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Sommer im Gebirg

Castasegna, Safiental, Sardona: drei und mehr Gründe, das St.Galler oder Thurgauer Flachland wiedermal Richtung Bündnerland zu verlassen.
Von  Peter Surber , 
Ralph Feiner fotografierte in Castasegna.

Über zehn Jahre hinweg hat sich die St.Galler Fotografin Katalin Deér immer wieder im Bergell aufgehalten und hat fotografiert – die Landschaft, die Häuser und ihr Zusammenspiel. In einem hölzernen Pavillon gegenüber der Villa Garbald in Castasegna sind ihre Bilder jetzt zu sehen, ausserdem erscheinen sie in Buchform unter dem Titel Verde bei Jungle Books, dem Verlag der Saiten-Grafiker Kasper-Florio und Bänziger. Buchvernissage ist am 7. Juli im Pavillon.

Arte Castasegna:
bis 21. Oktober
Buchvernissage «Verde»:
7. Juli, 15 Uhr
arte-castasegna.ch

Warum Castasegna? Der Grenzort zuunterst im Bergell ist diesen Sommer Schauplatz eines weit ausladenden Landschaftskunst-Projekts. «Arte Castasegna» um den Churer Galeristen Luciano Fasciati, der seit 2010 im Bergell den Sommer verschönert, hat ein rundes Dutzend Kunstschaffende eingeladen, am Ort und darum herum Werke zu entwickeln. Aus der Ostschweiz ist weiter H.R. Fricker dabei sowie Karin Karinna Bühler – sie verwandelt ein leerstehendes früheres Ladenlokal mit dem Schriftzug «Cambio» in einen Ort des Austauschs.

Der passionierte Orts-Benenner Fricker hat sich die granitenen Treppenstufen 
des alten Fusswegs von Castasegna hoch nach Soglio ausgesucht. Zusammen mit der Bevölkerung hat er örtliche Berufsbezeichnungen gesammelt, aktuelle wie ausgestorbene in vier Sprachen, darunter dem regionalen Idiom Bregaiot – und beschriftet mit ihnen die Wegstufen. Als Hommage an die Kulturleistung des Wegebauens und der Existenz überhaupt im kargen Tal will er seine Arbeit verstanden wissen.

2. Art Safiental:
7. Juli bis 21. Oktober.
Geführte Rundgänge:
22. Juli, 19. August, 23. September, 7. Oktober
artsafiental.ch

Fricker ist auch an einem weiteren Landart-Ereignis in Graubünden mitbeteiligt. Im Safiental hat er aus der Rabiusa, dem dortigen Fluss, Steine gesammelt mit wundersamen «Ornamenten», welche die Natur geschaffen hat. In Karretten hat er sie gesammelt, ausserdem zieren sie Tischsets in den Restaurants im Tal. Es sind Meisterwerke der Gestaltung – ohne dass eine Menschenhand eingegriffen hätte.

«Art Safiental» bringt unter dem Übertitel «Horizontal-Vertikal» insgesamt 14 Arbeiten zeitgenössischer Kunstschaffender ins Tal von Versam bis Turrahus und Wanna, kuratiert von Johannes M. Hedinger.

Bob Gramsma etwa hat eine künstliche Insel in den Stausee gebaut, Bildstein-Glatz platzieren eine Schanze (Bild) im Tal, die Amerikanerin Lita Albuquerque bringt eine Skulptur auf das Tenner Chrüz, das englische DIG Collective gräbt ein Loch, Roman Signer bespielt eine Kirche, Ueli Alder macht einen Stall zur Camera obscura – und neben Installationen gibt es eine zehntätige Kunstakademie mit 35 Teilnehmenden aus aller Welt. Eröffnet wird Art Safiental am 7. Juli. Für das Kunsterlebnis (samt Wanderkarte) sind Wanderschuhe empfehlenswert.

Tektonik-Arena Sardona:
14. Juli bis 21. Oktober
unesco-sardona.ch

Kunst im Gebirge zum Dritten: Zu ihrem zehnjährigen Bestehen als Unesco-Weltnaturerbe leistet sich die Tektonik-Arena Sardona ein Kunstprojekt. In 19 Berghütten ist Kunst zu finden, von der Alten Post Weisstannen bis hoch auf die Ringelspitz- oder die Sardonahütte. Daneben gibt es zeitgenössische Interaktionen. Im bündnerischen La Falera setzt sich Lucie Tuma mit der dortigen megalithischen Kultstätte auseinander, und im Murgtal entwickelt H.R. Fricker seinen Steingarten weiter. Ein dritter Programmteil
 ist die Steinreise des Künstlerduos Com&Com, deren eine Station auch der Klosterplatz St.Gallen war und die jetzt Teil der Skulpturenausstellung Bad Ragartz wird. Vernissage in St.Martin
im Calfeisental, samt Klanginstallation von Andy Guhl oder einer Bartgeier-Beobachtungstour, ist am 14. Juli.

