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Quarantänetipp 23: Volle Dröhnung

Haile Selacid entfachen auf ihrer neuen EP einen Feuersturm aus Black Metal, NWOBHM und Death Punk. Man fragt sich, warum das Vinyl nicht brennt. Haile Selacid Ultras – unser Quarantänetipp aus dem Hause AuGeil. Von Stefan Böker
Von  Gastbeitrag
Illustration: Dario Forlin

Fäuste in die Luft, Haare schütteln und Bierdusche heisst es auf dem neuen Banger der fünfköpfigen Band aus Frauenfeld. Da werden keine Experimente gemacht und die Riffs tonnenschwer und präzise runtergerockt. Fast acht Minuten geht der erste Song A Black Magick Spell of Blazing Fire.

Haile Selacid Ultras erschien am 1. Mai bei AuGeil-Records.

Eingefleischte Metalheads zwinkern sich wegen der Anspielung auf Darkthrones A Blaze in the Northern Sky zu und kommen wegen der krachenden, dennoch fetten Produktion voll auf ihre Kosten. Das auf den Punkt gespielte Doublebassgewitter, die melodische Maiden-esque Gitarrenarbeit von Luca Harder und Tommy Kovacevic sowie die eindrucksvollen, souverän auf die Musik abgestimmten Growls von Sänger Simon Ovvman tun ihr Übriges. Die einprägsamen Riffs schreibt Bassist Severin Beerli, später werden sie gemeinsam ausgefeilt.

Trve Thvrgovian Darkness!

Weil der Drive nach vorne geht und die ganze Sache neben genretypischer Sachkenntnis genug Punkerdunst und DIY-Spirit atmet – der Pressetext spricht von «Strassenköterattitüde» – ist das auch für Menschen interessant, die nicht mit Lederjacke, langen Haaren und Bierflasche in der Hand auf die Welt gekommen sind.

Inhaltlich auch, denn Punker-Politik wird gekonnt mit Metal verpackt: Das Cover zeigt den brennenden Regenwald als Sinnbild für Kapitalismus ausser Kontrolle, schön retro aufgemacht. «Auf die Strasse, Bullenautos anzünden» ist nur eine Reaktionen, die das hervorruft.

Haile Selacid aus Frauenfeld. (Bild: pd)

Der zweite Song schaltet einen Gang zurück, geht mit seinem Groove aber auch gut in die Beine. Inhaltlich eine Hommage an die Frauenfelder Clique, und alle, die im Proberaum mitgefeiert haben, eben die U.H.S., also Haile Selacid Ultras. Geil, denn es handelt sich um eine Live-Aufnahme, die anlässlich des Abschiedskonzerts von Drummer Dominik Inauen entstanden ist (er habilitiert in Mathematik in Leipzig).

Das Ergebnis war so überzeugend, dass die Jungs es direkt veröffentlichen wollten, mit dazugehörigem Partylärm der Riot Grrrls and Ultra Boyz – um den «Release-Stress rauszunehmen und weil keiner mehr Liveplatten veröffentlicht», wie aus bandinternen Kreisen zu vernehmen ist. Die kleine Scheibe ist ein Horsd’œuvre vor dem kommenden Longplayer, der im Herbst erscheinen soll und an dem Haile Selacid schon rund zwei Jahre arbeiten. Auch eine Deutschlandtour mit der Winterthurer Band Megaton Sword ist in diesem Zusammenhang in Planung.

Die 7″ ist in einer kleinen Stückzahl beim Frauenfelder Qualitätskollektiv AuGeil erschienen, also ranhalten. Fun fact: Haile Selacid startete als Spassprojekt anlässlich der Kickoff-Party von AuGeil Records. Über die Jahre kristallisierte sich die heutige Besetzung heraus, einfach weil alle Beteiligten unglaublich viel Spass an der Sache haben und gerne im Proberaum Unmengen an Bier konsumieren. Das erste Konzert in dieser Formation fand übrigens erst letzten Winter im Horst Klub statt. Mittlerweile rollt die Maschine gut geölt und das sind tolle Nachrichten für alle, die es gerne etwas härter mögen, ohne dass der Spass verloren geht.

facebook.com/haileselacid/

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