Was war das für ein Fussballabend – 2:0 gegen den Angstgegner Vaduz. Nach elf Super-League-Spielen gegen die Liechtensteiner resultierte endlich der erste Sieg in der höchsten Liga. Das Wissen Giorgio Continis um seine ehemalige Mannschaft hat Früchte getragen. Contini kennt nicht nur Vaduz und dessen Spielweise bis ins Detail. Wie er von sich selbst behauptet, weiss er auch bei den weiteren Gegnern in der höchsten Schweizer Liga über Laufwege und kleinere oder grössere Einzelheiten im Spielaufbau Bescheid.
Das lässt auf Grosses hoffen und markiert zugleich einen Paradigmenwechsel in der Führungskultur an der Seitenlinie des FCSG. Während Joe Zinnbauer – und auch Jeff Saibene zuvor – stets betonten, sich auf die eigene Leistung konzentrieren zu wollen, möchte Contini dem Gegner einen Schritt voraus sein, indem er seine Mannen auf dessen Spielweise einstellt. Dies liess sich zum Teil bereits beim Auftaktsieg gegen Lausanne, spätestens aber im Spiel gegen Vaduz erkennen. Die Liechtensteiner starteten wohl besser und kamen sogleich zu einigen Chancen. Doch die St.Galler liessen sich dadurch nicht aus dem Konzept bringen, standen tiefer als auch schon, spielten konzentriert und bauten das Spiel von hinten auf. Schliesslich siegten die Espen verdient mit 2:0.
Continis Einfluss zeigte sich erneut beim Auswärtsspiel in Lugano. Nachdem der FCSG im Luganeser Cornaredo zuletzt mit 3:2 gewinnen konnte, waren die Erwartungen seitens der Fans auch an dieses Spiel gross. In Reisebussen und Autos angereist, fanden sich rund 150 Anhänger im Cornaredo ein. Was die Fans schliesslich geboten bekamen, waren zwei Halbzeiten, wie sie unterschiedlicher nicht hätten sein können.
Die St.Galler starteten schlecht und kamen in der ersten Halbzeit kaum zu Chancen. Auch Lugano brauchte etwas Anlaufzeit, kam nach einer halben Stunde aber mit dem ersten Versuch zum ersten Treffer. Kurz darauf setzte es den zweiten Treffer ab – 0:2 zur Pause. Wie die Mannen des FCSG dann aber aus dem Pausentee kamen, war fast schon unheimlich. Contini hatte definitiv die richtigen Worte gefunden (möglicherweise im Stil von Carsten Rump bei Bielefeld?) – mit einem Doppelpack schafften es die St.Galler, die Partie wieder auszugleichen. Auch Lugano konnte aber reagieren und gewann schliesslich mit 3:2. Für den FCSG ein schlechter Lohn für eine durchaus ansprechende Leistung, vor allem in Halbzeit Zwei. Oder kommt der Lohn einfach erst in der nächsten Saison?
Die Historie sagt: Schweizermeister 2018
Trainerwechsel geben der Mannschaft neue Impulse und sind in vielen Fällen mit Siegen in den ersten Spielen verbunden. So auch beim FCSG. Ob die neuen Ideen mittel- und langfristig für erfolgreiche Spiele verantwortlich zeichnen, muss sich erst noch weisen, denn wie verschiedene Untersuchungen aus der Bundesliga zeigen, hat ein Trainerwechsel oft nur kurzfristigen Einfluss auf den Erfolg des Teams. So drücke sich ein Trainerwechsel vor allem in den ersten drei Spielen in einer Leistungssteigerung aus – danach fehle zumeist eine messbare Verbesserung.
Die Historie lässt aber auf anhaltende, grosse Erfolge des FCSG hoffen. Wie der Kurvenstatistiker Tomi Wunder auf seiner Facebook-Seite schreibt, lassen sich Parallelen in den Auftaktspielen Continis und jenen von Meistertrainer Marcel Koller finden. Auch wenn die Aussagen keine wirkliche statistische Relevanz haben, lassen sie doch schöne, spielerische Vergleiche zu. So war es vor Contini zuletzt Koller, der bei seinem Trainerauftakt einen Auswärtssieg verbuchen konnte (2:0 im Februar 1999 gegen den FC Zürich). Der neue Espen-Coach Contini erzielte damals das erste Tor des Spiels, bevor Jairo mit dem 2:0 den Sieg besiegelte.
