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«Wie wäre es, wenn die Fifa-Räte auf ihre 250’000 Dollar Lohn verzichten würden?»

Alexander Koch war jahrelang stellvertretender Kommunikationschef bei der Fifa. Ein Gespräch über Korruption und Macht im Fussballzirkus, nachhaltige Stadionbauten und Frauenfussball. von Michèle Kalberer
Von  Gastbeitrag
Alexander Koch wurde vor elf Jahren stellvertretender Kommunikationschef der Fifa. Im vergangenen Frühling musste er seinen Posten überraschend räumen. (Bild: pd)

Saiten: Sie haben 18 Jahre lang für den Fussballweltverband Fifa gearbeitet – eine lange Zeit.

Alexander Koch: Das war eine lange, aber abwechslungsreiche und verdammt schöne Zeit!

Warum wurden Sie entlassen?


Den genauen Grund für meine Entlassung habe ich nie erfahren. Ich kann mir vorstellen, dass unter anderem auch meine Rolle als Firmensprecher und Vertreter der «alten» Fifa, also der Fifa unter Sepp Blatter, eine Rolle gespielt hat. Der jetzige Fifa-Präsident Gianni Infantino, so scheint es zumindest, will sich von allem verabschieden, was an die alte Blatter-Ära erinnert.

Hand aufs Herz, hat Ihnen der Job bei der Fifa Spass gemacht?

Der hat extrem Spass gemacht! Ich musste nie etwas sagen, was ich nicht sagen wollte und konnte mich immer mit meiner Aufgabe bei der Fifa identifizieren. Natürlich musste man manchmal diplomatisch vorgehen und sich überlegen, wem man was wie sagt.

Was meinen Sie damit?


Generalsekretär Jérôme Valcke wurde wochenlang von den Medien auseinandergenommen, als er einräumte, dass es einfacher sei, eine WM in einem diktatorischen als in einem demokratischen Land zu organisieren. Ich stimme ihm da zu. Er bewertet ja nicht die Staatsform als solche, sondern will nur erklären, dass es einfacher ist, eine WM in einem Land zu organisieren, in dem nur eine Person die Entscheidungen trifft. In einer Demokratie gibt es unzählige Abstimmungsprozesse, wodurch sich alles verzögert. Die Folgen solcher Äusserungen muss man natürlich vorausdenken. Schnell heisst es, man befürworte Diktaturen.

Warum ist der Fussball skandalträchtiger als andere Sportarten?

Ich glaube nicht, dass Fussball skandalträchtiger ist als andere Sportarten. Aber er ist mit noch mehr Emotionen und noch mehr Geld verbunden, und darum sprechen mehr Leute häufiger und engagierter über Skandale im Fussball als in der Leichtathletik, dem Radsport oder beim Gewichtheben. Je mehr Geld im Spiel ist, desto mehr Neid und Korruption gibt es. Sport steht für die meisten für das genaue Gegenteil davon, nämlich dafür, dass man sich über alle sozialen, religiösen oder sonstigen gesellschaftlichen Grenzen hinweg nach fairen und gerechten Regeln messen und vergleichen kann. Wenn jetzt Sport mit Geld, Gier und Korruption in Verbindung gebracht wird, werden die Grundwerte des Sports zerstört – worüber man sich zu Recht aufregen darf.

Die Fifa macht regelmässig Schlagzeilen, weil sie Events in Ländern organisiert, die immer wieder bezüglich der Achtung der Menschenrechte kritisiert werden. Damit macht sie sich angreifbar.

Ja, das ist ein schwieriges Thema. Kann oder sollte der Sport sich komplett aus der Politik raushalten? Wenn nicht, wo sollte er sich engagieren und wie? Das WM-Veranstalterland steht von dem Moment an im medialen Zentrum, in dem es den Zuschlag bekommen hat. Aus meiner Sicht sind es vor allem die negativen Themen, die die öffentliche Aufmerksamkeit bekommen und viele davon werden, wie ich finde, oft zu Unrecht mit der WM und der Fifa in Zusammenhang gebracht. So war es mit Zwangsumsiedlungen in brasilianischen Städten und so ist es mit der Situation der Arbeiter auf Baustellen in Katar. Unabhängig davon, wer verantwortlich ist oder nicht: Es entsteht zumindest ein Diskurs und positive Veränderungen werden möglich. Heute kann ich behaupten, dass sich die Arbeitsbedingungen in Katar wegen der WM klar verbessert haben. Und mit Blick auf die Zukunft hat die Fifa nun auch Themen wie Nachhaltigkeit, Menschenrechte und andere Aspekte in den Ausschreibekriterien für künftige Weltmeisterschaften berücksichtigt.

