Kategorie
Autor:innen
Jahr

Super-Food-Porn

Wann ist es eigentlich cool geworden, sich stundenlang über seine kulinarischen Vorlieben auszulassen? von Maja Dörig
Von  Gastbeitrag
Der Shit: Acai-Beeren (die normalerweise violett sind).

Essen scheint gut dazu geeignet, sich in den Sozialen Medien positiv darzustellen: Sieh nur wie sportlich / gesund / genussorientiert / neugierig / bewandt / bewusst / kosmopolitisch / informiert / trendig ich esse und lebe! Mit der Wahl der «richtigen» Lebensmittel lässt sich perfekt ausdrücken, wer und wie wir sind und was uns wichtig ist.

«Diät machen» klingt heutzutage viel zu lustfeindlich. Stattdessen setzen wir auf Detox mit grünen Smoothies und ähnlichem. Oder noch besser: Wir ziehen es grad richtig durch und stellen unsere Ernährung langfristig um. Ernährungstrends wie Clean Eating, Paläo oder Vegan locken mit wahren Heilsversprechen: Abbau von Fett- und Aufbau von Muskelmasse, mehr Energie und Ausdauer, reinere Haut, strahlenderes Aussehen, gestärktes Immunsystem und vieles mehr.

Die volle Selbstoptimierung. Natürlich kommt an dieser Stelle auch noch ein ausgeklügeltes Fitnessprogramm ins Spiel. Im Gegensatz zur Diät von früher wird das heute alles gerne festgehalten und noch lieber geteilt. Auf Instagram, Facebook oder auch im direkten Austausch.

Foodfotografie ist zum verbreiteten Hobby geworden. Auch mein Papa fotografiert jetzt das Essen, das er selber zubereitet hat. Er hat sogar schon laut darüber nachgedacht, ein Kochbuch herauszugeben. Früher hat er uns jeweils noch gerne Güggeli vom Grill nach Hause gebracht, wenn er für das Mittagessen zuständig war. Manchmal gabs Chips dazu.

Aber früher war ohnehin vieles anders, da musste man warten mit essen, weil man zuerst noch Gott dafür danken sollte. Jetzt warten wir, weil die Kreationen auf dem Teller oder auch einmal der ganze Tisch fotografisch in Szene gesetzt werden wollen – «Foodporn» nennt sich diese köstliche Inszenierung. Die relativ neue Wortkreation suggeriert, dass das dargestellte Essen damit zum Objekt oder gar zum Fetisch wird.

Natürlich gibt es die Abbildung von Essen schon weitaus länger. Aber wenn ich in einem alten Betty Bossy-Rezeptbuch blättere, dann sehe ich doch eher nüchterne Darstellungen. Von Party- Fleischpastete zum Beispiel. Es kostet mich jedenfalls nicht besonders viel Beherrschung, beim Betrachten dieser Pastete cool zu bleiben. Wenn ich auf Google nach Foodporn suche, ist das schon etwas anders: Da lachen mich saftige Burger an, Donuts, Ice Cream und Milkshake-Kreationen. Yummie!

Aus den Fotoalben meiner Vorfahren kenne ich sowas nicht. Das symbolträchtige Foto vom gemeinsamen Anschneiden der Hochzeitstorte ist das einzige Bild, auf dem ein Lebensmittel dermassen prominent abgebildet wurde. Dabei haben ja unsere Eltern und Grosseltern alle auch Spinat, Radiesli, Krautstiel und Johannisbeeren gegessen – nur nannten sie es nicht «Superfood».

Diese Wortkreation, ein Marketingbegriff, ist ebenfalls noch jung und steht für Lebensmittel, von denen man sich besondere Gesundheitsvorteile verspricht. Zum Beispiel Acai-Beeren, Moringa-Pulver oder Chia-Samen: alles hoch im Kurs – und durchaus vergleichbar mit dem Blattgemüse und den Beeren unserer Mütter und Opas.

Doch exotische Gewächse machen sich halt einfach besser auf Instagram als der lahme Ostschweizer Kohl… Drum drücken die «Foodies» gern mal ein Auge zu, wenn es um die eigene Ökobilanz geht. Ob Foodporn oder Superfood, am Ende sind es wohl doch nur zwei Seiten derselben Medaille: Selbstvermarktung und -optimierung unter dem Deckmantel des (ernährungs)bewussten Lebens.

Maja Dörig, 1984, ist seit bald zehn Jahren in der Gastronomie tätig, als Teil des Tankstell-Kollektivs, im Ultimo Bacio und in der Militärkantine. Ausserdem sitzt sie für die SP im Stadtparlament, isst gerne Goji-Beeren und viel lieber noch Erdbeeren vom eigenen Balkon-Gärtli.

