Kategorie
Autor:innen
Jahr

«Spitzenfussball ist kein Service public»

Aus dem Novemberheft: Daniel Kehl will trotz Machtkämpfen um den FCSG und Debatten um Transfermillionen die Politik aus dem Fussballbusiness heraushalten. Und dafür mehr für den Breitensport und die Vereine tun.
Von  Peter Surber , 
Die Stadion-Bilder zum November-Titelthema hat Till Forrer fotografiert.

Saiten: Daniel Kehl, du warst im Espenmoos zuhause, wo der FCSG gespielt hat, du gehst heute in die Arena, aber auch
ins Krontal zu Brühl und auf die Kreuzbleiche zum FC Fortuna. Wo wird der Fussball gespielt, der dir am meisten am Herzen liegt?

Daniel Kehl: Ich fühle mich an jedem Ort auf eine andere Art und aus anderen Gründen wohl. Bei Brühl gefällt mir die Durchlässigkeit im Stadion, ich kann mich frei bewegen, treffe meine Kollegen. Das Espenmoos ist aus Nostalgiegründen ein besonderer Ort. Es ist aufgeladen mit sehr vielen Erinnerungen.

Gute Erinnerungen?


Ja, mehrheitlich. Es ist meine Fangeschichte, alle Hochs und Tiefs, auf und neben dem Feld, gehören hier hin, fast alles daran ist «Espenmoos». In der neuen Arena habe ich mich aber auch eingelebt, obwohl sie einer der hässlichsten Orte von St.Gallen ist. Aber die gute Geschichte daran ist, wie sich die Leute einen solchen Ort trotzdem so zu eigen machen können, dass sie gerne da sind – um nicht das Wort «Heimat» zu gebrauchen. Das hat allerdings wiederum sehr mit dem sportlichen Erfolg zu tun.

Es funktioniert nur bei Erfolg?


Vor allem dann. Voraussetzung dafür ist, dass die Bindung zwischen Verein und Publikum eng ist. Und das geschieht leichter im Fall von Erfolgen. Es gab inzwischen einige denkwürdige Spiele in der Arena, unglaubliche Highlights.

Nämlich?


Auf der schönen Seite vor allem die Europacup-Kampagne 2013. Valencia, Moskau… niemand hatte damit gerechnet, und dann kommen plötzlich solche Mannschaften zu Besuch. Da fühlt man sich beschenkt. Und dann das Negative: der zweite Abstieg, der in der Arena Tatsache geworden ist, oder der Cup-Halbfinal gegen Lausanne, den man als haushoher Favorit verloren hat. Wobei zu sagen ist: Das Stadion funktioniert in der Euphorie wie in der Depression. Die Zürcher haben immer gesagt: Genauso ein Stadion wollen wir.

Daniel Kehl, 1962, ist Lehrer und Stadtparlamentarier in St.Gallen. 2002 bis 2006 hat er im Matchprogramm des FCSG die Fussballkolumne Hutter & Mock geschrieben, insgesamt 71 Folgen. 2004 erschien die Hälfte der Beiträge im Verlag Saiten als Buch, illustriert von Manuel Stahlberger.

Um auf die aktuellen Debatten um die FC-Führung zu kommen: Ist die Stimmung im Stadion nicht beeinträchtigt oder jedenfalls beeinflusst davon, wie der Klub geführt wird?

Das ist ein schwieriges Thema im Schweizer Spitzenfussball: Der sportliche Erfolg überdeckt tendenziell viele Missstände in der Vereinsführung oder in der finanziellen Situation der Klubs. So tickt der Fan: Er will Erfolg. Aber wenn der Misserfolg kommt, sucht er schon nach Gründen und fragt: Wie wird der Verein geführt, wie laufen die Geldflüsse, welche Interessen verfolgt die Vereinsleitung mit ihrem Engagement? Es sind Fragen, die sich jeder Organisation stellen: Wird sie professionell und zielgerichtet geführt, das heisst werden die Geldmittel sinnvoll und effizient eingesetzt? Fakt ist: In der Schweiz hat es keinen Sinn, in das Fussballgeschäft einzusteigen, wenn man Geld machen will. Das kann man vergessen. Man kann aber als Mäzen auftreten oder über den Fussball geschäftliche Verbindungen herstellen. Viele Geschäfte werden in einer Loge eingefädelt.