Allerdings erst, nachdem Menschenrechtsorganisationen wie Human Rights Watch die Fifa scharf kritisierten und international Druck ausgeübt wurde. Sie behaupten, der Weltfussballverband wolle in den Gastgeberländern quasi Entwicklungshilfe leisten.

Nein, das behaupte ich nicht. Es kann und sollte nicht die Aufgabe der Fifa sein, politische Themen oder Probleme lösen zu wollen. Die Fifa soll sich auf den Fussball konzentrieren, und wenn dieser weiterhin gefördert wird und Jungen sowie Mädchen die positiven Werte des Fussballs vermittelt bekommen, dann trägt der Sport seinen Teil dazu bei, gesellschaftliche Veränderungen herbeizuführen.

Alexander Koch, 1967, hat fast seine ganze Karriere dem Fussball gewidmet. 1999 fing er bei der ISL-Sports Marketing an, 2001 dann der Wechsel zur Fifa. Vor elf Jahren wurde
 der gebürtige Bremer stellvertretender Kommunikationschef des Weltfussballverbands, bis er im vergangenen Frühling überraschend seinen Posten räumen musste.

Dann macht die Fifa einfach im Nachhinein Schadensbegrenzung?

Das war vielleicht früher so, hat sich aber in den letzten Jahren zunehmend geändert. Es gibt keinen anderen Sportverband, der so viel Macht hat wie die Fifa, um Druck auf die Veranstalterländer auszuüben. Neuerdings stellt sie beispielsweise strengere Bedingungen für zukünftige Ausschreibungen von Weltmeisterschaften. Für 2026 fordert die Fifa ein ganzheitliches Nachhaltigkeitskonzept für die drei Bereiche Ökonomie, Soziales und Umwelt. Das reicht von den Bedingungen der Arbeiter auf den Baustellen über das Abfall- und Energiekonzept bis zu einem nachhaltigen Merchandising der Sponsoren.

Die Fifa bemüht sich auf der einen Seite um ein nachhaltiges Konzept, auf der anderen Seite streichen ihre Manager horrende Löhne ein. Wie geht das eine mit dem anderen zusammen?

Zum einen ist das eine moralische Diskussion darüber, ob ein Lohn in Millionenhöhe überhaupt gerechtfertigt sein kann. Zum anderen stellt sich mir die Frage, warum sich niemand daran stört, wenn der Chef eines Unternehmens, das beispielsweise erfolgreich Gewaltvideospiele vertreibt, Millionen verdient, während der Chef einer karitativen Organisation kein solches Gehalt bekommt. Mit anderen Worten: Nachhaltigkeit und hoher Lohn sind für mich kein Widerspruch.

Viel mehr beschäftigt es mich, wenn aus Gründen der Korruption Gelder verschwinden oder die Kosten für eine WM oder Fussballentwicklungsprojekte in die Höhe schnellen. Die Fifa versucht, Korruption immer wieder zu bekämpfen. Man muss aber bedenken, dass der Verband in über 200 Ländern aktiv ist. Korruption ist ein sehr weit verbreitetes Phänomen und nicht spezifisch mit Fussball verbunden. Sie durchdringt ganze Gesellschaften bis hin in die höchsten politischen Ämter. Daran kann die Fifa nichts ändern.

Sie könnte Vertragsabschlüsse besser kontrollieren.


Die Fifa kann nur die Gelder kontrollieren, die sie selber verteilt. Wenn etwa Stadien oder Strassen für eine WM gebaut werden, hat das per se nichts mit der Fifa zu tun, weil das Geld dafür nicht von ihr kommt. Die Verantwortung liegt bei den Staaten, die Korruption zu unterbinden – sofern sie das denn wollen, profitieren doch gerade die Leute an den Schalthebeln von ihr. Die Korruption zu bekämpfen geht meiner Meinung nach nur mit einer harten Gesetzgebung, die Menschen, die in korrupte Machenschaften involviert sind, konsequent zur Rechenschaft zieht.

