Derzeit läuft im Open Art Museum in St.Gallen «eine Ausstellung, in der wir realisieren sollen, wovon wir nichts wissen», wie es die Museumsleiterin Monika Jagfeld formuliert. Unter dem Titel «Outsider Art unter dem Halbmond» werden Werke von 25 Künstler:innen vorwiegend aus dem Iran und Marokko, aber auch aus Syrien und der Türkei gezeigt. Es ist somit die erste Ausstellung schweizweit, die Outsider Art aus islamisch geprägten Ländern zum Thema macht.
Gleichzeitig handelt es sich um die letzte Ausstellung der Trilogie «Das ‹Andere› in der Kunst»: Die Ausstellung «Antonio Ligabue – der Schweizer Van Gogh» (2019) ist der Frage nach sozialer Identität nachgegangen, «Crazy, Queer and Loveable: Ovartaci» im Dialog mit «ICH DU ER SIE XIER: Transidentität» (2019/20) thematisierte Trans- und Geschlechtsidentitäten. Die aktuelle Ausstellung widmet sich nun den Fragen nach kultureller Diversität und religiöser Prägung in der sogenannten Outsider Art.
Kazem Ezi (*1933, Iran), ohne Titel, undatiert
Aber wie weit greift dieser Begriff überhaupt? Termini wie Art brut als Gegenentwurf zur Art culturel oder Outsider Art im Sinne eines Kunstschaffens ausserhalb des etablierten Kunstbetriebs sind aus einem eurozentristischen Kunstverständnis heraus entstanden. Lassen sich solche Konstrukte auf Kulturkreise ausserhalb Europas und Amerikas übertragen? Diese und weitere Fragen wirft «Outsider Art unter dem Halbmond» auf, wobei es nicht um Nationalisierung von Kunst geht, sondern darum, kulturelle Kontexte zu schaffen und nach dem Auslöser von Kunst zu fragen.
Von der inneren Emigration ins Exil
Auf einem Bildschirm erfahren die Besucher:innen durch verschiedene Filmaufnahmen mehr über die einzelnen Künstler:innen und ihr Schaffen. Prägnant formulierte Infoschilder verweisen auf deren Werdegang. Da ist beispielsweise Mansour Fourohi (*1937) aus dem Iran, der mit 75 Jahren erst zu zeichnen beginnt und mit Kugelschreiber Zigarettenschachteln bemalt. Oder Alikhan Abdollahi (*1963), der aus Afghanistan stammt und im Iran lebt, wo er aus Papiermaché halb mythische, halb anthropomorphe Skulpturen erschafft. Oder Khadija (*um 1980) aus Marokko, die Frauenporträts gemalt hat, obdachlos ist und seit zwei Jahren von niemandem mehr gesehen wurde.
Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden die Werke von Samaneh Atef (*1989). Die iranische Künstlerin setzt sich selbst – die Frau – und ihre Bedrängnis als Frau ins Zentrum ihrer Bilder. Aufgrund ihrer Darstellung von Weiblichkeit, in einem Staat, der Frauen unterdrückt und entrechtet, lebte sie in innerer Emigration. 2020 musste sie aus dem Iran ins Exil fliehen und wohnt seither in Lyon.
Samaneh Atef, ohne Titel, undatiert
Mit dem Fokus auf Samaneh Atefs Werk wird die Position von Frauen unterstützt, die mit dem Mullah-Regime in Konflikt geraten. Ebenfalls wird dem Ungleichgewicht in der Ausstellung – vier Künstlerinnen und 21 Künstler – entgegengewirkt und das Themenfeld durch das Kunstschaffen im Exil erweitert. Deutlich zeigt sich am Beispiel dieser Künstlerin, wie insbesondere Outsider Art aufgrund ihrer Subjektivität sowohl das Erleben sozialer Normen als auch gegenwärtige gesellschaftliche Themen sichtbar machen kann.
Revolte mit abendländischer Heraldik
Weil Differenzen und Ähnlichkeiten besonders im Dialog erkennbar werden, ist den Kunstschaffenden aus dem Kulturkontext Islam der Schweizer Art-brut-Künstler Peter Wirz (1915-2000) gegenübergestellt. Wirz steht dabei stellvertretend für ein westeuropäisches Kunstverständnis von Outsider Art und für eine christlich geprägte Kunstgeschichte.
«Outsider Art unter dem Halbmond» und «Peter Wirz: Kontinent Wirziana»: bis 20. August, Open Art Museum St.Gallen
openartmuseum.ch
Der gesellschaftlich ausgegrenzte Sohn des bekannten Ethnologen Paul Wirz (1892-1955) entwickelte in zahlreichen Farbstiftzeichnungen und Texten im Verborgenen den «Kontinent Wirziana». Ein streng hierarchisches System, das auf christlichen Werten und abendländischer Heraldik aufbaut und das, als eine Art Gegenwelt, in starkem Kontrast zum Leben seines Vaters steht.
Die Ausstellung im Open Art Museum macht klar, dass es nicht die iranische Kunst gibt. Kunst ist vielmehr stark lokal verwurzelt. Genauso wie man allgemein nicht von der Kunst sprechen kann, sondern nur von Kunst oder eben Künsten. Gemäss Monika Jagfeld soll die Ausstellung einen Denkanstoss geben, um sich bewusst zu machen, dass unsere Welt ganz verschiedene Künste hervorbringt. «Outsider Art ist nie eindeutig zu definieren, nie eindeutig zuzuordnen, nie eindeutig zu verorten – sie ist eine Atopie», so Jagfeld. Festgefahrene Denkmuster sollen hinterfragt und eine Diskussion der Idee von Kunst als eine Atopie eröffnet werden.
Peter Wirz: Das Fahenmonument, 1950er-Jahre, Sammlung Dadi Wirz
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.