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«Fordlandia»: Mythos-Mensch-Tanz

Die Tanzkompagnie des Theaters St.Gallen und das neu formierte Leitungsteam geben im ersten eigenen Tanzstück Einblick in den kreativen Prozess einer Theaterproduktion. «Fordlandia» lebt von sphärischer Musik, ausdrucksstarken Tänzer:innen und technischen Effekten.

Von  Nathalie Grand , 
Fordlandia ist das erste Stück der neuen Leitung der Tanzkompagnie des Theaters St.Gallen. (Bilder: Gregory Batardon)

Der visionäre Tanzabend im Grossen Haus des Theaters St.Gallen trägt die Handschrift der beiden Choreografen Frank Fannar Pedersen (künstlicher Leiter der Sparte Tanz) und Javier Rodríguez Cobos. Der Isländer und der Spanier arbeiteten schon oft zusammen, in den vergangenen Jahren hat sich diese choreografische Liaison intensiviert.

Fordlandia steht schon länger auf der To-do-Liste der beiden ehemaligen Tänzer. Sie hatten die Idee, den Pioniergeist von Henry Ford in ihrer tänzerischen Sprache auf die Bühne zu bringen.

Geisterstadt statt Musterstadt

Der US-amerikanische Autokönig konnte für seine Automobile in Detroit alle Materialien selbst produzieren – ausser Gummi. Deshalb stampfte er vor rund einhundert Jahren mitten im Dschungel eine Kautschukplantage samt Arbeitersiedlung aus dem Boden.

In «Fordlandia» wollte er den Brasilianer:innen die amerikanische Kleinstadt-Idylle näherbringen. Rauchen, Alkohol und Bordelle waren verboten. Die Vision endete in einem Fiasko. Die Umerziehungsversuche des Autobauers führten zum Aufstand. Aus der Musterstadt wurde eine Geisterstadt. Die Werkhallen wurden 1945 aufgegeben, seither verfallen sie.

Der isländische Komponist Jóhann Jóhannsson widmete dem Zeitzeugnis menschlichen Scheiterns 2008 das Opus Fordlandia. Der 2018 verstorbene Musiker schaffte es, klassische Musik, alles andere als klassisch klingen zu lassen. Es war das zweite Werk seiner Trilogie Mythos-Mensch-Maschine. Fordlandia projiziert den Hörer:innen phantastische Bilder in den Kopf.

Fordlandia ist bis am 5. Juni am Theater St.Gallen zu sehen.

konzertundtheater.ch

Vom kühlen Norden …

Auch das Premierenpublikum begibt sich mit der St.Galler Tanzkompagnie auf eine abenteuerliche Reise. Im ersten Teil geht es in den kühlen Norden. Die Bühne wird einzig durch ein mit einer Rettungsdecke überspanntes Seil unterteilt. Die 16 Tänzer:innen schlüpfen nach und nach aus dem silbernen Zelt. In ihren eisblauen Overalls gleiten und springen sie wie spielende Delfine über das Tanzparkett, das mitunter wie ein zugefrorener See wirkt.

Pedersen und Cobos nutzen die Geschichte von «Fordlandia» als Schablone für die Suche nach der Utopie. «In jeder Utopie steckt Bewegung – und zwar in eine Richtung, die vorwärts geht», heisst es im Programmheft. «Ich fing an zu tanzen, weil ich nicht sprechen konnte», sagt Adamantia Papakyriaki unter anderem über ihren «First Dance».

Auch Beschreibungen der Strapazen bei den knallharten Auditions und die überspannten Erwartungen der Eltern bekommen viel Raum. Swane Küppers Interview mit zwei zufällig gewählten Personen im Publikum wirkt etwas langfädig. Die Stimmen kommen aus dem Off, eingesprochen von Schauspieler:innen. Vielleicht ein Einfall zu viel im Gemeinschaftswerk, dem der roten Faden etwas abhanden kommt.

… in den heissen Süden

In Fordlandia kommt die ganze Bühnenwelt zusammen: Die Kompagnie agiert als Bühnenarbeiter:innen, Ballett-Repetitor:innen oder Regiseur:innen. Emma Thesin schlüpft in die Rolle der Choreografin und gibt den Tänzer:innen Anweisungen. Nicht nur in Arvo Pärts Stück Spiegel im Spiegel entsteht ein Dialog, auch die Tänzer:innen treffen im Spiegel-Karussell aufeinander. Plexiglas Elemente werden geschickt wie Puzzleteile eingesetzt, die sich Stück für Stück aneinanderreihen.

Im zweiten Teil werden die Farben wärmer, die Kostüme bunter, die Tanzeinlagen inniger und die Sprünge kraftvoller. Man wähnt sich in einem Film von Pedro Almodóvar und glaubt, die Herzen der Tänzer:innen pochen zu hören und ihren Schweiss riechen zu können. Besonders intensiv ist das Duett von Emma Thesing und Luis Martinez Gea.

Spiel mit Licht, Ton und Emotionen

Bühne (Tina Tzoka), Licht (Lukas Marian) und Ton (Nicolai Gütter-Graf) reizen die Möglichkeiten des frisch renovierten Theaters aus. Es wird mit der grossen Technikkelle angerichtet. Die 40 neuen Mikrofone geben den Klang im ganzen Raum wieder. Das neue Soundsystem hilft auch den Tänzer:innen, die immer wieder im Orchestergraben verschwinden, sich klanglich zurecht zu finden. Für den riesigen Vorhang wurde über 7 Kilometer Seil verarbeitet.

Das Spiel mit Spiegelungen, Reflexen und Materialien wird auf die Spitze getrieben: Désirée Müller und Florentino Mori (Kostüme) haben fürs Finale ein mysteriöses Spiegelwesen (Baptiste Berrin) erschaffen, dass einem zuzurufen scheint: «Das ist der Moment, in dem alle Teile zusammenkommen und etwas Neues entsteht.»