Migration im Avers:
7. Juli bis 12. August, jeweils am Wochenende, Bim nüwa Hus, Avers-Cresta
hexperimente.ch

Audiowalk «Innern»: Fundaziun Nairs
Download auf hojokraft.com

Wem das noch nicht genug Bergkunst ist, der kann sich im Avers die 2017 «überwältigend erfolgreiche» und darum 2018 noch einmal zu sehende Ausstellung «ein und aus» über Migration im Avers ansehen. Sie wird jeweils an den Wochenenden Bim nüwa Hus in Avers-Cresta gezeigt. Oder man begibt sich im Engadin auf eine imaginäre Hörreise von Nairs nach Scuol mit dem Audiowalk «Innern» von Tomoko Hojo und Rahel Kraft. Das Draussen der Landschaft und das Drinnen der eigenen Person sollen dabei in Dialog kommen. Auf ins Gebirg also.

Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.

Die Er­de ist nicht ge­nug

Das Na­tur­mu­se­um St.Gal­len er­öff­net Mit­te No­vem­ber zum zehn­jäh­ri­gen Be­stehen sei­nes Neu­baus den Aus­stel­lungs­be­reich «Mensch und Uni­ver­sum». Zwi­schen Kli­ma­kri­se und Ster­nen­him­mel geht es um ei­ne ziem­lich gros­se Fra­ge: Wo ste­hen wir ei­gent­lich?

Von Philipp Bürkler,
Naturmuseum Mensch und Universum Niklas Thalmann

Ein ziem­lich ab­ge­fah­re­nes Ding

Seit zehn Jah­ren gibt es die Re­si­den­cy in der Bi­blio­thek An­dre­as Züst im Al­pen­hof, die­sem so schwer zu fas­sen­den Ort in In­ner­rho­den. Der run­de Ge­burts­tag wird nun mit ei­nem viel­fäl­ti­gen Fes­ti­val ge­fei­ert.

Von Hanspeter Spörri,
Alpenhof bibliothek andreas zuest residency

Ein künst­le­ri­sches Ge­ne­ra­tio­nen­tref­fen

Be­vor die Kunst­hal­le St.Gal­len im De­zem­ber we­gen Um­bau­ar­bei­ten vor­aus­sicht­lich bis April 2027 schliesst, dreht sie noch­mals voll auf. In der Aus­stel­lung «House of Ch­an­ge: Pre-Con­s­truc­tion-Warm-Up-Ga­lo­re» prä­sen­tiert sie im lau­fen­den Mo­nat ein dich­tes, bun­tes Pro­gramm an Kunst und Kul­tur.

Von Larisa Baumann,
House of change larisa baumann 1

Zwi­schen Kunst und Kör­per 

In der Aus­stel­lung «Smi­le ma­nia­cal­ly we’re ali­ve» ver­bin­det Ja­la Wa­hid schein­bar ge­trenn­te Wel­ten. Sie schlägt dar­in ei­ne Brü­cke zwi­schen Er­in­ne­rung, Emo­ti­on, Wis­sen­schaft und Po­li­tik. 

Von Sieglinde Wöhrer,
Jala Wahid Smile maniacally were alive Sieglinde Woehrer

Ver­ei­nig­te Kul­tur­sze­ne pro­tes­tiert ge­gen den Spar­ham­mer

Die er­neu­ten Spar­vor­schlä­ge der St.Gal­ler Re­gie­rung stos­sen auf brei­te Ab­leh­nung. Die Kul­tur­sze­ne so­li­da­ri­siert sich ge­gen die Ab­bau­plä­ne. Die Kul­tur­lob­by hat sich in Stel­lung ge­bracht. Obs hilft?

Von Roman Hertler,
2611 Kulturgelder gaffa rappenspalter 2 farbe

Kunstausstellung

Mut­ter­schaft in Öl ge­fasst

Von Vera Zatti,
Cecileund Pina300dpi

Die Meis­te­rin der Bei­läu­fig­keit

Ei­gent­lich woll­te Zsuz­san­na Gah­se kei­ne Bü­cher mehr schrei­ben. Nun hat sie mit An­ge­rich­tet ihr Werk doch noch ein­mal er­wei­tert. Ih­re Spra­che dar­in bleibt neu­gie­rig, hu­mor­voll und spie­le­risch. Und wirkt fast wie ein Kom­men­tar zum ei­ge­nen li­te­ra­ri­schen Schaf­fen.

Von Michael Lünstroth,
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Bücherherbst: Ausser mir von Micha Friemel

Ana­ly­se des müt­ter­li­chen Wahn­sinns

Von Veronika Fischer,

Zwi­schen Ruhm und Knast

Ja­kob Stutz, Volks­schrift­stel­ler und Re­form­päd­ago­ge mit «zwie­späl­ti­gem» Cha­rak­ter: Ihn lässt Ex-Kel­ler­büh­nen­lei­ter Mat­thi­as Pe­ter 150 Jah­re nach sei­nem Tod noch ein­mal auf­le­ben – un­ter an­de­rem in Tro­gen, wo Stutz im Ge­fäng­nis sass.

