Saiten im November: Bauten & Platten
Seit der Menschenaffe sein Fell abgelegt hat, zählt Wohnen im weitesten Sinn zu seinen Grundbedürfnissen – gleich nach der Luft zum Atmen und Wasser und Nahrung. Sei es zur Zeit der Höhlengemeinschaften, in der Leibeigenschaft oder im Spätkapitalismus: Der Mensch muss wohnen. Und wer Wohnraum besitzt, verfügt auch ein Stück weit über die Menschen, die darin leben.
Kritische Stimmen sprechen beim freien Wohnungsmarkt auch von einem Überbleibsel des Feudalismus. Verfolgt man die Debatten im Bundesparlament über die Ausweitung der Rechte von Immobilienbesitzer:innen und Vermieter:innen und die Aufweichung des Kündigungsschutzes, könnte man zum Schluss kommen, dass das Feudalismusargument nicht bloss reine Polemik ist. Die Stimmbevölkerung hätte es in ihrer Hand: Am 24. November wird über zwei Vorlagen zum nationalen Untermiets- und Kündigungsrecht abgestimmt. Noch allzu oft überlässt die Politik die Mietpreisentwicklung allein dem freien Spiel der Märkte, die aber eben nicht alles regeln, sondern in erster Linie der Profitmehrung der Hauseigen-tümer:innen und Grundbesitzer:innen dienen, wie selbst bürgerliche Politiker:innen im St.Galler Stadtparlament einräumen (mehr dazu ab Seite 37).
Das Novemberheft-Schwerpunktthema zum gemeinnützigen Wohnungsbau in der Ostschweiz ist in Kooperation mit dem Regionalverband der Wohnbaugenossenschaften Ostschweiz und der Wohnbaugenossenschaft St.Gallen entstanden. Es wurde von ihnen mitfinanziert. Im Interview erklären Jaques Michel Conrad und Max Altherr, warum es – nebst der Förderung nachhaltiger und innovativer Wohnformen – auch in St.Gallen wichtig ist, möglichst viel Wohnraum der Spekulation zu entziehen. Auch wenn der Druck auf die Wohnungsmieten hier noch nicht so hoch ist wie in den Wirtschafts- und Ballungszentren der Schweiz. Ausserdem stellen wir sechs interessante Projekte aus der Region vor, die einen Einblick geben ins vielfältige wohnbaugenossenschaftliche Engagement, das mehr umfasst als Häuser zu bauen und zu unterhalten. Andi Giger ist nach Bern zur jungen Genossenschaft Warmbächli gefahren, um über die Grenzen des Regionalverbands hinauszuschauen. Und René Hornung berichtet aus dem Alltag eines Genossenschaftsverwalters.
Ausserdem im geballten November: der Rückblick auf den lebhaften Saiten-Kongress, der Kulturschwerpunkt zum Zustand der verbliebenen Plattenläden in der Ostschweiz, kubanische Filme am Pantalla Latina, die neue Platte von Karl Kave & Durian und ein sympathischer Koloss aus Blech. Gestaltet wurden die -beiden Heftschwerpunkte zum gemeinnützigen Wohnungsbau und zu den Plattenläden von der diesjährigen Klasse des gestalterischen Erwachsenenvorkurses der Schule für Gestaltung St.Gallen.
