Ausserhalb von politischen Debatten ist der Haushalt das wohl am stiefmütterlichsten behandelte Thema überhaupt. Alle haben einen, alle machen einen, aber eingehend über den Budenschwung geredet wird selten.
Erst recht niemand dreht einen Film über Dreckwäsche, keiner komponiert eine Staubsauger-Sinfonie, keine entwirft die Choreografie zu verspritztem Babybrei auf Laminatboden. Und wenn die Hausarbeit mal in den Medien ist, dann hochglänzend und am besten mit Hashtag versehen, #wasteseparation, #bedfreshlymade usw.
Aber könnte der Haushalt nicht auch als Quelle für Inspiration genutzt werden?, fragt nun ein kreatives Kollektiv am Bodensee zu Recht. «Könnte die viele Zeit nicht auch als wertvolle Investition gesehen werden? Können wir den Stellenwert von Hausarbeit durch einen anderen Blickwinkel umwerten?»
Mit diesen Fragen bzw. Zielen beschäftigen sich die Kreuzlinger Künstlerin Anna Appadoo, die Konstanzer Autorin Veronika Fischer und die Berliner Illustratorin Frollein Motte. Gemeinsam plakatieren sie im Oktober die Konstanzer Innenstadt.
Anna Appadoo fertigte Collagen aus Gegenständen der Hausarbeit und setzt diese in ein romantisches Licht. Entstanden sind ulkig bis kitschige Nippsachen, die an Talismane, Tand und kleine Schreine erinnern.
Anna Appadoo: Spülschaum
Veronika Fischer hat die Rolle der (Haus-)Frau in der Kunstgeschichte neu interpretiert. «Frauen in der Kunst werden entweder lieblich oder heroisch dargestellt und inszeniert», erklärt sie. «Damit wollte ich brechen, also gab ich ihnen Putzwerkzeuge in die Hand.» Die ikonischen Bilder ihrer Schafferinnen hat sie mit Texten aus Putzratgebern, Werbeslogans und Revolutionsgedanken kombiniert.
Ergänzt werden Fischers und Appadoos Plakate mit Comics von Frollein Motte, unter anderem ist da zu lernen, wie «Muttitasking 2.0» funktioniert, nämlich mit mindestens sechs Armen, einem Glas Rotwein und frischen Gurken, Brusthaarkraulen und Babyarschpudern.
Abgerundet wird das Projekt Online, mit Beiträgen aus dem Instagram-Projekt «Kitchen Planets», das andere Sichtweisen auf das Haus- haltsuniversum öffnet. Alle können mitmachen @kitchen-planets.
Mehr als ein triftiger Grund also, um für einmal nicht ennet der Grenze zum Billigshoppen zu gehen, sondern sich aus purem Vergnügen mit den öden Dingen des Alltags zu beschäftigen.
«It’s only Haushalt»: ab 25. Oktober, in der Konstanzer Innenstadt und auf its-only-haushalt.de
Musik
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.