Und auch im zweiten Spiel unter dem neuen Trainer war die Koller-Truppe erfolgreich. Gegen den Servette FC Genève gewann der FCSG am 6. März 1999 ebenfalls mit 2:0. Beide Tore erzielte – unsere Leserschaft wird es bereits ahnen –Contini. Ebendiesem gelang es 18 Jahre später als Trainer ebenfalls die ersten zwei Spiele zu gewinnen. Beide Trainer kassierten zudem in den ersten zwei Spielen kein einziges Gegentor. Und es wird noch besser: Auch zum dritten Spiel fragt Statistiker Wunder: «Zufall oder Schicksal?» Wie 1999, im dritten Spiel unter Koller gegen den FC Neuchâtel Xamax (Contini erzielte das 1:3), verlor auch die Contini-Truppe diese Woche im dritten Spiel auswärts gegen Lugano mit 2:3. Wo führt das noch hin? Zum Meistertitel 2018?
Schweres Schlussprogramm
Trotz aller Euphorie: Auch wenn Contini mit dem FCSG einen guten Start hatte, ist eigentlich noch nicht einmal der Ligaerhalt rechnerisch sicher. Vaduz hat bei drei verbleidenden Spielen acht Punkte Rückstand auf den FC St.Gallen. Die Liechtensteiner müssen noch gegen Lugano, Luzern und Thun ran, während St.Gallen auf GC, Sion und Basel trifft. Können die St.Galler aus den drei Spielen einen Punkt holen, ist der Ligaerhalt dank besserem Torverhältnis (Stand nach 33 Runden: FCSG 37:51, FC Vaduz 41:71) geschafft. Auch dürften die Vaduzer gegen die starken Luganesi und die Thuner Mühe haben. Mit dem Abstieg dürfte der FCSG deshalb nichts mehr zu tun haben. Theoretisch wäre es für die St.Galler gar noch möglich, die Qualifikation für die Europa League zu erreichen.
Darf man sich als FCSG-Fan also wieder nach oben orientieren? In dieser Saison wohl eher nicht, aber mittelfristig ja – zumindest wenn es nach dem neuen FCSG-Präsidenten Stefan Hernandez geht. Man wolle gegen die Kleinen gewinnen und die Grossen mit überragenden Leistungen ärgern, hiess es beim Amtsantritt des Ostschweizer Unternehmers. Das ist Musik in den Ohren eines FCSG-Fans.
Das Senf-Kollektiv besteht aus 15 fussballverrückten Frauen und Männern. Es gibt die St.Galler Fussballzeitschrift Senf («S’isch eigentli nume Fuessball») heraus und betreibt daneben auch einen Blog. Senf kommentiert auf saiten.ch das Geschehen auf und neben dem Fussballplatz.
Am Donnerstag ging für den FCSG der europäische Traum zu Ende. Wie gehen die Espen damit um? Das Spiel gegen den amtierenden Meister dürfte Aufschlüsse geben – live im SENF-Ticker ab 16.30 Uhr.
Nach Jahrzehnten treffen sich Eva und Franz wieder. Beide im fortgeschrittenen Alter. Viel ist passiert und doch ist da noch Zuneigung. Schwindlig heisst der neue Roman der Ostschweizer Autorin Christine Fischer, in dem vielschichtige Charaktere auf feines Sprachgefühl treffen.
Dieses Wochenende eröffnet die offene Werkstatt Meter den neuen Standort an der Burgstrasse. Und im November zügelt Offcut nach St.Fiden. Das ist der Anfang vom Ende der Gemeinschaft «Ulmen5» – zumindest in ihrer bisherigen Form. Denn 2027 könnte es zur teilweisen Wiedervereinigung kommen.
Eine neue SRF-Serie porträtiert eine elfköpfige WG aus St.Gallen. Endlich wieder mal eine sehenswerte SRF-Produktion, findet Saiten-Autor Andi Giger.
St. Gallen schlägt sich am Ende auch selbst und muss den Traum von Europa begraben. Entscheidend war er Platzverweise gegen Mihailo Stevanovic vor der Pause.
