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Test für die Türkei

Am Sonntag wird in der Türkei gewählt. Erdogans Macht wackelt, aber ist das breite Oppositionsbündnis stark genug, um ihn zu stürzen? Und was bedeutet die historische Präsidentschaftswahl für die Kurd:innen? Ronî Riha ordnet ein.
Von  Ronî Riha
Demonstration der Kurdi:innen in St.Gallen gegen Erdoğan, November 2016. (Bild: co)

Die Bürger:innen der türkischen Republik, die in diesem Jahr hundert Jahre alt wird, gehen am 14. Mai an die Urnen und treffen eine historische Entscheidung über ihre Zukunft. Sechs Parteien haben sich in der sogenannten Allianz der Nationen (Millet-İttifak‘ı) unter der Führung des CHP-Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu zusammengeschlossen. Die Opposition verspricht, Erdoğan zu stürzen, zum parlamentarischen System zurückzukehren und damit die Demokratie wiederherzustellen.

Bei dieser kritischen Wahl spielen drei starke Bündnisse, die sich aus vielen Parteien zusammensetzen, eine Rolle. Erstens die Volksallianz (Cumhur İttifak’ı) der radikalen türkischen Nationalisten (MHP) und der radikalen Islamisten unter der Führung von Erdoğan. Zweitens die Allianz der Nationen mit ihrem Präsidentschaftskandidaten Kemal Kılıçdaroğlu. Und drittens die Allianz für Arbeit und Freiheit (Emek ve Özgürlük İttifak’ı), angeführt von der HDP, der Vertreterin der kurdischen Freiheitsbewegung. Da der HDP ein Verbot durch das Verfassungsgericht drohte, hatten die Kurd:innen die Partei der Grünen Linken gegründet – dies, um ein Verbot notfalls umgehen zu können.

Die kurdischen Stimmen sind entscheidend

Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Demokratie sind in der Türkei auf dem Nullpunkt angelangt, seit das «Präsidialsystem türkischer Prägung» herrscht, das am 16. April 2017 per Referendum angenommen wurde und am 9. Juli 2018 in Kraft trat. Doch die grösste Krise liegt aktuell in der Wirtschaft. Die massive Rezession hat dazu geführt, dass Erdoğan stark an Unterstützung verloren hat.

Unter diesen Bedingungen ist es für Erdoğan nahezu unmöglich, 50 Prozent der Stimmen zu erhalten. Es ist jedoch auch davon auszugehen, dass auch Kemal Kılıcdaroğlu, der Kandidat der Millet-Allianz, keine 50 Prozent der Stimmen erhalten wird. Aus diesem Grund wurde mit grosser Spannung erwartet, ob die kurdische Partei HDP, die etwa 15 Prozent der Stimmen auf sich vereint, einen eignen Kandidaten aufstellt. Allen war klar, dass die kurdischen Stimmen den Sieger dieser Wahl bestimmen würden.

Ende April gab die HDP bekannt, dass sie auf eine eigene Kandidatur verzichtet und stattdessen Kemal Kılıçdaroğlu unterstützt, um den Weg für ein Mindestmass an Demokratie in der Türkei zu ebnen. Die HDP stimmt in Bezug auf Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, die Freiheit der Frauen und wirtschaftliche Gerechtigkeit mit dem Oppositionskandidaten überein. Ein weiteres bedeutendes Thema für die HDP ist die demokratische Lösung der kurdischen Frage. Auch Kılıçdaroğlus Partei CHP hat in letzter Zeit geäussert, dass diese Frage mit einem neuen Geist im Parlament gelöst werden könne. So ist davon auszugehen, dass die kurdischen Stimmen nicht an Erdoğan, der die kurdische Bevölkerung seit Jahren brutal unterdrückt, sondern an Kemal Kılıçdaroğlu gehen.

Zweifellos verspricht eine Abwahl Erdoğans weder für die Kurd:innen noch für die Türkei den Himmel – doch um die Tore der Hölle zu schliessen, werden sie Kemal Kılıçdaroğlu unterstützen. Erdoğan, dem die kurdische Unterstützung für Kılıçdaroğlu einen Strich durch die Rechnung macht, hat nun seine gesamte Wahlpropaganda auf dieses Thema fokussiert, um sich die Unterstützung der türkischen Nationalisten zu sichern. Seinen Konurrenten Kemal Kılıçdaroğlu bezeichnet er als den «Kandidaten der Terroristen».

Der Weg des CHP-Vorsitzenden Kemal Kılıçdaroğlu zum Präsidentschaftskandidaten war angesichts seiner kurdischen und alevitischen Herkunft ein schwieriger. Da die Millet-Allianz davon ausging, dass er die Stimmen der Religiösen und türkischen Nationalisten nicht bekommt, stellte sie ihm Ekrem İmamoğlu, Bürgermeister von Istanbul, und Mansur Yavaş, Bürgermeister von Ankara, aus dem türkisch-nationalistischen Lager als Vizepräsidenten zur Seite. Auf den Wahlkundgebungen treten die beiden nun überall in dieser Rolle auf und es scheint, dass die Strategie aufgeht: Vor allem in Zentralanatolien und den Schwarzmeerregionen, wo der Nationalismus stark ausgeprägt ist, hat die Allianz mit Ekrem İmamoğlu und Mansur Yavaş für einen sichtbaren Vorteil gesorgt.

