2012: Linksrutsch: Links-Grün und GLP legen neun Mandate zu, auf Kosten vorallem von SVP und CVP.
2016: Rechtsrutsch: Die Grünliberalen verlieren drei Mandate, Links-Grün kann seine Sitze halten, SVP und FDP erobern aber die absolute Mehrheit auf Kosten der Kleinparteien.
Und jetzt 2020: Die Grünen erobern zwar 4 Sitze mehr, erreichen ihr Ziel: Fraktionsstärke und sogar mehr: 9 statt der erhofften 7 Sitze. Die GLP legt auch um 4 Sitze zu. Die SP verliert dafür Stimmen und 2 Sitze. Hauptverliererin ist zwar die SVP mit dem Verlust von 5 Mandaten – sie bleibt aber klar stärkste Partei im Kanton. Gewählt wurde mehr Mitte: Die CVP legt leicht zu, die EVP taucht nochmal aus der Versenkung auf. Die FDP schwächelt. Sieht so Veränderung aus? Was war das jetzt für eine Wahl?
Ein «genialer» Tag für die Grünen
Für Thomas Schwager, Parteipräsident der Grünen war es «ein guter Sonntag – und das ist nur der Vorname», sagt er. 9 Sitze seien «genial», die Verluste der SP zwar schmerzlich, «aber insgesamt hat Links-Grün zugelegt». Das Argument, die bürgerliche Mehrheit im Parlament sei weiterhin massiv, lässt Schwager gelten – aber Politik heisse, auch mit kleinen Schritten weiterzukommen. «Die SVP hat 5 Sitze verloren, das ist schon mal erfreulich.»
Und wie steht es um die Zusammenarbeit mit den Grünliberalen, die ihrerseits stark zugelegt haben? Vor vier Jahren wollte die GLP nichts mit den Grünen am Hut haben und bildete mit der CVP eine Fraktion. Gespräche seien von Seiten der Grünen nicht vorgesehen, winkt Schwager ab – mit wem die GLP (mit 6 Sitzen unterhalb der Fraktionsstärke) jetzt zusammenarbeiten wolle, sei deren Problem.
«Man traut den Grünen mehr zu»
Immerhin 6 Sitze mehr im linken und grünen Spektrum und starke Verluste bei der klimaresistenten SVP: War das doch eine Klimawahl? Franziska Ryser, im Herbst neugewählte Nationalrätin der Grünen, zögert am Telefon. Das St.Galler Resultat führe, wenn auch abgeschwächt, zumindest den Trend vom Herbst weiter, sagt sie. Im St.Galler Wahlkampf hätten zwar andere Schwerpunkte, Sozial- und Gesundheitspolitik, dominiert. Das Klima bleibe aber Topthema, «gerade auch in diesem Winter ohne Schnee».
Ryser sieht den Wahlerfolg darüber hinaus als Indiz dafür, dass den Grünen auch in St.Gallen zugetraut wird, ein breites Themenspektrum und also auch andere als Umweltfragen aus einer fortschrittlichen Sicht zu bearbeiten. Die eigene Fraktion und das überraschend gute Abschneiden der grünen Regierungskandidatin: Das sei insgesamt «ein sehr erfreulicher Sonntag», bilanziert Ryser.
Frauenwahl – und Schläge für die Männer
Regional fällt auf: In den ländlichen Wahlkreisen war dieser 8. März eine Wahl des Beharrens auf dem Bisherigen; die Verschiebungen sind minimal. Etwas mehr Bewegung gibt es in den Städten: Die zweitgrösste Agglomeration See-Gaster gibt Grün und GLP zwei zusätzliche Sitze auf Kosten von SVP und FDP. Und verstärkt den Frauenanteil kräftig. In Wil gewinnen Grüne, Grünliberale und CVP je einen Sitz auf Kosten der drei anderen Parteien. Auch hier: mehr Frauen. In St.Gallen verlieren die vier «Grossen» je einen Sitz, die GLP gewinnt 2, die Grünen und die EVP je einen hinzu.
