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Saiten im Oktober: Happy Birthday, Kellerbühne

Die St.Galler Kellerbühne feiert ihren 60. Geburtstag. Und der Sommer neigt sich dem Ende zu, drum lockt der Bücherherbst. Ausserdem im Oktober: Das Aus der digitalen «Ostschweiz», die Flaschenpost aus Pakistan und News von Worries And Other Plants, Kubik und dem Kulturhaus.
Von  Redaktion Saiten
Collage: Saiten-Grafik

Woran man die Attraktivität einer Stadt oder Region misst, hängt letztlich auch mit der persönlichen Sozialisierung und politischen Färbung ab. Sind es wirklich Strassen und Parkhäuser? Oder doch eher (Bühnen-)Bretter und Kulturhäuser?

Schaut man, wo am meisten Geld ausgegeben wird, scheint die Antwort klar: Der milliardenteure Autobahnanschluss im St.Galler Güterbahnhofareal muss unbedingt sein, um die Stadt vor dem Untergang zu bewahren, 140 Millionen für die neue Kantons- und Stadtbibliothek (oder selbst die acht Millionen für den neuen Fussgänger:innen- und Velotunnel bei der Kreuzbleiche) sind manchen hingegen bereits zu viel. Wie (wenig) weit das Verständnis für angemessene Finanzierung von Kulturinstitutionen und Kulturschaffenden reicht, zeigt sich immer dann, wenn die entsprechenden öffentlichen Gelder erhöht werden sollten. Aber wenn Ständerätin Esther Friedli vor ihrer Wahl im Saiten-Interview sagt, Kultur müsse selbsttragend sein, kann man von jenen Kreisen wohl nicht viel mehr erwarten.

Aber genug geklönt. Trotz allem dürfen wir uns glücklich schätzen, in der Ostschweiz eine lebendige und vielfältige Kulturlandschaft zu haben. Das war nicht immer so – und der Weg hierhin war weit. Eine der wichtigsten Institutionen für Kleinkunst feiert nun ihren 60. Geburtstag: die Kellerbühne St.Gallen. Ihre Eröffnung im Februar 1965 war der Anfang der Alternativkultur in der Kantonshauptstadt. Damals gab es nur das Stadttheater (das heutige Theater St.Gallen), die Tonhalle und das Puppentheater.

Seither sind diverse andere Kleintheater und unzählige weitere Kulturlokale in der und rund um die Stadt entstanden. Doch der Gewölbekeller im Klosterquartier ist bis heute einer der wichtigsten Orte der Region für Kabarett & Co. geblieben. Ob Franz Hohler, Gardi Hutter, Joachim Rittmeyer oder Regula Esposito: Sie alle sind schon ganz früh in der Kellerbühne aufgetreten. Zum runden Geburtstag kehren sie, zusammen mit anderen Jubilaren, im Februar zurück. Im Interview spricht Kellerbühne-Leiter Matthias Peter über die Entwicklung der Kellerbühne, den Einfluss gesellschaftlicher Entwicklungen auf das Programm und die inhaltliche Erneuerung. Peter Müller wirft in seinem Beitrag einen Blick zurück auf die lange und oft beschwerliche St.Galler Theatergeschichte.

Mit dem Herbstanfang kommen jetzt die kalten (und sehr bald auch dunklen) Tage, die man dann doch lieber daheim auf dem Sofa als draussen verbringt. Damit euch nach der Saiten-Lektüre nicht langweilig wird, stellen wir in diesem Heft neun Bücher mit Ostschweizer Bezug vor, von Romanen über Krimis bis zu Kurzgeschichten. Unser «Bücherherbst» zeigt, wie vielfältig auch die Ostschweizer Literaturlandschaft ist.

Ausserdem im heimeligen Oktober: das Interview mit Galledia-Verwaltungsratspräsident Urs Schneider zum Ende der «Ostschweiz», das neue Album von Worries And Other Plants, die erste Einzelausstellung von Saiten-Comiczeichnerin Julia Kubik, eine Filmreihe zum Schaffen von Richard Dindo, ein weiteres Kapitel bei der Suche nach einem freien Kulturhaus, die Flaschenpost von Sandro Zulian aus Pakistan und eine doppelte Verabschiedung des verstorbenen St.Galler Musikers und Kulturvermittlers Urs C. Eigenmann. Und noch viel mehr. (David Gadze)

 

Der Inhalt:

 

Reaktionen/Positionen

In eigener Sache: Die neue Saiten-Site

Redeplatz mit Urs Schneider
Stimmrecht von Liliia Matviiv
Bildfang: Daumen hoch, Zentrumsbär
Saitenlinie von Nathalie Grand
24/7 Traumacore von Mia Nägeli

 

Perspektiven

60 Jahre Kellerbühne

«Die jüngere Generation ist wieder politischer geworden»

Die Kellerbühne gehört heute zu den ersten Adressen für Kleinkunst in der Ostschweiz. Leiter Matthias Peter spricht über den Weg dahin, den Einfluss gesellschaftlicher Entwicklungen auf das Programm und das Feiern mit Urgesteinen zum runden Geburtstag. von David Gadze

Matthias Peter ist Schischyphusch. (Bild: Timon Furrer)

Theaterstadt St. Gallen: Schlaglichter auf 1000 Jahre

von Peter Müller

 

Flaschenpost aus Pakistan: Das Lächeln auf den Lippen, die AK in der Hand. von Sandro Zulian

 

Kultur

 

Bücherherbst

Lesestoff für die kalten Tage von Zora del Buono, Christian Rechsteiner, Christian Johannes Käser, Ralf Bruggmann, Frédéric Zwicker, Christoph Keller, Inge Lütt, Veronika Fischer und Gary Victor.

von Corinne Riedener, Roman Hertler, Laura Vogt, Richard Butz, Eva Bachmann, Peter Surber und Andi Giger

Bild: Anouk Tschanz

 

Von Leben und Tod: Das neue Album Travel In Cycles von Worries And Other Plants. von David Gadze

 

«Ohne Kultur kann eine Gesellschaft gar nicht existieren»: Zwei Nachrufe auf den Musiker Urs C. Eigenmann (1947–2024). von Richard Butz und Bruno Spoerri

 

Der Eisbader, das kaputte Reh und der Designerkürbis: Julia Kubik stellt in Winterthur ihre Saiten-Comics aus. von Veronika Fischer

 

Der Erinnungsarbeiter: Richard Dindo kommt im Rahmen einer Filmreihe im Kinok nach St. Gallen. von Geri Krebs

 

Klappts im zweiten Anlauf?: In St. Fiden soll ein neues Kulturhaus entstehen, aber anders als gedacht. von Corinne Riedener

 

Parcours: Arabisch-jüdisch, Totengesänge, starke Frauen, Mystery Lights, Roland

 

Gutes Bauen Ostschweiz: Inspiration Gartenstadt. von Nele Rickmann

 

Plattentipps: Analog im Oktober

 

Abgesang

Kellers Geschichten: Fahrende

Comic von Julia Kubik: Winterschlaf

 

 

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