Nichts geht über Liebe
Geschichten aus dem eigenen Leben hat die Altstätter Laientheatergruppe AST zu einem Theaterstück verwoben. In der fünften Eigenproduktion Fifty Shades of Liebi dreht sich alles um Liebe, und zwar nicht nur um die romantische. Zu sehen ist das Stück ab dem 24. April im Diogenes Theater in Altstätten.
Die Altstätter Laientheatergruppe AST (Bild: pd)
Wann ist man zu alt für die Schauspielerei? Nie, findet wohl die Laientheatergruppe AST AltStätter Theater. Die gesamte Gruppe ist im fortgeschrittenen Alter, daher wohl auch die Betonung auf «Alt» im Ensemblenamen. Das älteste Mitglied ist 84 Jahre alt.
Im Dreijahresrhythmus entwickelt die 2017 gegründete Theaterkompanie jeweils ein neues Schauspielstück. Dieses Jahr ist es wieder so weit. Vom 24. April bis 2. Mai zeigt das Ensemble seine fünfte Eigenproduktion Fifty Shades of Liebi im Diogenes Theater in Altstätten. Und auch dieses Stück hat AST unter der Leitung von Ursula Bardorf selbst geschrieben.
Saiten erreicht die Stückschreiberin und Regisseurin Bardorf am Telefon.
Saiten: Worum geht es im Stück Fifty Shades of Liebi?
Ursula Bardorf: Es geht natürlich um die Liebe. Um die romantische Liebe, die die ganz grossen Glücksgefühle ebenso mit sich bringt, wie Irrungen und Wirrungen. Um die Liebe, die man in tiefen Freundschaften empfindet, wo man merkt: Läck, ich habe diese Person einfach furchtbar gern. Und dann geht es auch um die Liebe zu Tieren oder sogar zu Büchern. Also einfach um verschiedenste Aspekte von Liebe, die wir Menschen empfinden können.
Wie haben sie diese Liebe im Stück umgesetzt?
UB: Dieses Jahr haben wir uns zum ersten Mal gegen eine zusammenhängende Geschichte entschieden. Stattdessen zeigen wir eine Art Varieté: fünfzehn kurze, in sich geschlossene Szenen, die ineinander übergehen. Davon sind zwölf Geschichten aus unserem eigenen Leben und drei andere Formate. Eine Moderation, die ich mache, verbindet die Episoden, und dazwischen singt der Männerchor Altstätten verschiedene Liebeslieder.
Wie ist das Stück entstanden?
UB: Das hat sich über einen Zeitraum von drei Jahren langsam entwickelt. Wir treffen uns regelmässig in der Gruppe und da tauchen viele Themen auf, die unserem Leben entspringen. Liebe ist, gerade wenn man älter wird und zum Beispiel Enkelkinder bekommt, so wichtig und allumfassend. Liebe bestimmt das Leben in fast jeder Lebensphase. Es sind also zwölf wahre Geschichten, die wir verarbeiten. Aber wir haben sie natürlich anonymisiert, sodass niemand nachvollziehen kann, wer gemeint ist.
Haben sie selbst auch eine solche Geschichte beigesteuert?
UB: Natürlich!
Verraten sie, um was es darin geht?
UB: (Lacht.) Sicher nicht. Es soll wirklich anonymisiert bleiben. Intern wissen wir, was von wem ist. Alle anderen geht das nichts an.
Dann allgemeiner: Welche Geschichten darf das Publikum erwarten?
UB: Da ist die Geschichte von vier Männern, die sich seit der Primarschule kennen. Zwischenzeitlich ist der Kontakt etwas abgebrochen, aber im Alter finden sie dann wieder zusammen. Dann erkrankt der eine schwer. Als klar ist, dass er bald stirbt, setzen sie alles daran, ihm seinen letzten Wunsch zu erfüllen: Einmal noch an der Feuerstelle im Wald sitzen, wo sie als Kinder immer gespielt haben.
Eine sehr berührende Geschichte. Sind alle auf der emotionalen Seite angesiedelt?
UB: Nein, es ist eine bunte Mischung von allgemeinen Geschichten über Liebe. Aber da gehört das Traurige und Schwere einfach dazu.
Was wären fröhlichere Geschichten?
UB: Also da ist einmal die alte Geschichte der Eheleute. Der Mann bekommt immer den Anschnitt des Hackbratens – dabei mag er den gar nicht. Aber er nimmt ihn, weil er denkt, seine Frau mag ihn nicht. Und die Frau gibt ein Leben lang den Hackbratenanschnitt ihrem Mann, obwohl sie ihn selbst sehr gern hätte – aber sie meint, er hätte ihn gern. Dann gibt es die lustige Geschichte, von einem Mann, der zum Pfarrer geht und sagt, er müsse etwas beichten, das er nicht getan habe; er sei nämlich seit 30 Jahren in eine Frau verliebt und habe ihr nie etwas gesagt.
Und zwischen diesen einzelnen Szenen singt der Männerchor Altstätten?
UB: Also nicht zwischen allen Szenen. Der Männerchor bringt sechs Lieder ins Stück ein. Besonders ist, dass die 22 Sänger mitten im Publikum sitzen und von dort a cappella oder begleitet von einer Handorgel singen. Für unser Ensemble ist das super. Es entlastet uns, und dass da gestandene Männer mit ihren dunklen Stimmen so richtige Liebeslieder singen, ist einfach wunderbar. Aber natürlich singen auch wir, und zwar selbst geschriebene Lieder – eines davon ist dieses Jahr ein Rap.
Ein Rap?
UB: Ja, nachdem die Schauspieler:innen mit Begriffspaaren von A wie «amore» und «Affäre» bis Z wie «Zärtlichkeit» und «Zoff» das ganze ABC durchgespielt haben, kommt ein Rap. Und wie immer bei uns darf das Publikum mitsingen. Also beim Rap geht das nicht, den kennt ja niemand, aber bei anderen Liedern wird sicher fleissig mitgesungen.
Es ist ja oft eine Herausforderung, das Publikum zum Mitsingen zu bewegen …
UB: (Lacht.) Im Rheintal ist es kein Problem, das Publikum zum Mitsingen zu bewegen.
Was sind denn die Herausforderungen bei AST?
UB: Wir sind halt alles alte Leute und das ist ein enormer Unterschied zu einer jungen Theatergruppe. Mit dem Auswendiglernen ist es schwieriger und man mag insgesamt schlicht nicht mehr so lange. Kommt hinzu, dass wir bei den Aufführungen nicht mit einer Souffleuse arbeiten können; vielleicht hört die Person auf der Bühne nicht mehr so gut. Dann müsste die Souffleuse so laut rufen – das würde keinen Sinn ergeben. Aber wir wissen uns zu helfen und haben grosszügig Spickzettel verteilt. Falls wer stecken bleibt, springen die anderen ein. Da sind wir sehr geschickt, sodass das vom Publikum meist unbemerkt bleibt.
Zum Abschluss noch zum Stücktitel Fifty Shades of Liebi. Was hat es damit auf sich?
UB: Das ist natürlich angelehnt an die Roman- und Filmreihe Fifty Shades of Grey. Anfangs war das als Gag gemeint und irgendwie ist uns der Titel aber erhalten geblieben. Dabei sind es bei uns ja nicht fünfzig, sondern nur fünfzehn Szenen über die Liebe. Aber das greifen wir zum Stückbeginn direkt auf.
AST AltStätter Theater – Fifty Shades of Liebi: 24. April bis 2. Mai, jeweils mittwochs, freitags und samstags, 20 Uhr, Diogenes Theater, Altstätten.
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