Falls sich an der Zahl ihrer Auftritte in Solothurn die Prominenz von Autorinnen und Autoren ablesen lässt, dann gehört Zsuzsanna Gahse zur «ersten Garde»: Die im Thurgau lebende Schriftstellerin hat in den Jahren 1993, 1999, 2004, 2009 und 2013 bereits an den Literaturtagen gelesen und ist jetzt mit ihrem jüngsten Buch Jan, Janka, Sara und ich wiederum eingeladen.
Damit kommt sie teils ganz, teils fast an Leute wie Mariella Mehr, Klaus Merz, Ernst Burren oder Peter Bichsel heran. Adolf Muschg erweist sich hingegen mit zehn Lesungen (inklusive 2016) mit Blick auf die Solothurn-Präsenz erstaunlicherweise nur als deutschsprachiger Beinah-Primus – noch übertroffen wird er von Franz Hohler, der 2016 zum elften Mal Solothurn die Ehre gibt. Und von Hanna Johansen, die ihrerseits schon elfmal an den Literaturtagen gelesen hat.
Auf- und Abrechnungen solcher Art sind zwar absurd – aber seit neustem leicht möglich dank der neuen Website der Solothurner Literaturtage: Im 38. Jahr seines Bestehens hat das Festival sein gesamtes Archiv aufbereitet und digitalisiert. Unter dem Stichwort Archivdatenbank lässt sich jetzt nicht nur an einer oder zwei Händen abzählen, wer wieviele Male die Gnade der Programmkommission gefunden hat. Verzeichnet sind darüber hinaus alle Auftritte im Detail, ergänzt um Fotos – ein kleiner «Spiegel der neueren Literaturgeschichte der Schweiz», wie Solothurn-Geschäftsführerin Reina Gehrig zu Recht schreibt.
Monika Schnyder ist dagegen das erste Mal Gast an der Werkschau der Schweizer Literaturen. Die in St.Gallen lebende Lyrikerin ist mit ihrem jüngsten Gedichtband Thetys (mehr hier) eingeladen und zählt zur kleinen Ostschweizer «Delegation» am diesjährigen Festival.
Laura Vogt
Ihr Solothurn-Debut gibt auch die junge Ausserrhoderin Laura Vogt. Sie stellt ihren Erstlingsroman So einfach war es also zu gehen vor, der rund einen Monat zuvor, am 3. April am Wortlaut-Festival seine St.Galler Buchpremiere hat und als dritter Band der Edition Literatur Ostschweiz erscheint.
Weitere Debuts bieten Meral Kureyshi, Noemi Lerch oder Martin Bieri, und erstmals in Solothurn liest auch Annette Hug (aus ihrem eben erschienenen historisch fundierten Roman Wilhelm Tell in Manila).
Das am heutigen Dienstag vorgestellte Programm 2016 umfasst neben den Lesungen zwei Hommagen (an Kurt Marti und Alberto Nessi), stellt den rätoromanischen e-Comic Crestomat vor, bietet Übersetzungswerkstätten und einen Schwerpunkt zur Kinder- und Jugendliteratur. Ausländische Gäste sind Feridun Zaimoglu, Judith Kuckart, Jan Wagner und Sasa Stanisic aus Deutschland, die Französin Noelle Châtelet, Boualem Sansal aus Algerien, der Norweger Tomas Espedal und das italienische Schreibkollektiv Wu Ming.
Solothurner Literaturtage: 6. bis 8. Mai 2016. Infos hier.
Mit verschreckten Securitys in einer bunten Inszenierung von Angelika Zacek präsentiert das Vorarlberger Landestheater in Bregenz Shakespeares Ein Sommernachtstraum.
Die St.Galler Festspiel-Oper spielt dieses Jahr im Haus statt auf dem Klosterplatz – ein Glücksfall für Verdis Aida, die menschlich und musikalisch in die Tiefe geht. Modestas Pitrenas dirigiert ein letztes Mal, Ben Baur inszeniert bildstark.
Im Werk 2 in Arbon dreht sich derzeit alles um Mythen. «Sehnsucht Mythos. Wie Geschichten unsere Welt gestalten» ist eine ästhetische Ausstellung, die mit ihrem sehr breiten Mythosbegriff arbeitet und vielfältige Geschichten unter einem Dach vereint.
Neue Eigenproduktion
Tunneleröffnung
Das musste ja so kommen! Es konnte nicht bei einem bleiben. Zum Glück! Jetzt gibt es das zweite grosse, schwere Psychobuch von Beni Bischof. Darin verwirbelt der Künstler erneut Eigenes, Fremdes, Befremdliches, Bekanntes, Neues, Unkenntliches mit lockerer Hand, Humor und Hintersinn.
Die Sonderausstellung «Baustelle Erinnerung / ‹Hitler entsorgen› – Arbeiten am belasteten Erbe» im Vorarlberg Museum in Bregenz beschäftigt sich damit, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit Gegenständen aus der NS-Vergangenheit aussehen kann. Ausserdem berät das Museum Privatpersonen, die solche Gegenstände besitzen.
Forrer Stieger Architekten gelingt mit dem Dreifachkindergarten und der Tagesbetreuung im Heiligkreuzquartier in St.Gallen die Quadratur des Kreises.
Es geht um uns Menschen und unser sonderbares und verheerendes Verhalten. «Humans» heisst die grosse Einzelausstellung des Ostschweizer Künstlers Olaf Breuning. Viele Arbeiten sind speziell für die Schau im Museum Allerheiligen in Schaffhausen entstanden.
In Wil fand am Wochenende das Rock am Weier statt. Seit 25 Jahren gibt es das Festival, und trotz inzwischen grösserer Namen ist es immer noch kostenlos. Ein Verein organisiert es nicht-profitorientiert und fördert regionale Acts. Unsere Autorin ist an den Ort ihrer musikalischen Sozialisation zurückgekehrt. Eine Reportage.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Ausstellung im Museum Rosenegg
Kabarett in Herisau
Debatten um Machismus, Deepfake-Pornos, häusliche Gewalt und Femizide sind beinahe alltäglich. Was können Männer gerade tun, wenn sie unter Generalverdacht geraten? Frauenhausleiterin Katja Hämmerli Keller, Florance Hildebrand vom feministischen Streikkollektiv Thurgau und Manuel Benjamin Lehmann vom Forum Mann diskutieren Lösungsansätze.
Kommentar zur SVP-Chaosinitiative
Das AFO, das Architektur Forum Ostschweiz, diskutiert und vermittelt seit 30 Jahren Baukultur. Am kommenden Freitag wird das Jubiläum gefeiert und die neuste Artikelserie der guten Bauten als Buch präsentiert.
Minasa bekommt also doch Geld aus dem Lotteriefonds: Der Kantonsrat hat dem von Saiten und Thurgaukultur.ch aufgebauten Projekt, das den grössten Veranstaltungskalender der Ostschweiz ermöglicht, die Finanzierung für drei weitere Jahre gesichert.
Inna Shevchenko fragt im Dokumentarfilm Girls and Gods, ob die monotheistischen Weltreligionen mit Feminismus vereinbar sind. Auf der Suche nach Antworten begegnet sie widersprüchlichen Theorien und mutigen Frauen. Und bleibt nicht nur stille Beobachterin.
In eigener Sache
Abstimmungskommentar zur SVP-Chaosinitiative