Auf der St.Galler Kreuzbleiche ist der Bär los – nein, der nicht gerade, einen tanzenden Bären haben wir jedenfalls keinen gesehen, er würde aber bestens ins Programm der Sensationen und Raritäten passen, das sich hier bis Samstag bietet. «Schaubuden Carnival» nennt die St.Galler Compagnie Buffpapier den Spektakel, und so international wie der Titel sind die Artisten: spanisch, französisch, schweizerisch und noch einiges mehr.
Kommt man von der Stadt her, grüsst ein alter Saurerlastwagen im Scheinwerferlicht zwischen den Bäumen auf der Kreuzbleiche durch. Seine Ladefläche ist das Theaterzelt von Buffpapier, wie sich später herausstellen wird. Vis-à-vis ist das Raritätenkabinett der französischen Truppe Têtes de Mules aufgebaut für die Varieté-Show «L’Entresort», links und rechts davon die Bar und die Chocherey, im Zentrum Bänke und Tische.
Mitten auf dem Miniatur-Dorfplatz spielt die mit allen Stilwassern gewaschene Banda Los Boozan Dukes aus Barcelona auf, mit Tuba, Waschbrett, Sax, Gitarren und Banjo, Melodika und allerhand anderen Klanggeräten. An diesem Abend beglückt sie gerade eine der Besucherinnen mit einem nichtendenwollenden Geburtstagsständchen. Das Publikum merkt rasch: Wir sind Teil des Ganzen.
Compagnie Buffpapier.
Das ist auch beim Auftritt der Buffpapiers aus St.Gallen so. «Sollen wir anfangen?» Jaaaa! «Worauf warten wir?» Warum sitzt dort einer so weit weg, warum klatscht ihr nur lauwarm? Aus der Luke über dem Theatervorhang observiert Theaterimpresario Stephane Fratini sein Publikum und lässt es erstmal zappeln. Ein Gesicht, zwei sprechende Hände, fertig ist das imaginäre Theater.
Dann geht es mit der Nummernrevue los, Fratini im Reifrock und im Kniegang, Franziska Hoby als nervöses Huhn, Manuel Gmür, der Elefantengott mit langem Rüssel und überragender Bühnen-Untauglichkeit: Die Figuren ihres Petit Cabaret Grotesque haben inzwischen das Zeug zum Kult mit ihren Antitalenten im Messerwerfen und Jonglieren, in Menschendressur, Lassowurf und Zauberei.
Schaubuden Carnival Fr 29. und Sa 30. September, ab 18 Uhr Kreuzbleiche St.Gallen buffpapier.ch
Im Sinn des burlesken Cabarets ist alles überdreht, grell und grob. Und dann plötzlich zwinkert ein Auge, hier dreht sich ein Kopf, dort verschlingen und verdrehen sich Arme und Wörter auf eine kindlich berührende Art und man spürt: Hinter der Schaubudenfassade steckt allerhand Lebensernst und viel Bühnenerfahrung. Als Lohn dafür kann die Compagnie auf komfortable Fördergelder bauen: Buffpapier ist vom Kanton mit der auf drei Jahre angelegten Schwerpunktförderung Theater ausgezeichnet worden.
Dem zahlreichen Publikum gefällts, auch wenn es mal verbal angerempelt wird. Einzig störend: Dass Monsieur le directeur, wie an diesem Abend geschehen, die Kinder im Publikum in den Senkel stellt, die so wunderbar mitgehen mit den Spinnereien und Spielereien auf der Bühne. Vielleicht ist es lustig gemeint, aber Ironie hat eine Alters- und Respektgrenze.
Compagnie Têtes de Mules. (Bilder: pd)
Nach den Buffpapiers spielt wieder die Musik, der Hut macht die Runde, und wer noch mag, lässt sich im Zelt vis-à-vis auf die Monster und nie gesehenen Menschenexemplare ein, welche Têtes de Mules in ihrem Stück «L’Entresort» präsentiert. Es soll grossartig sein, wir haben es verpasst, weil sieben andere Anlässe an dem Abend die Schaubude konkurrenzieren. Aber man kann noch zweimal hin, heute Freitag und morgen Samstag. Hereinspaziert!
Anerkennungspreis für Josef Felix Müller, Förderpreise für Katalin Deér und den Verein Megliodia: Die Stadt verteilt ihre Kulturpreise - 2013 allerdings zwei weniger als bisher. Das ist am falschen Ort gespart.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.