«Dort, wo alles geschieht, wo Täter auf Opfer trifft, Schöpfer auf Kunstobjekt, Lebendiges auf Totes, Besucher auf Aussteller, dort wo die Spannung steigt: das ist der Tatort.» So kündigt die 14. St.Galler Museumsnacht ihr diesjähriges Leitmotiv an.
Und wenn das Motto schon «Tatort» heisst, gehört eine ordentliche Sammlung von Waffen, Einbruchswerkzeug, Falschgeld und Handschellen zum Programm. Zu finden ist sie im Kriminalmuseum der Kantonspolizei St.Gallen, dessen Existenz auch vielen Einheimischen vermutlich bisher entgangen ist: im Durchgang vom Klosterhof zum Spisertor. Ab 18 Uhr finden kriminalistische Führungen statt, die letzte zur Geisterstunde – Konkurrenz zum traditionellen Mitternachtsguss im Sitterwerk.
Das Kriminalmuseum ist eine von insgesamt über 30 Institutionen, die an der diesjährigen Museumsnacht ihre Türen öffnen. Alle Museen sind beteiligt, vom Kunst- und Naturmuseum bis zum Bier- und Seifenmuseum, dazu Bibliotheken, Galerien, Kunstkiosk, Nextex, der Jugendkulturraum Flon, Kathedrale und Laurenzenkirche, Frauenpavillon, Universität St.Gallen und Ostschweiz Tourismus.
Ein neuer «Ingresso»
Auch das Kulturkonsulat an der Frongartenstrasse macht seine Türe auf – mit einer neugestalteten Eingangs-Installation. Ingresso heisst die Arbeit der Künstlerinnen Gabriela Falkner und Barbara Nimke.
«Vielleicht fragen Sie sich, wo Sie hier gelandet sind, wo dieser Gang, der kein richtiger Gang, höchstens ein Durchgang ist und sich Eingang nennt, hinführen mag», heisst es im Begleittext zum neuen «Ingresso». «Vielleicht irritiert Sie, dass die Tür über sechs Stufen scheinbar nur zu einer nächsten Tür führt, die wiederum nicht dem entspricht, wie man sich gemeinhin eine Tür vorstellt. Sie ist einerseits geschlossen – andrerseits aber gerade vor Ihnen von einer anderen Person besetzt, aber wie kann eine Tür «besetzt» sein, und ist sie dann offen oder zu? Lädt Sie die Person vor Ihnen ein, einzutreten? Immerhin trägt sie ein Schild, «Ingresso per il Pubblico». Oder rät sie eher davon ab, weiterzugehen? Und jetzt läutet auch noch das Telefon…».
Wer eintritt, findet am Tatort Konsulat zum einen die aktuelle Nextex-Ausstellung «Nowhere near»: Die vier Kunstschaffenden Asi Föcker, Jiří Makovec, Nora Rekade und Liesl Raff haben den Ausstellungsraum als Atelier und Werkstatt genutzt, das Ergebnis ist jetzt zu sehen. Einen Stock höher zeigt zum andern der Kunstkiosk Arbeiten junger Künstlerinnen und Künstler und verspricht, damit den Detektiv oder die Detektivin im Publikum zu wecken.
Mord und Totentanz
Kriminalistische Züge trägt auch der neue Roman von Franz Hohler, Das Päckchen. Im der Bibliothek Hauptpost liest Hohler um 19 Uhr daraus, daneben gibt es weitere Lesungen und, wie vielerorts, ein Kinderprogramm. Das Textilmuseum mordet mit Stoffen, der Botanische Garten kündigt Grusliges aus dem «Tatort Tropenhaus» an: Begegnungen mit betrügerischen und giftigen Pflanzen. Die Kleine Kunstschule lädt zur «Spurensuche»:
Die Frauenbibliothek stellt «taffe Ermittlerinnen» vor, im Frauenpavillon slamt Miriam Schöb, und ein intensives Programm rund um Tod und Totenrituale hat das Historische und Völkerkundemuseum zusammengestellt, unter anderem mit einer Vernissage mit dem Künstler Hans Thomann um Mitternacht im Hof. Die Macelleria d’Arte bietet unter dem Titel «Trotart» Kunst und Musik, nicht weit davon entfernt lädt das Museum of Emptiness zur «Silent Party».
Das Museum im Lagerhaus hebt aus seiner laufenden Ausstellung «Backstage» passend zum Motto der Museumsnacht ein Werk besonders hervor: Das Selbstbildnis von Paula Roth, der malenden Wirtin der Bellaluna im Albulatal, die vor 30 Jahren von Einbrechern ermordet wurde. Zudem gibt es im Lagerhaus die Uraufführung eines Streichquartetts von Roman Rutishauser.
Dies eine Auswahl aus dem nächtlichen Programm, längs und quer durch die St.Galler Institutionen. 20 Franken kostet das Ticket für die ganze Museumsnacht. Alle Infos findet man hier.
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