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St.Galler Sklavereibericht: Eine Replik

In der Februarausgabe hat Rita Kesselring den jüngst publizierten städtischen Bericht St.Gallen, Sklaverei und Kolonialismus aus der Feder des St.Galler Historikers Peter Müller kritisiert. Hier seine Antwort.

Künstlerin Sasha Huber hat die Bilder zum Kolonialismus-Schwerpunkt im Februarheft, in welchem die Kritik am St.Galler Bericht erschien, beigesteuert.  Hier: Shooting Back – Christopher Columbus (Conqueror, 15th century), 2004.

Künstlerin Sasha Huber hat die Bilder zum Kolonialismus-Schwerpunkt im Februarheft, in welchem die Kritik am St.Galler Bericht erschien, beigesteuert.  Hier: Shooting Back – Christopher Columbus (Conqueror, 15th century), 2004.

Ri­ta Kes­sel­ring, Eth­no­lo­gin und as­so­zi­ier­te Pro­fes­so­rin für Ur­ban Stu­dies an der Uni­ver­si­tät St.Gal­len, fin­det an mei­nem Skla­ve­rei­be­richt ei­ni­ges zu lo­ben, äus­sert aber auch de­zi­diert Kri­tik. Auf die­se Kri­tik gä­be es ei­ni­ges zu er­wi­dern. Vie­les da­von dürf­te aber nur Fach­leu­te und In­for­mier­te in­ter­es­sie­ren. Ich möch­te mich hier auf drei Pro­blem­fel­der be­schrän­ken, die ich für all­ge­mein re­le­vant hal­te:

  1. An­ge­sichts der noch im­mer schma­len Ba­sis an For­schungs­li­te­ra­tur und greif­ba­ren Quel­len stellt Ri­ta Kes­sel­ring an den Be­richt über­zo­ge­ne For­de­run­gen. Er soll leis­ten, was man – wenn über­haupt – erst in der Zu­kunft wird leis­ten kön­nen. Ri­ta Kes­sel­ring be­ur­teilt den Be­richt, als wä­re er ei­ne aka­de­mi­sche Fach­pu­bli­ka­ti­on. Das ist er aber nicht. Sie be­män­gelt, dass er «we­nig neue Grund­la­gen oder The­sen lie­fert, um sich in­halt­lich zu strei­ten». Muss er das? Und wer soll sich da strei­ten? Ich ver­mu­te, sie denkt da pri­mär an den aka­de­misch-theo­re­ti­schen Dis­kurs über die The­men. Er ist längst ein rie­si­ges, glo­bal ver­netz­tes Feld für sich, mit Fach­li­te­ra­tur, Vor­le­sun­gen und Se­mi­na­ren, Kon­gres­sen, Blogs, Web­sites. Das ist in­ter­es­sant und wich­tig, ge­wiss, aber auch mit teil­wei­se ho­hen Ver­ständ­nis­bar­rie­ren und ei­nem über­schau­ba­ren Kreis von In­ter­es­sier­ten – zu­min­dest in St.Gal­len. Die­sem Dis­kurs ei­nen ei­ge­nen, an­ge­mes­se­nen Platz im Be­richt ein­zu­bau­en, hät­te des­sen Rah­men ge­sprengt. Gä­be es nicht Mög­lich­kei­ten, das an der Uni­ver­si­tät St.Gal­len auf­zu­grei­fen? Ri­ta Kes­sel­ring lehrt ja dort.
     
