Seit über fünf Jahren reiht sich das «Fanlokal» der FCSG-Fans (Bild) in die Barmeile eingangs der Lämmlisbrunnenstrasse ein. Doch diese Meile stirbt aus: Nach der Metal-Bar «Titty Twister» ziehen nun auch die Fans weiter – aber nur ein paar hundert Meter die Strasse runter. Ab Mitte Juli wirten sie im traditionsreichen «Bierhof». «Seit dem letzten Sommer wurde der Wunsch nach Veränderung bei uns immer grösser», sagt Manuel Bernhardsgrütter, Mitglied des rund 20-köpfigen Kollektivs, das die Bar in Freiwilligenarbeit schmeisst.
Das «Fanlokal» – ein ehemaliges Kleidergeschäft – sei mit seinen verschachtelten Innenräumen und der fehlenden Gartenbeiz noch nie der ideale Ort für einen Treffpunkt gewesen, sag Bernhardsgrütter. In den ersten Jahren habe allerdings der Reiz des Neuen und der Schwung des Kollektivs dazu geführt, dass sich FCSG-Fans aller Tribünen oder Lager und verschiedenste Fussballliebhaber dort getroffen hätten.
Nur noch der harte Kern
Tatsächlich bespielten die Barbetreiber mit viel Phantasie das weite (Themen-)Feld des Fussballs und seiner Randgebiete: Nebst regelmässigen Spielübertragungen gab es auch mal Filmvorführungen, Vorträge von FCSG-Fans über die legendären 80er mit Zamorano und dem berüchtigten Helikopter-Vorfall, Konzerte (etwa Manuel Stahlberger) oder Fondue- und Spaghettiabende.
Die Anlässe seien dann aber immer weniger geworden, sagten Mitglieder des Kollektivs an einem Infoanlass, an den sie diesen Mittwochabend eingeladen hatten. «Letztendlich hatten wir die Situation, dass sich im Fanlokal fast nur noch jene Fans trafen, die im Stadion hinter dem Tor stehen. Das soll im neuen Lokal wieder anders werden», sagt Bernhardsgrütter, der durch den Infoanlass führte.
Fast die ganze Woche Barbetrieb
Die Tinte unter dem Mietvertrag ist seit kurzem trocken und so konnte das Kollektiv erste Ideen präsentieren. Betont wurde aber, dass Vieles offen sei und das Kollektiv sich Mitarbeit von allen Seiten wünscht. «Wir brauchen eure Ideen und euer Engagement. Wir schaffen das nur zusammen», so lautete die Botschaft, die mehrmals an diesem Abend an die Fussballfans ging.
Geplant ist, dass im «Bierhof» an fünf Abenden pro Woche Barbetrieb sein soll – abgestimmt auf den Spielplan nationaler und internationaler Fussballligen. Nebst Spielübertragungen sollen auch Anlässe wie die oben erwähnten wieder im Zentrum stehen. So sollen «FCSG-Fans von allen Tribünen» in den «Bierhof» gelockt werden. Ausserdem hat die Beiz ein grosses Fumoir und eine Aussenbestuhlung hin zur belebten Lämmlisbrunnenstrasse.
Nur schon wegen des Sprungs von im Schnitt zwei Barabenden pro Woche auf fünf will und muss das Kollektiv nun aber grösser werden. Finanziell will man sich nicht überlupfen: Die Miete für den «Bierhof», der der Brauerei Schützengarten gehört, ist nur unwesentlich höher als für das «Fanlokal», und der Betrieb soll weiterhin mit Freiwilligen geführt werden.
Professionalisierung heiss diskutiert
Über eine Professionalisierung habe das Kollektiv lange diskutiert. «Wir glauben aber, dass wir mit einer Bar von Fans für Fans am meisten Wirkung haben», sagte Bernhardsgrütter am Mittwoch im «Fanlokal».
Das Wort Professionalisierung wurde denn auch in der Diskussion der Fans ein paar Mal in die Runde geworfen. Skepsis war zu spüren, ob das Kollektiv die Erweiterung auf einen fast täglichen Barbetrieb schafft – aber auch Aufbruchsstimmung angesichts der Chance, die ein traditionsreiches, grosses und gut gelegenes Lokal wie der «Bierhof» für die Fanszene bietet. A propos Fanszene: Auch die Fanarbeiter zügeln ihr Büro vom «Fanlokal» in den ersten Stock vom «Bierhof».
Nun wartet also viel Arbeit auf das «Fanlokal»–Kollektiv – das sich explizit Mithilfe und Inputs von möglichst vielen Leuten wünscht. Gesucht ist unter anderem auch noch der Name des neuen Lokals. Sicher ist: Der historische Name «Bierhof» (an der Fassade des Jugendstilgebäudes verewigt) wird in einer Form bleiben, sprachwitzig kombiniert mit dem bisherigen Namen etwa. «Oliver Bierhof», schlug ein Zwischenrufer aus dem Publikum vor. An Fantasie mangelt es den FCSG-Fans also nicht – auf die Eröffnung, die spätestens mit dem Saisonstart der Super League am 22. Juli gefeiert wird, darf man gespannt sein.
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