Kategorie
Autor:innen
Jahr

Fussball, Fans und Journalismus

Am Donnerstag wurde das siebte SENF-Heft vorgestellt. Am dazugehörigen Podiumsgespräch ging es um die Medien, dabei wurde auch eine ältere Geschichte wieder aufgerollt. Und richtiggestellt.
Von  Corinne Riedener
Bruno Zanvit (links) und Christian Brägger. (Bilder: SENF)

Die neuste Ausgabe des Fussballmagazins SENF heisst «Mir und di andere». «Fussball ist nun mal ein Spiel, das nur mit einem Gegner funktioniert», heisst es im Editorial. «Und richtig spannend wird es sowieso erst, wenn auf der anderen Platzhälfte eine Mannschaft steht, mit welcher der eigene Verein eine gemeinsame Geschichte verbindet. Kurzum: ‹Mir› sind zwar immer die und unzweifelhaft die Besten, ohne ‹di Andere› geht es aber halt auch nicht.»

Das Motto der Podiumsdiskussion am Heft-Release gestern Abend im Fanlokal war ebenfalls «Wir und die anderen», allerdings waren hier nicht die gegnerischen Teams gemeint, sondern die Medien – Die Fans und die Medien, Senf und die anderen Medien, der Fussball und die Medien. Bruno Zanvit vom Senf-Kollektiv moderierte die Runde, bestehend aus Christian Brägger, Sportjournalist beim «Tagblatt», Jan Schaller vom Toxic-Adranalin-Team und Ruben Schönenberger vom Senf-Kollektiv.

Nicht immer ein einfaches Thema, Fussball und Medien, besonders wenn es um die Fans geht. Geschrieben wird viel über sie, aber effektiv zu Wort kommen sie nur selten abseits der eigenen Plattformen. Ausser es wird politisch. Dann heisst es wahlweise, man schreibe zu wenig, zu unkritisch oder zu nett über die Fans und das Fussballbusiness. Auch die Saiten-Berichterstattung – dazu gehört auch die Senf-Kolumne auf saiten.ch – wird regelmässig kritisiert, dass sie zu viel Fantum und gute Laune und zu wenig (Kapitalismus-)Kritik beinhalte. Nicht ganz zu Unrecht.

Die Distanz wahren

Man müsse differenzieren, sagte Christian Brägger auf die Frage, ob er denn selber auch Grün-Weiss-Fan sei. «Im Fall von St.Gallen ist es wohl gut, wenn man nicht Fan ist, sondern einfach Sympathisant.» Und in seinem Fall, als objektiver Berichterstatter, sei es sowieso wichtig, die Distanz zu wahren.

Bei Jan Schaller liegt die Sache anders. Wer ihm schon einmal live zugehört hat während der Partie, weiss, wie laut sein Herz für den FCSG schlägt. Ruben Schönenberger und den anderem vom Senf-Kollektiv ergeht es zwar gleich, doch sie versuchen trotzdem möglichst objektiv zu bleiben. «Wir sehen uns als Fussballmagazin, nicht als Fanmagazin», betonte Schönenberger.

Jan Schaller (links) und Ruben Schönenberger

Das «Tagblatt» ist Medienpartner des FC St.Gallen und hat auch mit Abstand die grössten Ressourcen in der Berichterstattung. Es darum als «Hausblatt des FCSG» zu bezeichnen, sei aber «völlig unbegründet», sagte Brägger. Die Medienpartnerschaft habe auf den redaktionellen Teil keinen Einfluss. «Wir sind wohl diejenigen, die am meisten Kontakt zur Vereinsführung haben, der nicht positiv ist, weil man nicht immer einverstanden ist mit unserer Berichterstattung. Ich glaube sogar, dass die kritische Berichterstattung eher noch angezogen hat in den letzten Jahren.»