Du sprichst vom «Verein». Dieser ist aber wie alle grossen
Klubs eine AG und als solche vom Geld gesteuert, vom vorhandenen oder vom fehlenden.

Für die Mehrheit der Klubs ab der zweiten Liga interregional trifft es zu, dass Leute bereit sind, für den sportlichen Erfolg recht viel Geld in die Hand zu nehmen. Damit werden aber die wenigsten reich. Einige Hundert Franken im Monat verdient heute sogar ein Dritt- oder Viertliga-Spieler. Umgekehrt ist es eine Fantasievorstellung, dass ein Grossteil der Fussballer fünfstellige Gehälter bezieht.

Das heisst: Es werden Transfer- oder Lohn-Einzelfälle hochgespielt?

Der Regelfall ist jedenfalls anders. Ein Bekannter von mir, Handwerker von Beruf, hat Challenge League gespielt, aber vom Fussballlohn konnte er nicht leben. Diese Realitäten sollte man kennen und das Thema sachlich diskutieren. Ein zweites, aus linker Perspektive heikles Thema ist: Wenn jemand bereit ist, viel Geld zu investieren, aus welchen Gründen auch immer, will er nicht, dass ihm andere, die wenig oder fast nichts investiert haben, dreinreden. Ob es Mittel gäbe, den demokratischen Einfluss auf die Fussball-AGs zu erhöhen, kann man sich überlegen, ebenso, ob es eine andere Organisationsform gäbe. Aber die Fragen werden dieselben bleiben: Wieviel Geld haben wir, welche Löhne müssen wir zahlen, wie halten wir es mit Honoraren von Spielervermittlern? Und sind wir auch bereit, in der zweit- oder dritthöchsten Liga zu spielen, wenn der Erfolg ausbleibt?

Unsere Saiten-Frage ist ja die: Man diskutiert über Führungsquerelen, ärgert sich öffentlich, dass Leute am Laufmeter den
Hut nehmen und sich gegenseitig Misswirtschaft vorwerfen. Aber man kann nichts tun. Drum: Wenn der Fussball schon ein so grosses Gewicht in einer Stadt hat, soll die Bevölkerung auch mitreden können.

Ich verstehe das Anliegen. Aber es ist in St.Gallen explizit nicht erwünscht. Die St.Galler Politik hat beim Stadionbau günstige Bedingungen geschaffen mit einer Landschenkung (was man heute sicher nicht mehr machen würde – man würde das Land im Baurecht abgeben zu einem günstigen Zins). Aber es wird kein Politiker von links bis rechts bereit sein, sich im strategischen oder operativen Geschäft eines Fussballvereins zu engagieren. Denn das ist dermassen mit Unsicherheiten und Risiken verbunden.

Inwiefern?


Bei einem Verein wie dem FCSG ist bei einem sportlichen Misserfolg die Gefahr eines finanziellen Schiffbruchs zu gross. Es gibt zwar einen aus allen Parteien zusammengesetzten Beirat, der versucht, ein günstiges Klima zu schaffen und Anliegen des Vereins in die Politik hineinzubringen. Aber alles, was darüber hinaus ginge, ist viel zu riskant.

Das ist zum Beispiel bei der Olma anders. Oder in der Kultur generell: Die Öffentlichkeit stellt Infrastrukturen zur Verfügung und Gelder für den Betrieb. Die St.Galler Stimmberechtigten entscheiden nächstes Jahr über die Theaterrenovation, und bei der Olma soll der Deckel über der Autobahn aus Steuergeldern bezahlt werden. Diese Art Engagement ist offensichtlich unbestritten, und entsprechend gibt es dafür Körperschaften, in diesem Fall Genossenschaften, die ein Mitspracherecht sicherstellen. Warum ist das beim Fussball anders?