  2. Ri­ta Kes­sel­ring be­wer­tet die­sen Be­richt am «wis­sen­schaft­li­chen und in­klu­si­ven Stan­dard zu Ko­lo­nia­lis­mus und Skla­ve­rei». Of­fen bleibt, was sie ge­nau dar­un­ter ver­steht. Of­fen bleibt eben­so, wie weit die­ser Stan­dard im vor­lie­gen­den Fall zwin­gend, sinn­voll und rea­li­sier­bar ist. Aus mei­ner Sicht zen­tral: Die­ser Skla­ve­rei­be­richt ist be­strebt, auch in­ter­es­sier­te und en­ga­gier­te Lai­en an­zu­spre­chen. Er ist im­mer­hin ein of­fi­zi­el­ler Auf­trag der Stadt und be­han­delt wich­ti­ge Ka­pi­tel der St.Gal­ler Stadt­ge­schich­te, die für mög­lichst vie­le Men­schen in St.Gal­len und dar­über hin­aus of­fen sein soll, greif­bar, ver­steh­bar und er­zähl­bar. Er will ei­nen Über­blick bie­ten, aber auch für das The­ma sen­si­bi­li­sie­ren, Ma­te­ria­li­en für die wei­te­re Be­schäf­ti­gung da­mit lie­fern. Der Be­richt de­kla­riert das in der Ein­lei­tung klar und zieht es dann durch – von der ge­wähl­ten Spra­che über die in­halt­li­chen Schwer­punk­te bis zum aus­führ­li­chen Bild­teil. Ri­ta Kes­sel­ring hält das für ge­schei­tert, äus­sert aber kei­nen ein­zi­gen Vor­schlag, wie man es in die­sem Be­reich hät­te bes­ser ma­chen kön­nen. Das ist nicht ge­ra­de kon­struk­tiv. Aka­de­mi­sche Wis­sen­schaft al­lein reicht auf je­den Fall nicht. Die St.Gal­ler Stadt­ge­schich­te kann nicht auf ei­nen wis­sen­schaft­li­chen Dis­kurs re­du­ziert wer­den.
     
  3. Ri­ta Kes­sel­ring kri­ti­siert, dass es für die­sen Be­richt ei­gent­lich ein gan­zes Team ge­braucht hät­te. Mit sei­nem Bud­get von 15’000 Fran­ken und ei­nem ein­zi­gen His­to­ri­ker sei der Be­richt «von An­fang an ein Ding der Un­mög­lich­keit ge­we­sen». Wirk­lich? Wir sind hier in St.Gal­len, wo Bud­gets für sol­che Pro­jek­te seit je knapp sind und in Zu­kunft wohl noch knap­per wer­den. Hät­te man al­so bes­ser auf die­sen Be­richt ver­zich­tet? Trotz die­ser knap­pen Rah­men­be­din­gun­gen leis­tet der vor­lie­gen­de Be­richt viel – das zei­gen die Rück­mel­dun­gen, die er schon er­hal­ten hat. Auch die von Ri­ta Kes­sel­ring als «an­ek­do­tisch» kri­ti­sier­ten Tei­le sind wich­tig: Der Be­richt bringt die­se Bi­blio­theks- und Ar­chiv­quel­len über­haupt erst ans Ta­ges­licht. Da öff­nen sich Fens­ter in die Stadt­ge­schich­te, die es sonst nir­gends gibt. Hier zeigt sich ein all­ge­mei­nes Pro­blem. Die Knapp­heit der Res­sour­cen und die Über­schau­bar­keit des Pu­bli­kums in St.Gal­len füh­ren da­zu, dass es für vie­les nur ei­ne rea­li­sier­ba­re Lö­sung gibt – ein Buch, ei­ne Aus­stel­lung, ei­nen Vor­trag – und das führt leicht zur Schlag­sei­te: Man ist die­sen zu an­spruchs­voll oder zu po­pu­lär, je­nen zu spe­zi­ell oder zu all­ge­mein. Als Lö­sung drängt sich die Mi­schung auf, der Ba­lan­ce-Akt. Und auch das klappt längst nicht im­mer. Mit Si­cher­heit fal­len da je­dem und je­der Bei­spie­le ein. Mir üb­ri­gens auch. Ist es im vor­lie­gen­den Fall ge­lun­gen? Das kann ich nicht sa­gen, Ri­ta Kes­sel­ring aber auch nicht. Das wird sich zei­gen.
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Bad­hüt­te Ror­schach: Re­kon­struk­ti­on bis zum Tür­schar­nier

Die Bau­plä­ne sind ge­zeich­net, das Bau­ge­such liegt zur Vor­prü­fung bei der Stadt – doch noch ist ei­ni­ges rund um den Wie­der­auf­bau der Ror­scha­cher Bad­hüt­te zu klä­ren. Was pas­siert zum Bei­spiel mit all den an­ge­ros­te­ten und teils ver­bo­ge­nen Schar­nie­ren, Schlös­sern und an­de­ren Ei­sen­tei­len, die die Tau­cher aus dem See her­auf­ge­bracht ha­ben?

Von  René Hornung
Badhuette rorschach

«Sie wis­sen, dass ih­nen Ge­fäng­nis oder der Tod droht, wenn sie an Pro­tes­ten teil­neh­men. Und sie tun es trotz­dem.»

