In meiner Kindheit gab es diese Frauen bei uns im Dorf. Sie trafen sich von Zeit zu Zeit in einer ihrer Küchen zu einer Haushaltsgeräte-Party. Zuerst waren der Anlass bunte Plastikdosen mit gut schliessenden Deckeln, dann Fensterwischgeräte mit einem blauen Schwamm, dann teflonbeschichtete Pfannen, dann ein Dampfgarer und weiss der Geier was noch alles. In meiner Fantasie bestanden die einzigen Freuden dieser Frauen in Bügeleisen zu Weihnachten und Pfannenwendern zum Hochzeitstag. In mir entstand damals der Schwur, niemals so zu werden. Niemals.
In einer studentischen WG ist so ein Vorsatz leicht einzuhalten, wenn ungespültes Geschirr zum Lifestyle gehört und das Altglas nur zu Prokrastinationszwecken vor wichtigen Klausuren entsorgt wird, ansonsten aber eher dekorativen Charakter hat. Mit Kindern dann wird es schon schwieriger. «Bei Max daheim ist es viel schöner», bekam ich zu hören, «aber dem seine Mama kann auch putzen.» Gut, da kann man drüberstehen, doch grundsätzlich stellt sich schon die Frage, wie eine schöne Kindheit aussehen soll. Streifenfreie Fenster sind da bestimmt nicht spielentscheidend, aber nach Biomüll riecht sie sicherlich auch nicht, die schöne Kindheit.
Man ist also vor die Frage gestellt: Verbringt man die Zeit mit den Kindern mit Putzkübel oder Sandkasteneimer? Berufstätige Eltern könnten ein Extradepot an Zeit gebrauchen. Es stünde im Keller und man könnte sich abends einfach noch ein, zwei Stündchen herausholen, meinetwegen zum Saubermachen. Auch schön wäre eine Haushälterin, wie man sie in alten Filmen sieht, wo die Familie zum Abendessen zusammenkommt, an einer Tafel mit gestärktem weissen Tischtuch, und sich fröhlich über den Tag unterhält, während die Perle in der Spitzenschürze Knödel und Kraut serviert…
Hätte, hätte, Fahrradkette!
Das Leben kommt nicht in Spitzenschürze ums Eck, der Haushalt wird zum Drahtseilakt. Und auf einmal findet man sich wieder in einem Alltag, in dem man Sätze sagt wie: «Renn nicht in Schuhen durchs Haus!» Und in der Paarbeziehung wird an den Abenden nicht mehr mit Rotwein philosophiert, sondern über Wocheneinkäufe, Müllentsorgungstermine und Putzpläne diskutiert. Unsexy as fuck. Irgendwann ist es dann soweit, es kommt, was kommen muss: Man fängt eine Affäre an.
Mit dem Neuen ist alles anders.
Er ist umwerfend. Wirklich. Er ist wahnsinnig intelligent, hat eine schöne Stimme, spricht mehrere Sprachen, ist aufmerksam und tanzt in anmutigen Choreographien um mich herum. Dabei summt er monoton ein leises Lied. Morgens koche ich mir Kaffee – er nimmt nur einen Schluck heisses Wasser und ein wenig Orangenaroma und dann macht er das, was mich am glücklichsten macht: Er putzt. Einmal die gesamte Wohnung. Überall. Jede Ecke, jeden Winkel. Sogar unter den Schränken. Wenn ich möchte, macht er es auch mehrmals am Tag. Er heisst Roberto Blanco. Roberto, weil er ein Roboter ist. Blanco wie mein Fussboden.
Eine Freundin hat ihn mir empfohlen. Sie sagte, er sei die Rettung ihrer Ehe und sie nehme ihn sogar mit in den Urlaub. Mein jugendliches Ich lächelte spöttisch und rechnete nach, dass man für das Geld auch 20 Kästen Bier kaufen könnte. Dann aber überlegte ich, wie lange es wohl dauern würde diese zu leeren und somit war die Argumentation dahin. Eigentlich wollte ich ja nie so werden: ein Haushaltsgerät statt Alkohol…
Überzeugt hat mich ein Zeitungsinterview mit der Philosophin Silvia Federici über die Hausarbeit. Ihr Hauptkritikpunkt am Kapitalismus ist, dass «er Krieg als produktiv für das Bruttoinlandsprodukt wertet, während Kindererziehung, Kochen, Putzen, Sex und so weiter nicht dazu gezählt werden». Wenn man darüber nachdenkt, wie viele Milliarden in die Entwicklung von Militärtechnologie investiert werden und wie es im Vergleich dazu um Haushaltsgeräte steht, wird diese These greifbar.
Roberto und ich, das war Liebe auf den ersten Blick. Und es ist noch viel mehr: Unsere Liebe ist ein feministischer und ein pazifistischer Akt. Daher: Putzroboter an die Macht!
Veronika Fischer, 1987, ist Journalistin in Konstanz und Mutter von zwei Kindern. Dieser Beitrag erschien im Februarheft von Saiten.
Gastkommentar von Jacques Michel Conrad
Zum 20. Mal bringt das Kulturfestival internationale Entdeckungen und lokale Lieblingsbands in einen der schönsten Konzertorte St.Gallens. Zum Jubiläum blickt Organisator Lukas Hofstetter zurück – und behauptet sich zugleich in einem Musikgeschäft, das für kleinere Festivals immer schwieriger geworden ist.
Vor 40 Jahren gründete Felix Lehner in Beinwil am See die Kunstgiesserei, die 1994 nach St.Gallen zog. Und vor 20 Jahren entstand ergänzend dazu die Stiftung Sitterwerk, die unter anderem eine weltweit einzigartige Kunstbibliothek führt. Wir tauchen ein in diesen wundersamen Mikrokosmos im Sittertal. Ausserdem in der Juli/August-Doppelnummer: die unverzichtbaren Sommertipps, die Flaschenpost von Anna Stern aus Finnland und das Interview zum 100-Jahr-Jubiläum unserer Hausdruckerei Niedermann.
Florian Fuchs arbeitet an einer antik anmutenden, 2,5 Meter hohen Marmorstatue. Warum interessiert sich ein junger Bildhauer für diese klassische Herangehensweise? Ein Werkstattbesuch in Flawil.
Es war das Jahrzehnt der Kultur: In den 80ern kam die Stadt St.Gallen zu einer Kunsthalle, einem Programmkino, der Frauenbibliothek, der Grabenhalle, genossenschaftlichen Beizen und anderem. Wie das gelang und wer die Fäden zog, zeichnen Ralph Hug und Corinne Schatz im Buch Der grosse Aufbruch nach.
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Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
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Neue Eigenproduktion
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Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
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