Heisst das, dass die Fifa das Spiel ihrer korrupten Mitgliederstaaten einfach mitspielt?

In der Vergangenheit hat man sich nach meinem Gefühl zu wenig klar und deutlich gegen korrupte Mitgliedsverbände gewehrt und zu viel durchgehen lassen. Inzwischen hat die Fifa aber unabhängige Kontrollorgane geschaffen, die sehr konsequent durchgreifen. Ich hoffe, dass sich daran auch in Zukunft nichts ändert.

Bei ganz sensiblen Themen, wie etwa der Vergabe der Fifa-WM, sollte man über grundsätzliche Änderungen am System nachdenken, damit die Anfälligkeit für Korruption möglichst gering ist. Heute können die 211 Mitgliedsverbände – von denen rund ein Drittel kaum eine reelle Chance hat, jemals an der WM teilzunehmen – völlig frei und ohne die Qualität der Bewerbung mit zu berücksichtigen darüber entscheiden, welchem Bewerberland sie ihre Stimme geben. Aus meiner Sicht gibt es hier zu viel Raum für Politik und Korruption. Vorschläge für alternative WM-Vergabeverfahren liegen bereits vor. Bei einem «gewichteten Losverfahren» etwa würde der objektiv bessere Bewerber eine grössere Chance haben und gleichzeitig würde dieses Zufallselement die Korruption bestenfalls verunmöglichen.

Erhält man als Land die Austragung der Cashcow WM, erhofft man sich nachhaltige finanzielle Vorteile. Allerdings sind
 mit dem Stadionbau oft langfristige Unterhaltskosten verbunden. Gäbe es Alternativen für eine nachhaltigere WM?

Eigentlich dürfte kein Stadion gebaut werden, das nicht nachhaltig genutzt wird. Kein Land wurde gebeten, zwölf Stadien bereitzustellen. Man hätte auch mit zehn oder neun Stadien die WM veranstalten können. All das, was ausschliesslich für die WM benötigt wird, sollte mit temporärer Infrastruktur abgedeckt werden. Eine Medientribüne für 3000 Journalisten zum Beispiel braucht man nie wieder. Der Auf- und Abbau kostet zwar auch viel Geld, verursacht aber keine zukünftigen Kosten. Leider entscheiden sich viele Städte oft gegen die langfristig günstigere Variante, weil sie für temporäre Infrastrukturmassnahmen keine Gelder vom Staat oder der EU bekommen. Griechenland etwa hat für die Olympischen Spiele seinen Flughafen teuer ausgebaut und dafür viel Geld von der EU bekommen. Wären es temporäre Ausbauten gewesen, hätten die Griechen selbst dafür aufkommen müssen. Jetzt haben sie permanente Kosten – was auf lange Sicht völliger Blödsinn ist!

Wer profitiert letztlich am meisten von einer WM?


Rein finanziell profitiert auf jeden Fall die Fifa und damit der Fussball, weil der Verband den Überschuss für andere Weltmeisterschaften wie etwa jene der Frauen oder der Junioren verwendet oder für die Entwicklung des Fussballs in den Mitgliedsverbänden. Ob die Sponsoren profitieren, hängt davon ab, wie erfolgreich ihre Marketingstrategie war. Adidas beispielsweise hat von der WM 2006 in Deutschland sensationell profitiert durch sein Merchandising. Was das Land oder die Stadt betrifft, gibt es bis heute keinen Nachweis dafür, dass ein Grossanlass insgesamt zu Mehreinnahmen für einen Veranstalter führt. Es gibt viele Beispiele von WM-Städten, in denen Hotelbuchungen, Restaurantumsätze oder das Merchandising im Fussballsektor gestiegen sind. In Randregionen und anderen Sektoren kann es hingegen zu Umsatzrückgängen kommen. Man muss daher die gesamte Wirtschaft eines Landes im Verhältnis zu den Vorjahren betrachten und dann nivelliert sich der positive WM-Effekt häufig wieder.

