«KI kennt vielleicht die Worte, aber nicht das Erleben.»

Wird KI irgendwann Kunst schaffen können? Die sechs Thurgauer Kulturschaffenden Simon Engeli, Sarah Hugentobler, Jana Kohler, Simone Keller, Fabian Ziegler und Beat Oswald im Gespräch. (Bild: Canva) 

Verändert Künstliche Intelligenz den künstlerischen Alltag? Sechs Thurgauer Kulturschaffende beschreiben ihren Umgang mit KI. Am 28. März ist das auch Thema bei der fünften Thurgauer Kulturkonferenz. 

Künst­li­che In­tel­li­genz ist längst mit­ten­drin im Kul­tur­be­trieb. Ein paar be­lie­big aus­ge­wähl­te Ter­mi­ne da­zu: Im Kunst­haus Zü­rich gibt es am Sams­tag, 21. März, ei­nen Work­shop, in dem die Ge­mäl­de von Ker­ry Ja­mes Mar­shall mit Hil­fe von KI-Tools er­wei­tert wer­den sol­len. «Der Work­shop lädt da­zu ein, Kunst und Ge­schich­te aus un­ter­schied­li­chen Blick­win­keln zu be­trach­ten. Ge­mein­sam fra­gen wir uns: Wie kön­nen di­gi­ta­le Me­di­en hel­fen, ver­dräng­te Ge­schich­ten zu be­le­ben und kol­lek­ti­ve Er­in­ne­run­gen neu zu ge­stal­ten?», heisst es auf der Web­site des Kunst­hau­ses da­zu.

Das Fo­to­mu­se­um Win­ter­thur dis­ku­tiert im Mai «Chan­cen und Ge­fah­ren KI-ge­ne­rier­ter Bil­der». Das Ziel die­ses An­ge­bots: «Die Me­cha­nis­men hin­ter die­ser Tech­no­lo­gie er­for­schen wir in krea­ti­ven Auf­ga­ben und er­pro­ben Stra­te­gien von Künst­ler:in­nen und Netz­ak­ti­vist:in­nen, um die­se Me­cha­nis­men kri­tisch zu re­flek­tie­ren und her­aus­zu­for­dern.»

Sechs Künst­ler:in­nen, sechs Per­spek­ti­ven

Und das Zür­cher Thea­ter Win­kel­wie­se hat An­fang März ei­ne ei­ge­ne Pro­duk­ti­on zum The­ma auf die Büh­ne ge­bracht. In Ma­ria Mi­li­savlje­vićs «still loa­ding» wer­de nicht da­nach ge­fragt, wie wir die Zu­kunft ge­stal­ten wol­len, «son­dern was sie mit uns macht. Was bleibt vom Mensch, wenn al­les er­setz­bar wird?», schreibt das Thea­ter in sei­ner An­kün­di­gung.

Wie bli­cken Thur­gau­er Kul­tur­schaf­fen­de auf die­se Ent­wick­lung? «Thur­gau­kul­tur.ch» hat sechs von ih­nen be­fragt: Den Do­ku­men­tar­fil­mer Beat Os­wald, die Mu­si­ke­rin Si­mo­ne Kel­ler, die Vi­deo­künst­le­rin Sa­rah Hu­gent­o­bler, den Thea­ter­ma­cher Si­mon En­ge­li, die Künst­le­rin Ja­na Koh­ler und den Schlag­zeu­ger Fa­bi­an Zieg­ler. Nach der grund­le­gen­den Ein­ord­nung zum The­ma KI und Kunst in der ver­gan­ge­nen Wo­che sind hier nun ih­re Per­spek­ti­ven ge­bün­delt – auf­ge­teilt in acht The­men­blö­cke: 

#1: Ers­te Be­geg­nun­gen und Grund­hal­tun­gen
#2: KI im Ar­beits­all­tag – Werk­zeug, Ent­las­tung, Gren­ze?
#3: Was Ma­schi­nen nicht kön­nen – Kör­per, Be­geg­nung, Er­le­ben
#4: Krea­ti­vi­tät und Be­dro­hung – wo lie­gen die Gren­zen der KI?
#5: Ethi­sche Ein­wän­de – Ur­he­ber­recht, Macht und Ver­ant­wor­tung
#6: Das Un­be­ha­gen im Um­gang mit dem Chat­bot
#7: Wahr­neh­mung und Wirk­lich­keit – was ist noch echt?
#8: Aus­blick – KI als künst­le­ri­sches The­ma

Was steckt hinter der Fassade? Das weiss bei Künslicher Intelligenz gerade niemand so recht. Kulturschaffende loten das Verhältnis immer wieder neu aus. (Bild: Canva)

#1: Ers­te Be­geg­nun­gen und Grund­hal­tun­gen

Beat Os­wald: «Als ich neu­lich ei­nen KI-ge­ne­rier­ten Pod­cast ge­hört ha­be, in dem ein Hund und ein Ba­by über ih­ren All­tag ge­spro­chen ha­ben, dach­te ich zum ers­ten Mal: Wow, KI er­öff­net ei­nem krea­ti­ve Chan­cen und er­mög­licht neue Per­spek­ti­ven.»

Si­mon En­ge­li: «Im Mo­ment ist es noch leicht, sich über KI lus­tig zu ma­chen, aber die Ent­wick­lung schrei­tet stän­dig vor­an. Ich ma­che mei­ne ers­ten Geh­ver­su­che und fin­de die Er­geb­nis­se des Chat­bots ir­gend­was zwi­schen ent­täu­schend, be­un­ru­hi­gend und hilf­reich.»

Ja­na Koh­ler: «Es ist fas­zi­nie­rend, ein Bild aus dem Nichts zu ge­ne­rie­ren, aber ich nut­ze ge­ne­ra­ti­ve KI-Tools wie ChatGPT oder Ge­mi­ni aus prin­zi­pi­el­len Er­wä­gun­gen nicht.»

Sa­rah Hu­gent­o­bler: «Ich bin in mei­ner Hal­tung ins­ge­samt sehr ge­spal­ten. Ich se­he al­le Ge­fah­ren, die es mit sich bringt. Ich ha­be oft Skru­pel beim Ein­satz von KI. Gleich­zei­tig ist es manch­mal ein­fach prak­tisch. Tat­säch­lich nut­ze ich den KI-Chat­bot ziem­lich oft. Manch­mal fin­de ich es auch be­ängs­ti­gend, wie vie­le In­fos ich dort tei­le.»

«Das ist ei­ne tech­ni­sche Re­vo­lu­ti­on, die wir er­le­ben. Sie ist nicht per se schlecht oder gut. Es hängt im­mer da­von ab, wie wir KI nut­zen.»

Simon Engeli, Theatermacher (Bild: Inka Grabowsky)

Si­mon En­ge­li: «Wir müs­sen im Um­gang mit KI ei­ne skep­ti­sche Of­fen­heit ent­wi­ckeln. Das ist ei­ne tech­ni­sche Re­vo­lu­ti­on, die wir er­le­ben. Sie ist nicht per se schlecht oder gut. Es hängt im­mer da­von ab, wie wir KI nut­zen.»

Beat Os­wald: «Neu­lich hat mir ei­ne Mut­ter ei­ne Whats­App-Nach­richt ih­rer Toch­ter vor­ge­le­sen. Die bei­den ha­ben ei­ne sehr pro­ble­ma­ti­sche Be­zie­hung und die Nach­richt kam ei­nen Tag nach ei­nem fürch­ter­li­chen Streit. Sie war wohl­tem­pe­riert, dif­fe­ren­ziert und kon­struk­tiv und in der nach­kom­men­den Nach­richt stand dann, dass die Toch­ter die Nach­richt von KI ge­ne­rie­ren liess und sie so froh sei, dass sie nun end­lich jen­seits ih­rer an­ge­wöhnt-ag­gres­si­ven Form kom­mu­ni­zie­ren kön­ne.»

 

#2: KI im Ar­beits­all­tag – Werk­zeug, Ent­las­tung, Gren­ze?

Sa­rah Hu­gent­o­bler: «KI ist für mich ein Werk­zeug. Ex­trem hilf­reich ist es zum Bei­spiel, wenn man Tran­skrip­te von lan­gen In­ter­views er­stel­len will. Da spart es mir un­glaub­lich viel Zeit.»

Fa­bi­an Zieg­ler: «Als Künst­ler ar­bei­te ich im ad­mi­nis­tra­ti­ven Be­reich mit KI. Zum Bei­spiel um Tex­te für Fly­er oder Me­di­en­mit­tei­lun­gen zu schrei­ben. Meis­tens las­se ich mir ein Grund­ge­rüst er­stel­len und ar­bei­te auf der Ba­sis wei­ter. Hier kann KI ei­ne Ent­las­tung sein. In mei­ner künst­le­ri­schen Ar­beit nut­ze ich KI nicht. Ich ar­bei­te lie­ber mit Men­schen als mit Ma­schi­nen.» 

«In mei­ner künst­le­ri­schen Ar­beit nut­ze ich KI nicht. Ich ar­bei­te lie­ber mit Men­schen als mit Ma­schi­nen.»

Fabian Ziegler, Schlagzeuger (Bild: Alexander Ponet)

Si­mon En­ge­li: «In der Krea­ti­vi­tät se­he ich KI noch nicht als son­der­lich gros­se Hil­fe. Sie ist aber manch­mal ein prak­ti­sches Werk­zeug. Neu­lich muss­te ich mich mit Licht­tech­nik be­schäf­ti­gen und ha­be mir ei­nen Über­blick von der KI da­zu ver­schaf­fen las­sen. Oder ich las­se sie An­lei­tun­gen von Pro­duk­ten le­sen und bit­te sie dann mir kon­kre­te Fra­gen auf der Ba­sis zu be­ant­wor­ten. Das spart Zeit. Und Ner­ven.»

Sa­rah Hu­gent­o­bler: «Manch­mal nut­ze ich KI auch als Denkan­re­gung. Beim Schrei­ben von Dos­siers, als Sup­port bei der Fra­ge der Web­site­ge­stal­tung, bei Re­cher­chen, tech­ni­schen Fra­gen oder auch ganz grund­sätz­lich bei stra­te­gi­schen Über­le­gun­gen zu mei­ner künst­le­ri­schen Aus­rich­tung. Vie­les muss man da auch prü­fen, ich über­neh­me nichts 1:1, aber es gibt doch manch­mal gu­te Im­pul­se.»

Beat Os­wald: «KI kann durch­aus hilf­reich sein. Sie kann zum Bei­spiel Ar­chiv­ma­te­ri­al neu und an­ders zu­gäng­lich ma­chen.»

Ja­na Koh­ler: «Ich wüss­te gar nicht, wo mir KI im künst­le­ri­schen Pro­zess hel­fen könn­te. Was ich okay fin­de, ist, wenn Künst­ler:in­nen sich in­halt­lich mit KI in ih­rer Ar­beit be­schäf­ti­gen.» 

 

#3: Was Ma­schi­nen nicht kön­nen – Kör­per, Be­geg­nung, Er­le­ben

Fa­bi­an Zieg­ler: «Mit dem Kom­po­nis­ten John Psat­has ar­bei­te ich schon seit vie­len Jah­ren zu­sam­men. Die so ge­wach­se­ne per­sön­li­che Be­zie­hung kann kei­ne Ma­schi­ne imi­tie­ren. John schreibt ge­wis­se Din­ge so, dass sie sehr auf mich zu­ge­schnit­ten sind. So gut kann mich kei­ne KI ken­nen.»

Beat Os­wald: «KI kennt viel­leicht die Wor­te, aber nicht das Er­le­ben.»

Si­mo­ne Kel­ler: «Als Pia­nis­tin er­le­be ich Mu­sik im­mer zu­erst als et­was Phy­si­sches. Klang ent­steht für mich nicht abs­trakt, son­dern durch Ge­wicht, Be­rüh­rung, Wi­der­stand und Zeit. Kla­vier­spie­len ist ei­ne kör­per­li­che Hand­lung, bei der je­de Ent­schei­dung un­trenn­bar mit dem Mo­ment ver­bun­den ist, in dem sie ent­steht. Ge­nau dar­in un­ter­schei­det sich mensch­li­ches Mu­si­zie­ren grund­le­gend von künst­li­cher In­tel­li­genz.»

«Für mich als Mensch ist KI nicht in­ter­es­sant. Weil ich nicht in­ter­es­siert bin am per­fek­ten Men­schen.» 

Beat Oswald, Dokumentarafilmer und Autor (Bild: Archiv)

Beat Os­wald: «Für mich als Mensch ist KI nicht in­ter­es­sant. Weil ich nicht in­ter­es­siert bin am per­fek­ten Men­schen. Vor al­lem aber auch, weil ich Fil­me ma­che, um un­ter­wegs sein zu kön­nen und kör­per­li­che Er­fah­run­gen zu ma­chen. Ich lie­be den Pro­zess manch­mal mehr als das End­ergeb­nis.» 

Si­mo­ne Kel­ler: «Für mich liegt der Kern von Mu­sik nicht in Per­fek­ti­on, son­dern in der Be­geg­nung. In der Un­wie­der­hol­bar­keit ei­nes Au­gen­blicks, in der Span­nung zwi­schen Kon­trol­le und Los­las­sen. Kla­vier­spie­len bleibt des­halb ei­ne zu­tiefst mensch­li­che Pra­xis.»

Sa­rah Hu­gent­o­bler: «Als Künst­ler:in ar­bei­tet man ja oft al­lei­ne im Ate­lier. Da kann KI auch ei­ne Chan­ce sein, um raus­zu­kom­men aus der Ein­sam­keit und ei­nen Spar­rings­part­ner im Den­ken zu ge­win­nen. Aber klar, es hat na­tür­lich nie­mals die Qua­li­tät ei­nes ech­ten Ge­sprächs mit ei­nem Men­schen. Ist aber bes­ser, als im­mer nur im ei­ge­nen Saft zu schmo­ren.»

 

#4: Krea­ti­vi­tät und Be­dro­hung – wo lie­gen die Gren­zen der KI?

Ja­na Koh­ler: «Die KI hat kein krea­ti­ves Po­ten­zi­al. Das ist nur Imi­ta­ti­on, Re­pro­duk­ti­on von Kli­schees und ei­ne Tex­terstel­lung nach Wahr­schein­lich­keits­rech­nung. Das kann mit Krea­ti­vi­tät nichts zu tun ha­ben, weil al­le not­wen­di­gen krea­ti­ven Pro­zes­se nicht statt­fin­den.»

Sa­rah Hu­gent­o­bler: «Wo KI im­mer noch kläg­lich schei­tert: in der Schaf­fung künst­le­ri­scher Ideen. Die­se sind oft sehr kli­schiert und ein­di­men­sio­nal, was mich als Künst­le­rin aber na­tür­lich auch er­leich­tert und freut.»

Si­mon En­ge­li: «Was Krea­ti­vi­tät be­trifft, füh­le ich mich in kei­ner Wei­se von KI be­droht der­zeit. Re­gio­na­le In­hal­te, in­di­vi­du­el­le Spra­che, ei­ge­ner Stil – so et­was kann KI nur schwer imi­tie­ren, wenn es nicht in den Trai­nings­da­ten vor­han­den ist. Als gros­ser Hol­ly­wood-Stu­dio­boss hät­te ich aber schon mehr schlaf­lo­se Näch­te. Glo­ba­le Phä­no­me­ne ad­ap­tiert die KI er­staun­lich schnell.»

Fa­bi­an Zieg­ler: «Heu­te ist es schon noch so, dass man raus­le­sen kann, ob ChatGPT was ge­schrie­ben hat oder ein Mensch. Die Tex­te der KI sind oft so glatt ge­bü­gelt und see­len­los.»

Si­mon En­ge­li: «Ich ha­be ge­merkt, bei all­ge­mei­nen The­men kann KI ganz gut funk­tio­nie­ren. Aber je spe­zi­fi­scher es wird, um­so schnel­ler kommt die text­li­che Krea­ti­vi­tät des Chat­bots an ih­re Gren­zen.»

Ja­na Koh­ler: «Als Künst­le­rin füh­le ich mich durch KI nicht be­droht, aber als Fo­to­gra­fin und Ge­stal­te­rin spü­re ich jetzt schon ei­ne Ver­än­de­rung, weil Un­ter­neh­men KI-ge­ne­rier­te In­hal­te als aus­rei­chend ak­zep­ta­bel be­trach­ten – zu ei­nem Bruch­teil des Prei­ses.»

«So­lan­ge Mu­sik durch Kör­per hin­durch ent­steht, wird sie mehr sein als das Er­geb­nis ei­nes Al­go­rith­mus.»