Aufgabe des Staats ist es, und darüber herrscht ein grosser Konsens von links bis rechts: Spielstätten zur Verfügung zu stellen für den Breitensport – und je nach Fall auch für den Spitzensport. Im Stadtparlament gibt es denn auch für Sportvorlagen fast immer satte Mehrheiten. Darüber hinaus ist man sich ebenfalls einig, dass Vereine darin unterstützt werden sollen, ihre gesellschaftliche Aufgabe wahrzunehmen. Dafür steht die Charta «Sport-verein-t» der Interessengemeinschaft der St.Galler Sportverbände.

Worum geht es da?


Die Charta setzt Standards in Sachen Integration, Gleichberechtigung, Respekt, Gewaltprävention, Freiwilligenarbeit, solidarische Gesellschaft… alles übrigens gute alte, linke Forderungen. Die Klubs müssen gewisse Anforderungen erfüllen, um Unterstützung zu erhalten. Genau darin sehe ich die Aufgabe des Staats: sportliche Betätigung zu fördern, die gut ist für die Persönlichkeitsbildung und für den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Wenn es um die Spitze geht, zum Beispiel um die nationale Auswahl, fliessen durchaus auch Gelder, aber Klubs wie der FC St.Gallen bilden einen Zwischenbereich: Sie funktionieren, wenn Private ihre Finanzierung sicherstellen. Und falls nicht… Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die St.Galler Bevölkerung auch damit leben kann, wenn der FC St.Gallen einmal zweitklassig ist.

Die Öffentlichkeit soll nicht dreinreden dürfen, auch wenn die Führungsriege schlechte Arbeit macht?

Dass Kantons- und Stadtparlament 2010 Nein gesagt haben zu einer Finanzspritze, um den damals drohenden Konkurs des FC abzuwenden, hatte genau mit dieser Haltung zu tun: Wir sind nicht bereit, Fehler von privaten Akteuren aufzufangen. Darüber herrscht ein breiter Konsens. Übrigens ist es auch aus Gründen des Standortmarketings nicht sinnvoll, in einen FC zu investieren. Fussball ist nichts Nachhaltiges. Auch wenn der FC St.Gallen eine wunderbare Marke ist… Die Frage nach mehr demokratischer Mitsprache ist interessant, aber so wie der Fussball heute organisiert ist, wird man keinen Politiker finden, der sich das antut.

Und das ist auch aus linker Sicht gut?


Ja, ich sehe keinen Grund, warum mit Steuergeldern Fussballer finanziert werden sollen. Ich bin aber bereit, bei den Rahmenbedingungen faire Lösungen zu finden, Stichwort: Polizeieinsätze oder öV-Verbindungen. Das sind dann letztlich politische Entscheide: Wie viel soll man für die Rahmenbedingungen zahlen, und wann soll man sich zurückziehen, wenn man glaubt, dass das Engagement nicht mehr im Sinn der Öffentlichkeit ist? Die Öffentlichkeit kann sich jederzeit zurückziehen, sie kann die Verträge kündigen und die Polizeikosten wieder in Rechnung stellen – soweit spielt die politische Regulierung.

Macht St.Gallen – und allgemein: die öffentliche Hand –
auf dem von dir vorher genannten Feld des Breitensports genug? Oder müsste man dort mehr Mittel bereitstellen?

Ja, das finde ich. Man kann nicht über das Oben reden, ohne auch vom Unten zu reden. Mein Sohn war Junior bei Fortuna, meine Tochter war Juniorin beim FC St.Gallen. Und ich habe gesehen, wie schwierig es oft ist, geeignete Trainerinnen und Trainer zu finden. Das Fussballerische ist dabei weniger das Problem, aber die Trainer sind heute mit hochkomplexen sozialen Aufgaben konfrontiert, nicht nur in Schmelztiegel-Quartieren in der Stadt. Es wäre wichtig, dass sie sich darauf verlassen könnten, Support zu bekommen in schwierigen Situationen. Und dafür sollte sich der Staat in meinen Augen mehr engagieren.

In welcher Art?

