Über zehn Jahre hinweg hat sich die St.Galler Fotografin Katalin Deér immer wieder im Bergell aufgehalten und hat fotografiert – die Landschaft, die Häuser und ihr Zusammenspiel. In einem hölzernen Pavillon gegenüber der Villa Garbald in Castasegna sind ihre Bilder jetzt zu sehen, ausserdem erscheinen sie in Buchform unter dem Titel Verde bei Jungle Books, dem Verlag der Saiten-Grafiker Kasper-Florio und Bänziger. Buchvernissage ist am 7. Juli im Pavillon.
Arte Castasegna: bis 21. Oktober Buchvernissage «Verde»: 7. Juli, 15 Uhr arte-castasegna.ch
Warum Castasegna? Der Grenzort zuunterst im Bergell ist diesen Sommer Schauplatz eines weit ausladenden Landschaftskunst-Projekts. «Arte Castasegna» um den Churer Galeristen Luciano Fasciati, der seit 2010 im Bergell den Sommer verschönert, hat ein rundes Dutzend Kunstschaffende eingeladen, am Ort und darum herum Werke zu entwickeln. Aus der Ostschweiz ist weiter H.R. Fricker dabei sowie Karin Karinna Bühler – sie verwandelt ein leerstehendes früheres Ladenlokal mit dem Schriftzug «Cambio» in einen Ort des Austauschs.
Der passionierte Orts-Benenner Fricker hat sich die granitenen Treppenstufen des alten Fusswegs von Castasegna hoch nach Soglio ausgesucht. Zusammen mit der Bevölkerung hat er örtliche Berufsbezeichnungen gesammelt, aktuelle wie ausgestorbene in vier Sprachen, darunter dem regionalen Idiom Bregaiot – und beschriftet mit ihnen die Wegstufen. Als Hommage an die Kulturleistung des Wegebauens und der Existenz überhaupt im kargen Tal will er seine Arbeit verstanden wissen.
2. Art Safiental: 7. Juli bis 21. Oktober. Geführte Rundgänge: 22. Juli, 19. August, 23. September, 7. Oktober artsafiental.ch
Fricker ist auch an einem weiteren Landart-Ereignis in Graubünden mitbeteiligt. Im Safiental hat er aus der Rabiusa, dem dortigen Fluss, Steine gesammelt mit wundersamen «Ornamenten», welche die Natur geschaffen hat. In Karretten hat er sie gesammelt, ausserdem zieren sie Tischsets in den Restaurants im Tal. Es sind Meisterwerke der Gestaltung – ohne dass eine Menschenhand eingegriffen hätte.
«Art Safiental» bringt unter dem Übertitel «Horizontal-Vertikal» insgesamt 14 Arbeiten zeitgenössischer Kunstschaffender ins Tal von Versam bis Turrahus und Wanna, kuratiert von Johannes M. Hedinger.
Bob Gramsma etwa hat eine künstliche Insel in den Stausee gebaut, Bildstein-Glatz platzieren eine Schanze (Bild) im Tal, die Amerikanerin Lita Albuquerque bringt eine Skulptur auf das Tenner Chrüz, das englische DIG Collective gräbt ein Loch, Roman Signer bespielt eine Kirche, Ueli Alder macht einen Stall zur Camera obscura – und neben Installationen gibt es eine zehntätige Kunstakademie mit 35 Teilnehmenden aus aller Welt. Eröffnet wird Art Safiental am 7. Juli. Für das Kunsterlebnis (samt Wanderkarte) sind Wanderschuhe empfehlenswert.
Tektonik-Arena Sardona: 14. Juli bis 21. Oktober unesco-sardona.ch
Kunst im Gebirge zum Dritten: Zu ihrem zehnjährigen Bestehen als Unesco-Weltnaturerbe leistet sich die Tektonik-Arena Sardona ein Kunstprojekt. In 19 Berghütten ist Kunst zu finden, von der Alten Post Weisstannen bis hoch auf die Ringelspitz- oder die Sardonahütte. Daneben gibt es zeitgenössische Interaktionen. Im bündnerischen La Falera setzt sich Lucie Tuma mit der dortigen megalithischen Kultstätte auseinander, und im Murgtal entwickelt H.R. Fricker seinen Steingarten weiter. Ein dritter Programmteil ist die Steinreise des Künstlerduos Com&Com, deren eine Station auch der Klosterplatz St.Gallen war und die jetzt Teil der Skulpturenausstellung Bad Ragartz wird. Vernissage in St.Martin im Calfeisental, samt Klanginstallation von Andy Guhl oder einer Bartgeier-Beobachtungstour, ist am 14. Juli.
Migration im Avers: 7. Juli bis 12. August, jeweils am Wochenende, Bim nüwa Hus, Avers-Cresta hexperimente.ch
Audiowalk «Innern»: Fundaziun Nairs Download auf hojokraft.com
Wem das noch nicht genug Bergkunst ist, der kann sich im Avers die 2017 «überwältigend erfolgreiche» und darum 2018 noch einmal zu sehende Ausstellung «ein und aus» über Migration im Avers ansehen. Sie wird jeweils an den Wochenenden Bim nüwa Hus in Avers-Cresta gezeigt. Oder man begibt sich im Engadin auf eine imaginäre Hörreise von Nairs nach Scuol mit dem Audiowalk «Innern» von Tomoko Hojo und Rahel Kraft. Das Draussen der Landschaft und das Drinnen der eigenen Person sollen dabei in Dialog kommen. Auf ins Gebirg also.
Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.
