Wenn sich der meistbewunderte Erker der Stadt und das unverzichtbarste Kulturmagazin der Ostschweiz zusammentun, dann fliegen die Fetzen oder zumindest die Wörter. Zur nächtlichen Stunde lädt das Magazin Saiten zusammen mit dem Theater am Tisch auch dieses Jahr zum Gassenhauer in der Schmiedgasse.
Knacknuss: Landeskunde
Beim letzten Mal, anno 2015 hockten sich die Gespenster des neoliberalen Turbokapitalismus im Pelikanerker fest – das war die Geschichte: Günther, Deutscher von Herkunft, Anästhesist von Beruf und gesellschaftlicher An-Anästhesist, ist entlassen worden; zu aufmüpfig, zu wenig stromlinienförmig, benchmark-untauglich. Und seine Kollegin Emmi gleich mit. Dem grossen Reinemachen ist Günther nach Griechenland entkommen und hat sich dort mit dem gebeutelten Volk solidarisiert. Jetzt, ein Jahr später, kommt er zurück und stellt fest: Die Geschichte ist weitergegangen, Emmi ebenfalls, und wie!
In der Ostschweiz ist die Zukunft ausgebrochen. Der Kanton St.Gallen ist unbrauchbar geworden, unfähig, mit der Entwicklung im Innern und dem Flüchtlingsproblem von aussen zu Gang zu kommen. Deshalb musste kurzerhand ein neuer Kanton gegründet worden. Günther packt die Chance und tritt an zur Einbürgerungsprüfung. Knacknuss ist die Landeskunde. Alles weitere live: am Samstag, 2. April, 23 Uhr in der Schmiedgasse in St.Gallens Altstadt. Mit Diana Dengler und Marcus Schäfer vom Theater am Tisch.
Viele Tonlagen, wenig Ostschweiz
Die 8. St.Galler Literaturtage Wortlaut bieten darüber hinaus eine Vielzahl weiterer potentieller Gassenfeger quer durch die Sparten: Literatur, Spoken Word, Comic, Kabarett. Doppelter Auftakt ist heute Donnerstag: Im Alten Zeughaus Herisau liest Arno Camenisch, der Bündner Erfolgsautor, aus seiner neuen Erzählung Die Kur, in der sich ein alter Nörgler durch einen geschenkten Aufenthalt im Luxushotel nörgelt, mit allerlei Helvetismen beziehungsweise Bündnerismen im humorigen Text. Auftakt Nummer zwei ist ein Gespräch zur «Strapazierfähigkeit und Überlappung von Comic, Kunst und Wort» im Kunstraum Nextex, wo bereits seit längerem die Ausstellung «Aufblühende Attacken» zu sehen ist.
Am Freitag ist Urs Augstburger mit seinem Roman Kleine Fluchten in einer szenischen Lesung im Raum für Literatur in der Hauptpost zu hören, und in der Grabenhalle geht unter dem Titel «Sägs rächt» der Dialekt-Slam-Wettbewerb über die Bühne.
Am Samstag ist von 12 bis 24 Uhr Nonstop-Literatur angesagt, mit prominenten Namen wie dem Zeichner Matthias Gnehm, dem Humoristen Thomas C. Breuer oder dem Buchpreis-Gewinner Rolf Lappert; Monique Schwitter, ebenfalls Buchpreis-Gewinnerin, musste krankheitshalber kurzfristig absagen. Daneben gibt es Geheimtipps wie den Slammer Pierre Jarawan, der aus seinem Roman Am Ende bleiben die Zedern liest. Heinz Helle, Nadja Küchenmeister, Timo Brunke, Radek Knapp heissen weitere hierzulande noch weniger bekannte Stimmen.
Die Schweiz und namentlich die Ostschweiz stehen dagegen eher in der zweiten Reihe. Zwar stellen Rebecca C. Schnyder und Laura Vogt, beide in Ausserrhoden aufgewachsen und in St.Gallen lebend, je ihren Romanerstling vor, mehr dazu hier. Im übrigen bekommt man die regionalen Stimmen aber nur in Kurzlesungen unter dem Titel «Ostschweizer Bühne» im Splügeneck zu hören: Tanja Kummer, Edgar Hermann, Heinrich Kuhn, Gabrielle Alioth, Ruth Rechsteiner und Eva Roth lesen dort aus aktuellen Büchern.
Ganz «hiesig» ist dagegen der Abschluss am Sonntag, mit «Worten in der Stadt» von Richard Butz und Nathalie Hubler sowie der Buchpremiere von Band drei der Edition Literatur Ostschweiz: Laura Vogts Roman So einfach war es also zu gehen.
