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Nicht verzagen, Bill hören!

Sebastian Völkle alias Sebastian Bill beobachtet genau, was im St.Gallischen Alltag – und in der Nacht – passiert. Das zweite Soloalbum des Singer/Songwriters ist in weiten Teilen nachdenklich, oft gespickt mit schönen ironischen Untertönen.
Von  Roman Hertler , 
Sebastian Völkle alias Sebastian Bill. (Bild: pd)

Bill kennt seit Jahren, wer sich hin und wieder in den schönen Kneipen dieser Stadt herumtreibt, allen voran im Buena Onda. Sebastian Völkle alias Sebastian Bill (Nachname seiner Mutter) mäandert gerne durch die Gassen, beobachtet den Alltag und die späte Nacht scharf durch seine John-Lennon-Brille, hat für jeden je nach Situation ein freundliches Lächeln oder einen derben Spruch parat, schwärmt von seinen Country- und Folk-Helden und seiner Vorliebe für gutgemachtes amerikanisches Kino – egal ob alt oder neu.

Der Liedermacher hat schon in einigen Formationen mitmusiziert: Poeslost & Rambler Roadshow, Turtur, Stella & Sebastian (früher Vom Stern). Meist ist er aber alleine unterwegs, spielt seine Mundartsongs am liebsten mit der Gitarre, verschmäht aber auch nicht das Piano, wenn gerade eines im Raum steht. Des Öfteren begleitet ihn Gitarrist Tom «Norweger» Schmid (früher Cobweb, heute The Peoples Republic).

Umtriebig wie er ist, überrascht es, dass nach Aifach (2012) das zweite Soloalbum Bill immerhin sieben Jahre auf sich warten liess. Es ist ein nachdenkliches Album mit vielen ironischen Untertönen. Oft drehen sich die Texte um Liebe und die Sehnsucht nach dieser einen, besonderen Person, die die Seele in Wallung bringt. «Hilf mir zrugg uf mini Bei / Und mir vebringed en Obed für zwei / Imene Lokal diner Wahl, und denn / Jo denn fressed mer üs uf», singt er etwa im Opener I han d’Idee ohne Klamauk, dafür mit sanftmütiger Melancholie.

Besonders stark wird das Album da, wo er die gut vorgestampften Liebesschnulzenpfade verlässt. Etwa wenn er zum rhythmischen Gitarrenriff in Rudeltier – das Highlight der Platte – das Leben eines Einzelgängers besingt, der am Stadtrand mit seinen vier Hunden lebt und nichts mit der gleichgeschalteten Masse der selbstzufriedenen Innenstadtgesellschaft zu tun haben will. «D Lüt ide Stadt, die sind all glich / Langwielig, dumm, frech und riech / Das Mitenand, Hand in Hand / Gegen üs am Rand.» Der Einzelgänger, und ebenso Bill, bleibt da lieber an der Peripherie, von wo er besser beobachten kann, was um ihn herum passiert.

Zum Schmunzeln und Nachdenken

Bill ist aber kein Miesepeter, er lebt auch nicht so weit am Stadtrand, wie man vielleicht meinen könnte. Bill geht hin zu den Leuten, hört zu. Und verarbeitet Dinge, die ihm gesagt wurden (oder auch nicht) in der Folkballade Ehrlich mit feiner Selbstironie: «Du gsehsch so us / Als wärsch en Rocker / Aber machsch nüt drus / Das isch ehrlich».

Das Album, komplett in Eigenregie eingespielt, feiert vor allem die leisen Töne. Bills Stimme kommt direkt, aber weder voluminös noch in breiter Stimmlage daher, ehrlich eben. Einzelne Silben verschluckt er, ohne Kalkül und ungekünstelt. Bills Lieder kommen aus dem Innersten, legen Intimes, die «blöden Gedanken» und persönlichen Zweifel frei, ohne in mitleiderregendes Jammern zu verfallen. Die schön komponierten Stücke folgen in ihrer Bescheidenheit gängigen Kadenzen. Bill meidet effekthascherische Experimente. Er spielt ganz einfach hübsch gemachte Lieder.

Die ganze Platte ist mit Textzeilen durchzogen, die einen schmunzeln lassen und zum Nachdenken anregen, nicht zum Grübeln. Verzagen ist nicht Bills Weg, den Verstrickungen der Welt zu begegnen. Die Musik des Pflegefachmanns heilt nicht, sie tut einfach gut. Man darf sich getrost freuen, wenn Bill bald (und immer wieder) in dunklen Bars, auch mal zu einer Ladeneröffnung oder im Januar als Support von Voodoo Jürgens im Palace den Troubadour gibt.

Sebastian Bill: Bill, ist im Oktober erschienen und auf Spotify und iTunes hörbar.

Ende Jahr erscheint ausserdem eine EP von Stella & Sebastian.

sebastianbilltroubadour.ch

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