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Kunst als Atopie

Die sehenswerte Ausstellung «Outsider Art unter dem Halbmond» im Open Art Museum St.Gallen dreht sich um Fragen nach kultureller Diversität und religiöser Prägung in der Outsider Kunst. von Larisa Baumann
Von  Gastbeitrag
Samaneh Atef: Ohne Titel, 2020. (Bilder: Open Art Museum)

Derzeit läuft im Open Art Museum in St.Gallen «eine Ausstellung, in der wir realisieren sollen, wovon wir nichts wissen», wie es die Museumsleiterin Monika Jagfeld formuliert. Unter dem Titel «Outsider Art unter dem Halbmond» werden Werke von 25 Künstler:innen vorwiegend aus dem Iran und Marokko, aber auch aus Syrien und der Türkei gezeigt. Es ist somit die erste Ausstellung schweizweit, die Outsider Art aus islamisch geprägten Ländern zum Thema macht.

Gleichzeitig handelt es sich um die letzte Ausstellung der Trilogie «Das ‹Andere› in der Kunst»: Die Ausstellung «Antonio Ligabue – der Schweizer Van Gogh» (2019) ist der Frage nach sozialer Identität nachgegangen, «Crazy, Queer and Loveable: Ovartaci» im Dialog mit «ICH DU ER SIE XIER: Transidentität» (2019/20) thematisierte Trans- und Geschlechtsidentitäten. Die aktuelle Ausstellung widmet sich nun den Fragen nach kultureller Diversität und religiöser Prägung in der sogenannten Outsider Art.

Kazem Ezi (*1933, Iran), ohne Titel, undatiert

Aber wie weit greift dieser Begriff überhaupt? Termini wie Art brut als Gegenentwurf zur Art culturel oder Outsider Art im Sinne eines Kunstschaffens ausserhalb des etablierten Kunstbetriebs sind aus einem eurozentristischen Kunstverständnis heraus entstanden. Lassen sich solche Konstrukte auf Kulturkreise ausserhalb Europas und Amerikas übertragen? Diese und weitere Fragen wirft «Outsider Art unter dem Halbmond» auf, wobei es nicht um Nationalisierung von Kunst geht, sondern darum, kulturelle Kontexte zu schaffen und nach dem Auslöser von Kunst zu fragen.

Von der inneren Emigration ins Exil

Auf einem Bildschirm erfahren die Besucher:innen durch verschiedene Filmaufnahmen mehr über die einzelnen Künstler:innen und ihr Schaffen. Prägnant formulierte Infoschilder verweisen auf deren Werdegang. Da ist beispielsweise Mansour Fourohi (*1937) aus dem Iran, der mit 75 Jahren erst zu zeichnen beginnt und mit Kugelschreiber Zigarettenschachteln bemalt. Oder Alikhan Abdollahi (*1963), der aus Afghanistan stammt und im Iran lebt, wo er aus Papiermaché halb mythische, halb anthropomorphe Skulpturen erschafft. Oder Khadija (*um 1980) aus Marokko, die Frauenporträts gemalt hat, obdachlos ist und seit zwei Jahren von niemandem mehr gesehen wurde.

Einen Schwerpunkt der Ausstellung bilden die Werke von Samaneh Atef (*1989). Die iranische Künstlerin setzt sich selbst – die Frau – und ihre Bedrängnis als Frau ins Zentrum ihrer Bilder. Aufgrund ihrer Darstellung von Weiblichkeit, in einem Staat, der Frauen unterdrückt und entrechtet, lebte sie in innerer Emigration. 2020 musste sie aus dem Iran ins Exil fliehen und wohnt seither in Lyon.