Eine Wahl mit historischer Bedeutung

Erdoğan, seit 2003 an der Macht, ist es mit der Durchsetzung seines «präsidialen Regierungssystems» gelungen, alle Institutionen des Staates unter seine Kontrolle zu bringen. Wenn er und die radikalen türkischen Nationalisten die Wahlen gewinnen, wird sich sein autoritäres Regierungssystem weiter verfestigen und Erdoğan, der mit seiner derzeitigen Machtposition noch immer nicht zufrieden ist, wird sich zu einem starken Diktator im Nahen Osten entwickeln. Darum sind die Wahlen am 14. Mai nicht nur für die Türkei, sondern auch für den Nahen Osten und Europa von grösster Bedeutung.

Die Wahl findet in der Atmosphäre eines kritischen Referendums statt. Es ist eine Schicksalswahl zwischen Erdogan, der die Türkei seit 20 Jahren autoritär regiert, und der Opposition, die – wenn auch in schwacher Form – Demokratie verspricht. Es geht also um die zukünftige Regierungsform der Türkei. Und am gleichen Tag wird nebst dem Präsidenten auch das Parlament neu gewählt. Insgesamt 64 Millionen Wähler:innen, 60 Millionen in der Türkei und 3 Millionen im Ausland, beteiligen sich an den Wahlen.

Die meisten Umfragen sehen Erdoğan aktuell ein paar Punkte im Rückstand. Das Blatt scheint sich zu Gunsten von Kemal Kılıçdaroğlu zu wenden. Allerdings ist es nicht unwahrscheinlich, dass ein zweiter Wahlgang stattfindet, wenn keiner der Kandiaten über die 50 Prozent kommt. Um dies zu verhindern, mobilisiert die Opposition all ihre Kräfte. Auch Erdoğan und seine Anhänger haben angesichts einer drohenden Niederlage bereits mit Provokationen begonnen. Seit Tagen bezeichnet Erdoğan die Opposition als eine «Allianz aus Terroristen und ausländischen Mächten» und erklärt, dass er eine Wahlniederlage als Staatsstreich betrachten wird.

Diese Rhetorik hat die Sorge bei allen Beteiligten weiter geschürt, dass Erdoğan das Wahlergebnis nicht akzeptieren wird. Und tatsächlich mehren sich die Anzeichen dafür. Am 7. Mai wurden Ekrem İmamoğlu, Vizepräsidentschaftskandidat der Opposition, und sein Publikum von Erdoğan-Anhängern in Erzurum, einer Hochburg des Konservatismus und Nationalismus, bei einer Kundgebung mit Steinen angegriffen. Dieser Angriff fand unter den Augen der Polizei statt. Ekrem Imamoglu musste den Ort verlassen. Sein Bus wurde verfolgt, die Leute  riefen «verbrennt den Bus!».

Die Sorgen sind also durchaus berechtigt. Was wird passieren, wenn Erdoğan in der Wahlnacht verliert? Wird er seine Anhängerschaft auf die Strasse rufen, um Chaos zu stiften? Und wenn es zu einem zweiten Wahlgang kommt, zu welchen Tricks und welchen Schikanen wird er mit seinen diktatorischen Vollmachten greifen? Fest steht: Die Nacht des 14. Mai ist von historischer Bedeutung.

Ronî Riha, 1982, ist kurdischer Journalist, schreibt vor allem über die kurdische Frage. Er lebt seit 2016 in der Schweiz. 2014 war er in Rojava und erlebte den Angriff des IS auf Kobanê.

Kunst­ki­osk trifft Nacht­klub 

Der St.Gal­ler Kunst­ki­osk wird fünf­zehn Jah­re alt. Ge­fei­ert wird das mit ei­ner Ju­bi­lä­ums­aus­stel­lung im ehe­ma­li­gen Tif­fa­ny Night Club. Die Ver­nis­sa­ge ist am 12. Sep­tem­ber. Sai­ten hat schon vor der Er­öff­nung vor­bei­ge­schaut.

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Ein tem­po­rä­res Kunst­haus am Ro­ten Platz

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Das Schö­ne an der Pro­vinz

St.Gal­len und Lu­zern ha­ben mehr ge­mein­sam, als man zu­nächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Sai­ten-Re­dak­ti­on in St.Gal­len un­ter­wegs.

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Von St.Gal­len bis nach Süd­afri­ka. Ein Ost­schwei­zer Ehe­paar reist im Land­ro­ver De­fen­der um die Welt. Ih­re Er­leb­nis­se hal­ten die Bau­mel­ers mit ei­ner Ka­me­ra fest. Nun er­scheint ihr Film Im­mer wei­ter in Ost­schwei­zer Ki­nos – ei­ne ehr­li­che Do­ku­men­ta­ti­on, der ei­ne Ein­ord­nung gut ge­tan hät­te.