Nicht so dramatisch wie angenommen

Das mag sein, stimmt aber sicher in einem Fall so nicht. Es geht um einen Vorfall im letzten April. St.Gallen verlor gegen Basel mit 0:7, die Fans waren geknickt. «Eine verärgerte Hundertschaft blockierte die unterirdische Zufahrt zur AFG Arena und hinderte die Spieler daran, von der Stätte des Unheils wegzukommen», stand tags darauf im «Tagblatt». «Die Polizei war ebenfalls zur Stelle, und auch Präsident Dölf Früh half mit, eine Eskalation zu verhindern. Nach langem Zureden war es schliesslich geschafft.»

SENF 07, ab jetzt erhältlich. Aboservice: senf.sg

Auf der Fanseite sah man das völlig anders. Senf hat dazu Stellung genommen: «In der Tat standen einige Fans in besagter Ausfahrt. Entgegen dem Tagblatt-Artikel war die Stimmung aber ausserordentlich ruhig, fast schon entspannt.» Die Ausfahrt sei niemandem verweigert worden und es habe auch zu keiner Zeit irgendwer eingreifen müssen. «Weder die Polizei noch Dölf Früh mussten die Situation beruhigen.»

Brägger, der besagten «Tagblatt»-Artikel verfasst hat, räumte denn auch ein, dass das Ganze «im Nachhinein etwas unglücklich verlaufen» sei und schilderte nochmals seine Sicht: Er sei damals «von sehr hoher Stelle» des FC St.Gallen angerufen und über die Geschehnisse informiert worden, kurz vor Redaktionsschluss. Da das 0:7 eine schwierige Situation für alle gewesen sei und die Leser schliesslich das Recht hätten, zu erfahren, wenn etwas passiert, habe er sich entschieden, die Geschichte zu machen. «Dass es gar nicht so dramatisch war, hat man mir am Telefon nicht erzählt», erklärte er, verkniff sich aber eine offizielle Entschuldigung. Oder das Zugeständnis, die Angaben «von sehr hoher Stelle» beim nächsten Mal zu überprüfen.

Ein eigener Zapfhahn im Stadion

Keine Frage, wenn der Redaktionsschluss im Nacken sitzt, können solche Fehler schnell passieren. Das musste auch Saiten schon erfahren. Allerdings kommen die Fans auch im normalen journalistischen Alltag, wenn es diesen denn gibt, nicht immer gut weg.

Früher sei es schlimmer gewesen, meinte Zanvit. «Die Negativberichterstattung hat gefühlt etwas abgenommen, seit nicht mehr auf dem Rücken der Fans Politikkarriere gemacht wird im Kanton St.Gallen.» Schönenberger stimmte dem zu, gab aber zu bedenken, dass das Problem auch hausgemacht sei. «Fans sind per se eher zurückhaltend im Umgang mit den Medien. Wenn aus dieser Ecke so wenig kommt, ist es ein Stück weit normal, dass die Berichterstattung Schlagseite hat.»

Zum Schluss die gegenseitigen Wünsche für die Zukunft: Brägger, der auch schon neben Schaller sitzen musste in der Arena und entsprechend strapazierte Ohren davontrug, würde gerne einmal die ruhige Seite des Adrenalin-Schallers erleben. Dieser wiederum wünscht sich erstens einen eigenen Zapfhahn im Stadion und zweitens eine kritischere Eigenberichterstattung seitens FCSG. Und Schönenberger, der sich mittlerweile an die toxischen Ausbrüche gewöhnt hat, nähme ebenfalls den Zapfhahn – und ist alles andere als böse, wenn der FC die kritische Berichterstattung weiterhin dem SENF-Kollektiv überlässt.

Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
Image2

Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
260708 Gutesbauen 02 260527 GBO2603 4559 MAX

Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
Offizielles bild stadtrat 2021 Bild PD Ueli Steinbgruber

Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
Daemmerung Prates de Matos 4

In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
IMG 9687 2

«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
Ingeborg Bachmann Still 01 Elliott Kreyenberg 1920x1080 jpg

Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
260708 Jim Dime Florin Roeoesli DSC6138

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
Hekvetia Hd M

FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
IMG 0500

Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
DRILL Pressphoto 2 Full

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi