Kategorie
Autor:innen
Jahr

Kreatives Chaos auf der Achse Teheran-St.Gallen

Ein schweizerisch-iranisches Filmteam dreht derzeit in St.Gallen den Streifen Padideh – unter anderem mit Carlos Leal. Zum Low-Budget-Projekt haben viele Zufälle beigetragen.
Von  Urs-Peter Zwingli
Szene aus dem iranischen Teil von Padideh. (Bild: La Suisse Primitive)

Es ist Montagnacht, 23 Uhr, und die St.Galler Innenstadt leert sich zuverlässig. Nur am Blumenbergplatz herrscht Trubel: Eine Filmcrew um den iranischen Regisseur Ali Ahmadezadeh dreht vor dem Palace eine Schlüsselszene des Films Padideh: Zwei der Hauptfiguren, Stéphane (gespielt von Carlos Leal) und Marie (gespielt von der wunderbaren Pariserin Norah Lehembre) treffen sich an einer roten Ampel – und eine amour fou nimmt ihren Anfang.

Seit Samstag dreht das schweizerisch-iranische Team an verschiedenen Schauplätzen in St.Gallen und Zürich. Immer in der Nacht, getrieben vom kreativen Chaos : Das Filmteam spricht Englisch, Farsi, Französisch und St.Gallerdeutsch durcheinander, immer wieder wird das Set umgestellt.

Der Zeitplan ist knapp: Nächsten Dienstag reist die iranische Filmcrew zurück in ihre Heimat. Dort wurde im Februar bereits der erste Teil des Films abgedreht.

Low-Budget ist Programm

Dass Teil Zwei von Padideh in der Schweiz gedreht wird, ist dem Zufall zu verdanken: Regisseur Ahmadezadeh präsentierte am Zurich Film Festival 2015 seinen Film Atomic Heart. Die Fragen dazu stellte ihm auf dem Podium der St.Galler Niklaus Reichle. Später, bei ein paar Drinks im Zürcher Nachtleben trafen die beiden die in Zürich lebende Iranerin Shirin Dabirzadeh. Und Ahmadzadeh hatte schon länger die Absicht, ein Filmprojekt teilweise in Europa zu realisieren.

Jetzt sind Dabirzadeh und Reichle Co-Produzenten des Films Padideh, vertreten durch «La Suisse Primitive» – eigentlich ein Musiklabel, das von Reichle mitbetrieben wird. Und so wird auch dem Garage Rock, den das Label vor allem vertreibt, die Referenz erwiesen: In einer Disco-Szene, die vergangenen Sonntag im Kugl gedreht wurde, ertönt ein Stück des Rheintaler Musikers Batman.

Ein Film, produziert von einem Musiklabel? «Es ist tatsächlich ein spezielles Projekt, für das ich die letzten zwei Monate intensiv gearbeitet habe», sagt Reichle. Für die Zusammenarbeit Teheran-St.Gallen gab es viel zu organisieren: Die Visa für die Filmcrew etwa. Aber auch ein Teil der Finanzierung des Films kommt aus St.Gallen. Der Schweizer Teil des Films kommt mit nur ewa 70 000 Franken Budget aus.

Ziemlich rätselhaft: Der Trailer zu Atomic Heart:

 

Für Carlos Leal eine Herzenssache

Die Arbeit mit wenig Geld funktioniert nur, weil viele Helfer auf dem Set gratis mithelfen. Und auch die Schauspieler ihre Ansprüche herunterschrauben: Mit der Verpflichtung von Carlos Leal ist Reichle und Dabirzadeh jedenfalls ein echter Coup gelungen. «Shirin hat ihn einfach angefragt», sagt Reichle dazu.

Und Leal sagt am Montagabend vor dem Palace, dass er unbedingt mit Ahmadezadeh zusammenarbeiten wollte, seit er Atomic Heart gesehen habe. Auch das Drehbuch zu Padideh und die bereits gedrehten Bilder aus Teheran hätten ihn überzeugt. «Im Film geht es um universelle Dinge wie Liebe, Glück, aber auch Hass und Tod. Ali Ahmadezadeh hat einen poetischen Blick auf diese Themen», sagt Leal.

Norah Lehembre und Carlos Leal gehen kurz vor Drehbeginn einen Dialog durch. (Bild: upz)

Norah Lehembre und Carlos Leal gehen kurz vor Drehbeginn einen Dialog durch. (Bild: upz)

Er lebt mit seiner Familie in Los Angeles und ist vor wenigen Tagen in die Schweiz gereist. «Weil wir immer in der Nacht drehen, habe ich auch keinen Jet-Lag», sagt der charismatische Romand und grinst.

Für Leal, der in den USA in mehreren Serien mitspielt und gerade ein Projekt mit der Produktionsfirma Warner Bros. abgedreht hat, ist der Szenenwechsel nach St.Gallen aber nicht nur wegen der Zeit enorm: «Natürlich ist hier alles etwas kleiner. Aber ich bin mir Low-Budget-Produktionen ebenfalls gewohnt.» Padideh sei eben ein Film, der ihm am Herzen liege, sagt Leal.

Und seine Filmpartnerin, Norah Lehembre, sagt: «Der Dreh ist bis jetzt ein echtes Abenteur.» Da Leal und Lehembre französische Muttersprachler sind, wird der Filmpart in der Schweiz auf Französisch gedreht.

Liebe ist überall gleich

Padideh zeigt zwei (Liebes-)Geschichten, eine im Iran, eine in einer europäischen Stadt. In der Grossstadt Teheran driftet der Mittdreissiger Ali verloren durch den Alltag, nachdem ihn seine Freundin Padideh verlassen hat. Und auf der anderen Seite der Welt verlieben sich Stéphane und Marie Hals über Kopf, um bald darauf in Eifersucht, Turbulenzen und Unsicherheit abzurutschen.

Regisseur Ahmadazadeh wolle die «Universalität von Liebe, aber auch die Schwierigkeiten, die das Eingehen von Beziehungen mit sich bringt», thematisieren, heisst es im Filmbeschrieb. Ungeachtet von sozialem Kontext, religiösen und gesellschaftlichen Normen seien die Probleme am Ende die selben – egal ob in Europa oder im Iran.

Jetzt mitreden:
Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Dein Kommentar wird vor dem Publizieren von der Redaktion geprüft.

Should I Stay or Should I go

Es geht um uns Men­schen und un­ser son­der­ba­res und ver­hee­ren­des Ver­hal­ten. «Hu­mans» heisst die gros­se Ein­zel­aus­stel­lung des Ost­schwei­zer Künst­lers Olaf Breu­ning. Vie­le Ar­bei­ten sind spe­zi­ell für die Schau im Mu­se­um Al­ler­hei­li­gen in Schaff­hau­sen ent­stan­den. 

Von  Ursula Badrutt
2025 06 02 Ausstellungsaufnahmen 14

25 Jah­re Rock am Wei­er

In Wil fand am Wo­chen­en­de das Rock am Wei­er statt. Seit 25 Jah­ren gibt es das Fes­ti­val, und trotz in­zwi­schen grös­se­rer Na­men ist es im­mer noch kos­ten­los. Ein Ver­ein or­ga­ni­siert es nicht-pro­fit­ori­en­tiert und för­dert re­gio­na­le Acts. Un­se­re Au­torin ist an den Ort ih­rer mu­si­ka­li­schen So­zia­li­sa­ti­on zu­rück­ge­kehrt. Ei­ne Re­por­ta­ge. 

Von  Elisa Faes
Rock am weier elisa faes 1

Kolumne: 24/7 Traumacore

Spring Is Co­ming Wi­th A 425mg Pas­si­ons­blu­men-Dra­gée In The Mouth

Von  Mia Nägeli

Ausstellung im Museum Rosenegg

Fri­sches Wis­sen fürs Mu­se­um

Von  Vera Zatti
Uu Kirchenfenster

Kabarett in Herisau

Apo­ka­lyp­se ist auch nicht al­les

Von  Vera Zatti
P1200733 x jpg

«Es geht dar­um, sich sei­ner Pri­vi­le­gi­en be­wusst zu sein»

De­bat­ten um Ma­chis­mus, Deepf­ake-Por­nos, häus­li­che Ge­walt und Fe­mi­zi­de sind bei­na­he all­täg­lich. Was kön­nen Män­ner ge­ra­de tun, wenn sie un­ter Ge­ne­ral­ver­dacht ge­ra­ten? Frau­en­haus­lei­te­rin Kat­ja Häm­mer­li Kel­ler, Flo­rance Hil­de­brand vom fe­mi­nis­ti­schen Streik­kol­lek­tiv Thur­gau und Ma­nu­el Ben­ja­min Leh­mann vom Fo­rum Mann dis­ku­tie­ren Lö­sungs­an­sät­ze.

Von  Daria Frick , Bilder:  Lea Le
Bildschirmfoto 2026 06 11 um 12 25 26

Kommentar zur SVP-Chaosinitiative

Aus­län­der:in­nen sind nicht nach­hal­tig

Von  Christoph Keller
Nachhaltigkeitsinitiative

30 Jah­re Ar­chi­tek­tur­ver­mitt­lung

Das AFO, das Ar­chi­tek­tur Fo­rum Ost­schweiz, dis­ku­tiert und ver­mit­telt seit 30 Jah­ren Bau­kul­tur. Am kom­men­den Frei­tag wird das Ju­bi­lä­um ge­fei­ert und die neus­te Ar­ti­kel­se­rie der gu­ten Bau­ten als Buch prä­sen­tiert.

Von  René Hornung
2511 Gutes Bauen 1 Ladina Bischof

Im zwei­ten An­lauf: Kan­tons­rat sagt Ja zu Mi­na­sa 

Mi­na­sa be­kommt al­so doch Geld aus dem Lot­te­rie­fonds: Der Kan­tons­rat hat dem von Sai­ten und Thur­gau­kul­tur.ch auf­ge­bau­ten Pro­jekt, das den gröss­ten Ver­an­stal­tungs­ka­len­der der Ost­schweiz er­mög­licht, die Fi­nan­zie­rung für drei wei­te­re Jah­re ge­si­chert.

Von  David Gadze
Kantonsrat Sommersession 2026 Benjamin Manser St Galler Tagblatt

«Wer hält uns da­von ab, frei zu sein?»

In­na Shev­chen­ko fragt im Do­ku­men­tar­film Girls and Gods, ob die mo­no­the­is­ti­schen Welt­re­li­gio­nen mit Fe­mi­nis­mus ver­ein­bar sind. Auf der Su­che nach Ant­wor­ten be­geg­net sie wi­der­sprüchli­chen Theo­rien und mu­ti­gen Frau­en. Und bleibt nicht nur stil­le Be­ob­ach­te­rin.

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 10 um 15 01 03

In eigener Sache

Ein Be­kennt­nis zu Mi­na­sa 

Von  Marc Jenny

Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative

Über­frem­dungs­ge­heul im Dau­er­loop

Von  Daria Frick

Theateraufführung

Des Nachts im Wal­de

Von  Vera Zatti
VLT Sujet WEB Sommenacht2

Kolumne: Heppelers Bestiarium

Hor­ror un­ter dem Mi­kro­skop

Von  Jeremias Heppeler

Vie­le Spu­ren und ein Tat­ort

Ein paar Fe­dern, ein an­ge­knab­ber­ter Tan­nen­zap­fen, ein Stück Plas­tik: Tie­re und Men­schen hin­ter­las­sen Spu­ren. Die­sen wid­met das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len sei­ne ak­tu­el­le Son­der­aus­stel­lung «Spu­ren – Fähr­ten, Frass und Fe­dern».

Von  Vera Zatti
1 Intro Dachs 20260515 NM SPUREN  Urs Bucher

Wor­an soll man noch glau­ben?

In ei­ner neu­en Aus­stel­lung wagt sich das Kunst­mu­se­um Thur­gau in der Kar­tau­se It­tin­gen an ei­ne Neu­ver­mes­sung des Ver­hält­nis­ses von Kunst und Re­li­gi­on.

Von  Michael Lünstroth
O0 A5990 02

St.Gal­len plant Kon­sum­raum für Sucht­kran­ke

Hin­ter dem St.Gal­ler Haupt­bahn­hof soll ein Kon­sum­raum für Men­schen mit schwe­ren Sucht­er­kran­kun­gen ent­ste­hen. Die­se Wo­che ha­ben die Stadt und die Stif­tung Sucht­hil­fe An­woh­ner:in­nen ein­ge­la­den, um ei­nen ers­ten Dia­log zu star­ten. 

Von  Philipp Bürkler
Liegeschaft Lagerstrasse 2 4

Auf der Ziel­ge­ra­den

Es ist sei­ne letz­te Ses­si­on nach zehn Jah­ren im St.Gal­ler Kan­tons­rat. SP-Kul­tur­po­li­ti­ker Mar­tin Sai­ler setzt künf­tig ganz auf den Zel­tai­ner. Das Geld für den Neu­bau in Wild­haus ist fast zu­sam­men, 2027 soll es los­ge­hen.

Von  Peter Surber
Foto1 Zeltainer

Im di­gi­ta­len Dschun­gel zu Hau­se

Die An­sied­lung des In­ter­net Ar­chi­ve Switz­er­land in St.Gal­len ist Pie­ro Sti­nel­li zu ver­dan­ken. Er kon­tak­tier­te vor zehn Jah­ren die Ver­ant­wort­li­chen von ar­chi­ve.org aus ei­ge­nem An­trieb. In den 90er-Jah­ren war der Mit­grün­der von Va­di­an.net und Klang und Kleid ein In­ter­net­pio­nier.

Von  David Gadze
2606 Internet Archive pino stinelli andri voehringer

Ohm41 stellen wieder aus

Kunst auf der Kip­pe

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 06 03 um 11 14 39