100 Millionen Dollar, so viel können Austragungsländer seit der WM in Südafrika 2010 zusätzlich von der FIFA beantragen, um soziale Fussballprojekte zu fördern. Blickt man nach Brasilien, wäre das Geld besser in die Abfederung sozialer Nebeneffekte des Grossevents geflossen. Immerhin litten Teile der Bevölkerung stark unter der WM 2014. In deren Vorfeld kam es zu grossen Protesten.

Die Bevölkerung in Brasilien leidet in erster Linie unter der Korruption in der Politik. Seit vielen Jahren füllen sich die Politiker ihre Taschen und leben in Saus und Braus, während das Geld für die öffentliche Bildung, das Gesundheits- und das Transportwesen fehlt. Die Bevölkerung hatte die Schnauze voll von dieser Selbstbedienungsmentalität, und als dann auch noch die Kosten für die öffentlichen Busse um ein paar Cents angehoben wurden, lief das Fass über und die Menschen gingen, zurecht wie ich finde, auf die Strassen. Zudem wurde gerade deutlich, dass der Staat seinen Anteil an den Kosten der WM nicht, wie versprochen, ausschliesslich aus privaten Mitteln bereitstellen kann, was den allgemeinen Unmut der Steuerzahler nun auch gegen die WM richtete.

Die Fifa hat sowohl in Südafrika wie auch in Brasilien 100 Millionen Dollar für soziale Fussballprojekte zur Verfügung gestellt. Projekte also, in denen weniger der Fussball als vielmehr soziale Entwicklung, Bildung oder auch Zugang zu gesundheitlicher Grundversorgung im Vordergrund stehen. Das Geld dafür dem Staat zu geben und zu hoffen, dass dieser solche Projekte umsetzt, halte ich, gerade aus den soeben erwähnten Gründen, nicht für ratsam.

Warum wurde ein Teil der zusätzlichen Millionen in Südafrika zunächst eingefroren?

Wenn die Antragssteller die geforderten Bedingungen nicht erfüllen, kommen sie auch nicht an das Geld ran. Die Fifa will sicherstellen, dass das Geld auch korrekt verwendet wird und nicht in irgendwelchen dubiosen, angeblich sozialen Projekten versickert. Sie haben doch vorhin von der Fifa verlangt, die Geldflüsse besser zu kontrollieren. Genau das hat sie mit den Geldern für die Projekte in Südafrika gemacht. Nach 18 Monaten hatten wir noch keinen einzigen Antrag bekommen, weil unsere Anforderungen jegliche Art der Vetternwirtschaft ausschliessen. Da sieht man dann, wie wichtig diese sozialen Projekte den Entscheidungsträgern im WM-Land wirklich sind. Eine ähnliche Erfahrung haben wir auch in Brasilien gemacht. Aber das Geld verschwindet nicht, es gibt gute Zinsen und somit können damit noch mehr Projekte angeschoben und finanziert werden.

Einige Entwicklungsprojekte zugunsten des Frauenfussballs hat die Fifa mit den Entlassungen von Frauenfussballdirektorin Tatjana Haenni und Mayi Cruz Blanco, der Entwicklungsbeauftragten für den Frauenfussball, auf Eis gelegt. Bleiben die Fussballerinnen auf der Strecke?

Das glaube ich nicht. Aber die Anforderungen an die Verbände, die Gelder zu bekommen, sind gestiegen, und da einige Verbände die Anforderungen der Fifa noch nicht erfüllen, bleiben derzeit relativ viele Projekte auf der Strecke. Es braucht einfach ein bisschen Zeit und dann fliessen die Gelder wieder – auch zur Förderung des Frauenfussballs.

Hat es nicht auch damit zu tun, dass Frauenfussballevents weniger lukrativ sind?

Natürlich ist der Frauenfussball noch weniger lukrativ – weil er noch nicht die gleiche Akzeptanz geniesst und in den Clubs oft weniger Fördergelder für Mädchen bereitgestellt werden. Das ist unter anderem ein gesellschaftliches Problem. Es gibt Länder, in denen die Mädchen mit Beginn der Pubertät aufhören müssen mit Fussballspielen, weil es gesellschaftlich oder von der Familie einfach nicht anerkannt wird, wenn Mädchen diesen Sport betreiben. Selbst in Deutschland war Frauenfussball ja bis Mitte der 70er-Jahre verboten. Er ist also noch eine relativ junge Sportart.

