag bietet. «Schaubuden Carnival» nennt die St.Galler Compagnie Buffpapier den Spektakel, und so international wie der Titel sind die Artisten: spanisch, französisch, schweizerisch und noch einiges mehr.

Kommt man von der Stadt her, grüsst ein alter Saurerlastwagen im Scheinwerferlicht zwischen den Bäumen auf der Kreuzbleiche durch. Seine Ladefläche ist das Theaterzelt von Buffpapier, wie sich später herausstellen wird. Vis-à-vis ist das Raritätenkabinett der französischen Truppe Têtes de Mules aufgebaut für die Varieté-Show «L’Entresort», links und rechts davon die Bar und die Chocherey, im Zentrum Bänke und Tische.

Mitten auf dem Miniatur-Dorfplatz spielt die mit allen Stilwassern gewaschene Banda Los Boozan Dukes aus Barcelona auf, mit Tuba, Waschbrett, Sax, Gitarren und Banjo, Melodika und allerhand anderen Klanggeräten. An diesem Abend beglückt sie gerade eine der Besucherinnen mit einem nichtendenwollenden Geburtstagsständchen. Das Publikum merkt rasch: Wir sind Teil des Ganzen.

Compagnie Buffpapier.

Das ist auch beim Auftritt der Buffpapiers aus St.Gallen so. «Sollen wir anfangen?» Jaaaa! «Worauf warten wir?» Warum sitzt dort einer so weit weg, warum klatscht ihr nur lauwarm? Aus der Luke über dem Theatervorhang observiert Theaterimpresario Stephane Fratini sein Publikum und lässt es erstmal zappeln. Ein Gesicht, zwei sprechende Hände, fertig ist das imaginäre Theater.

Dann geht es mit der Nummernrevue los, Fratini im Reifrock und im Kniegang, Franziska Hoby als nervöses Huhn, Manuel Gmür, der Elefantengott mit langem Rüssel und überragender Bühnen-Untauglichkeit: Die Figuren ihres Petit Cabaret Grotesque haben inzwischen das Zeug zum Kult mit ihren Antitalenten im Messerwerfen und Jonglieren, in Menschendressur, Lassowurf und Zauberei.

Schaubuden Carnival
Fr 29. und Sa 30. September, ab 18 Uhr
Kreuzbleiche St.Gallen
buffpapier.ch

Im Sinn des burlesken Cabarets ist alles überdreht, grell und grob. Und dann plötzlich zwinkert ein Auge, hier dreht sich ein Kopf, dort verschlingen und verdrehen sich Arme und Wörter auf eine kindlich berührende Art und man spürt: Hinter der Schaubudenfassade steckt allerhand Lebensernst und viel Bühnenerfahrung. Als Lohn dafür kann die Compagnie auf komfortable Fördergelder bauen: Buffpapier ist vom Kanton mit der auf drei Jahre angelegten Schwerpunktförderung Theater ausgezeichnet worden.

Dem zahlreichen Publikum gefällts, auch wenn es mal verbal angerempelt wird. Einzig störend: Dass Monsieur le directeur, wie an diesem Abend geschehen, die Kinder im Publikum in den Senkel stellt, die so wunderbar mitgehen mit den Spinnereien und Spielereien auf der Bühne. Vielleicht ist es lustig gemeint, aber Ironie hat eine Alters- und Respektgrenze.

Compagnie Têtes de Mules. (Bilder: pd)

Nach den Buffpapiers spielt wieder die Musik, der Hut macht die Runde, und wer noch mag, lässt sich im Zelt vis-à-vis auf die Monster und nie gesehenen Menschenexemplare ein, welche Têtes de Mules in ihrem Stück «L’Entresort» präsentiert. Es soll grossartig sein, wir haben es verpasst, weil sieben andere Anlässe an dem Abend die Schaubude konkurrenzieren. Aber man kann noch zweimal hin, heute Freitag und morgen Samstag. Hereinspaziert!

 

 

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Ein Fes­ti­val für Punk­rock

Am Sams­tag fin­det in St.Gal­len erst­mals das Punk­fes­ti­val El Car­tel statt. Es soll da­zu bei­tra­gen, die Sze­ne zu stär­ken. Da­bei fehlt es ge­ra­de in St.Gal­len an Nach­wuchs.