Die Vereine übernehmen faktisch Aufgaben der offenen Jugendarbeit oder der Eltern – Eltern sind heute in den Vereinen weniger präsent als früher. Das heisst: Die Arbeit lastet in vielen Vereinen auf wenigen Schultern. Deshalb wäre es zumindest gut, die Vereine gezielt nach ihren Bedürfnissen zu fragen und zu erfahren, woran es ihnen fehlt. An Finanzen? An professionellem Support in sozialen Fragen? Dafür müsste der Staat ein offenes Ohr haben und Geld investieren. Das finde ich politisch wichtiger als eine Diskussion, ob die Stadt Spitzenfussball mitfinanzieren sollte. Wo es um die Bildung geht, sollte der Staat präsent sein und zeigen, dass es ihn interessiert, einen hohen Standard nicht nur im Fussballerischen, sondern auch im Sozialen durchzusetzen.

Um noch einmal mit dem Kulturbetrieb zu vergleichen: Hier wird nicht nur die Ausbildung, sondern auch die professionelle Arbeit mit öffentlichen Mitteln mitfinanziert – gerade auch auf dem höchsten Niveau, in der Champions League der Kultur gewissermassen. Der Markt allein ohne Subventionen reicht nicht aus. Das gilt übrigens auch für die Landwirtschaft oder für den Strassenbau. In der Kultur ist höchstens der Mainstream teilweise selbsttragend.

Der Fussball funktioniert aber anders. Ich bin liberal genug zu sagen: Es ist keine Service-public-Aufgabe, Spitzenfussball zu finanzieren. Spitzenfussball ist quasi das Musical des Sports. Aber zum Service public gehört es, attraktive Bedingungen zu schaffen, damit der Spitzenfussball betrieben werden kann.

Seit einigen Jahren gibt es eine IG Sportstadt St.Gallen. Was müsste man tun, um tatsächlich Sportstadt zu sein?

Ein Thema wäre die Nachwuchsförderung. Beispiel Future Champs Ostschweiz: Bisher gingen die Teilnehmer der Fussballakademie nach Bürglen in die Schule, ab 2018 übernimmt die Privatschule SBW die schulische Betreuung. Ich bedaure es sehr, dass die Stadt, die ja selber auch eine Talentschule für Sport und Musik führt, es nicht geschafft hat, Partner von Future Champs zu werden. Ein zweites Thema: Wenn die Stadt St.Gallen sich in einem fussballerischen Thema engagieren und als Sportstadt auffallen wollte, müsste sie den Frauenfussball stärken. Da gäbe es noch viel zu tun. Heute werden die Kräfte verzettelt, viele Mädchen trainieren in umliegenden Gemeinden. In der Stadt müsste ein starkes Angebot da sein für alle Altersklassen. Vielleicht braucht es dazu eine Anschub-Finanzierung der Stadt. Und drittens, generell: Das ehrenamtliche Engagement und die Freiwilligenarbeit in den Vereinen kann man nicht genug loben und stützen.

Und vielleicht sogar finanziell honorieren?


Das ist ein heikles Feld. Je mehr Geld fliesst, umso eher schwächt man die ehrenamtliche Arbeit. Leute machen viele Dinge gern und nicht wegen des Geldes – aber wenn sie sehen, dass der Kollege links und rechts dafür bezahlt wird, sind sie nicht mehr bereit, sie weiterhin gratis zu machen.

Von ganz unten nochmal nach ganz oben: Gesetzt den Fall,
dass ein chinesischer Investor den FC St.Gallen übernimmt, weil es mit den heutigen Strukturen halt doch nicht reicht, ganz
oben zu bleiben: Gehst du dann immer noch in die Arena, oder gibt es eine Grenze der Fantreue?

Das ist eine rhetorische Frage, insofern, als alle heutigen Aktionäre einen solchen Verkauf ja verhindern können. Wenn aber niemand mehr bereit ist, Geld aufzuwerfen, muss man sich fragen, ob der Klub in der Liga, in der er spielt, noch eine Daseinsberechtigung hat. Dann müsste man ihn vielleicht «herunterfahren».

Absteigen statt sich verkaufen? Und danach wieder im Espenmoos spielen?