Alle Infos: wortlaut.ch
Gleich zwei Romandebüts von Ostschweizerinnen innert weniger Wochen und ein (fast) gemeinsamer Auftritt am Wortlaut-Festival: Mit Rebecca C. Schnyder und Laura Vogt betreten zwei junge Autorinnen mit Ambitionen die Bühne.
Kunstausstellung
Eigentlich wollte Zsuzsanna Gahse keine Bücher mehr schreiben. Nun hat sie mit Angerichtet ihr Werk doch noch einmal erweitert. Ihre Sprache darin bleibt neugierig, humorvoll und spielerisch. Und wirkt fast wie ein Kommentar zum eigenen literarischen Schaffen.
Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel
Jakob Stutz, Volksschriftsteller und Reformpädagoge mit «zwiespältigem» Charakter: Ihn lässt Ex-Kellerbühnenleiter Matthias Peter 150 Jahre nach seinem Tod noch einmal aufleben – unter anderem in Trogen, wo Stutz im Gefängnis sass.
Auf seinem neuen Album Three Chords and a Shaking Hand besingt der Rheintaler Singer-Songwriter Mo Klé die gegenwärtige Debattenkultur, Regenstürme und Selbstakzeptanz. Die Albumtaufe findet am 7. November im st.gallischen Bahnhof Bruggen statt.
Boukhalfa und Görtler bringen die Espen in Führung, welche das Team dann über die Zeit bringt.
Alexander Veljanov ist die unverwechselbare Stimme der Dark-Wave-Band Deine Lakaien. Mit seinem neuen Soloalbum gastiert er am 9. November in Frauenfeld. Ein Gespräch über Schubladen, Lüge, Wahrheit und die Frage, was Musik mit unserem Menschsein zu tun hat.
Zumthor plant in Wildhaus
Ein Wahlgang genügte: Die SP der Stadt St.Gallen schickt Peter Olibet ins Rennen um die Nachfolge von Stadtrat Peter Jans. Er erhielt 109 von 182 Stimmen. In der Fragerunde ging es um Sparpolitik, bezahlbare Wohnungen und die Frage, wie viel Opposition ein künftiges Regierungsmitglied noch machen kann.
Während Zürich und Genf geraubte Benin-Bronzen zurückgeben, laviert das Kulturmuseum St.Gallen. Derweil untersucht der Thurgau seine ethnografische Sammlung und schliess Restitutionen nicht aus. Ausserdem im Novemberheft: Der solidarische Protest der St.Galler Kulturszene gegen die Sparpläne des Kantons, die neue Ausstellung zum Zehnjährigen im Naturmuseum St.Gallen, das erste elektronische Soloalbum von Kafi-D und vieles mehr.
Seit einigen Jahren sind Benin-Bronzen in Schweizer Museen ein heisses Eisen. Im St.Galler Kulturmuseum laviert man bei der Frage einer möglichen Rückgabe zwischen Dialogbereitschaft und Verweigerungshaltung.
Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs
Ein Festival über den Tod – darf das auch lustig sein? «Last Call» lädt am 31. Oktober in St.Gallen dazu ein, über das Sterben zu sprechen. Interview mit Michelle Mauchle von der Geschäftsstelle Palliative Care Stadt St.Gallen.
In St.Gallen hat am Samstag zum ersten Mal ein emanzipatorisch-antifaschistisch-queerfeministisches Kampfsportturnier stattgefunden. Wie das aussieht? Schon ziemlich brutal, aber dann auch wieder herzlich.
Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller
Seit 35 Jahren untersucht Patrick Rohner Naturprozesse, insbesondere im Zusammenhang mit Geologie, zeichnerisch, malerisch und bildhauerisch. Die Ausstellung «Faltungen» im Museum Bickel zeigt noch bis zum 22. November einen Querschnitt dieser kontinuierlichen Beschäftigung.
Klimaseniorinnen besuchen Bern
Vor dem Karlstor ein Picknick unter Bäumen am Ufer, die Mittagspause mit den Füssen im Wasser vor der Kantonsschul-Bibliothek oder ein Bier am Bächlein zwischen der Bar La Buena Onda und dem «Bierhof» – das alles soll gemäss der Machbarkeitsstudie «Alte Steinach» möglich werden. Am Montag haben sie die Verantwortlichen vorgestellt.
Delfine, Herzen und Flaggen. Die «Illo Konstanz Vol. 5» zeigt über 60 Arbeiten von internationalen Illustratoren. Die Schau lässt viel Raum für eigene Zugänge, übt aber auch Kritik und zeigt Haltung.
Der Verein Lattich im Güterbahnhofareal St.Gallen feiert das 10-Jahr-Jubiläum. Noch immer kämpft er mit Einsprachen. Der Vorstand der Gründungsphase hat aufgegeben. Seit gut einem Jahr bilden Adelheid Karli und Florim Šabani das Co-Präsidium.