Samaneh Atef, ohne Titel, undatiert

Mit dem Fokus auf Samaneh Atefs Werk wird die Position von Frauen unterstützt, die mit dem Mullah-Regime in Konflikt geraten. Ebenfalls wird dem Ungleichgewicht in der Ausstellung – vier Künstlerinnen und 21 Künstler – entgegengewirkt und das Themenfeld durch das Kunstschaffen im Exil erweitert. Deutlich zeigt sich am Beispiel dieser Künstlerin, wie insbesondere Outsider Art aufgrund ihrer Subjektivität sowohl das Erleben sozialer Normen als auch gegenwärtige gesellschaftliche Themen sichtbar machen kann.

Revolte mit abendländischer Heraldik

Weil Differenzen und Ähnlichkeiten besonders im Dialog erkennbar werden, ist den Kunstschaffenden aus dem Kulturkontext Islam der Schweizer Art-brut-Künstler Peter Wirz (1915-2000) gegenübergestellt. Wirz steht dabei stellvertretend für ein westeuropäisches Kunstverständnis von Outsider Art und für eine christlich geprägte Kunstgeschichte.

«Outsider Art unter dem Halbmond» und «Peter Wirz: Kontinent Wirziana»: bis 20. August, Open Art Museum St.Gallen

openartmuseum.ch

Der gesellschaftlich ausgegrenzte Sohn des bekannten Ethnologen Paul Wirz (1892-1955) entwickelte in zahlreichen Farbstiftzeichnungen und Texten im Verborgenen den «Kontinent Wirziana». Ein streng hierarchisches System, das auf christlichen Werten und abendländischer Heraldik aufbaut und das, als eine Art Gegenwelt, in starkem Kontrast zum Leben seines Vaters steht.

Die Ausstellung im Open Art Museum macht klar, dass es nicht die iranische Kunst gibt. Kunst ist vielmehr stark lokal verwurzelt. Genauso wie man allgemein nicht von der Kunst sprechen kann, sondern nur von Kunst oder eben Künsten. Gemäss Monika Jagfeld soll die Ausstellung einen Denkanstoss geben, um sich bewusst zu machen, dass unsere Welt ganz verschiedene Künste hervorbringt. «Outsider Art ist nie eindeutig zu definieren, nie eindeutig zuzuordnen, nie eindeutig zu verorten – sie ist eine Atopie», so Jagfeld. Festgefahrene Denkmuster sollen hinterfragt und eine Diskussion der Idee von Kunst als eine Atopie eröffnet werden.

Peter Wirz: Das Fahenmonument, 1950er-Jahre, Sammlung Dadi Wirz

Weis­ses Va­ku­um und ei­ne ro­te Kra­wat­te

Ge­sell­schafts­kri­tik, Wir­bel­säu­len und Ge­len­ke, die kei­ne sind. Im Rah­men ei­ner Zwi­schen­nut­zung zei­gen vier Kunst­schaf­fen­de noch bis zum 29. Au­gust ih­re Ar­bei­ten im Ku­bik-Are­al in St. Gal­len.

Von  Vera Zatti
Transluzent Saiten 5

Das Kreuz mit den Ga­gen

Die Kul­tur hat kei­ne Lob­by? Am Stadt­kul­tur­ge­spräch vom Don­ners­tag­abend im Tal­hof war sie da: Ver­tre­ter:in­nen von acht Be­rufs­ver­bän­den stell­ten sich vor. Bren­nends­tes The­ma wa­ren ein­mal mehr die Ho­no­ra­re.

Von  Peter Surber
Stadtkultur2

Ei­ne Por­ti­on Kunst

Im Kunst Kon­tor Ror­schach lud der Künst­ler Fe­lix Stöck­le zu ei­nem Din­ner, ei­ner Aus­stel­lung, ei­nem Hap­pe­ning – zwi­schen Fi­ne Di­ning, Ke­ra­mik, pop­kul­tu­rel­len Re­fe­ren­zen und der al­ten Idee ei­nes ge­teil­ten Ti­sches.

Von  Veronika Fischer
Kunstkontor dinner felix stoeckle 1

Hür­de um Hür­de

Nach zehn Jah­ren in der Schweiz woll­te sich Sa­mi­ra Ra­him mit ih­rer Fa­mi­lie ein­bür­gern las­sen. Die zahl­rei­chen bü­ro­kra­ti­schen Hin­der­nis­se und die ho­hen Kos­ten brach­ten die Fa­mi­lie zeit­wei­se fast da­zu, auf­zu­ge­ben.