Simone Keller, Pianistin (Bild: Lisa Jenny)

Si­mo­ne Kel­ler: «So­lan­ge Mu­sik durch Kör­per hin­durch ent­steht, wird sie mehr sein als das Er­geb­nis ei­nes Al­go­rith­mus. Das be­deu­tet aber nicht, dass KI heu­te nicht Mu­sik her­vor­brin­gen kann, die sich für vie­le gleich ‹gut› an­hört wie von Men­schen kom­po­nier­te oder ge­spiel­te Mu­sik.» 

 

#5: Ethi­sche Ein­wän­de – Ur­he­ber­recht, Macht und Ver­ant­wor­tung

Ja­na Koh­ler: «Ich ha­be schnell ge­merkt, dass ich es nicht nut­zen möch­te. We­der pri­vat noch in der Kunst. Die Ur­he­ber­rechts­ver­stös­se, die in­trans­pa­ren­te Zu­sam­men­set­zung der Trai­nings­da­ten, die ob­sku­ren Tech-Olig­ar­chen, die ich nicht un­ter­stüt­zen will, und die Tat­sa­che, dass nur die Un­ter­neh­men von den Pro­duk­ti­vi­täts­ge­win­nen pro­fi­tie­ren, sind für mich Grund ge­nug, dar­auf zu ver­zich­ten.»

Beat Os­wald: «KI bringt Ge­fah­ren, man­che Din­ge wie der Um­gang mit Ur­he­ber­rech­ten ist hoch­pro­ble­ma­tisch. Ich bin da aber auch nicht dog­ma­tisch.»

«Wenn ich in ei­nem Pro­jekt ei­nem:r Mu­si­ker:in ei­nen Job ge­ben kann, dann wür­de ich im­mer eher das ma­chen, als ei­ne KI zu nut­zen aus Kos­ten­grün­den.»

Sarah Hugentobler, Künstlerin (Bild: Janine Guldener)

Sa­rah Hu­gent­o­bler: «Ich ver­su­che auch, nicht al­les durch KI er­le­di­gen zu las­sen. Wenn ich in ei­nem Pro­jekt ei­nem:r Mu­si­ker:in ei­nen Job ge­ben kann, dann wür­de ich im­mer eher das ma­chen, als ei­ne KI zu nut­zen aus Kos­ten­grün­den.»

Beat Os­wald: «Was ich nicht so ganz ver­ste­he: Wie­so freu­en sich jetzt so vie­le Men­schen, dass sie nun end­lich schnel­ler und ef­fi­zi­en­ter ar­bei­ten kön­nen? Zu lang­sa­me Ge­schwin­dig­keit ist doch nicht das Pro­blem un­se­rer Ge­sell­schaft. Schon als E-Mails ein­ge­führt wur­den, hiess es, jetzt wer­de al­les schnel­ler und ef­fi­zi­en­ter und heu­te brau­chen wir Pro­gram­me, die uns da­bei hel­fen, Mails zu prio­ri­sie­ren und zu lö­schen.»

 

#6: Das Un­be­ha­gen im Um­gang mit dem Chat­bot

Si­mon En­ge­li: «Der Mensch hat­te schon im­mer das Be­dürf­nis, in Tie­re und Ge­gen­stän­de mensch­li­che Zü­ge zu pro­ji­zie­ren. Die­se Ver­mensch­li­chung fin­de ich bei KI-Chat­bots hei­kel. Es ist ex­trem schwie­rig, nicht in die Fal­le zu tap­pen, sich hin­ter dem Bot ein We­sen vor­zu­stel­len.»

Sa­rah Hu­gent­o­bler: «Was mich an KI manch­mal nervt, ist, dass sie im­mer al­les toll fin­det, was man ihr schreibt. Ich fra­ge mich da oft, wie ver­än­dert das die Ge­sell­schaft und die Men­schen, wenn wir im­mer nur Be­stä­ti­gung hö­ren und mit Wi­der­spruch nicht mehr um­ge­hen kön­nen.» 

Si­mon En­ge­li: «Was ich gar nicht lei­den kann an ChatGPT ist die­ses Arsch­krie­che­ri­sche. Da­mit kann ich nichts an­fan­gen.»

 

#7: Wahr­neh­mung und Wirk­lich­keit – was ist noch echt?

