Schon wieder fault uns der Herbst entgegen, mal wieder ein Wahlherbst, das merke ich immer sofort, mehr oder weniger schmerzlich, wenn jeweils ein Ceevaupeeler vor unseren Hanghäusern hängt, die bekanntlich der Christlichsozialen Wohnbaugenossenschaft gehören und der Partei eine prima Strassengartenwerbefläche bieten. Diesmal ists Boris, der grinskantig-joviale Rheintaler, «anerkannt und erfahren» soll er sein, ich kenne ihn, wie alle Leute weitherum ihn kennen: hopp, wiä häschts, beschtens, hopp. Beim Namen Boris muss ich unweigerlich an den komischen Bub im Hochhaus unserer Nachbarschaft in der Siedlung am Grossen Pfahlbauersee denken; nicht weil er der erste deutsche Zuwanderer war, der in unsere schweizerisch-italienische Quartieridylle einbrach, sondern weil er eine sehr seltsame Eigenart hatte: Er ass permanent von seiner eigenen Haut, also alles, was Hände, Zehen oder sonstige Körperteile häutend hergaben, und selbstverständlich auch Nasenböggen, und er trank ausschliesslich Coca-Cola; nie haben wir gesehen, dass er sich von etwas anderem ernährte als von Hautfetzen und Cola. Trotzdem liessen wir ihn ab und zu mitspielen, beim leidenschaftlich umstrittenen Landhockey auf dem Garagenvorplatz, und speziell freuten ihn alle Schürfungen, die der gnadenlose Teerboden forderte.
Sorry, bin abgeschweift, wollte vom Sommer erzählen, der allerdings nicht viel hergab an besonderen Vorkommnissen, und drum umso besser war. Ein langweiliger Sommer ist ein guter Sommer. Was erst recht für einen gilt wie für diesen Charlie, dem manche Bekannte erst noch im Spätfrühling Wutbürgertendenzen unterstellt hatten und dem das tiefenentspannte Nichtstun deshalb sehr entgegenkam. Ich hockte also südlich am Langen See im Schatten des Maulbeerbaums und las, wenn ich nicht wegschlummerte, grossartig altmodische Bücher wie Josef Bierbichlers deftige Bayern-Generationen-Saga Mittelreich, dessen Klang man sich anhand einer Interviewaussage Bierbichlers etwa so vorstellen muss: «Ich kenne noch die alten Bauern der fünfziger und sechziger Jahre, die ihre Hosen immer bis zu den Brustwarzen hochgezogen trugen. Die haben einen grossen Eindruck bei mir hinterlassen. Die gibt es, optisch, heute nicht mehr.» Oder, ebenso drastisch einnehmend und bildgewaltig, das sehr pfahlbauerlebensnahe Louisana-Shrimpfischer-Sumpfbuch Das zerstörte Leben des Wes Trench von Tom Cooper, in dem mich vor allem das Schicksal des einhändigen Grantlers Lindquist mitnahm.
Liegestuhl-Idylle zwischen See und Schwemmholzgrill, von nichts und niemandem überschattet. Weil nicht einmal jener Ratz auftauchte, vor dem man uns gewarnt hatte und den wir mit allerlei Brutalofallen fangen sollten, und weil Braunauge und ich offenbar seit längerem ewigen Frieden geschlossen hatten, mussten mangels Gezänk und Aufregung künstliche Feinde her. Ein bisschen konnten wir uns, so wir uns denn anstrengten, über die eitle Brut eines Motorbootbesitzers aufregen. Und über den einzigen Kormoran in unserer Bucht, ein kampftauchender Blöffsack, den wir Hugo tauften und den wir in seiner andauernden Fischjagdgier attackierten, wo wir konnten: schwimmend, tauchend, mit Schiefer- oder Kugelsteinen nach ihm werfend. Natürlich verhöhnte er uns und flatterte im Extremfall ein paar Meter auf eine Boje, wo er dann die Flügel trocknete, sich brüstend in der Pose eines albanischen Gummiadlers. Es sah jämmerlich aus, aber was kümmert das einen üblen Gesellen wie Kormohugo.
Ungetrübt erfreuliche Sommerlangeweile also. Überschattet war dann, wohl zur Strafe, prompt die Rückkehr. Kaum wieder in der Gallenstadt, wollte ich mich etwas bewegen, aber die Bronchien versagten ihren Dienst und alles machte schlapp, zwei Wochen lang ging nichts mehr. Also sehr viel Brust- und Hustentee, kiloweise Ingwer und Zitronen, Emserpastillen und andere Pillen und gehörig Mucho Mephisto, eigentlich Muco-Mepha, die bewährte schleimlösende Brausetablette, wie mein Apotheker sagt. Zeitweise sah das bös nach Medikamentencocktail aus, weil noch, langfristige Kniekur, monströse Tabletten dazu kamen; Chondrova, 90 Stück à 190 Gramm, sogenanntes Nahrungsergänzungsmittel mit Glucosaminsulfat und Chondroitinsulfat, für den Erhalt der Gelenkbeweglichkeit, leider kann man Knorpel ja noch immer nicht einspritzen. Jetzt darf wieder etwas passieren, diesen Herbst, Bewegung tut not, hopp Knorpel. Und, ach ja, Boris muss nicht unbedingt sein, schon gar nicht grinsend vor meinem Haus.
Patrick Kessler erhält den Ausserrhoder Kulturpreis 2026. Der Kontrabassist, Klangkünstler und Kurator aus Gais reist mit alten Lautsprechern nach Wien und Hanoi, tritt mit Insekten in einen musikalischen Dialog und findet seine wichtigsten Lektionen nicht unbedingt an Hochschulen.
Die Mobilitätsallianz Ostschweiz will Pendler:innen zum Umstieg vom Auto auf Bus, Bahn und Velo bewegen. Bei den zehn beteiligten Grossunternehmen lässt bereits jede fünfte Person das Auto am Morgen stehen. Nun sollen 500 weitere Firmen folgen.
Augustin Rebetez macht keine halben Sachen. Seine Kunst ist ausufernd und dicht zugleich. Er entwickelt anspielungsreiche Bildwelten – aktuell in der Kunsthalle Arbon.
Der Kanton Appenzell Innerrhoden plante am Landsgemeindeplatz in Appenzell ein neues Gebäude für die Gerichte, die Bibliothek und die kantonale Verwaltung. Die eidgenössischen Kommissionen für Natur- und Heimatschutz und jene für Denkmalpflege brachten das Projekt jedoch zu Fall.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
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Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
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