Wer den Knecht Ruprecht betritt, verfällt sofort in eine gemütliche Stimmung. Das Lokal befindet sich dieses Jahr in den Räumen des ehemaligen Bro Record im ersten Stock an der Neugasse 48 mit Eingang zum Oberen Graben hinaus.
Es gibt Sofas, Sitzecken, eine Bühne, eine Bar und vor allem allerlei Kurioses, das auch gekauft werden kann: Im Brotkasten dreht ein motorisierter Schwan im rasenden Rausch seine Runden. Im WC befindet sich ein kleines Gruselkabinett, das aus einer unheimlichen, scheppernden Puppe besteht. Zu entdecken gibt es noch vieles, zum Beispiel Blumen-Rössli, handgemachten Schmuck, upgecycelte Kleider, Gutscheine der Hilfsorganisation Aid Hoc, Karten, Kunst und Stempel.
Eine Mischung aus guter Stube und Lagerhalle
«Am Anfang hatten wir Bedenken, dass wir in diesem Raum mit seinen grossen Fenstern keine gemütliche Stimmung schaffen können», sagt Iris Betschart, Kulturschaffende und Künstlerin. Den Knecht Ruprecht organisiert sie wie in den Vorjahren zusammen mit Martina Wagner und Barbara Rohner.
Knecht Ruprecht: bis 23. Dezember, immer Donnerstag bis Sonntag ab 14 Uhr knechtruprecht.ch
Wer nach draussen schaut, blickt auf der einen Seite direkt auf den Subway-Schriftzug und andere Leuchtreklamen, auf der anderen Seite hängen die Merry-Christmas-Shoppingplakate in den Schaufenstern der Neugasse. Die Bedenken der drei Initiantinnen haben sich allerdings in Luft aufgelöst: Gründe nach draussen zu schauen gibt es im kunterbunten Knecht Ruprecht keine. Zu heimelig ist die Einrichtung, die an eine Mischung aus Stube und Lagerhalle erinnert.
Iris Betschart. (Bild: Nina Rudnicki)
Die Räume an der Neugasse 48 zur Zwischennutzung vermittelt hat das Amt für Kultur. Nebst dem Knecht Ruprecht ist auch das Kultgeschäft Klang und Kleid mit einem Pop Up Market eingezogen. Das Sortiment setzt sich zusammen aus Vinyl, Poster Art, Leuchtbuchstaben, Klamotten, Vintage- und Designmöbeln sowie Accessoires aus den 30ern bis 80ern. Ein Besuch an der Neugasse 48 lohnt sich also gleich doppelt für jene, die nach nachhaltigen und originellen Dingen suchen.
Lüften oder nicht: wie jetzt?
«Ohne das Amt für Kultur wäre es schwierig geworden, an so einen Raum zu kommen. Man erfährt ja kaum, wo es Orte zur Zwischennutzung gibt», sagt Iris Betschart, die sich für bezahlbare Räume und Ateliers für Kunst- und Kulturschaffende einsetzt und gegen sinnlose, bürokratische Hürden kämpft.
Das Lokal im Aufbau.
Unnötig kompliziert wurde es laut Betschart auch, als es darum ging, die Bedingungen für die Bewilligung des Knecht Ruprecht zu erfüllen. «Es wurden erst einmal Szenarien entworfen und Auflagen gemacht, die Projekte mit kleinen Budgets fast verunmöglichen», sagt sie. So musste etwa ein neues Sicherheitsschloss eingebaut werden: Falls sich jemand absichtlich im Knecht Ruprecht einschliessen lässt, kann er oder sie die Räume dennoch verlassen, wenn ein Feuer ausbrechen sollte. Und die Fenstergriffe mussten abgeschraubt werden, damit niemand auf die Strasse fällt, falls er auf das hüfthohe Fenstersims klettert und ein Fenster öffnet.
«Dadurch entstand nun aber das Problem, dass nicht mehr gelüftet werden konnte, was eine weitere Vorschrift war. Und Lüften durch die Tür, die direkt nach draussen führt, war unerwünscht», sagt Iris Betschart, die sich an dieser Mentalität stört, immer gleich vom Schlimmsten auszugehen. «Am Anfang hatte ich das Gefühl, unser Projekt ist gar nicht erwünscht. Als die für die Bewilligung zuständigen Personen dann aber gesehen haben, was der Knecht Ruprecht ist, hat es ihnen gefallen.»
Gelohnt hat sich der Einsatz der drei Initiantinnen allemal – und es ist auch noch einiges geplant, bis der Knecht Ruprecht wieder schliesst: Schon diesen Freitag steht das nächste Konzert an. Lady A and Her Spotted Fairytale spielt jazzige Songs mit einer Prise Funk & Blues. Am Samstag gibt Coniglio Connection ein Swing-Jazz-Konzert, am 14. Dezember zaubert acuerDos karibische Stimmung und Musik in die Vorweihnachtszeit und am 15. Dezember spielen Herr Bitter ein melancholisch-hyperaktives Ständchen.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»