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

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Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

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Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

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Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

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Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

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Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

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Sound­track für den Herbst

Hu­man Hu­man spie­len me­lan­cho­li­schen und fra­gi­len In­die-Pop, der trotz­dem warm und licht­durch­flu­tet ist. Das St.Gal­ler Duo hat jetzt sei­ne ers­te EP ver­öf­fent­licht und tritt am Wo­chen­en­de gleich zwei­mal im Bahn­hof Brug­gen auf – erst­mals mit ei­ner Band.

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Kommentar zur Beratung der Inklusionsinitiative im Nationalrat

Men­schen­wür­de, nicht Bud­get­pos­ten

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1976 lässt sich Gerd Zi­keli in der evan­ge­li­schen Kirch­ge­mein­de St.Gal­len-Strau­ben­zell zum Pfar­rer wäh­len. Drei Jah­re spä­ter wird er als gut ver­netz­ter Ho­lo­caust-Leug­ner und Vor­stands­mit­glie­der der ers­ten Neo­na­zi­grup­pe der Schweiz ent­tarnt. Heu­te be­ob­ach­tet er Lauf­enten.

Von Roman Hertler,
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Bild­hau­er Pe­ter Kamm haut kei­ne Stei­ne mehr im Ate­lier. Trotz­dem ent­ste­hen neue Skulp­tu­ren, die ak­tu­ell in Steck­born zu se­hen sind. Wie geht das?

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Die Stick­ma­schi­ne steht still

In vie­len Aus­ser­rho­der Dör­fern klap­per­ten frü­her Web­stüh­le und spä­ter Stick­ma­schi­nen. In­zwi­schen sind sie al­le ver­stummt. Der Film Das En­de ei­ner Ära por­trä­tiert die Sti­cker Wal­ter Son­der­eg­ger Se­ni­or und Ju­ni­or aus Re­he­to­bel und setzt der Bran­che ein Denk­mal.

Von René Hornung,
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Nur das Jetzt zählt

Der Schwei­zer Fil­me­ma­cher Kas­par Ka­sics über­lässt in sei­nem neu­en Film Das un­end­li­che Jetzt Men­schen, die mit De­menz le­ben, die Büh­ne. Ein Ex­pe­ri­ment mit ei­nem aus­ser­ge­wöhn­li­chen Sto­rytel­ling, auf das es sich ein­zu­las­sen lohnt.

Von Vera Zatti,
Still das unendliche jetzt christian sonderegger johanna rensing vinca film distant lights

Das Kro­ko­dil schnappt wie­der zu

Die Schwei­zer Rock­le­gen­den Kro­ko­dil ha­ben kürz­lich ihr neu­es Al­bum Bey­ond The Eye ver­öf­fent­licht. Ur-Kro­ko­dil Dü­de Dürst schwärmt von der En­er­gie der 2019 wie­der­be­leb­ten Band – und hat noch lan­ge nicht ge­nug. Am Frei­tag spie­len sie in der Gra­ben­hal­le.

Von Pius Frey und David Gadze,
Krokodil 2026 pd

24/7 Traumacore

Heat Girl Sum­mer

Von Mia Nägeli,

Kunst in Oberuzwil

Spu­ren der Hei­mat

Von Vera Zatti,
Dieses

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Mehr als Jazz im Kult­bau

Von Richard Butz,
GP Trio MF90302 k

«Die Wahr­neh­mung nicht be­die­nen, son­dern schär­fen»

Pa­trick Kess­ler er­hält den Aus­ser­rho­der Kul­tur­preis 2026. Der Kon­tra­bas­sist, Klang­künst­ler und Ku­ra­tor aus Gais reist mit al­ten Laut­spre­chern nach Wien und Ha­noi, tritt mit In­sek­ten in ei­nen mu­si­ka­li­schen Dia­log und fin­det sei­ne wich­tigs­ten Lek­tio­nen nicht un­be­dingt an Hoch­schu­len.

Von Philipp Bürkler,
Bassilikum 04

Mo­bi­li­täts­al­li­anz nimmt Fahrt auf

Die Mo­bi­li­täts­al­li­anz Ost­schweiz will Pend­ler:in­nen zum Um­stieg vom Au­to auf Bus, Bahn und Ve­lo be­we­gen. Bei den zehn be­tei­lig­ten Gross­un­ter­neh­men lässt be­reits je­de fünf­te Per­son das Au­to am Mor­gen ste­hen. Nun sol­len 500 wei­te­re Fir­men fol­gen. 

Von Philipp Bürkler,
Mobilitaetsallianz 1 philipp buerkler

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Au­gus­tin Re­be­tez macht kei­ne hal­ben Sa­chen. Sei­ne Kunst ist aus­ufernd und dicht zu­gleich. Er ent­wi­ckelt an­spie­lungs­rei­che Bild­wel­ten – ak­tu­ell in der Kunst­hal­le Ar­bon.

Von Kristin Schmidt,
Augustin Rebetez key visual Kunsthalle Arbon Augustin Rebetez

Zu hoch für Ap­pen­zell

Der Kan­ton Ap­pen­zell In­ner­rho­den plan­te am Lands­ge­mein­de­platz in Ap­pen­zell ein neu­es Ge­bäu­de für die Ge­rich­te, die Bi­blio­thek und die kan­to­na­le Ver­wal­tung. Die eid­ge­nös­si­schen Kom­mis­sio­nen für Na­tur- und Hei­mat­schutz und je­ne für Denk­mal­pfle­ge brach­ten das Pro­jekt je­doch zu Fall.

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Verwaltungsgebaeude appenzell pd