Fäuste in die Luft, Haare schütteln und Bierdusche heisst es auf dem neuen Banger der fünfköpfigen Band aus Frauenfeld. Da werden keine Experimente gemacht und die Riffs tonnenschwer und präzise runtergerockt. Fast acht Minuten geht der erste Song A Black Magick Spell of Blazing Fire.
Haile Selacid Ultras erschien am 1. Mai bei AuGeil-Records.
Eingefleischte Metalheads zwinkern sich wegen der Anspielung auf Darkthrones A Blaze in the Northern Sky zu und kommen wegen der krachenden, dennoch fetten Produktion voll auf ihre Kosten. Das auf den Punkt gespielte Doublebassgewitter, die melodische Maiden-esque Gitarrenarbeit von Luca Harder und Tommy Kovacevic sowie die eindrucksvollen, souverän auf die Musik abgestimmten Growls von Sänger Simon Ovvman tun ihr Übriges. Die einprägsamen Riffs schreibt Bassist Severin Beerli, später werden sie gemeinsam ausgefeilt.
Trve Thvrgovian Darkness!
Weil der Drive nach vorne geht und die ganze Sache neben genretypischer Sachkenntnis genug Punkerdunst und DIY-Spirit atmet – der Pressetext spricht von «Strassenköterattitüde» – ist das auch für Menschen interessant, die nicht mit Lederjacke, langen Haaren und Bierflasche in der Hand auf die Welt gekommen sind.
Inhaltlich auch, denn Punker-Politik wird gekonnt mit Metal verpackt: Das Cover zeigt den brennenden Regenwald als Sinnbild für Kapitalismus ausser Kontrolle, schön retro aufgemacht. «Auf die Strasse, Bullenautos anzünden» ist nur eine Reaktionen, die das hervorruft.
Haile Selacid aus Frauenfeld. (Bild: pd)
Der zweite Song schaltet einen Gang zurück, geht mit seinem Groove aber auch gut in die Beine. Inhaltlich eine Hommage an die Frauenfelder Clique, und alle, die im Proberaum mitgefeiert haben, eben die U.H.S., also Haile Selacid Ultras. Geil, denn es handelt sich um eine Live-Aufnahme, die anlässlich des Abschiedskonzerts von Drummer Dominik Inauen entstanden ist (er habilitiert in Mathematik in Leipzig).
Das Ergebnis war so überzeugend, dass die Jungs es direkt veröffentlichen wollten, mit dazugehörigem Partylärm der Riot Grrrls and Ultra Boyz – um den «Release-Stress rauszunehmen und weil keiner mehr Liveplatten veröffentlicht», wie aus bandinternen Kreisen zu vernehmen ist. Die kleine Scheibe ist ein Horsd’œuvre vor dem kommenden Longplayer, der im Herbst erscheinen soll und an dem Haile Selacid schon rund zwei Jahre arbeiten. Auch eine Deutschlandtour mit der Winterthurer Band Megaton Sword ist in diesem Zusammenhang in Planung.
Die 7″ ist in einer kleinen Stückzahl beim Frauenfelder Qualitätskollektiv AuGeil erschienen, also ranhalten. Fun fact: Haile Selacid startete als Spassprojekt anlässlich der Kickoff-Party von AuGeil Records. Über die Jahre kristallisierte sich die heutige Besetzung heraus, einfach weil alle Beteiligten unglaublich viel Spass an der Sache haben und gerne im Proberaum Unmengen an Bier konsumieren. Das erste Konzert in dieser Formation fand übrigens erst letzten Winter im Horst Klub statt. Mittlerweile rollt die Maschine gut geölt und das sind tolle Nachrichten für alle, die es gerne etwas härter mögen, ohne dass der Spass verloren geht.
facebook.com/haileselacid/
Nach dem sensationellen Sieg gegen Benfica steht für den FC St.Gallen das erste Ligaheimspiel auf dem Programm. Wie starten die Espen in die Saison? Das Spiel live ab 16.30 Uhr im SENF-Ticker.