Moh­sen Ma­sou­di ist 2022 aus dem Iran in die Schweiz ge­flo­hen. Heu­te lebt er in Stein AR und ist Teil der Exil-Op­po­si­ti­on. Er er­zählt, war­um es die Schlies­sung der ira­ni­schen Bot­schaft braucht und was sich mit den Pro­tes­ten An­fang Jahr ver­än­dert hat.

Von  Matthias Fässler , Bilder:  Sara Spirig
260708 Redeplatz Mohsen Masoudi

Ein Pi­ra­ten­schiff am Bo­den­see­ufer

Das See-Burg­thea­ter macht aus sei­ner Pi­ra­tin­nen­ge­schich­te Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny ein akro­ba­ti­sches Spek­ta­kel vom Feins­ten. Bei al­ler Som­mer­thea­ter-Leich­tig­keit hät­te man aber doch ein biss­chen mehr Eman­zi­pa­ti­ons­ge­schich­te er­war­tet.  

Von  Maria Schorpp
Piratencrew Bildnachweis Ilja Mess

Ei­ne ein­ma­li­ge Ge­burts­tags­par­ty

Zu sei­nem 20. Ge­burts­tag hat das Kul­tur­fes­ti­val am Wo­chen­en­de Bands aus St.Gal­len und der Re­gi­on zu ei­nem zwei­tä­gi­gen Kon­zert­fest ein­ge­la­den. Die­ses war so viel­fäl­tig wie ge­lun­gen – auch we­gen der Idee, Co­vers aus der Grün­dungs­zeit des Fes­ti­vals in die Sets ein­zu­bau­en. 

Von  David Gadze
Kulturfestival 20 Jahre Jubilaeum 2026 Kasimir Hoehener

Bregenzer Festspiele

Mehr als die See­büh­ne: Ent­de­ckun­gen an den Bre­gen­zer Fest­spie­len

Von  Nathalie Grand
Pressetag broucek anjakoehler 260236

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 3

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 3: «Was der Kai­ser noch sah», Olaf Breu­ning – «Hu­mans» und Oria­na Bruseghi­ni  – Das ver­las­se­ne Ret­tungs­boot. 

Von  Redaktion Saiten
260708 Sommertipps Colazione Sull Erba Pfister Noemi copy

Von Mo­de und Kör­pern

Wie setzt Fo­to­gra­fie Mo­de in Sze­ne? Und wer fo­to­gra­fiert da­bei ei­gent­lich wen? Das Tex­til­mu­se­um St.Gal­len gibt mit «Mi­se en Scè­ne» Ein­bli­cke in 120 Jah­re Mo­de­ge­schich­te. Es ist die letz­te Schau vor dem Mu­se­umsum­bau. 

Von  Vera Zatti
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«Ich ma­che das für al­le, die auf ei­nen Ent­scheid war­ten.»

Seit elf Ta­gen be­fin­det sich Ve­lat Ay­din vor dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in St.Gal­len im Hun­ger­streik. Im Ge­spräch mit Sai­ten er­zählt der Kur­de, wo­her er kommt und wes­halb po­li­ti­scher Ak­ti­vis­mus so wich­tig ist.

Von  Daria Frick
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Lus­ti­ges Mas­sen­ar­ten­ster­ben

Die St.Gal­ler Fest­spie­le sind vor­bei. Oper war in­door, draus­sen im Stadt­park spiel­te die End­zeit­ko­mö­die Pla­net B. Näh­me man die Bot­schaft des Stücks ernst, müss­te die Fest­spiel-Oper auch künf­tig res­sour­cen­scho­nend drin­nen blei­ben.

Von  Peter Surber
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Zwi­schen Pon­gal und Turn­ver­ein

Sin­du­jan* lebt schon sein gan­zes Le­ben in der Schweiz. Die Ein­bür­ge­rung ist fast ab­ge­schlos­sen, war aber mit ho­hen Kos­ten und ei­nem un­an­ge­neh­men Ge­spräch ver­bun­den.

Von  Andi Giger
260707 Saiten 0807 08

Ei­ne kur­ze In­dus­trie­ge­schichg­te des Sit­ter­tals

Be­vor die Kunst Ein­zug hielt, war das Sit­ter­tal in­dus­tria­li­siert. Hier wur­de ge­stickt, ge­wirkt, ge­färbt, mer­ceri­siert – aber auch ge­streikt und ge­liebt.

