Zuerst einmal: Eigentlich muss niemand irgendwas über Biologie wissen, um trans Menschen ein Leben in Würde zuzugestehen. Wenn ich mit einer Hündin namens Bella spazieren gehe und mir jemand sagt: «Oh, sonen Herzige! Wie heisster?», und ich antworte: «Sie heisst Bella», dann macht mein Gegenüber mit hoher Wahrscheinlichkeit Aussagen wie «ah, hoi Bella, sone Gueti bisch». (Oder was auch immer Menschen zu Hunden sagen.)
Dafür braucht es keine Kenntnisse über Hunde-Biologie. Genau genommen ist es sogar recht egal, denn Hunde haben kein Konzept von Gender.
Trans Menschen sind keine Hunde. Es tut mir also bereits leid, diesen Vergleich überhaupt heranziehen zu müssen. Er dient dazu, zu zeigen, dass cis Menschen – also jene, die selbst nicht trans sind – sehr wohl die Fähigkeit besitzen, von «so en Herzige!» zu «Ah, d’Bella, sone Gueti» zu wechseln. Auch dann, wenn es gar nicht so fest darauf ankommt.
Nun kommt es bei den meisten Menschen aber sehr wohl darauf an, ob man ihre Geschlechtsidentität respektiert oder nicht. Der Grund, warum ich das hier so konstatiere, ist der Umstand, wie viele Leute dann mit dem Thema Biologie unter einem Stein hervorgekrochen kommen: Sie berufen sich darauf, dass trans Menschen ja ein biologisches Geschlecht hätten. Und das sei eindeutig. Wenn ich jedes Mal einen Franken bekäme, wenn mir ein Gegenüber in diesem Kontext was von Chromosomen erzählt, könnte ich eine ganze Pride sponsern.
Anna Rosenwasser, 1990, wohnt in Zürich und ist freischaffende Journalistin. (Illustration: Lukas Schneeberger)
Geschlechtsidentität an «biologischen Körpern» festzumachen, ist aus mehreren Gründen unangebracht. Erstens hat Genderidentität nicht mit dem Körper zu tun, sondern mit einem inneren Wissen. Wenn beispielsweise ich meine Genitalien, meine Fähigkeit, zu gebären, oder sonstwelche als weiblich gelesenen körperlichen Merkmale verlieren würde, würde mich das ja auch nicht zum Mann machen. Gender am Körper festzumachen, wird der Vielfalt von Körpern schlicht nicht gerecht.
Zweitens sind Körper sowieso nicht so binär, wie manche selbsternannten Biolog:innen gerne argumentieren: Etwa 1,7 Prozent aller menschlichen Körper können aufgrund ihrer Ausprägungen gar nicht eindeutig den traditionellen Kategorien «Mann» oder «Frau» zugeordnet werden; neben XX- und XY-Chromosomen gibt es weitere Varianten, und auch Hormone und Genitalien können mehr als zwei Ausprägungen haben. (Wer Genaueres wissen will: Tippen Sie «Intergeschlechtlichkeit» in die Suchmaschine Ihres Vertrauens.)
Dass Körper nicht so zweigeschlechtlich sind, hat aber eigentlich gar nichts mit trans Identitäten zu tun: Gender liegt nicht zwischen den Beinen, sondern zwischen den Ohren.
Ich glaube, der wahre Grund, dass Leute sich mit Biologismen gegen trans Identitäten sträuben, ist ein anderer: Dass Gender keine starre Pflicht ist, sondern ein vielseitiges Spektrum, widerspricht allem, was wir im Laufe unseres Aufwachsens lernen. Wagen es Menschen, sich diesen Normen zu widersetzen – indem sie sich selber sind –, bringt das eine Ordnung durcheinander. Diese Veränderung, das Aufbrechen dieser starren Geschlechterordnung, das macht Angst. Es ist eine Entscheidung, dieser Angst mit verdrängender Ablehnung oder mit respektvoller Neugierde zu begegnen.
Offener Brief an die Bundespolitik
Das Figurentheater St.Gallen wird 70. Was sich verändert hat, warum Puppen Kinder wie Erwachsene faszinieren und wie man auch Jugendliche erreichen kann: ein Gespräch zum Jubiläum.
