Saiten im Januar: Arme Stadt
St.Gallen kämpft mit Zentrumslasten. Was ist das überhaupt? Wie entstehen sie? Und wie muss die Stadt dafür vom Kanton und den Gemeinden entschädigt werden? Ausserdem im Janaurheft: Sohaila Alizadas Verarbeitung der Machtübernahme der Taliban, Band-Schwerpunkt No.3 und allerhand Kulturstoff.
Die Bilder zum Zentrumslasten-Schwerpunkt hat DOME gemacht.
Zentrumslasten. Aktuell im Kanton St.Gallen ein vieldiskutierter Begriff. Was ist das überhaupt? Wie entstehen sie? Und wie muss die Stadt dafür vom Kanton und den Gemeinden entschädigt werden?
Die Stadt hat sich ihre Zentrumslasten von einer Wirtschaftsberatungsfirma berechnen lassen. Für die kantonale SVP ist die Auftragsvergabe bereits Grund genug, der Studie grundsätzlich zu misstrauen. Doof nur (für die Sünnelipartei), dass diese wissenschaftlichen Standards genügt. Die von den Verfassern transparent offengelegte Methodik der Datenerhebung und -interpretation liesse eigentlich eine sachliche Debatte zu. Aber die ist von der SVP, die seit Jahren Stimmung gegen die Stadt macht, gar nicht gewollt. Immer mit dem Ziel, die Gemeindeautonomie und den sich verschärfenden Steuerwettbewerb unter den Gemeinden beizubehalten.
Eigentlich hatte man sich Anfang Dezember im Kantonsrat bereits auf breiter Basis geeinigt: Der Stadt wäre für die nächsten vier Jahre eine moderate, temporäre Erhöhung des Zentrumslastenausgleichs zugesprochen worden. Einzig die SVP will das kantonale Stimmvolk darüber abstimmen lassen. Natürlich in der Annahme, dass im Sarganserland oder im Linthgebiet sich eher Wenige für die finanziellen Sorgen und Nöte der weit entfernten Kantonshauptstadt erwärmen werden. Das ist ein Stück weit auch verständlich. Warum soll in Weesen oder Mels jemand den Ausflug des gut betuchten Ehepaars aus Mörschwil oder Teufen AR ins Theater St.Gallen mitalimentieren?
Für diese Ausgabe hat Saiten versucht, die dringliche Debatte um die unbestritten vorhandenen Zentrumslasten etwas zu versachlichen. Wir haben die vieldiskutierte Studie und die Berechnungsmethoden genauer angeschaut, mit Experten besprochen und die Nachbargemeinden der Kantonshauptstadt befragt, wie sie sich in der Sache positionieren.
Ausserdem im finanzlöchrigen Januar: Sohaila Alizadas Text über die Machtübernahme der Taliban 2021 und ihr Ankommen in der Ostschweiz, der Band-Schwerpunkt Numero 3, die Flaschenpost aus Havanna, das Portrait über Olive Black, die Rheintaler Sängerin mit US-amerikanischen Wurzeln, und – last but not least – die Besprechung des Pfahlbauer-Kolumnenbuchs, das sich auch noch nach dem ganzen Weihnachtskladderadatsch hervorragend zum Verschenken eignet (Bestellungen an verlag@saiten.ch).
Neu im Heft ist zudem die Rubrik «Fabriken schauen», eine Ostschweizer Industriearchitekturserie von René Hornung. «Gutes Bauen» erscheint online weiterhin monatlich und – alternierend mit «Fabriken schauen» – jedes zweite Mal auch im Heft. (Roman Hertler)
Reaktionen /Positionen
Stimmrecht: Das Leben neu anfangenvon Liliia Matviiv
24/7 Traumacore: Schreib meinen Namenvon Mia Nägeli
Saitenlinie: Von Babys in Ferraris und Müttern ohne Schutzvon Nathalie Grand
Perspektiven
Strassen, Sportanlagen, Kulturbetriebe: Die Stadt St.Gallen trägt Kosten in Millionenhöhe für Leistungen, von denen auch Auswärtige profitieren. Saiten hat sie sich genauer angeschaut und bei Experten und den umliegenden Gemeinden nachgefragt.