Von  István Scheibler
260708 Sitterwerk Industriegeschichte Das Sittertal zu Zeiten der Motorenstickerei Rittmeyer Staatsarchiv W 054 51 D 8

Kolumne: Stimmrecht

Wer ist die ukrai­ni­sche Dia­spo­ra?

Von  Liliia Matviiv

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 2

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 2: Ki­nok-Open-Air, So­lar­ki­no, Chris­ta Nä­her – «Ex­cess», Li­ving Mu­se­um, Pool­bar Fes­ti­val, Die Le­gen­de von An­ne Bon­ny und SP-Spa­zier­gän­ge. 

Von  Redaktion Saiten
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Wie ein Fisch im Was­ser

In der Kunst­ka­bi­ne bei der St.Le­on­hard-Brü­cke in St.Gal­len stel­len bis Sep­tem­ber vier Per­so­nen mit Be­ein­träch­ti­gung ih­re Kunst aus. Den An­fang macht Son­ja Lip­pu­ner mit ih­rer «Roll­stuhl­kunst».

Von  Roman Hertler
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«Kul­tur ist nicht de­mo­kra­tisch, aber zen­tra­le Grund­la­ge der De­mo­kra­tie»

Die Kunst­gies­se­rei St.Gal­len und die Stif­tung Sit­ter­werk strah­len weit über die Re­gi­on hin­aus. Fe­lix Leh­ner, Grün­der und Lei­ter der Kunst­gies­se­rei, Ge­schäfts­lei­tungs­mit­glied Till Jäck­li so­wie Pa­tri­cia Hart­mann, Co-Lei­te­rin der Stif­tung Sit­ter­werk, spre­chen im In­ter­view über die letz­ten 40 Jah­re, ak­tu­el­le Her­aus­for­de­run­gen und Zu­kunfts­plä­ne.

Von  Daria Frick  und  David Gadze
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«Schwei­gen gibt der Ge­walt Raum»

Ge­schlech­ter­spe­zi­fi­sche Ge­walt ist auch in Ap­pen­zell Rea­li­tät, und doch wird zu we­nig dar­über ge­re­det. Mit der Dis­kus­si­ons­ver­an­stal­tung «we­r­om – schwät­ze statt schwi­ige» lu­den drei jun­ge Ap­pen­zel­le­rin­nen zum of­fe­nen Aus­tausch über Ge­walt, Prä­ven­ti­on und Zi­vil­cou­ra­ge.

Von  Marion Loher
Werom 4

Wenn Hei­mat flim­mert

Hei­mat – ein viel­schich­ti­ger Be­griff. Das Kunst­mu­se­um St.Gal­len spürt ihm ge­mein­sam mit der Werk­samm­lung der Schwei­ze­ri­schen Post nach. Zu se­hen ist die ent­stan­de­ne Schau «Hei­mat­flim­mern» bis En­de Ok­to­ber in St.Gal­len.

Von  Lisa Steurer
Ausstellungsansicht stian Stadler 1

Jung­brun­nen für den Dom

Die St.Gal­ler Fest­spie­le la­den, nach der letzt­jäh­ri­gen Pau­se, wie­der zum Tanz in die Ka­the­dra­le. Cho­reo­graf An­to­nio Ruz und die Tanz­kom­pa­nie neh­men den Raum mit Re­spekt in Be­schlag – samt dem Klos­ter­platz.

Von  Peter Surber
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Der «Landesverräter» war gern am Fluss

Ernst S. und die Sit­ter

Von  Roman Hertler
2502 Max Butz 05

Die un­ver­zicht­ba­ren Som­mer­tipps – Teil 1

Bis zum En­de der Som­mer­fe­ri­en prä­sen­tiert Sai­ten wö­chent­lich Kul­tur­tipps aus der Re­gi­on. Teil 1: Open­air-Ki­nos, Bla­bla­bor – «Gue­ril­la Ra­dio», Mi­chail Pir­ge­lis – «HYLE», «Hei­mat­flim­mern», Kul­tur­fes­ti­val St.Gal­len, Le­on­ce und Le­na, Kunst­spa­zier­gän­ge und Mu­sik im «Flööz­li» so­wie Rund­gän­ge zum Blu­men­wies und zur Schwamm­stadt. 

Von  Redaktion Saiten
Noemi Pfister Happily Aging Dying