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Saubere Sache

Was im Kinderzimmer begonnen hat, ist zu einem Unternehmen gewachsen: Vasco Hebels Seifenmuseum in St.Gallen ist Sammelsurium und Küche in einem – und stösst auch Türen in die Vergangenheit auf. Am Samstag ist die Neueröffnung.
Von  Corinne Riedener
Bilder: Ueli Steingruber

Wer kennt es nicht, das festliche Gefühl, nach dem Veloschrüübeln oder Gartengrübeln die Hände ins warme Wasser zu strecken. Die Seife zu rubbeln, bis weisser Schaum zwischen den Fingern hervorspritzt. Vielleicht mit den Nägeln ein bisschen am Block zu kratzen, damit auch der letzte Schmutz aus den Ritzen kommt. Und dann die abgearbeiteten Hände ins trockene Frotteetuch zu legen. Oder das wohlige Gefühl, sich nach einer langen Dusche blutt ins frisch bezogene Bett zu stürzen, sich darin zu verkriechen und das Gesicht tief in die Falten zu stecken. So frisch und sauber, dass man alles Dreckige dieser Welt einen Moment lang vergisst.

Sauberkeit ist ein Luxus. Es ist noch gar nicht so lange her, dass wir – vor allem die Frauen – an den Flüssen gehockt sind und unsere Lumpen auf den Uferfelsen saubergeklatscht haben. In manchen Teilen der Welt ist es bis heute so. Erste Spuren der Seife finden sich bereits bei den Sumerern, vor etwa 5000 Jahren. Sie vermischten Asche mit Ölen und legten so die Basis für die Seifenrezeptur.

Mittlerweile ist die Seifenproduktion wie fast jeder Bereich unseres Lebens hochindustrialisiert, die Auswahl schier grenzenlos und das Geschäft mit der Sauberkeit zilliardenschwer.

Ein halbes Seifenleben

Einer, der bestens über das Kulturgut Seife, deren Geschichte und Herstellung Bescheid weiss, ist Vasco Hebel. Kein Chemielaborant oder Kosmetiker, sondern Drucktechnologe im vorletzten Lehrjahr – wenn er sich nicht gerade seiner Seifenleidenschaft widmet. Und diese frisst Zeit: «Im Schnitt stecke ich über 30 Stunden pro Woche ins Museum», erklärt er, als wir ihn Mitte Mai am neuen Standort an der Grossackerstrasse besuchen.

Am Samstag findet die Neueröffnung statt, seit Februar hat Hebel hier geplant und gehandwerkt, nicht selten schien Abends noch Licht durch die abgeklebten Museumsfenster. «Alles, was irgendwie ging, haben wir selber gemacht», sagt der junge Museumsdirektor.

Vasco Hebel beschäftigt sich schon sein halbes Leben lang mit dem Thema Seife. Nicht übertrieben. Zum ersten Mal getroffen habe ich den heute 18-Jährigen 2012. Damals war er in der vierten Klasse und hatte gerade sein erstes Seifenmuseum eröffnet. In seinem Schlafzimmer. Stolz posierte er mit einer alten «Mettler Sparseife»-Kartonschachtel fürs Pressebild.

Weit über tausend Seifen besass er damals schon; alte und neue, gekaufte und geschenkte, selbergemachte und einige ganz rare, von der geschlossenen Firma Permatin geerbte. Die Setzkästen stapelten sich meterhoch, tetrisartig, in stundenlanger Arbeit sortiert und arrangiert. Aufgeregt hat er damals er­ klärt, wie er selber Seifen herstellt, welche Sorten es gibt und dass die «Savon Marseillaise», die traditionelle Kernseife, seine grösste Passion ist.

Das lebendige Museum

Der Vasco Hebel von 2021 hat wenig gemeinsam mit dem Viertklässler von damals. Aus dem umtriebigen und etwas nerdigen Bub ist ein wortgewandter, medienerfahrener junger Mann geworden. Kernseife mag er aber immer noch am liebsten, überall stehen die Marseillaiser Klötze, in diversen Grössen und Schattierungen.