Anerkennungspreis für Josef Felix Müller, Förderpreise für Katalin Deér und den Verein Megliodia: Die Stadt verteilt ihre Kulturpreise - 2013 allerdings zwei weniger als bisher. Das ist am falschen Ort gespart.
Wie nutzt heutzutage ein Maler Facebook, und wie reagiert das «Publikum»? Antworten gibt eine Ausstellung in Heiden – H.R.Fricker war dort.
Endlich. 2013 gab es keine, nun ist es wieder soweit: Karin Bühler lädt zu einer neuen Ausgabe ihrer Ausstellungsreihe Le Lieu. Heute Abend gibt es den zweiten Teil, und nur heute Abend.
Das Thurgauer Pop-Phänomen Noemi Beza veröffentlicht Anfang Juni ihre neue EP. You’ll Find Me There vereint Country-Vibes mit astreinem Pop – was man ein wenig vermisst, sind Ecken und Kanten.
Kolumne: Stimmrecht im Juni
Ausstellung in Herisau
Nach 22 Jahren gibt Matthias Peter die Leitung der St.Galler Kellerbühne ab. Vom Raum ist er nach wie vor begeistert. Aber dem Kabarett ging es auch schon besser, erzählt er im Gespräch.
Die Thurgauer Künstlerin Micha Stuhlmann befasst sich in ihrem neuen Projekt mit dem Dasein im Moment. Am 7. Juni findet dazu ein Workshop in St.Gallen statt und am 26. Juni zeigt sie mit ihrem Ensemble die finale Performance in Kreuzlingen.
Die Tonhalle Wil wurde 1876 eröffnet. Seither bereichert sie praktisch ununterbrochen das kulturelle Leben der Äbtestadt. An den kommenden zwei Wochenenden wird gefeiert.
Jonas Ulrich taucht mit seinem ersten Spielfilm in die Black-Metal-Welt ab. Wolves ist eine bildstarke Geschichte über Einsamkeit und das Dazugehören, voller Gegensätze und mit etwas holprigen Dialogen.
St.Gallen bewahrt nicht mehr nur 1000-jährige Handschriften. Mit dem Internet Archive Switzerland entsteht hier ein Archiv für Webseiten, künstliche Intelligenz und das digitale Gedächtnis der Zukunft.
Mit Internet Archive Switzerland entsteht in St.Gallen ein Ableger des grössten Archivs für Websiten und Künstliche Intelligenz weltweit. Ausserdem im Juniheft: Männer unter Generalverdacht, das grosse St.Galler 80er-Buch, das Abschiedsinterview mit dem langjährigen Kellerbühnenchef und die Flaschenpost aus Venedig.
Der WWF St.Gallen wird 50 Jahre alt. Sein Geschäftsleiter Lukas Indermaur zieht bei der Beurteilung der aktuellen Situation von Natur und Umwelt eine durchzogene Bilanz.
«Urs Frei. A – Z» im Kunstmuseum St. Gallen ist die erste Retrospektive zum ausserordentlichen Schaffen von Urs Frei (1958 – 2023). Rund 140 Arbeiten geben Einblick in ein Werk, das kaum zu fassen ist. Das gehört zu seiner Qualität.
Wie wollen wir künftig leben und unsere Nahrungsmittel produzieren? Die Ausstellung «How goes Tomorrow» der Ostschweizer Künstlerin Claude Bühler in der Shedhalle in Frauenfeld sensibilisiert für nachhaltige Handlungsstrategien.
«Das Kind zurücklassen? Wie kann man so dumm und herzlos sein», schreibt der Schweizer Autor Lukas Bärfuss über seine Mutter, die keine Mutter für ihn sein konnte. In seinem neuen Buch schaut er in die Vergangenheit und hat Verständnis, nicht für die Mutter, aber doch für diese Frau, die nie Glück und immer zu wenig Geld hatte.
Gaal, Görtler und Witzig schiessen St. Gallen zum langersehnten Cupsieg!
Die Medikamentenversuche von Münsterlingen als Teil eines Vampir-Musicals? Auf die Idee muss man erst einmal kommen. Die Bühne Mammern wagt den Versuch. Ab 29. Mai im Zirkuszelt.
Die diesjährige Kulturlandsgemeinde findet entlang der Bahnlinie zwischen Gossau und Wasserauen statt. Es ist ein interdisziplinäres Experimentzwischen Kunst, Gesellschaft und Aktivismus. Ausserdem stellt die Kulturlandsgemeinde künstlerisch und organisatorisch die Weichen für die Zukunft.
Am Samstag findet in St.Gallen erstmals das Punkfestival El Cartel statt. Es soll dazu beitragen, die Szene zu stärken. Dabei fehlt es gerade in St.Gallen an Nachwuchs.
Seit 40 Jahren macht die Bibliothek Wyborada in St.Gallen sichtbar, was lange fehlte: Literatur von und über Frauen. Heute sind Autorinnen und feministische Themen zwar stärker präsent in der Öffentlichkeit, doch die Relevanz der Bibliothek ist nach wie vor gross.
Mit einer Interpellation greifen SVP und EDU im St.Galler Kantonsrat den ausserschulischen Aufklärungsunterricht an. Und mit Unterstützung des «Lehrernetzwerks Schweiz» wollen Eltern aus Bütschwil eine Mitarbeiterin der Fachstelle für Aids- und Sexualfragen vor Gericht bringen. Dahinter steckt eine orchestrierte Aktion.
«Dieci», die italienische Zahl für zehn, ist das Motto des diesjährigen Heiden-Festivals. Es verweist dabei nicht nur auf das Jubiläum, sondern auch auf eine kulturpolitische Haltung.