Drei Kulturmagazine tun sich zusammen, vergleichen ihre Städte und die Herausforderungen, denen die Kultur gegenübersteht. Saiten hat die Kolleg:innen vom «Coucou» in Winterthur besucht und das «Null41» war in St.Gallen zu Besuch. Ausserdem im Septemberheft: lauter Jubiläen – von Anita Zimmermann über das Figurentheater bis zur Museumsnacht –, ein Pfarrer auf braunen Abwegen, eine Flaschenpost aus Afghanistan und ein Interview zum Hitzesommer und dem Klimawandel.
An seiner ersten Pressekonferenz als Leiter der St.Galler Kellerbühne schildert Hüseyin Cirpici seine Eindrücke der Stadt und verrät, was das Publikum unter seiner Regie erwartet.
Der St.Galler Komponist Charles Uzor hat eine Art politisches Oratorium geschrieben. Am Sonntag wurde es in der Kirche Trogen aufgeführt: The Great Wall. A Labyrinth mit dem grandiosen New Yorker Vokalensemble Ekmeles.
An den Appenzeller Bachtagen erklärte die Medienwissenschaftlerin Mercedes Bunz, weshalb die künstliche Intelligenz kreativ sein kann – und warum sie dennoch grundlegend anders arbeitet als der Mensch.
Kunstausstellung
Gesellschaftskritik, Wirbelsäulen und Gelenke, die keine sind. Im Rahmen einer Zwischennutzung zeigen vier Kunstschaffende noch bis zum 29. August ihre Arbeiten im Kubik-Areal in St. Gallen.
Die Kultur hat keine Lobby? Am Stadtkulturgespräch vom Donnerstagabend im Talhof war sie da: Vertreter:innen von acht Berufsverbänden stellten sich vor. Brennendstes Thema waren einmal mehr die Honorare.
Im Kunst Kontor Rorschach lud der Künstler Felix Stöckle zu einem Dinner, einer Ausstellung, einem Happening – zwischen Fine Dining, Keramik, popkulturellen Referenzen und der alten Idee eines geteilten Tisches.
Nach zehn Jahren in der Schweiz wollte sich Samira Rahim mit ihrer Familie einbürgern lassen. Die zahlreichen bürokratischen Hindernisse und die hohen Kosten brachten die Familie zeitweise fast dazu, aufzugeben.
Berlingen hat eine neue Methode der Interessenabwägung entwickelt: eine Analyse des Ortsbilds als Grundlage, um die wertvolle Baukultur zu erhalten und gleichzeitig die Innenentwicklung voranzubringen. Nun steht die Verankerung in der Ortsplanung an.
SP-Mann Peter Jans tritt Ende Juni 2027 aus der St.Galler Stadtregierung zurück. In seiner Partei startet die Suche nach einer Nachfolge mit einem klaren Favoriten. Bei den Bürgerlichen sind Schmiede für eine grosse Allianz gefragt.
Im Botanischen Garten St.Gallen geht es ab nächsten Samstag wundersam zu und her: Künstler:innen aus verschiedenen Sparten laden zum szenischen Rundgang unter dem Titel In der Dämmerung wächst ein Flüstern. Ein Probenbesuch.
Der Dramatiker Andreas Sauter liest am 27. August im Literaturhaus Thurgau aus seinem unfertigen Manuskript Einbruch der Wildnis. Im Zentrum des Werks steht die Frage, was es für einen gesellschaftlichen Wandel braucht.
Die deutsche Filmemacherin Regina Schilling bringt zum 100. Geburtstag von Ingeborg Bachmann Jemand, der einmal ich war ins Kino. Der Dokumentarfilm verknüpft grossartige Archivaufnahmen mit fiktionalen Szenen aus dem letzten Lebensjahr der Dichterin zu einem zugänglichen Plot.
Die SVP macht seit Wochen Stimmung gegen die geplante neue Moschee der albanisch-islamischen Gemeinschaft El-Hidaje in St.Gallen. Anlässlich eines öffentlichen Rundgangs der SP stellten die Verantwortlichen das Projekt vor – und räumten mit vielen Vorurteilen auf.