Die Neugestaltung des St.Galler Marktplatzes scheiterte an vielerlei: am Vorschlag, die Wartehalle von Santiago Calatrava wegzuräumen, die Bushaltestellen zu verschieben, eine Markthalle zu bauen – aber vor allem an der Koppelung von Platzgestaltung und dem Bau einer neuen Tiefgarage.
Mit allen Anspruchsgruppen im Gespräch
Im dritten Anlauf tut die Baudirektion nun alles, um möglichst viele «Anspruchsgruppen» von Anfang an in einen partizipativen Prozess miteinzubeziehen. Bereits wurden Parteien und Verbände sowie die Hauseigentümer rund um den Platz in einer Online-Umfrage um ihre Meinung gebeten. Herausgekommen ist ein Konsens über die zentrale Bedeutung des Platzes. Aber zum kritischen Punkt der Parkgarage gab es in der ersten Runde gar keine Fragen.
Als nächstes lädt das Planungsamt zu einem «Forum» ein. Diese Einladung erfolgt auf eher ungewöhnlichen Wegen: Via Plakate und mit Flyern und Guetzli werben Mitarbeitende der Stadt auf der Strasse für einen Informationsanlass. Dort werden zuerst die Rahmenbedingungen für die Planung vorgestellt. Die konkreten inhaltlichen Debatten beginnen dann im Januar. Michael Emmenegger, Fachmann für die Analyse und Management von sozialen Prozessen, soll dabei versuchen, die widersprüchlichen Anforderungen zu ordnen.
Zu diesem «Forum» sind, wie Stadträtin Patrizia Adam und Stadtplaner Florian Kessler vor den Medien sagten, schon viele Vertreter der «Anspruchsgruppen» fix eingeladen – von den Marktfahrerinnen bis zu den politischen Parteien. Fürs breite Publikum bleibt nur noch ein gutes Dutzend Plätze frei.
Frühestens in einem halben Jahr sollte dann klar sein, ob an einem der früheren Gestaltungsprojekte weiter gearbeitet werden kann, oder ob ein vollständig neuer Anlauf genommen werden soll. Und offen bleibt auch, ob das nächste Projekt dann mehr Chancen hat.
Offene Parkgaragen-Rechnungen
Der Stein des Anstosses – die Parkgarage – ist nämlich noch nicht beseitigt. Zwar hat die Stadt keine Baubewilligung erteilt, doch die Bauherrschaft will sich durchsetzen und hat dagegen rekurriert. Obwohl die Platzgestaltung mit dem Garagenbau keinen direkten Zusammenhang mehr hat, scheint klar, dass sich die Geister erneut an der Parkplatzfrage scheiden werden.
Und noch etwas ist unklar: Die Baudirektorin, Patrizia Adam (CVP) muss sich dieses Wochenende einem zweiten Wahlgang in die Stadtregierung stellen. Sollte es danach zu einer neuen politischen Zusammensetzung der Stadtregierung kommen – und diese Möglichkeit besteht – wird der Planungsprozess möglicherweise nochmals Korrekturen erfahren.
Das Stadtparlament hat am Dienstag zwar der Marktplatz-Vorlage zugestimmt. Doch die Parkplätze sollen noch lange nicht aufgehoben werden. Wegen der Gewerbler.
Im letzten Spiel der Saison trifft der FC St.Gallen auf den neuen Schweizer Meister aus Thun. Wie wird das Kehrausspiel? Die Antwort live im SENF-Ticker ab 16.30 Uhr.
Caline Aoun interessieren die Momente der Veränderung, die Übergänge und Zustände. Ihre Ausstellung in Kunstmuseum und Kunsthalle Appenzell wird zum Ende der sechsmonatigen Laufzeit eine andere sein als zu Beginn.
Der 1100. Todestag von Wiborada – Inklusin, Stadtheilige und Projektionsfläche – ist zurzeit Thema vielfältiger Aktivitäten. Zu den Highlights gehört eine mutmassliche Unterschrift, zu besichtigen in der Ausstellung im St.Galler Regierungsgebäude.
Gastkommentar
Anna Beck-Wörner hat ein Wiborada-Unterrichtsheft erarbeitet. Im Postenlauf, der durch St.Gallen führt, können Schüler:innen anhand von Wiboradas Lebensweg lehrplankonform Themen wie Gemeinschaft, Lebensform, Bücher oder Identität erarbeiten.
Am Wochenende bringt das Aufgetischt-Festival wieder über 100 Strassenkünstler:innen aus aller Welt in die Gassen der Stadt St.Gallen. Wir haben mit Daiana Mingarelli vom Duo Daiana Lou über die Eigen- und Besonderheiten des Busking gesprochen.
Heavy Psych Sounds Fest
Der peinliche bis inhaltsleere Auftritt des Tech-Faschisten Curtis Yarvin hat die Berichterstattung über das diesjährige St.Gallen Symposium dominiert. Am Montag haben – vor allem geisteswissenschaftliche – Exponent:innen der HSG in einem öffentlichen Gespräch versucht, Yarvins langen Schatten zu verwedeln.
Die St.Galler Theaterkompanie Rohstoff zeigt am 22. und 23. Mai ihr aktuelles Theaterstück in der Kellerbühne. Wie in einem Rausch erzählt Orlando* von Geschlechternormen, Grenzauflösungen und Verwandlungen.
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Eleanor Antin ist seit 60 Jahren künstlerisch tätig. Früh hat sie sich mit Technologie, Rassismus und Genderfluidität beschäftigt, doch zwischenzeitlich war sie fast in Vergessenheit geraten. Nun macht die erste europäische Retrospektive Station im Kunstmuseum Liechtenstein.
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Nach vierzig Jahren kehrt Guido R. von Stürler in die Kunsthalle nach Wil zurück. Der Künstler, mit einem Faible für Fliegen, zeigt in «Zwischen den Systemen – Kunst im vernetzten Jetzt» eine Werkübersicht, die Organisches und Digitales vereint.
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In eigener Sache
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Treueprobe, Verkleidungsspuk, Partner:innentausch: Così fan tutte scheint definitiv von vorgestern. Trotzdem lohnt sich Mozarts Oper auch jetzt wieder am Theater St.Gallen. Am Samstag war Premiere.