Propper wie seine Produkte, mit Hemd und Anzughose, führt er uns durch die neuen, grosszügigen Museumsräume, die er Anfang Jahr angemietet hat, weil der alte Ort etwas weiter im Osten der Stadt – die zweite Station des Museums, wo er seit 2015 daheim war – zu eng geworden ist.

Vasco Hebel mit einem Block Ballistikseife.

100 Mitglieder hat der Verein Seifenmuseum St.Gallen mittlerweile, sagt Hebel. Etwa 20’000 Franken pro Jahr koste der Betrieb, finanziert aus dem Vereinsvermögen (ca. 40 Prozent) und Stiftungs- und Fördergeldern. «Nur so können wir unseren Museumsauftrag wahrnehmen.»

Aus der anfänglichen Seifensammlung ist ein lebendiges Museum geworden. Es gibt hunderte alte und uralte Exponate aus aller Welt zu entdecken, eine kleine Bibliothek, aber auch eine Seifenküche, wo Hebel eigene Seifen produziert und Workshops anbietet, sowie einen Bereich für Wechselausstellungen.

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Die erste Ausstellung am neuen Ort dreht sich um das Thema Waschmittel. Zu sehen sind alte Plakate und Waschmittelverpackungen, zum Beispiel Salmiak-Terpentin-Kernseife, die Seifenflocken «Coco» oder das Waschmittel «Flamingo mit 3-facher Wirkung» der ehemaligen Savonnerie Rüti in Zürich. Daran sei auch der gesellschaftliche Wandel abzulesen, sagt Hebel. «Manche Plakate zeichnen ein sehr sexistisches Bild der Ehefrau. Wenn man das heute sieht, kann man sich gar nicht mehr vorstellen, dass das normal war früher.»

Passend dazu steht in der Ecke der «Waschautomat Bettina» von 1960 – «gefunden bei einer Haushaltsauflösung», wie Hebel erklärt. Ein Grossteil seiner Exponate seien Schenkungen von Firmen oder Privatpersonen. «Und Internetfunde.» Auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich eine Wand mit Infos zu den Entwicklungen, zu Inhaltsstoffen, dem Strom- und Wasserverbrauch und weiteren Nachhaltigkeitstipps zum Waschen.

Wandelndes Seifenwissen

Nachhaltigkeit sei auch in der Herstellung von herkömmlicher Seife ein Thema, sagt Hebel. Seife bestehe zu einem Grossteil aus Fett. «Und die besten und günstigsten Seifenfette sind derzeit nunmal Kokosöl, Palmöl und Rindertalg. Gute Seifen aus der Region oder ohne tierische Produkte herzustellen, ist deshalb fast unmöglich.»

Pflanzliche Alternativen aus Europa wie etwa Sonnenblumen- oder Rapsöl seien «zu wenig fest» und eigneten sich darum nur bedingt für die Seifenherstellung. «Vorläufig sind Palmöl und Rindertalg die effizienteste Lösung – ich hoffe aber, dass sich da bald neue Wege auftun.»

Vasco Hebel ist das verkörperte Seifenlexikon. Egal, was man fragt, er gibt detailliert und ausführlich Antwort. Zur Geschichte, zum Handwerk, zur Ästhetik und nicht zuletzt zum Einfluss der Seife auf die Gesellschaft. Man würde es ihm durchaus zutrauen, dass er das künftige nachhaltige Seifenfett «aus der Region für die Region» entdeckt.

Bis dahin wird er weiter an seinem Museum werkeln, Workshops geben, Schulklassen herumführen und eigene Seifen herstellen. Und Sonderseifen kreieren wie jüngst die Bsetzistei-Seife oder die Coronaseife, die er in Zusammenarbeit mit der Weinfelder Künstlerin Doris Naef entwickelt hat.

Dieser Beitrag erschien im Juniheft von Saiten.

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Maya Stockmann,  

Mein Wunsch ist, dass es eine Seife gibt, die als Shampoo angepriesen wird. Oliven-Seifen aus Syrien eignen sich bestens als Haarwaschmittel. Sogar eine billige Savon de Marseille eignet sich. Shampoo Plastikverpackung ist unnötigen ...

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