Von  David Gadze
Yellow tales grabepunk

Wy­bora­da: Die fe­mi­nis­ti­sche Bi­blio­thek der Ost­schweiz

Seit 40 Jah­ren macht die Bi­blio­thek Wy­bora­da in St.Gal­len sicht­bar, was lan­ge fehl­te: Li­te­ra­tur von und über Frau­en. Heu­te sind Au­torin­nen und fe­mi­nis­ti­sche The­men zwar stär­ker prä­sent in der Öf­fent­lich­keit, doch die Re­le­vanz der Bi­blio­thek ist nach wie vor gross.

Von  Marion Loher
2605 Wyborada Laura Tura room

Or­ches­trier­ter An­griff ge­gen ex­ter­nen Auf­klä­rungs­un­ter­richt 

Mit ei­ner In­ter­pel­la­ti­on grei­fen SVP und EDU im St.Gal­ler Kan­tons­rat den aus­ser­schu­li­schen Auf­klä­rungs­un­ter­richt an. Und mit Un­ter­stüt­zung des «Leh­rer­netz­werks Schweiz» wol­len El­tern aus Büt­schwil ei­ne Mit­ar­bei­te­rin der Fach­stel­le für Aids- und Se­xu­al­fra­gen vor Ge­richt brin­gen. Da­hin­ter steckt ei­ne or­ches­trier­te Ak­ti­on.

Von  René Hornung
2502 Aufklaerung Badges Inv nr 1300

Brü­cke zwi­schen mu­si­ka­li­scher und sprach­li­cher Tra­di­ti­on

«Die­ci», die ita­lie­ni­sche Zahl für zehn, ist das Mot­to des dies­jäh­ri­gen Hei­den-Fes­ti­vals. Es ver­weist da­bei nicht nur auf das Ju­bi­lä­um, son­dern auch auf ei­ne kul­tur­po­li­ti­sche Hal­tung.

Von  Lilli Kim Schreiber
Heiden Festival Nicoals Senn Tom Rigney USA

Naturmuseum Thurgau

Der Grim­bart zum An­fas­sen

Von  Vera Zatti
Dachs Illustration quer def 1

Ein Ber­ner in St.Gal­len

Das St.Gal­ler Thea­ter Trou­vail­le ent­deckt den Mu­si­ker und Ju­ris­ten Ma­ni Mat­ter neu. «’S isch ei­nisch ei­ne gsy»– 90 Jah­re Ma­ni Mat­ter ver­bin­det zahl­rei­che Lie­der und li­te­ra­ri­sche Tex­te des Ber­ners zu ei­nem abend­fül­len­den Pro­gramm. Sai­ten hat mit dem Thea­ter­lei­ter Mat­thi­as Flü­cki­ger ge­spro­chen.

Von  Vera Zatti
Mani Matter Pressefoto

Ein Kurz­trip durch Schein­wel­ten

Vier Jah­re nach ih­rem De­büt keh­ren Lev Ti­gro­vich mit ei­ner neu­en EP zu­rück. Die­se han­delt von Kon­troll­ver­lust, Il­lu­sio­nen und gros­sen Ge­füh­len – und ent­hält erst­mals ei­nen Song, der nicht auf Rus­sisch ge­sun­gen ist.

Von  David Gadze
Lev Tigrovich Press Photo 4 Lena Frei

FC St. Gal­len vs. FC Thun 1:1 – Kein Sie­ger zwi­schen den bes­ten zwei Teams der Sai­son

Im letz­ten Spiel der Sai­son trifft der FC St.Gal­len auf den neu­en Schwei­zer Meis­ter aus Thun - ei­nen Sie­ger gibt es nicht.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Phy­sik und er­schöpf­te Ma­schi­nen

Ca­li­ne Aoun in­ter­es­sie­ren die Mo­men­te der Ver­än­de­rung, die Über­gän­ge und Zu­stän­de. Ih­re Aus­stel­lung in Kunst­mu­se­um und Kunst­hal­le Ap­pen­zell wird zum En­de der sechs­mo­na­ti­gen Lauf­zeit ei­ne an­de­re sein als zu Be­ginn. 

Von  Kristin Schmidt
Kunsthalle Appenzell Caline Aoun 03 High Res RGB

Un­ter­schrift als Re­li­quie

Der 1100. To­des­tag von Wi­bora­da – In­klu­sin, Stadt­hei­li­ge und Pro­jek­ti­ons­flä­che – ist zur­zeit The­ma viel­fäl­ti­ger Ak­ti­vi­tä­ten. Zu den High­lights ge­hört ei­ne mut­mass­li­che Un­ter­schrift, zu be­sich­ti­gen in der Aus­stel­lung im St.Gal­ler Re­gie­rungs­ge­bäu­de.