Von  Andi Giger
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Raum­pla­nung als He­bel ge­gen die Woh­nungs­kri­se

Ber­lin­gen hat ei­ne neue Me­tho­de der In­ter­es­sen­ab­wä­gung ent­wi­ckelt: ei­ne Ana­ly­se des Orts­bilds als Grund­la­ge, um die wert­vol­le Bau­kul­tur zu er­hal­ten und gleich­zei­tig die In­nen­ent­wick­lung vor­an­zu­brin­gen. Nun steht die Ver­an­ke­rung in der Orts­pla­nung an.

Von  Rahel Lämmler
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Nach dem Rück­tritt von Pe­ter Jans: Das Ren­nen um den va­kan­ten Stadt­rats­sitz ist er­öff­net

SP-Mann Pe­ter Jans tritt En­de Ju­ni 2027 aus der St.Gal­ler Stadt­re­gie­rung zu­rück. In sei­ner Par­tei star­tet die Su­che nach ei­ner Nach­fol­ge mit ei­nem kla­ren Fa­vo­ri­ten. Bei den Bür­ger­li­chen sind Schmie­de für ei­ne gros­se Al­li­anz ge­fragt.

Von  Reto Voneschen
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Ein Tau­mel von Grün

Im Bo­ta­ni­schen Gar­ten St.Gal­len geht es ab nächs­ten Sams­tag wun­der­sam zu und her: Künst­ler:in­nen aus ver­schie­de­nen Spar­ten la­den zum sze­ni­schen Rund­gang un­ter dem Ti­tel In der Däm­me­rung wächst ein Flüs­tern. Ein Pro­ben­be­such.

Von  Peter Surber
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In den Wald hin­ein

Der Dra­ma­ti­ker An­dre­as Sau­ter liest am 27. Au­gust im Li­te­ra­tur­haus Thur­gau aus sei­nem un­fer­ti­gen Ma­nu­skript Ein­bruch der Wild­nis. Im Zen­trum des Werks steht die Fra­ge, was es für ei­nen ge­sell­schaft­li­chen Wan­del braucht.

Von  Vera Zatti
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«Ich bin mir voll­kom­men fremd, wenn ich nicht schrei­be»

Die deut­sche Fil­me­ma­che­rin Re­gi­na Schil­ling bringt zum 100. Ge­burts­tag von In­ge­borg Bach­mann Je­mand, der ein­mal ich war ins Ki­no. Der Do­ku­men­tar­film ver­knüpft gross­ar­ti­ge Ar­chiv­auf­nah­men mit fik­tio­na­len Sze­nen aus dem letz­ten Le­bens­jahr der Dich­te­rin zu ei­nem zu­gäng­li­chen Plot.

Von  Eva Bachmann
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Zu Be­such in der El-Hi­da­je-Mo­schee 

Die SVP macht seit Wo­chen Stim­mung ge­gen die ge­plan­te neue Mo­schee der al­ba­nisch-is­la­mi­schen Ge­mein­schaft El-Hi­da­je in St.Gal­len. An­läss­lich ei­nes öf­fent­li­chen Rund­gangs der SP stell­ten die Ver­ant­wort­li­chen das Pro­jekt vor – und räum­ten mit vie­len Vor­ur­tei­len auf.

Von  David Gadze
El hidaje rundgang david gadze

Ein le­ben für die Kunst

Jim Di­ne ge­hört zu den be­deu­tends­ten zeit­ge­nös­si­schen Künst­ler:in­nen. Seit ein paar Jah­ren er­schafft er sei­ne Skulp­tu­ren vor­nehm­lich im Sit­ter­tal. In die Kunst­gies­se­rei ver­lieb­te sich der Pop-Art-Pio­nier bei sei­nem ers­ten Be­such vor fast 20 Jah­ren.