Sehen Sie bei den Frauen Leistungsunterschiede?


Was Geschwindigkeit und Kraft betrifft, spielen biologische Voraussetzungen natürlich eine Rolle. Frauen spielen verglichen mit den Männern einen weniger schnellen, weniger athletischen Fussball. Was allerdings die Technik anbelangt, stehen sie den Männern in nichts nach und auch was das Verhalten auf dem Platz betrifft, haben sie den Männern einiges voraus: Sie schinden weniger Zeit, geben nicht vor, schwer verletzt zu sein, um Sekunden später wieder über den Platz zu sprinten und verhalten sich insgesamt einfach mehr im Sinne von Fairplay.

Was halten Sie von Gianni Infantinos Plan, statt 250’000 Dollar pro Jahr fünf Millionen Dollar in vier Jahren an die Landesverbände auszuzahlen?

De facto ist das keine Erhöhung von einer Million auf fünf Millionen Dollar. Vorher gab es ein sogenanntes Financial Assistance Programm für die Landesverbände sowie zusätzliche Unterstützungsgelder in Form von Infrastrukturprojekten, Weiterbildungen und Kursen. Jetzt wird, rein rechnerisch, alles in einen Topf geschmissen. Zu behaupten, die Unterstützung der Verbände würden verfünffacht, ist Augenwischerei.

Es macht sich zumindest nicht schlecht, wenn man als Präsident wiedergewählt werden möchte.

Das kann man natürlich so interpretieren. Am Schluss kann die Fifa aber nicht mehr Geld ausgeben, als sie einnimmt.

Im letzten Jahr verbuchte die Fifa einen Verlust von 391 Millionen Dollar.


Von Verlusten kann man jetzt noch nicht sprechen. Die Fifa hat lediglich bei der Bilanzierung auf den neuen Standard (IFRS) umgestellt. Neu listet sie ihre Einnahmen aus Sponsorenverträgen nicht mehr auf vier Jahre verteilt auf, sondern konzentriert sie auf das vierte Jahr, weil dann die WM stattfindet. Ein vollständiges Bild erhält man erst nach Abschluss der Vierjahresperiode, also mit dem Finanzbericht des Jahres 2018.

Von der Erweiterung der WM von 60 auf 80 Qualifikationsspiele und 32 auf 48 Mannschaften erhofft sich die Fifa über 600 Millionen Dollar Mehreinnahmen.

Ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass insgesamt mehr Geld umgesetzt wird. Bei der WM selbst vielleicht schon, aber ich denke, dass das Interesse an den Qualifikationsspielen zurückgehen wird. Eine mögliche Folge wären sinkende Zuschauerzahlen, weniger Einnahmen für die Nationalverbände und dann der Blick zur Fifa, in der Hoffnung, dass die finanziellen Einbrüche von der Fifa kompensiert werden.

Was wünschen Sie der Fifa für die nächsten Jahre?


Ich wünsche mir, dass sie stärker nach aussen tragen kann, was sie für den Fussball macht und durch ihn bewirkt. Es gibt eigentlich keinen Grund, warum die Fifa nicht der beliebteste Arbeitgeber der Welt sein sollte – allerdings hat das Fehlverhalten führender Fussballfunktionäre die Stimmung innerhalb der Fifa stark beschädigt. Vorbildliches Verhalten auf allen Ebenen ist gefragt, um das Image und vor allem die Glaubwürdigkeit des Weltfussballverbandes wiederaufzubauen. Dafür braucht es starke Persönlichkeiten, denen das Wohl des Fussballs wichtiger ist als Macht und Prestige. Gesten von wahrer Grösse könnten dem Image der Fifa helfen.

Haben Sie einen konkreten Vorschlag?


Wie wäre es, wenn die Mitglieder des Fifa-Rates beschliessen würden, auf ihre 250’000 Dollar Lohn zu verzichten? Damit könnten sie ein Zeichen setzen, dass ihnen der Fussball wirklich am Herzen liegt und nicht das Geld.

Dieser Beitrag erschien im Novemberheft von Saiten.

Michèle Kalberer, 1992, ist St.Gallerin und macht derzeit ihren Master in Management, Organisation und Kultur an der Uni St.Gallen.

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