Von  Peter Müller
Unterschriften2

Gastkommentar

Kul­tur­jour­na­lis­mus – ei­ne kul­tur­po­li­ti­sche Not­wen­dig­keit

Von  Johannes Sieber
Johannes sieber

Schü­ler:in­nen auf den Spu­ren Wi­bora­das

An­na Beck-Wör­ner hat ein Wi­bora­da-Un­ter­richts­heft er­ar­bei­tet. Im Pos­ten­lauf, der durch St.Gal­len führt, kön­nen Schü­ler:in­nen an­hand von Wi­bora­das Le­bens­weg lehr­plan­kon­form The­men wie Ge­mein­schaft, Le­bens­form, Bü­cher oder Iden­ti­tät er­ar­bei­ten.

Von  Kathrin Reimann
2605 Wyborada Laura Tura Crossing

Stras­sen­kunst als Ent­schleu­ni­gung

Am Wo­chen­en­de bringt das Auf­ge­tischt-Fes­ti­val wie­der über 100 Stras­sen­künst­ler:in­nen aus al­ler Welt in die Gas­sen der Stadt St.Gal­len. Wir ha­ben mit Dai­a­na Min­ga­rel­li vom Duo Dai­a­na Lou über die Ei­gen- und Be­son­der­hei­ten des Bus­king ge­spro­chen.

Von  Philipp Bürkler
Daiana Lou

Heavy Psych Sounds Fest

Fes­ti­val der schwe­ren Gi­tar­ren­klän­ge

Von  David Gadze
Weedpecker 25 BW 6 50

Ro­ter Tep­pich und ro­te Li­ni­en

Der pein­li­che bis in­halts­lee­re Auf­tritt des Tech-Fa­schis­ten Cur­tis Yar­vin hat die Be­richt­erstat­tung über das dies­jäh­ri­ge St.Gal­len Sym­po­si­um do­mi­niert. Am Mon­tag ha­ben – vor al­lem geis­tes­wis­sen­schaft­li­che – Ex­po­nent:in­nen der HSG in ei­nem öf­fent­li­chen Ge­spräch ver­sucht, Yar­vins lan­gen Schat­ten zu ver­we­deln.

Von  Roman Hertler
3 F1 A3554 web

Was­ser, Drag und Vir­gi­nia Woolf

Die St.Gal­ler Thea­ter­kom­pa­nie Roh­stoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr ak­tu­el­les Thea­ter­stück in der Kel­ler­büh­ne. Wie in ei­nem Rausch er­zählt Or­lan­do* von Ge­schlech­ter­nor­men, Grenz­auf­lö­sun­gen und Ver­wand­lun­gen. 

Von  Vera Zatti
LUX 9420 JPG 1500 by Leni O

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Im Bi­ber­re­gen

Von  Jeremias Heppeler

Ei­ne ak­ti­vis­ti­sche Künst­le­rin wie­der­ent­deckt

Ele­a­n­or An­tin ist seit 60 Jah­ren künst­le­risch tä­tig. Früh hat sie sich mit Tech­no­lo­gie, Ras­sis­mus und Gen­der­flui­di­tät be­schäf­tigt, doch zwi­schen­zeit­lich war sie fast in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten. Nun macht die ers­te eu­ro­päi­sche Re­tro­spek­ti­ve Sta­ti­on im Kunst­mu­se­um Liech­ten­stein.

Von  Kristin Schmidt
Eleanor Antin Ausstellungsansicht Foto Sandra Maier pr6

Fik­tiv und doch sehr re­al

Der Mu­si­ker und Künst­ler Ni­co­laj És­te­ban ver­öf­fent­licht ein neu­es Al­bum sei­ner Band Love­boy And His Ima­gi­na­ry Fri­ends. Es führt in ei­ne fas­zi­nie­ren­de Welt – und in sein In­ne­res, wo es manch­mal dun­kel ist.

Von  David Gadze
Loveboy and his imaginary friends smile baby

Or­ga­nik trifft KI

Nach vier­zig Jah­ren kehrt Gui­do R. von Stür­ler in die Kunst­hal­le nach Wil zu­rück. Der Künst­ler, mit ei­nem Fai­ble für Flie­gen, zeigt in «Zwi­schen den Sys­te­men – Kunst im ver­netz­ten Jetzt» ei­ne Werk­über­sicht, die Or­ga­ni­sches und Di­gi­ta­les ver­eint.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 9225 2