Von  David Gadze
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Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur für die HSG

Al­les deu­tet drauf hin, dass die Uni St.Gal­len dem­nächst in den bis­he­ri­gen Haupt­sitz der Hel­ve­tia-Ver­si­che­rung, ge­plant vom Bas­ler Ar­chi­tek­tur­bü­ro Her­zog und de Meu­ron, als zwei­ten gros­sen Stand­ort auf dem Ro­sen­berg ein­zie­hen kann. Zu­sätz­lich ist ein Holz­bau mit Se­mi­nar­räu­men in Pla­nung.

Von  René Hornung
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FCSG vs. She­riff Ti­ras­pol 5:1 – St.Gal­len nach Schüt­zen­fest ei­ne Run­de wei­ter

Der FC St.Gal­len zeigt sich ge­gen She­riff Ti­ras­pol von sei­ner bes­ten Sei­te und ge­winnt das Spiel nicht nur sou­ve­rän, son­dern auch hoch mit 5:1. Wei­ter geh­t's im Play­off ge­gen den FC Nordsjæl­land aus Dæ­ne­mark.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Jubiläum

«Je­de Ge­ne­ra­ti­on muss­te die Fir­ma neu er­fin­den»

Von  Roman Hertler
Gallus Samuel Portrait sw WEB

Hin­term Bahn­gleis be­ginnt das Uni­ver­sum 

Durch bun­te Ga­la­xien bis in ein Meer aus Kat­zen­streu. Die Aus­stel­lung «Hin­ter’m Mond» vom Künst­ler:in­nen­kol­lek­tiv U5 und Mo­ni­ka Stal­der im Stell­werk in Heer­brugg lädt zu ei­ner in­ter­ga­lak­ti­schen Rei­se ein. 

Von  Vera Zatti
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Ex­ci­ting, un­hin­ged und häs­sig

Die Ost­schwei­zer Band Drill bringt mit Ca­thar­sis ei­ne neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wil­der Ritt auf schwe­ren Gi­tar­ren­riffs, bei dem Me­tal­co­re auch mal auf Hy­per­pop trifft.

Von  Jeremias Heppeler
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Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 7

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 7: Rat­haus­oper Kon­stanz, Charles Uz­ors The Gre­at Wall. A La­by­rinth, Clanx-Fes­ti­val und Rund­gän­ge zu Wi­bora­das Schwes­tern. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Till The Morning Rises Pfister Noemi

FC St.Gal­len vs. FC Lu­zern 2:2 – Im­mer­hin ein Punkt

Ge­gen die­ses Lu­zern müss­te der FC St.Gal­len ei­gent­lich drei Punk­te ein­fah­ren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es im­mer­hin ei­ner wird. Der Aus­gleich ge­lingt erst weit in der Nach­spiel­zeit per Pe­nal­ty. Das Spiel zum Nach­le­sen im SENF-Ti­cker.

Von  SENF Kollektiv
Senf

Ein er­staun­li­ches Werk

Her­bert Rauch (1929–2012) war Brief­trä­ger und Künst­ler. In den Schwarz-Weiss-Fo­to­gra­fien des Rank­wei­lers er­schei­nen Ob­jek­te wie Stei­ne und Fe­dern als abs­trak­te, gra­fi­sche Ge­bil­de. Nun ist ein Fo­to­band zu sei­nem Spät­werk er­schie­nen, und im Schau­raum Re­né Dal­pra in Alt­ach sind sei­ne Ar­bei­ten aus­ge­stellt.

Von  Ariane Grabher
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Stadt der Un­der­dogs

Ei­ne Bun­des­rä­tin, meh­re­re Na­tio­nal­rät:in­nen und die Po­li­trap­per der Stun­de: Al­le kom­men sie aus der Klein­stadt Wil. Ei­ne Er­kun­dung vor den Lo­kal­wah­len.

Von  Kaspar Surber
Lukas reimann mike sarbach ursula haene