Xamax oder Servette sind Beispiele in der Schweiz. Oder München 1860: Nachdem sich ein Investor zurückgezogen hatte, musste die Mannschaft in der vierten Liga neu anfangen. Aber die Fans kommen weiterhin. Sie sind offensichtlich bereit, solche Entwicklungen mitzutragen.

Die FCSG-Fans kämen auch in der 1. Liga noch?
Wenn die Frage ist, ob man sich dem Teufel verkaufen oder 1. Liga spielen will, würden die Fans sich vermutlich fürs zweite entscheiden.

Bloss werden sie nicht gefragt…
Klar, aber: Wenn die Geschäftsleitung den Verein unverantwortlich führt, werden ihm nicht nur die Fans, sondern auch die Sponsoren wegbrechen. In Deutschland ist das anders. Red Bull kann einen Retortenklub finanzieren, dank den Fernsehrechten und dem grossen Werbemarkt ist das dort interessant. In der Schweiz sind die Finanzflüsse zu klein. Man braucht eine lokale Abstützung. Ein Beispiel: Die Entlassung von Trainer Joe Zinnbauer kam massgeblich zustande, weil die Fans sich einfach geweigert haben, die neue Saisonkarte zu kaufen. Eine gewisse Macht hat man also schon, die Vereinsgeschicke mitzulenken.

Man sagt gern, der FC St.Gallen sei ein «Kulturgut». Dazu passt eine rein privatwirtschaftliche Organisationsform
doch nicht – gerade auch, weil sich Fussball in einem Feld der intensiven öffentlichen Anteilnahme bewegt.

Das stimmt. Fussball hat neben Gewalt die meisten Klicks in den Medien. Entsprechend hoch sind die Ansprüche an die Führung. Einen FC kann man nicht wie ein KMU führen. Hier ist man unter permanenter Beobachtung. Der Erregungszustand ist Teil des Systems. Ich stelle das an mir selber fest. Der Fussball ist meine Sondermülldeponie. Hier kann ich meine negativen und freudigen Gefühle loslassen. Wenn St.Gallen verliert, ist meine Laune im Keller. Und ich diskutiere mit meinen Freunden stundenlang darüber, was schief gelaufen ist und wie man es besser machen könnte.

Dieser Beitrag erschien im Novemberheft von Saiten.

FC St. Gal­len vs. Lau­sanne-Sport – Die Es­pen er­kämp­fen sich die 3 Punk­te

Nach ei­ner ganz pas­sa­blen ers­ten Halb­zeit der Es­pen so­wie Füh­rung durch ei­nen Elf­me­ter von Gört­ler vor der Pau­se, spie­len die St. Gal­ler die­ses Re­sul­tat an­schlies­send her­un­ter und ho­len sich die 3 Punk­te.

Von SENF Kollektiv,
Senf

Die Ge­walt hat ei­nen Schlüs­sel

Mehr als vier­ein­halb Stun­den dau­er­te Der Pro­zess Pe­li­cot im Thea­ter St.Gal­len. Mi­lo Rau und Ser­va­ne Dè­cle in­sze­nier­ten ei­nen Abend über se­xua­li­sier­te Ge­walt und che­mi­sche Un­ter­wer­fung – und über ei­ne Ge­sell­schaft, die von Män­nern mehr Ver­ant­wor­tung ver­langt.

Von Philipp Bürkler,
DSC02202 Kopie

Men­schen­rech­te sind kei­ne Selbst­ver­ständ­lich­keit

Die Men­schen­rech­te ste­hen welt­weit un­ter Druck. Doch wie kon­se­quent setzt sich die Schweiz für sie ein? Ein neu­es Buch nimmt die Schwei­zer Men­schen­rechts­po­li­tik kri­tisch un­ter die Lu­pe. An der Buch­vor­stel­lung im Squa­re wur­de über Wi­der­sprü­che, Ver­säum­nis­se und mög­li­che Lö­sun­gen dis­ku­tiert.