Dieser Beitrag erschien im Sommerheft von Saiten.

Metz­ger, En­gel, Him­mel und Tan­te Bergs Ro­sen­ge­büsch

Ani­ta Zim­mer­mann ali­as Lei­la Bock prägt die St.Gal­ler Kul­tur­sze­ne seit Jahr­zehn­ten – als Künst­le­rin, als Ver­mitt­le­rin, als Er­mög­li­che­rin. Sie hat Wi­der­stän­de über­wun­den und an­de­re Künst­ler:in­nen im­mer wie­der her­aus­ge­for­dert. Ei­ne Wür­di­gung

Von  Angela Kuratli , Bilder:  Ladina Bischof
2609 Anita Zimmermann SAI2602 1308 C WEB

«Nicht neu er­fin­den, was funk­tio­niert»

Die St.Gal­ler Mu­se­ums­nacht fin­det in die­sem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Ju­bi­lä­um blickt Ver­eins­prä­si­den­tin Bar­ba­ra Af­fol­ter zu­rück und nach vor­ne. Sie sagt, was die Mu­se­ums­nacht bis heu­te aus­macht und wo­hin sie sich ent­wi­ckeln soll.

Von  Marion Loher
Museumsnacht Kunstmuseum pd

Le­bens­be­ja­hen­de Wer­ke im Kunst­zeug­haus

Die Aus­stel­lung «Vol­ler Le­ben» des Ver­eins IG Hal­le Rap­pers­wil wirft Schlag­lich­ter auf künst­le­ri­sche Schaf­fens­pro­zes­se und ih­re Ver­bin­dun­gen zur Na­tur.

Von  Lilli Kim Schreiber
Regula Syz 2

Kolumne: Stimmrecht

St.Gal­len in den Au­gen ei­nes Sol­da­ten

Von  Liliia Matviiv

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

Von  Vera Zatti
01 Gruppenfoto Kurationsteam 15 Jahre Kunstkiosk QUERFORMAT

Musiktheater

Auf See im Park­haus

Von  Vera Zatti
Bild 08 07 24 um 07 42

Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

Zum 36-jäh­ri­gen Be­stehen sei­ner Ga­le­rie Macel­le­ria d'ar­te trans­for­miert Fran­ces­co Bo­n­an­no ein leer­ste­hen­des Ge­bäu­de am Ro­ten Platz in St.Gal­len in ein bun­tes Haus vol­ler Kunst. Was als klei­nes Pro­jekt be­gann, wuchs zu ei­nem Ge­mein­schafts­werk von fast 100 Kunst­schaf­fen­den. 

Von  Lilli Kim Schreiber
Kunsthaus am roten platz lilli kim schreiber 1

Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

Von  Giulia Bernardi Robyn Muffler  und  Raphael Albisser , Bilder:  Claudia Schildknecht
2609 Staetevergleich 4 D3 A9291

Auf der Su­che nach (Un)Ru­he

Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

Von  Daria Frick
B 8

«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

Von  Daria Frick
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 17 40

Museum Herisau

Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

Von  Redaktion Saiten
Bildschirmfoto 2026 09 01 um 10 08 43

Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

Von  Sieglinde Wöhrer
IMG 5826 Paul Trummer 2

Der lan­ge Weg nach Hau­se – ein Stol­per­stein für Ja­kob Lütschg

Ja­kob Lütschg kehr­te nie nach Bal­gach zu­rück. 82 Jah­re nach sei­nem Tod im Kon­zen­tra­ti­ons­la­ger Bu­chen­wald kehrt we­nigs­tens sein Na­me heim. Der ers­te Stol­per­stein im St. Gal­ler Rhein­tal er­in­nert an ein Le­ben, das bei­na­he ver­ges­sen ging.

Von  Shqipton Rexhaj
IMG 1558

Musik am See

Pia­no­klän­ge für al­le

Von  Vera Zatti
IMG 0757 2

FC St.Gal­len vs. FC Thun 3:4 – Es wird heu­te nicht mehr bes­ser

Tor­reich, span­nend und doch ent­täu­schend - nur ei­ne Vier­tel­stun­de gu­ter Fuss­ball reicht halt nicht zum Punkt ge­gen Thun. 

Von  SENF Kollektiv
Senf

Fast ein gan­zes Le­ben spä­ter 

Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

Von  Vera Zatti
Abutz DSC 9766 Portrait wahl fischer klein cmky

Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

Von  David Gadze
Meter 6 david gadze

WG gaf­fen

Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

Von  Andi Giger
6085807

FC St.Gal­len vs. FC Nordsjæl­land 2:3 – St. Gal­len un­ter­liegt Nordsjæl­land

St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

Von  SENF Kollektiv
Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

Saiten 2609 Cover 01