In leichten Pastelltönen und dunklen Ölfarben setzt sich der deutsche Künstler Marcel Hüppauff mit dem Profiradsport auseinander. Dabei treten in seiner Schau im Chambre Directe-Schubiger in St.Gallen nicht nur Menschen, sondern auch Katzen in die Pedale.
Mit Hildegard Fässler (1951–2026) verstarb kurz vor ihrem 75. Geburtstag eine der profiliertesten Ostschweizer Politikerinnen an den Folgen einer schweren Erkrankung. Nachruf einer langjährigen Weggefährtin.
Versteckt im Sittertal produziert die Kunstgiesserei Werke renommierter Künstler:innen. Dabei gilt es oft, Neues auszuprobieren und Lösungen zu finden – mit Zucker, Wachs und natürlich Metall. Saiten erhält einen Einblick in das verrückte Schaffen am Rande St.Gallens.
Der FC St.Gallen gewinnt gegen den haushohen Favoriten aus Lissabon mit 2:1. Die grösste Sensation, die dieses Stadion je gesehen hat. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 4: Cyprien Gaillard – «When you expect flutes, it whistles», «Komm Glüückck» und Jeremy Reeds Buch Du stirbst nur zweimal – Ein Sylvia Plath-/Victoria Lucas-Roman.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Die Baupläne sind gezeichnet, das Baugesuch liegt zur Vorprüfung bei der Stadt – doch noch ist einiges rund um den Wiederaufbau der Rorschacher Badhütte zu klären. Was passiert zum Beispiel mit all den angerosteten und teils verbogenen Scharnieren, Schlössern und anderen Eisenteilen, die die Taucher aus dem See heraufgebracht haben?
Mohsen Masoudi ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz geflohen. Heute lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Opposition. Er erzählt, warum es die Schliessung der iranischen Botschaft braucht und was sich mit den Protesten Anfang Jahr verändert hat.
Das See-Burgtheater macht aus seiner Piratinnengeschichte Die Legende von Anne Bonny ein akrobatisches Spektakel vom Feinsten. Bei aller Sommertheater-Leichtigkeit hätte man aber doch ein bisschen mehr Emanzipationsgeschichte erwartet.
Zu seinem 20. Geburtstag hat das Kulturfestival am Wochenende Bands aus St.Gallen und der Region zu einem zweitägigen Konzertfest eingeladen. Dieses war so vielfältig wie gelungen – auch wegen der Idee, Covers aus der Gründungszeit des Festivals in die Sets einzubauen.
Bregenzer Festspiele
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 3: «Was der Kaiser noch sah», Olaf Breuning – «Humans» und Oriana Bruseghini – Das verlassene Rettungsboot.
Wie setzt Fotografie Mode in Szene? Und wer fotografiert dabei eigentlich wen? Das Textilmuseum St.Gallen gibt mit «Mise en Scène» Einblicke in 120 Jahre Modegeschichte. Es ist die letzte Schau vor dem Museumsumbau.
Seit elf Tagen befindet sich Velat Aydin vor dem Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen im Hungerstreik. Im Gespräch mit Saiten erzählt der Kurde, woher er kommt und weshalb politischer Aktivismus so wichtig ist.
Die St.Galler Festspiele sind vorbei. Oper war indoor, draussen im Stadtpark spielte die Endzeitkomödie Planet B. Nähme man die Botschaft des Stücks ernst, müsste die Festspiel-Oper auch künftig ressourcenschonend drinnen bleiben.
Sindujan* lebt schon sein ganzes Leben in der Schweiz. Die Einbürgerung ist fast abgeschlossen, war aber mit hohen Kosten und einem unangenehmen Gespräch verbunden.
Bevor die Kunst Einzug hielt, war das Sittertal industrialisiert. Hier wurde gestickt, gewirkt, gefärbt, mercerisiert – aber auch gestreikt und geliebt.
Kolumne: Stimmrecht
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 2: Kinok-Open-Air, Solarkino, Christa Näher – «Excess», Living Museum, Poolbar Festival, Die Legende von Anne Bonny und SP-Spaziergänge.