Von Marion Loher,
3 F1 A4812 web

Die Po­li­zei woll­te nichts se­hen und nichts hö­ren

In ei­ner Ten­nis­hal­le im tog­gen­bur­gi­schen Un­ter­was­ser tra­fen sich vor zehn Jah­ren 5000 Neo­na­zis zum gröss­ten Rechts­rock-Kon­zert, das je im deutsch­spra­chi­gen Raum statt­ge­fun­den hat. Lin­ke Po­li­ti­ker:in­nen re­agier­ten schnell, doch das Er­geb­nis ist er­nüch­ternd.

Von Hans Stutz,
2610 RIO Saalbild

Leopoldstadt am Vorarlberger Landestheater

Ver­schwun­de­ne Na­men im Fa­mi­li­en­stamm­baum

Von Sieglinde Wöhrer,
Leopoldstadt R anjakoehler 260217 1

Stimmrecht

Im Re­gen tan­zen

Von Liliia Matviiv,

Ern­ten in der Grau­zo­ne

Ern­te­hel­fer:in­nen sind in der Schweiz schlecht ge­schützt. Ih­re Ar­beits­be­din­gun­gen lie­gen oft in Grau­be­rei­chen, Kon­trol­len sind schwie­rig. Ei­ne Ver­än­de­rung wür­de je­doch be­deu­ten, ein gan­zes Sys­tem auf den Kopf zu stel­len.

Von Daria Frick, Bilder: Ueli Steingruber,
2610 Erntehelferei 260044 us 0218 max

Bücherherbst: Die Geschichte der Schweizer Uhrmacherkunst von Gion Mathias Cavelty

Gran­dio­se Gro­tes­ke

Von Florian Vetsch,

Ein En­de mit Aus­ru­fe­zei­chen

Die St.Gal­ler Re­stau­rants Tos­ca­na und The Pinch mach­ten ver­gan­ge­ne Wo­che über Nacht dicht. 15 Per­so­nen stan­den un­vor­be­rei­tet auf der Stras­se. Das ver­ant­wort­li­che In­ves­to­ren-Duo schliesst nicht zum ers­ten Mal ein Re­stau­rant in der Stadt. Das ab­rup­te En­de wirft Fra­gen auf.

Von Andi Giger,
IMG 5751

Volks­bad­sa­nie­rung: Trau­er­spiel seit über 40 Jah­ren

Die Stadt St.Gal­len muss spa­ren und will das his­to­ri­sche Volks­bad nach der Wie­der­eröff­nung des Hal­len­bads Blu­men­wies schlies­sen. Da­bei ver­spricht die Stadt seit über 40 Jah­ren die Sa­nie­rung.

Von René Hornung,
Volksbad rene hornung 1

Der St.Gal­ler Kul­tur gehts an den Kra­gen

Die St.Gal­ler Re­gie­rung spart ge­gen ih­ren Wil­len wei­te­re 60 Mil­lio­nen Fran­ken ein und rech­net für 2027 mit ei­nem Plus von 55 Mil­lio­nen Fran­ken. Kul­tu­rel­le Ar­beit wird da­bei wei­ter pre­ka­ri­siert – mit ei­ner gros­sen Aus­nah­me.

Von Roman Hertler,
Kanton sparmassnahme

Filminstallation über Vergänglichkeit

Nur Vor­wärts

Von Daria Frick,
Emilija Skarnulyte Time of Arrow 2026 Kunstmuseum St Gallen Lokremise Foto Stefan Altenburger

Win­tis Glücks­fall

Die al­ten Fa­brik­hal­len sind aus Win­ter­thurs Kul­tur­le­ben nicht mehr weg­zu­den­ken. Sie wä­ren aber nichts oh­ne en­ga­gier­te und gut ver­netz­te Men­schen. Sai­ten konn­te auf Ein­la­dung des Kul­tur­ma­ga­zins «Coucou» ei­ni­ge von ih­nen tref­fen. Ein klei­ner Stadt­rund­gang

Von Roman Hertler, Bilder: Daria Frick,
2609 Staetevergleich DSC 6589

Sai­son­start mit pu­rem Wahn­sinn

Das Kon­zert und Thea­ter St.Gal­len zeigt ein­dring­lich auf: Fe­mi­zi­de exis­tie­ren in der Schweiz noch im­mer im un­ge­heu­ren Aus­mass. Die In­sze­nie­rung von Co­rin­na von Rad setzt auf das Gro­tes­ke in Ge­org Büch­ners Woy­zeck und fei­er­te am Sams­tag Pre­mie­re im Gros­sen Haus. Ei­ne Pro­duk­ti­on für «je­der-Mann»!