Roman Hertler
Reaktionen/Positionen
Stimmrecht: Becoming.von Liliia Matviiv
24/7 Traumacore: Village of Dali 11 HOURS LOOP.von Mia Nägeli
Redeplatz: «Wir brauchen einen Kulturtag».mit Richi Küttel und Kathi Michalk von kklick
Saitenlinie: Zahltag im Frauenfussball.von Nathalie Grand
Perspektiven
von Roman Hertler und René Hornung
Diverses Engagement: sechs genossenschaftliche Beispiele aus Heiden, Horn, Arbon und St. Gallen. von David Gadze, Roman Hertler, René Hornung und Bianca Schellander
Rundgang durch die Wohnbaugenossenschaft Warmbächli im Berner Holligen-Quartier. von Andi Giger
Die Hauptaufgaben des Immobilienfachmanns Raffael Jakob. von René Hornung
Stimmen aus der Politik zur städtischen Wohnraumpolitik. von Roman Hertler
Flaschenpost aus Tel Aviv: Leben im Krieg. von Eynat Bollag
Kultur
von David Gadze
Kino zwischen Zensur, Marginalität und Repression
Das Filmfestival Pantalla Latina legt dieses Jahr den Fokus auf Kuba. Zu sehen gibt es unter anderem drei Filme, die dort verboten wurden. von Geri Krebs
Riss in der Idylle
Jeremias Heppelers Roman-Debüt Dunkles Donautal ist ein Heimatkrimi, Coming-of-Age-Story und Fussnotensammlung. von Veronika Fischer
Geschöpft, gedruckt, gebunden
Die 16. Frauenfelder Buch- und Druckkunstmesse ist wieder in der Shedhalle im Eisenwerk zu Gast. von Kristin Schmidt
Sympathischer Koloss aus Blech
Einst eine Sensation, später nahezu vergessen: der Teufener Maschinenmensch «Sabor». Jetzt im Zeughaus Teufen. von Kristin Schmidt
Von gelangweilten Gottheiten
Nach 40 Jahren lädt das St.Galler Theater Colori zum letzten Streich. von Kathrin Reimann
Leben, schreiben, sterben in Wien
Karl Kave & Durian veröffentlichen ihr viertes Studioalbum Wiener Linien. von Lidija Dragojevic
Parcours: Winter-Blues, Empathiemaschine und Paraphon
Gutes Bauen Ostschweiz: Gestapelt, nicht gereiht. von Teresa Mörtl
Plattentipps: Analog im November
Abgesang
Kellers Geschichten: Freie Zeit. von Stefan Keller
Comic von Julia Kubik: Spooky Season
Nach dem 3:1-Hinspiel-Erfolg steht die Türe zu den Conference-League-Playoffs weit offen. Schreitet der FCSG hindurch? Das Rückspiel ab 20 Uhr live im SENF-Ticker.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.
Noch bis in den Herbst hinein und auch in den zwei folgenden Sommern bleibt die Voliere im Stadtpark eine Buvette. Ab 2029 wird sie zur «Maison des œufs», zum didaktischen Hühnerhof. Die eingereichten Ideen sahen noch ganz andere Nutzungen vor.
Der Streit ums St.Galler Verbot von Tempo 30 auf Hauptverkehrsachsen geht in die nächste Runde: Das Referendumskomitee hat die notwendigen Unterschriften gegen eine Änderung des kantonalen Strassenverkehrsgesetzes eingereicht. Damit wird das Stimmvolk über die Frage entscheiden.
Kolumne: 24/7 Traumacore
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 6: «Wegwarte 002», Sur le Lac, Winterthurer Musikfestwochen und Schlossfestspiele Werdenberg.
Der FCSG kriegt beim Auswärtsspiel in Lissabon die Grenzen deutlich aufgezeigt. Sie verlieren das Spiel 0:5. Damit geht's für den FCSG jetzt gegen Sheriff Tiraspol in der Conference League weiter. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Notizen zu Christopher Nolans The Odyssey
Anja Braun lebte bereits 18 Jahre in der Schweiz, als sie sich gemeinsam mit ihrer Familie entschied, sich einzubürgern. Es war ein logischer Schritt. Das Verfahren war es nicht immer.
Neues Buch
Bereits 1971 eröffnete Ursula Krinzinger ihre erste Galerie in Bregenz. Bis heute prägt sie die Kunstszene weit über die Bodenseeregion hinaus. Nun befasst sich die Bregenzer Sommerausstellung im Palais Thurn und Taxis mit der Galeristin.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 5: Emil Brunner – «Berg Kind Welt», Rapid Openair und Kulturufer.
Der Spagat zwischen europäischen Nächten und biederem Superleague Alltag ist oft schwer. So auch heute. Eine Leistungssteigerung und die richtigen Wechsel in der zweiten Halbzeit reichen aber für die ersten drei Punkte der Saison.