Beat Os­wald: «Span­nend fin­de ich, wie sich der Zu­gang zu Bil­dern für mei­ne Kin­der zum Bei­spiel heu­te än­dert. Über­all gibt es KI-ge­ne­rier­te Bil­der und die Kin­der müs­sen jetzt um­ge­kehrt ler­nen, was ein ech­tes Bild ist. Sie ha­ben aus ih­rem Me­di­en­kon­sum be­reits sehr we­nig Re­fe­renz da­für, wel­che Bil­der echt sind und wel­che KI – des­halb wird die Un­ter­schei­dung zwi­schen ech­ten und KI-Bil­dern im­mer wich­ti­ger.»

«Es war noch nie so ein­fach, Bil­der zu er­schaf­fen. Das ent­wer­tet auch die Ar­beit von Kunst­schaf­fen­den.»

Jana Kohler, Künstlerin (Bild:Inka Grabowsky)

Ja­na Koh­ler: «Es war noch nie so ein­fach, Bil­der zu er­schaf­fen. Das ent­wer­tet auch die Ar­beit von Kunst­schaf­fen­den.»

 

#8: Aus­blick – KI als künst­le­ri­sches The­ma

Fa­bi­an Zieg­ler: «In ei­nem un­se­rer nächs­ten Pro­jek­te be­schäf­ti­gen John Psat­haus und ich uns aber auch mit dem Phä­no­men KI. Die Ur­auf­füh­rung ist am 6. No­vem­ber 2027 in Aa­dorf.»

Si­mon En­ge­li: «Ak­tu­ell ar­bei­ten wir an ei­nem neu­en Mon­ty-Stück, das sich mög­li­cher­wei­se mit KI be­schäf­ti­gen wird. Ers­te Ideen gibt es be­reits, wenn es gut läuft, kommt es dann En­de 2026 oder An­fang 2027 ins Thea­ter.»

Sa­rah Hu­gent­o­bler: «Mei­ne Ar­beit kenn­zeich­net sich auf der Büh­ne oft auch durch ei­ne Kom­mu­ni­ka­ti­on mit Di­gi­ta­li­tät auf ei­ner Büh­ne. So ver­su­che ich das Ana­lo­ge mit dem Di­gi­ta­len zu ver­bin­den.»


Die­ser Ar­ti­kel ist zu­erst auf «Thur­gau­kul­tur.ch» er­schie­nen. 

Kulturkonferenz diskutiert über KI am 28. März

Die 5. Thur­gau­er Kul­tur­kon­fe­renz wid­met sich am Sams­tag, 28. März, zwi­schen 10 und 14 Uhr, in Vor­trä­gen und Work­shops dem The­ma Künst­li­che In­tel­li­genz. Die Kon­fe­renz fin­det im Kreuz­lin­ger Kul­tur­zen­trum Kult-X statt. Künst­li­che In­tel­li­genz wird zu­neh­mend Teil un­se­res All­tags. Sie ver­ein­facht Pro­zes­se, gleich­zei­tig ist oft un­klar, wie die Re­sul­ta­te zu­stan­de kom­men. Meist wer­den Da­ten aus kul­tu­rel­ler Pro­duk­ti­on für das Trai­ning der selbst­ler­nen­den Sys­te­me ver­wen­det, oh­ne dass die Ur­he­ber­schaft da­für ent­schä­digt wird. Für Kul­tur­schaf­fen­de bie­tet Künst­li­che In­tel­li­genz aber auch un­ge­ahn­te Mög­lich­kei­ten, neue Wer­ke zu ent­wi­ckeln.

In die­sem Span­nungs­feld stellt die 5. Thur­gau­er Kul­tur­kon­fe­renz Fra­gen zu Künst­li­cher In­tel­li­genz im kul­tu­rel­len Kon­text. Ver­schie­de­ne re­nom­mier­te Ex­per­tin­nen und Ex­per­ten be­leuch­ten das The­ma in ei­nem Im­puls­re­fe­rat und in Work­shops. Ver­an­stal­tet wird die Kon­fe­renz von Kul­tur­stif­tung, Kul­tur­amt und Kul­tur­kom­mis­si­on des Kan­tons Thur­gau. Wer da­bei sein will - An­mel­dun­gen sind bis 25. März mög­lich di­rekt bei der Kul­tur­stif­tung.

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