Die Ode ans Fahrrad geht so: «Jeder, der sich tunlichst fortbewegen will von Ort zu Ort, steht vor einer wichtigen Wahl: Wie reist man dieses Mal? Soll man sich in Busse zwängen? In die Staus, die langen, engen? Freunde, mir wär’ das zu fad, deshalb fahr’ ich Rad. Mit jeder Radumdrehung, jeder Ampelumgehung, mit jeder unserer Schrammen, wachsen wir zusammen.»
Fahrrad fahren sei eine Sucht, singt Simon Hotz im Refrain, begleitet nur von ihm selbst am Piano, und hofft, dass bald auch alle anderen auf den Geschmack kommen. Dass die radelnden Leute mehr werden und die Autositze und -bahnen leer werden. Völlig konsequent für einen, der beim Klimakollektiv Ostschweiz mitmischt.
Hotz singt seine Version von Stahlbergers Klimawandel an der Klimademo im September 2019 in St.Gallen.
Wenn man dem 19-jährigen Liedermacher und bandXost-Finalisten etwas nicht vorwerfen kann, dann ist es mangelnde Klarheit. Seine Lieder sind stets gesellschaftskritisch, klimaverträglich, antikapitalistisch. Nicht durch die Blume oder bemüht doppelbödig, wie es andere gern versuchen, sondern ziemlich präzis in your face. Da und dort mit einem Schuss Ironie.
Zum Beispiel wenn er von seiner Traumfrau singt, die mindestens Doppel D trägt, nicht schnarcht und Kerzenschein mag, aber letztlich doch durch eine Roboterin ersetzt wird. Weil pflegeleichter und nach den eigenen Wünschen gestaltbar. So ist das im Zeitalter von Tinder, Sexpuppen und algorithmusbasierten Partnervermittlungen: Die wahre Liebe verkommt zur Ware Liebe und ums Eck wartet immer noch eine bessere Partie.
EP-Taufe Wo wir hinkämen: 7. Februar, 21 Uhr, Grabenhalle St.Gallen
simonhotz.ch grabenhalle.ch
Oder Wo wir hinkämen. «Wo kämen wir denn da hin?!», fragt Hotz in schönstem Boomer-Tonfall, wenn «alle plötzlich nur noch täten, was wir wahrlich gerne tun», wenn «alle Ungerechtigkeiten wie Herrschaft oder Macht von allen Weltenbürgern nur noch würden ausgelacht», wenn «wir uns nicht mehr kümmern, um Marge und Gewinn».
Bis dahin noch einigermassen ironisch, doch der Schluss macht nochmal klar: Hotz hat eine Mission. Die Liedermacherei ist für ihn nicht bloss ein Plausch, sondern auch Mittel zum Zweck. Aber in allererster Linie brauche er die Musik, sagt Hotz, «um ob der Welt und all ihrer (Un-)Schönheiten den Kopf nicht völlig zu verlieren».
Angefangen hat alles mit einem Workshop beim Liedergott Konstantin Wecker. Inspiration findet Hotz unter anderem in den Texten von Erich Kästner, seine Vorbilder heissen Hannes Wader, Georg Danzer, Reinhard Mey. Fehlt eigentlich nur noch Georg Kreisler in diesem Reigen wortgewandter Männer. Hotz’ Version von Wenn alle das täten würde dann statt «bleiben Sie doch mal ihrer Arbeit fern, gehn sie stattdessen spazieren» heissen: «Bleibt doch mal eurer Schule fern, geht stattdessen Streiken fürs Klima.»
Mehr zu Simon Hotz im Novemberheft 2019 von Saiten oder hier. Dieser Beitrag erschien im Februarheft von Saiten.
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