Wie fühlt sie sich an, die Welt zwischen Kindheit und Erwachsensein? Welche Themen sind aktuell? Blicke ich zurück, so ist es eine Zeit der grossen Unsicherheiten. Wie hat man auszusehen und sich zu benehmen? Wie reagiert man auf Ungerechtigkeiten, im Klassenzimmer, in der Welt? Wie reagiert man auf die erste Begegnung mit der Liebe? Erste Demos, erster Kuss, erste durchtanzte Nächte, erste Tränen wegen Oliver (oder war es Julian?). Wie fühlt es sich an, in dieser Zeit ein Teenager zu sein?
Wenn ich an mediale Katastrophen zurückdenke, fällt mir der Tod von Lady Di ein. Die Live-Übertragung der Beerdigung, ein Spektakel mit Elton Johns Candle in the Wind. Das waren emotionale Momente. Verändert hat sich dies drastisch mit dem elften September.
Vermutlich kann sich jeder und jede erinnern, wo er oder sie war, als die Nachricht eintraf. Fassungslos starrten alle auf die Bilder im Fernsehen, die immer und immer wieder Aufnahmen von einstürzenden Gebäuden zeigten und Menschen, die daraus in den Tod sprangen. Wie ist es aber, heute in dieser Phase des Lebens zu sein, wenn regelmässig Bilder von Terroranschlägen die Medienwelt fluten?
Paris, Nizza, Berlin, London, Manchester
Wie lebt es sich damit, wenn man ständig Nachrichten von ertrunkenen Flüchtlingen im Mittelmeer erhält oder von brennenden Unterkünften? Was passiert mit jungen, ungeformten, freien Denkweisen, wenn man mit einer Politik der Türkei, Russlands oder den USA konfrontiert wird?
30 Jugendliche des Tanzclubs am Jungen Theater Konstanz stehen auf der Bühne von Human – eine gewisse Ungewissheit in mir und erzählen mittels Tanz, Dialogen, Bildern und Musik aus ihrer Welt. Sie haben das Stück selbst konzipiert und knapp ein Jahr daran gearbeitet, zum Teil zwischen den Abiprüfungen.
Es geht ihnen um Halt, Sinnsuche, Sehnsucht und Fragen, die schwer zu beantworten sind. «Alles fühlt sich so weit weg an. Es ist nicht mein Leben, nicht mein Thema», heisst es in einem Statement. Dann fliegen, schweben, fallen die Darstellenden in ausdrucksstarken Choreographien (Ingrid Blomeyer-Wittig) in die Themen, die ihnen Angst bereiten: Abschiebungen, Einreiseverbote, Diktaturen und Terrorismus werden diametral Freiheit, Solidarität, Mitgefühl und Wut gegenübergestellt.
Wut als treibende Kraft des Stückes
Es ist ein kleines Kunststück, das den Jugendlichen unter Regie von Tanja Jäckel hier gelingt: Sie zeigen einen Umgang mit diesem Gefühl, das nicht zerstörerisch, blendend und hasspredigend fungiert, sondern nützen die Kraft aus der Mitte ihres Körpers, um etwas zu schaffen – Musik und Tanz.
Weitere Vorstellungen: 15. Juli, 20 Uhr, Spiegelhalle Konstanz und 16. September, Kantinale im Neuwerk Konstanz theaterkonstanz.de
In verschiedenen Szenen wird mit rhythmisch bewegenden Körpern ausgedrückt, wo die Sprache ihre Vermittlungsfähigkeit verliert. So wird ein harmloses Ballspiel zum Abknallen, das Ticken der Uhr, des Vergänglichen, zum antreibenden Puls und Hilflosigkeit in Form von Lähmung zu Wut in Kraft und Energie umgewandelt.
Allen voran bewegt sich Sophia Foltin mit einem fantastischen Ausdruck über die Bühne und als wäre dem nicht genug, schwingt sie bei den musikalischen Stücken noch die Drums am Schlagzeug. Eine eigens für das Stück zusammengewürfelte Band spielt Stücke wie Cold Water von Damian Rice, Legendary von Welshly Arms, Human von Rag’n’Bone Man oder First Day of my life von Bright Eyes.
Hier glänzt Theo Hartmann als Frontsänger und Gitarrist mit einer Stimme, die mit ihrer Einfühlsamkeit und Verletzlichkeit Gänsehaut beschert. Ebenfalls Gänsehaut bekommt man, wenn Natalie Sumrah oder Pascale Marte das Mikrofon in die Hände bekommen. In ihrer Power erinnern sie an Pussy Riot und wenn sie ihre Stimmen erheben, wird abermals deutlich, wie aus Wut Wunderbares gemacht werden kann.
Das eindrückliche Stück zeigt in all seinen Facetten und persönlichen Gesichtern auf, dass in der Offenheit der Jugend deren grösste Stärke und zugleich auch die grösste Verletzlichkeit liegt. Wie sich die Darsteller eine Welt wünschen würden? Hierauf kommen Antworten, die von der Leichtigkeit eines Erdbeereises bis zu einem absoluten Füreinander einstehen reichen. Auch das wieder ein Sinnbild für die paradoxe Welt, in der wir heute aufwachsen.
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative
Theateraufführung
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Ein paar Federn, ein angeknabberter Tannenzapfen, ein Stück Plastik: Tiere und Menschen hinterlassen Spuren. Diesen widmet das Naturmuseum St.Gallen seine aktuelle Sonderausstellung «Spuren – Fährten, Frass und Federn».
In einer neuen Ausstellung wagt sich das Kunstmuseum Thurgau in der Kartause Ittingen an eine Neuvermessung des Verhältnisses von Kunst und Religion.
Hinter dem St.Galler Hauptbahnhof soll ein Konsumraum für Menschen mit schweren Suchterkrankungen entstehen. Diese Woche haben die Stadt und die Stiftung Suchthilfe Anwohner:innen eingeladen, um einen ersten Dialog zu starten.