«Lassen wir uns nicht auseinanderdividieren»
Was hält man in den umliegenden Gemeinden von St.Gallens hohen Zentrumslasten? Warum schafft man in der Ostschweiz keinen fairen Lastenausgleich und hat der Stadt-Land-Graben wirklich etwas damit zu tun? von Corinne Riedener
Wie setzen sich St.Gallens Zentrumslasten zusammen?
Die Zusammenstellung der Nettozentrumskosten und Zentrumslasten der Stadt St.Gallen in den verschiedenen Bereichen. von Roman Hertler und Corinne Riedener
«Kirchtürme und Grenzzäune werden wieder höher»
Wie werden Zentrumslasten berechnet? Wurden die Zentrumsnutzen ausgeklammert, wie die SVP behauptet? Und wie könnten die finanziellen Lasten im Kanton besser verteilt werden? Zwei Wissenschaftler geben Antworten. von Roman Hertler
Die Machtübernahme der Taliban und das Ankommen in St.Gallen. von Sohaila Alizada
Bild: Hashem Shakeri
Flaschenpost aus Havanna: Fantasmisches Kubavon Geri Krebs
Kultur
Für viele Bands und Musiker:innen wird es immer schwieriger, an Konzerte zu kommen, erst recht ausserhalb ihrer Heimatregion. Auch Absagen bereits terminierter Konzerte sind längst keine Ausnahmen mehr. Einige Konzertlokale stehen sogar vor dem Aus. von David Gadze
Bild: Sophia Hintermann
Songwriting als Therapie
Die neue EP der Rheintaler Musikerin Olive Black. von David Gadze
Tod im Hagenbuchwald
Maria Brendles Gerichtsdrama Friedas Fall. von Geri Krebs
Vier Häuser für die fünfte Dimension
Vier Kunstinstitutionen des Dreiländerecks schliessen sich zusammen. von Lilli Kim Schreiber
Grün. Grüner. Wald!
Zwei Ausstellungen über die zentrale Rolle des Waldes. von Kristin Schmidt
Reife Früchte sinnlich erfahrbar machen
Das Duo Schmalz/Gombas widmet sich dem Thema Altern im Tanz. von Judith Schuck
Die sumpfige Chronik der Gallenstadt
Pfahlbauers Kolumnenbuch Nachrichten aus dem Sumpf. von Eva Bachmann
Miteinander gegen den Drachen
Die neue Produktion der Kulturkosmonauten. von Peter Surber
Parcours: Kuribu, Blackboxes, Foto-Essay, Vebikus
Fabriken schauen (I): Halle von Weltruhmvon René Hornung
Plattentipps: Analog im Januar
Abgesang
Kellers Geschichten: Burkhalters Sack
Comic von Julia Kubik
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.
Von St.Gallen bis nach Südafrika. Ein Ostschweizer Ehepaar reist im Landrover Defender um die Welt. Ihre Erlebnisse halten die Baumelers mit einer Kamera fest. Nun erscheint ihr Film Immer weiter in Ostschweizer Kinos – eine ehrliche Dokumentation, der eine Einordnung gut getan hätte.
«Open House St.Gallen»
Museum Herisau
Das Küefer-Martis-Huus in Ruggell widmet sich in einer Retrospektive der Wiederentdeckung einer völlig übersehenen Künstlerin: Maggy Mauritz war eine Pionierin der Graffitikunst und des Lettrismus.
Jakob Lütschg kehrte nie nach Balgach zurück. 82 Jahre nach seinem Tod im Konzentrationslager Buchenwald kehrt wenigstens sein Name heim. Der erste Stolperstein im St. Galler Rheintal erinnert an ein Leben, das beinahe vergessen ging.
Musik am See
Torreich, spannend und doch enttäuschend - nur eine Viertelstunde guter Fussball reicht halt nicht zum Punkt gegen Thun.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.