Von Viviane Sonderegger,
7228 dsc00923

Es kratzt, knallt und schep­pert

Viel En­er­gie und noch viel mehr Punk gibts auf dem neu­en Al­bum Now To Ru­in der Thur­gau­er Band S.G.A.T.V.. Ge­tauft wird am 1. Ok­to­ber im Win­ter­thu­rer Kraft­feld. Sai­ten hat vor­ab rein­ge­hört.

Von Jeremias Heppeler,
1000229093

Bak­te­ri­en und ein Fun­ke Hoff­nung 

Wie kön­nen wir un­se­ren Kon­sum nach­hal­ti­ger ge­stal­ten? In «Next Re­la­ti­ons – Zu­kunft ge­stal­ten» zeigt das Ge­wer­be­mu­se­um Win­ter­thur an­hand von Ar­bei­ten von Stu­die­ren­den mög­li­che An­sät­ze. Ei­ne an­spruchs­vol­le Schau, die Hoff­nung macht.

Von Vera Zatti,
3 gewerbemuseum winterthur next relations leon ehrmann matthis plaga 300dpi a5 1

Mas­ku­li­ni­tät als Spek­trum

Die Aus­stel­lung «Bey­ond the Ma­nos­phe­re. Mas­cu­li­n­i­ties to­day» im Kunst­mu­se­um St.Gal­len un­ter­sucht, wie Männ­lich­keit dar­ge­stellt, ge­prägt und ge­lebt wird. Und zeigt da­bei auch ih­re Wi­der­sprüch­lich­keit.

Von Lilli Kim Schreiber,
Ausstellungsansicht en Foto Sebasti

Tra­gi­ko­mö­die über das Le­ben

Ein Schre­ber­gar­ten wird im neu­en Ro­man Ver­tei­di­gung ei­nes Gar­tens von Chris­ti­na Wal­ker zum Zu­fluchts­ort. Dar­in lässt die Vor­arl­ber­ger Au­torin viel­schich­ti­ge Cha­rak­te­re eben­so auf­blü­hen wie Ap­fel­baum und Jo­han­nis­strauch. 

Von Annette Raschner,
Christina walker foto petra rainer 2026 farbe

Mit­spie­len dür­fen. Aber auch die Spiel­re­geln mit­be­stim­men?

Der Kan­ton St.Gal­len hat Kunst- und Kul­tur­schaf­fen­de zur jähr­li­chen Kul­tur­kon­fe­renz nach Wil ein­ge­la­den. Spie­le­risch wur­de ver­sucht, die Aus­rich­tung der Kul­tur­för­de­rung zu klä­ren und Mög­lich­kei­ten der neu­en Kul­tur­stra­te­gie zu dis­ku­tie­ren. Doch die zen­tra­le Fra­ge blieb of­fen: Wie stark kann die Kul­tur­sze­ne den In­halt der Stra­te­gie tat­säch­lich mit­be­stim­men?

Von Philipp Bürkler,
IMG 0333
Heftvorschau 10/26
Erntehilfe, Unterwasser, Bücherherbst

Wer als Ern­te­hel­fer:in in der Schweiz ar­bei­tet, tut dies in ei­ner recht­li­chen Grau­zo­ne. Das nützt vor al­lem ei­nem Sys­tem, das we­der die Land­wirt:in­nen noch die Kon­su­ment:in­nen im Al­lein­gang än­dern kön­nen. Aus­ser­dem im Ok­to­ber­heft: zehn Jah­re Un­ter­was­ser, ei­ne Fla­schen­post aus Hal­le (Saa­le), Kunst zum The­ma Männ­lich­keit, Mu­sik von The Black Salt und na­tür­lich der Bü­cher­herbst – mit neu­er Li­te­ra­tur von Ost­schwei­zer Au­tor:in­nen.

Saiten 2610 Cover