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«Open House St.Gallen»

Of­fe­ne Tü­ren – tie­fe Ein­bli­cke

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Zeit­rei­se zu den An­fän­gen der Schul­bil­dung

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Ein Rück­blick auf die ver­ges­se­ne Künst­le­rin Mag­gy Mau­ritz

Das Küefer-Mar­tis-Hu­us in Rug­gell wid­met sich in ei­ner Re­tro­spek­ti­ve der Wie­der­ent­de­ckung ei­ner völ­lig über­se­he­nen Künst­le­rin: Mag­gy Mau­ritz war ei­ne Pio­nie­rin der Graf­fi­ti­kunst und des Lett­ris­mus.

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Nach Jahr­zehn­ten tref­fen sich Eva und Franz wie­der. Bei­de im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter. Viel ist pas­siert und doch ist da noch Zu­nei­gung. Schwind­lig heisst der neue Ro­man der Ost­schwei­zer Au­torin Chris­ti­ne Fi­scher, in dem viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re auf fei­nes Sprach­ge­fühl tref­fen. 

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Neu­start für Me­ter und Off­cut

Die­ses Wo­chen­en­de er­öff­net die of­fe­ne Werk­statt Me­ter den neu­en Stand­ort an der Burg­stras­se. Und im No­vem­ber zü­gelt Off­cut nach St.Fi­den. Das ist der An­fang vom En­de der Ge­mein­schaft «Ul­men5» – zu­min­dest in ih­rer bis­he­ri­gen Form. Denn 2027 könn­te es zur teil­wei­sen Wie­der­ver­ei­ni­gung kom­men.

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Ei­ne neue SRF-Se­rie por­trä­tiert ei­ne elf­köp­fi­ge WG aus St.Gal­len. End­lich wie­der mal ei­ne se­hens­wer­te SRF-Pro­duk­ti­on, fin­det Sai­ten-Au­tor An­di Gi­ger.

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St. Gal­len schlägt sich am En­de auch selbst und muss den Traum von Eu­ro­pa be­gra­ben. Ent­schei­dend war er Platz­ver­wei­se ge­gen Mihai­lo Steva­no­vic vor der Pau­se.

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Senf
Heftvorschau 09/26
Luzern Winti St.Gallen, Neonazipfarrer, A(nita) bis Z(immermann)

Drei Kul­tur­ma­ga­zi­ne tun sich zu­sam­men, ver­glei­chen ih­re Städ­te und die Her­aus­for­de­run­gen, de­nen die Kul­tur ge­gen­über­steht. Sai­ten hat die Kol­leg:in­nen vom «Coucou» in Win­ter­thur be­sucht und das «Null41» war in St.Gal­len zu Be­such. Aus­ser­dem im Sep­tem­ber­heft: lau­ter Ju­bi­lä­en – von Ani­ta Zim­mer­mann über das Fi­gu­ren­thea­ter bis zur Mu­se­ums­nacht –, ein Pfar­rer auf brau­nen Ab­we­gen, ei­ne Fla­schen­post aus Af­gha­ni­stan und ein In­ter­view zum Hit­ze­som­mer und dem Kli­ma­wan­del.

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Mehr Di­ver­si­tät, mehr Durch­mi­schung

An sei­ner ers­ten Pres­se­kon­fe­renz als Lei­ter der St.Gal­ler Kel­ler­büh­ne schil­dert Hü­sey­in Cir­pi­ci sei­ne Ein­drü­cke der Stadt und ver­rät, was das Pu­bli­kum un­ter sei­ner Re­gie er­war­tet.

Von  Daria Frick
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Him­mels­stür­mend und oh­ren­be­frei­end

Der St.Gal­ler Kom­po­nist Charles Uz­or hat ei­ne Art po­li­ti­sches Ora­to­ri­um ge­schrie­ben. Am Sonn­tag wur­de es in der Kir­che Tro­gen auf­ge­führt: The Gre­at Wall. A La­by­rinth mit dem gran­dio­sen New Yor­ker Vo­kal­ensem­ble Ek­me­les.

Von  Peter Surber
Charles Uzor photo Michel Canonica

Ma­schi­nen­in­tel­li­genz trifft den Ton, aber nicht die Mu­sik

An den Ap­pen­zel­ler Bach­ta­gen er­klär­te die Me­di­en­wis­sen­schaft­le­rin Mer­ce­des Bunz, wes­halb die künst­li­che In­tel­li­genz krea­tiv sein kann – und war­um sie den­noch grund­le­gend an­ders ar­bei­tet als der Mensch. 

Von  Philipp Bürkler
Bachtage ki und musik 1

Kunstausstellung

Kunst öff­net Tü­ren

Von  Vera Zatti
Arthur Stobete nah