Von Peter Surber,
01 Jakob Stutz 11 cut

Das Mit­tel­mass fei­ern

Auf sei­nem neu­en Al­bum Th­ree Chords and a Shaking Hand be­singt der Rhein­ta­ler Sin­ger-Song­wri­ter Mo Klé die ge­gen­wär­ti­ge De­bat­ten­kul­tur, Re­gen­stür­me und Selbst­ak­zep­tanz. Die Al­bum­tau­fe fin­det am 7. No­vem­ber im st.gal­li­schen Bahn­hof Brug­gen statt.

Von Vera Zatti,
Artist Picture Mo Kle 2 Credits Johannes Gruber

FC St.Gal­len vs. Ser­vet­te 2:1 - Nicht bril­liert, aber ge­won­nen

Bouk­hal­fa und Gört­ler brin­gen die Es­pen in Füh­rung, wel­che das Team dann über die Zeit bringt.

Von SENF Kollektiv,
Senf

«Wir le­ben in ei­ner ver­blö­de­ten Mei­nungs­welt!»

Alex­an­der Vel­ja­nov ist die un­ver­wech­sel­ba­re Stim­me der Dark-Wa­ve-Band Dei­ne La­kai­en. Mit sei­nem neu­en So­lo­al­bum gas­tiert er am 9. No­vem­ber in Frau­en­feld. Ein Ge­spräch über Schub­la­den, Lü­ge, Wahr­heit und die Fra­ge, was Mu­sik mit un­se­rem Mensch­sein zu tun hat. 

Von Michael Lünstroth,
VELJANOV 2018 03

Zumthor plant in Wildhaus

Noch mehr Spit­zen­ar­chi­tek­tur fürs Tog­gen­burg

Von René Hornung,
Steinmodell 2

Die SP setzt auf Pe­ter Oli­bet

Ein Wahl­gang ge­nüg­te: Die SP der Stadt St.Gal­len schickt Pe­ter Oli­bet ins Ren­nen um die Nach­fol­ge von Stadt­rat Pe­ter Jans. Er er­hielt 109 von 182 Stim­men. In der Fra­ge­run­de ging es um Spar­po­li­tik, be­zahl­ba­re Woh­nun­gen und die Fra­ge, wie viel Op­po­si­ti­on ein künf­ti­ges Re­gie­rungs­mit­glied noch ma­chen kann.

Von Philipp Bürkler,
Nomination Peter Olibet 10
Heftvorschau 11/26
Postkolonial, Kulturgelder, Universum

Wäh­rend Zü­rich und Genf ge­raub­te Ben­in-Bron­zen zu­rück­ge­ben, la­viert das Kul­tur­mu­se­um St.Gal­len. Der­weil un­ter­sucht der Thur­gau sei­ne eth­no­gra­fi­sche Samm­lung und schliess Re­sti­tu­tio­nen nicht aus. Aus­ser­dem im No­vem­ber­heft: Der so­li­da­ri­sche Pro­test der St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne ge­gen die Spar­plä­ne des Kan­tons, die neue Aus­stel­lung zum Zehn­jäh­ri­gen im Na­tur­mu­se­um St.Gal­len, das ers­te elek­tro­ni­sche So­lo­al­bum von Ka­fi-D und vie­les mehr.

Saiten 2611 01 Cover

Zü­rich und Genf ma­chen vor­wärts, St.Gal­len bremst

Seit ei­ni­gen Jah­ren sind Ben­in-Bron­zen in Schwei­zer Mu­se­en ein heis­ses Ei­sen. Im St.Gal­ler Kul­tur­mu­se­um la­viert man bei der Fra­ge ei­ner mög­li­chen Rück­ga­be zwi­schen Dia­log­be­reit­schaft und Ver­wei­ge­rungs­hal­tung.

Von Richard Butz und Hans Fässler,
Benin bronze kulturmuseum 2026

Bücherherbst: Nie ist alles gut von Raffael Rihs

Mo­ment­auf­nah­men

Von Veronika Fischer,

Ma­gen­brot bis zu­letzt

Ein Fes­ti­val über den Tod – darf das auch lus­tig sein? «Last Call» lädt am 31. Ok­to­ber in St.Gal­len da­zu ein, über das Ster­ben zu spre­chen. In­ter­view mit Mi­chel­le Mauch­le von der Ge­schäfts­stel­le Pal­lia­ti­ve Ca­re Stadt St.Gal­len.

Von Philipp Bürkler,
Festival zum tod michelle mauchle

Kampf­sport als Safe Space

In St.Gal­len hat am Sams­tag zum ers­ten Mal ein eman­zi­pa­to­risch-an­ti­fa­schis­tisch-que­er­fe­mi­nis­ti­sches Kampf­sport­tur­nier statt­ge­fun­den. Wie das aus­sieht? Schon ziem­lich bru­tal, aber dann auch wie­der herz­lich.

Von Malena Widmer,
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Bücherherbst: Unwucht von Sarah Elena Müller

Zwi­schen Lie­be und Lei­den

Von David Gadze,