A propos 8. März: Wer an diesem Wahltag parteiübergreifend das Nachsehen hatte, waren die Männer. Mit Susanne Hartmann hat eine CVP-Frau die Wahl in die Regierung im ersten Wahlgang geschafft. Und die CVP-Frauen waren auch sonst gut unterwegs, etwa in den Wahlkreisen Wil und See-Gaster. Frauenwahl auch bei den Grünen (in Rorschach, St.Gallen und See-Gaster). Und ganz massiv bei der SP in St.Gallen: Ihre Frauenliste triumphiert mit vier Sitzen, bei der Männerliste werden gleich drei Bisherige weggewählt, darunter mit Etrit Hasler und Max Lemmenmeier zwei markante Figuren, deren Fehlen man nur bedauern kann. Abgewählt wurden auch anderswo, in Rorschach, in Wil oder im Werdenberg durchwegs Männer. Der Frauentag wurde zur Frauenwahl.
Desinfiziert in die neue Legislatur
Noch stärker als die erfolgreichen Frauen aber sind die Security-Leute, die dem Publikum wegen Corona ab 16 Uhr den Weg in das Wahlzentrum im Pfalzkeller versperrten, das passende Sinnbild dieser Wahl. Die Stimmbeteiligung war tief, Inhalte wurden im Vorfeld der Wahl kaum diskutiert, und erst recht nicht mehr in den letzten paar Wochen, wo Covid-19 alle anderen Themen komplett nebensächlich werden liess.
Dass es eine Zeit nach der Virusaufregung geben wird, eine Zeit, in der der Kanton St.Gallen dringend eine ökologisch und sozial nachhaltige Politik braucht: Das wird die Bevölkerung (inklusive die schweigende Zweidrittel-Mehrheit der Nicht-Wählenden) vielleicht nach dem Erwachen aus dem durchzogenen Traum dieser Kantonsratswahl erst nach und nach merken.
(Bild: St.Galler Tagblatt)
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.
Jim Dine gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstler:innen. Seit ein paar Jahren erschafft er seine Skulpturen vornehmlich im Sittertal. In die Kunstgiesserei verliebte sich der Pop-Art-Pionier bei seinem ersten Besuch vor fast 20 Jahren.
Alles deutet drauf hin, dass die Uni St.Gallen demnächst in den bisherigen Hauptsitz der Helvetia-Versicherung, geplant vom Basler Architekturbüro Herzog und de Meuron, als zweiten grossen Standort auf dem Rosenberg einziehen kann. Zusätzlich ist ein Holzbau mit Seminarräumen in Planung.
Der FC St.Gallen zeigt sich gegen Sheriff Tiraspol von seiner besten Seite und gewinnt das Spiel nicht nur souverän, sondern auch hoch mit 5:1. Weiter geht's im Playoff gegen den FC Nordsjælland aus Dænemark.
Jubiläum
Durch bunte Galaxien bis in ein Meer aus Katzenstreu. Die Ausstellung «Hinter’m Mond» vom Künstler:innenkollektiv U5 und Monika Stalder im Stellwerk in Heerbrugg lädt zu einer intergalaktischen Reise ein.
Die Ostschweizer Band Drill bringt mit Catharsis eine neue EP raus. Die sechs Songs sind ein wilder Ritt auf schweren Gitarrenriffs, bei dem Metalcore auch mal auf Hyperpop trifft.
Bis zum Ende der Sommerferien präsentiert Saiten wöchentlich Kulturtipps aus der Region. Teil 7: Rathausoper Konstanz, Charles Uzors The Great Wall. A Labyrinth, Clanx-Festival und Rundgänge zu Wiboradas Schwestern.
Gegen dieses Luzern müsste der FC St.Gallen eigentlich drei Punkte einfahren. Zum Schluss muss er aber froh sein, dass es immerhin einer wird. Der Ausgleich gelingt erst weit in der Nachspielzeit per Penalty. Das Spiel zum Nachlesen im SENF-Ticker.
Herbert Rauch (1929–2012) war Briefträger und Künstler. In den Schwarz-Weiss-Fotografien des Rankweilers erscheinen Objekte wie Steine und Federn als abstrakte, grafische Gebilde. Nun ist ein Fotoband zu seinem Spätwerk erschienen, und im Schauraum René Dalpra in Altach sind seine Arbeiten ausgestellt.
Eine Bundesrätin, mehrere Nationalrät:innen und die Politrapper der Stunde: Alle kommen sie aus der Kleinstadt Wil. Eine Erkundung vor den Lokalwahlen.
Eines der vielen Gebäude des Sitterwerks, die vor genau 100 Jahren erbaute Schwarzfärberei, beherbergt heute die Kunstbibliothek und die Materialmusterschränke. Eine Aufstockung soll künftig mehr Platz schaffen.