Die zweite Ausgabe des audiovisuellen Festivals Susurrus in der Mülenenschlucht widmet sich der «mehr-als-menschlichen» Mitwelt. Mit akustischen und performativen Interventionen erkundet das Festival neue Formen der Beziehung zwischen Mensch und Natur.
In der Ausstellung «Die leisen Unterschiede» im Haus zur Glocke in Steckborn befassen sich fünf Künstler:innen mit der Wahrnehmung von Unterschieden.
Kolumne: Heppelers Bestiarium
Mit dem Ensemble TAK aus New York gastierte am Dienstag ein Neue-Musik-Quintett von Weltrang im St.Galler Kultbau. Organisiert vom Zyklus Contrapunkt, hätte der Abend mehr Publikum verdient. Ein Bubble-Problem?
Das St.Galler Kulturmuseum öffnet in der neuen Ausstellung «Stereotypes: Neanderthalerin» den Blick auf diese Steinzeitmenschen. Die Schau mit viel Pink verknüpft geschickt Spiel mit Wissenschaft und Vergangenheit mit Gegenwart.
Das Theater an der Grenze in Kreuzlingen startet heute in die neue Spielzeit. Kürzlich verstarb die prägende Co-Präsidentin Anna Rink. Ausserdem fällt der bisherige Spielort im Kulturzentrum Kult-X bis Ende 2027 weg. Wie der Verein diese Hürden meistert, erzählen Präsidentin Vroni Ellenbroek und Klaus Okrafka aus der Programmleitung im Interview.
St. Gallen startete gut in die Partie, agierte aber oftmals zu umständlich gegen tief verteidigende Sittener und blieb letztlich glücklos.
Auf seinem neuen Soloalbum thematisiert Manuel Stahlberger die Überhitzung. Die klimatische, die gesellschaftliche, die politische. Gemeinsam mit Bit-Tuner hat der St.Galler Musiker dafür einen düsteren, elektronischen Sound gefunden.
An Kleinbauten gehen wir oft achtlos vorbei: Buswartehäuschen, öffentliche WCs, nicht mehr gebrauchte Telefonkabinen oder Feuerwehr- und Strassenwärtermagazine. Aktuell gibt es dazu eine Ausstellung im 1. Stock des Rathauses St.Gallen.
Bis 2050 will die Stadt St.Gallen klimaneutral sein. Karin Hungerbühler und Tobias Fischer-Künzler von der Dienststelle Umwelt und Energie beantworten Fragen zur bevorstehenden Klimawoche und zum Klimaschutz in der Stadt.
Anita Zimmermann alias Leila Bock prägt die St.Galler Kulturszene seit Jahrzehnten – als Künstlerin, als Vermittlerin, als Ermöglicherin. Sie hat Widerstände überwunden und andere Künstler:innen immer wieder herausgefordert. Eine Würdigung
Die St.Galler Museumsnacht findet in diesem Jahr zum 20. Mal statt. Zum Jubiläum blickt Vereinspräsidentin Barbara Affolter zurück und nach vorne. Sie sagt, was die Museumsnacht bis heute ausmacht und wohin sie sich entwickeln soll.
Die Ausstellung «Voller Leben» des Vereins IG Halle Rapperswil wirft Schlaglichter auf künstlerische Schaffensprozesse und ihre Verbindungen zur Natur.
Kolumne: Stimmrecht
Der St.Galler Kunstkiosk wird fünfzehn Jahre alt. Gefeiert wird das mit einer Jubiläumsausstellung im ehemaligen Tiffany Night Club. Die Vernissage ist am 12. September. Saiten hat schon vor der Eröffnung vorbeigeschaut.
Musiktheater
Zum 36-jährigen Bestehen seiner Galerie Macelleria d'arte transformiert Francesco Bonanno ein leerstehendes Gebäude am Roten Platz in St.Gallen in ein buntes Haus voller Kunst. Was als kleines Projekt begann, wuchs zu einem Gemeinschaftswerk von fast 100 Kunstschaffenden.
St.Gallen und Luzern haben mehr gemeinsam, als man zunächst denkt – oder doch nicht? «Null41» war mit der Saiten-Redaktion in St.Gallen unterwegs.