1993, als Punk längst für tot erklärt worden und die Compact Disc das Medium der Stunde war, gründete sich in St.Gallen die Punkband Tüchel. 25 Jahre und einige hundert Konzerte später sind Tüchel kein bisschen müde geworden: Diesen Freitag treten sie am Kulturfestival St.Gallen auf.
«Nach eineinhalb Jahren im Bandraum ohne Live-Konzerte wird es auch höchste Zeit», sagt Hüe (rechts im Bild), Gitarrist und Gründungsmitglied der Band. Er verspricht ein Konzert «mit einigen Überraschungen und Gästen». Der Bandfreund Jack Stoiker, mit dem Tüchel bereits 2016 am Kulturfestival aufgetreten ist, wird aber nicht dabei sein – auch Punkrocker machen Sommerferien.
Dabei sind dafür die Pop-Punkerinnen Delilahs und die St.Galler Grunger Catalyst. Beide Vorbands wurden von Tüchel, mit denen sie teils seit Jahren verbunden sind, eingeladen. «Solche Freundschaften, die dank der Musik entstanden sind, sind etwas vom Besten am Bandleben», sagt Hüe. Am wichtigsten in 25 Jahren Tüchel war aber immer eines: Konzerte spielen, im Idealfall vor einem durchdrehenden Publikum. «Wir sind in erster Linie eine Live-Band », so der Gitarrist.
Konzerttour ohne Ende
So sind die Prioritäten klar – und darum wurden in 25 Jahren Bandgeschichte «nur» vier Alben, zwei Singles und in den Anfangsjahren der noch analogen 1990er-Jahren einige Tapes produziert. Frisch eingespielt ist nun aber ein neues Album mit dem vielversprechenden Titel In Your Face. Vier neue Songs davon werden am Freitag am Kulturfestival gespielt, den Rest sparen sich Tüchel für die Albumtaufe diesen Herbst auf.
Tüchel live: 20. Juli, ab 20:30 Uhr, Kulturfestival St.Gallen
Die volle Konzentration auf das Album – im St.Galler Pit Stop Music Studio produziert – ist auch der Grund für die längere Konzertpause. «Tüchel ist zwar unser Herzensprojekt, mit dem wir aber natürlich kein Geld verdienen», sagt Hüe. Das heisst: Die Zeit der fünfköpfigen Band für die Musik neben dem Alltag ist immer auch knapp und muss eingeteilt werden.
Ab diesem Herbst soll nun aber wieder mehr Zeit für Gigs da sein. Gespielt hat Tüchel in den letzten 25 Jahren in der ganzen Schweiz, einige Touren führten sie auch nach Deutschland, Polen und Tschechien. Damit soll noch lange nicht fertig sein: Das Konzert am Kulturfestival ist laut der Festivalwebsite auch der Startschuss für die «Kein Ende in Sicht»-Tour. «Wir haben nach wie vor viel Spass daran, zusammen als Band unterwegs zu sein, neue Leute und Orte zu sehen», sagt Hüe dazu.
Ungewohnt ruhiger Song – und altbekannte Kracher
Dieses Spassrezept hat sich in all den Jahren nicht gross verändert. Das gilt auch für die Musik von Tüchel: Meist ist es schnörkelloser Punkrock mit zwei Gitarren und viel Druck dahinter. Songs wie Mala Vida oder Better Day sind schnell, aggressiv und haben Mitsingpotential – wenn man denn die politischen, sozialkritischen bis satirischen Texte kennt.
Das von der neuen Platte vorab veröffentlichte Shooting Star ist ein ungewohnt ruhiger Song mit Anleihen aus dem frühen Punkrock der 80er-Jahre. «In Your Face wird unser vielseitigstes Album», sagt Hüe – und versichert breit grinsend sofort: «Die restlichen Songs krachen voll rein, das hat sich nicht geändert.»
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